29.01.2021, 20.07 Uhr

Coronavirus-News aktuell am Freitag: Corona-Lockerungen in Sachsen ab 15. Februar denkbar

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt weiterhin auf einem hohen Niveau. 14.022 Neuinfektionen meldete das RKI am Freitag. Um die Verbreitung der Corona-Mutation zu verhindern, gilt in Deutschland ab Samstag eine weitreichende Einreisesperre. Die Coronavirus-News vom Freitag.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen. Bild: dpa

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 14.022 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 839 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI am Freitagmorgen bekanntgab. Vergangenen Freitag hatte das RKI 17.862 Neuinfektionen und 859 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet.

Coronavirus-News aktuell: RKI meldet 14.022 Corona-Neuinfektionen am Freitag

Der Höchststand von 1.244 neuen Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden - darin waren jedoch 3.500 Nachmeldungen enthalten.

Sieben-Tage-R laut RKI aktuell bei 94,4

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Freitagmorgen bei 94,4. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Zahl schwankte danach und sinkt seit einigen Tagen wieder - am Donnerstag lag sie erstmals seit Ende Oktober unter 100.

Bisher 55.752 Corona-Tote in Deutschland seit Beginn der Pandemie

Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie 2.192 .850 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 29.01., 00.00 Uhr). Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte noch deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 55.752. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1.898.900 an.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Donnerstagabend bei 0,90 (Vortag 0,87). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 90 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Alle Coronavirus-News am 29.01.2021 im News-Ticker

+++ Kretschmer: Corona-Lockerungen ab 15. Februar denkbar +++

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) ist zuversichtlich, dass es bei einem weiteren Absinken der Corona-Zahlen schon ab Mitte Februar Lockerungen geben kann. Man könne aber nicht alle Lockerungen auf einmal starten, weil es dann zu viel Mobilität gebe, sagte er am Freitagabend bei einem Online-Forum zur Situation in Sachsen. Daran hatten sich zeitweilig rund 800 Menschen über Zoom, Facebook und Youtube zugeschaltet. Rückblickend wäre jede Woche Lockdown früher besser gewesen, räumte Kretschmer ein.

Der Regierungschef war dafür kritisiert worden, dass er sich auf Gespräche mit Leugnern der Corona-Pandemie und anderen Kritikern von Beschränkungen einlässt. Er wisse, dass man manche Menschen nicht erreichen kann, konterte Kretschmer. Er wolle aber jede Gelegenheit nutzen, Entscheidungen zu erklären. Welche Lockerungen die übrigen Bundesländer anstreben, das lesen Sie hier!

+++ Einreisesperre für Corona-Mutationsgebiete ab Samstag +++

Für Länder, in denen sich besonders ansteckende Varianten des Coronavirus stark ausgebreitet haben, gilt in Deutschland ab Samstag eine weitreichende Einreisesperre. Das Kabinett beschloss am Freitag ein Beförderungsverbot für Fluggesellschaften, Bahn-, Bus- und Schiffsunternehmen bis zum 17. Februar, das aber zahlreiche Ausnahmen unter anderem für alle Deutschen und in Deutschland lebenden Ausländer sowie für Transitpassagiere und den Warenverkehr vorsieht, wie das Bundesinnenministerium der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage bestätigte.

+++ Neue Version der Corona-Warn-App mit mehr Informationen verfügbar +++

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes steht in einer neuen Version zum Herunterladen bereit. Die Anwendung enthält nun einen Info-Bereich mit den wichtigsten Kennzahlen zum aktuellen Infektionsgeschehen in Deutschland. Den dort veröffentlichten Zahlen zufolge haben bislang knapp 230 000 Personen, die selbst positiv auf das Coronavirus getestet wurden, ihre Mitmenschen mithilfe der App vor möglichen gefährlichen Begegnungen gewarnt. Der Tageswert liegt hier bei knapp 1500.

Die Nutzerinnen und Nutzer könnten in der App auch auf die aktuellen Zahlen zu den Neuinfektionen, der Sieben-Tage-Inzidenz und den Sieben-Tage-R-Wert zugreifen. Des Weiteren hätten die Entwickler die Nutzerfreundlichkeit verbessert und einige kleinere Fehler beseitigt.

+++ Hans: Corona-Lockerungen nicht an Datum geknüpft +++

Die bestehenden Corona-Maßnahmen werden nach Worten des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) nicht zu einem bestimmten Stichtag gelockert. Sie "sind und waren nicht an ein Datum geknüpft, sondern hängen von der Infektionslage ab", sagte Hans am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. "Solange wir unser Ziel - mindestens weniger als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche - nicht erreicht haben, müssen wir die strengen Maßnahmen aufrechterhalten."

Abgesehen von Kitas und Schulen sollte es so lange auch keine Lockerungen geben, sagte Hans. Bund und Länder arbeiteten unabhängig davon derzeit an einem "Perspektivplan". "Dabei ist mir besonders wichtig, dass wir bei den Lockerungen zuallererst unsere Kinder in den Blick nehmen." Der aktuelle Lockdown gilt bis zum 14. Februar. Der sogenannte Sieben-Tage-Inzidenzwert lag am Freitag nach Angaben des Robert Koch-Instituts bundesweit bei 94.

"Wir müssen alles daran setzen, dass diese kürzlich beschlossenen Maßnahmen wirken", sagte Hans weiter. "Die Ausbreitung der Virus-Mutationen aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien bereitet uns große Sorgen." Die Impfung sei "unsere größte Hoffnung, die Corona-Pandemie nachhaltig in den Griff zu bekommen". Der CDU-Politiker fügte hinzu: "Dazu müssen wir Vertrauen in den Impfstoff schaffen und dafür sorgen, dass wir auch genug Impfstoff haben". Der Impfgipfel am Montag sei ein "guter Ansatz", um zusammen einen Weg aus der Krise zu finden.

+++ Einreisesperre für Corona-Mutationsgebiete womöglich schon ab Samstag +++

Für Verbreitungsgebiete besonders gefährlicher Varianten des Coronavirus soll möglicherweise schon ab Samstag (30.01.2021) eine weitgehende Einreisesperre gelten. Das geht aus einem neuen Verordnungsentwurf hervor, mit dem sich am Freitag das Kabinett befasst und der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Darin ist eine Befristung bis zum 17. Februar vorgesehen. Ausnahmen sollen für Personen mit Wohnsitz und Aufenthaltsrecht in Deutschland sowie für den Warenverkehr gemacht werden.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte die neuen Einreiseregeln bereits am Donnerstag angekündigt. Nach derzeitigem Stand sollen sie für Großbritannien, Irland, Portugal, Südafrika und Brasilien gelten. Diese fünf Länder sind von der Bundesregierung bereits als sogenannte Virusvarianten-Gebiete eingestuft worden.

Nach dem Entwurf für das Kabinett, an dem noch Änderungen möglich sind, sollen Fluggesellschaften sowie Bahn-, Bus- oder Schiffsunternehmen ab Samstag aus den genannten Gebieten keine Personen mehr nach Deutschland befördern dürfen. Ausnahmen werden nicht nur für den Frachtverkehr und die in Deutschland lebenden Menschen gemacht, sondern auch für die Beförderung von medizinischem Personal, Ambulanzflüge, den Transport von Transplantationsorganen und Beförderungen aus dringenden humanitären Gründen gemacht. Auch Transitpassagiere sollen ausgenommen werden, genauso wie Crews von Luftfahrzeugen und Schiffen.

Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte der dpa, dass das Innenministerium gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium "einen Verordnungsentwurf erarbeitet und im Ressortkreis vorabgestimmt" habe. Dieser Entwurf werde derzeit zur weiteren formellen Beschlussfassung vom Gesundheitsministerium, das hier federführend sei, finalisiert.

+++ Todesfallzahlen 2020 laufen parallel zum Verlauf der Corona-Pandemie +++

Im Dezember sind in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes 29 Prozent mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der vier Vorjahre. Bereits im November lagen die Sterbefallzahlen 12 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019, wie das Amt am Freitag in Wiesbaden berichtete. Der Blick auf das Gesamtjahr zeigt: Die Zunahme der Todesfälle lief parallel zu den Wellen der Corona-Pandemie.

"Der Jahresverlauf der Sterbefallzahlen war im Jahr 2020 durch verschiedene Sonderentwicklungen geprägt", heißt es in der Jahresbilanz. In der Grippezeit stiegen die Sterbefallzahlen nicht so stark wie sonst um diese Zeit. Im April, als die Pandemie begann, lag die Zahl der Gestorbenen 10 Prozent über dem Durchschnitt der Vorjahre - bei gleichzeitigem Anstieg der Covid-19-Todesfälle.

"Als diese zurückgingen, bewegten sich ab Mai auch die Sterbefallzahlen etwa auf dem durchschnittlichen Niveau der Vorjahre", berichteten die Statistiker. Im August stieg die Zahl der Todesfälle wieder an. "Dieser Effekt tritt im Sommer häufig auf und ging auch in diesem Jahr offenbar auf eine Hitzeperiode zurück", vermuten die Statistiker. Ab Mitte Oktober starben erneut deutlich mehr Menschen als in den Vorjahren - erneut parallel zu den laborbestätigten Covid-19-Fällen.

"Die gestiegenen Sterbefallzahlen im Jahr 2020 sind größtenteils auf eine Zunahme von Sterbefällen in der Altersgruppe der ab 80-Jährigen zurückzuführen", ordnet das Bundesamt ein. "Die Sterbefallzahlen der unter 80-Jährigen liegen etwa auf dem Vorjahresniveau." Besonders auffällig ist die Entwicklung während der zweiten Corona-Welle in Sachsen. Im November waren die Sterbefallzahlen um 39 Prozent erhöht. Im Dezember hat sich die Zahl der Todesfälle mehr als verdoppelt.

+++ Bundesregierung weist zwei neue Corona-Mutationsgebiete in Afrika aus +++

Wegen besonders hoher Corona-Infektionszahlen hat die Bundesregierung ab Sonntag (31.01.2021) zehn weitere Länder in Afrika, Südamerika und Asien als Hochrisikogebiete eingestuft. Zudem wurden Eswatini und Lesotho im südlichen Afrika zu Gebieten mit besonders gefährlichen Virusmutationen erklärt, wie das Robert Koch-Institut am Freitag im Internet bekanntgab. Für die Mutationsgebiete plant die Bundesregierung eine weitreichende Einreisesperre. Dazu zählen bisher schon Großbritannien, Irland, Portugal, Südafrika und Brasilien.

Bereits jetzt müssen Einreisende aus Mutationsgebieten bei Einreise einen negativen Corona-Test vorweisen, sich dann für zehn Tage in Quarantäne begeben, von der sie sich nach fünf Tagen befreien können. Das gilt auch für die Hochrisikogebiete, von denen es jetzt schon mehr als 20 gibt. Bei der Einreise aus «normalen» Risikogebieten - weitere rund 130 Länder - kann man sich auch erst bis zu 48 Stunden nach Ankunft in Deutschland testen lassen.

Die neuen Hochrisikogebeite ab Sonntag (31.01.2021) sind: Afghanistan, Botsuana, Ecuador, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Sudan und Syrien.

+++ Bund wirbt vor Impfgipfel für gemeinsames Vorgehen +++

Die Bundesregierung wirbt vor dem geplanten Impfgipfel an diesem Montag für ein gemeinsames Vorgehen und will Möglichkeiten für einen Ausbau der Impfstoffproduktion ausloten. Regierungssprecher Steffen Seibert dämpfte am Freitag in Berlin aber Erwartungen, dass mit konkreten Beschlüssen zu rechnen sei. Es gehe um einen Austausch zur weiteren Impfstrategie und eine gemeinsame Informationsbasis zu Möglichkeiten, an welchen Schrauben noch gedreht werden könne. Es sei wichtig, bei den Impfungen an einem Strang zu ziehen - der Bund bei der Impfstoffbeschaffung und die Länder bei den Impfungen vor Ort.

Angesichts erheblicher Kritik am schleppenden Impf-Beginn und Produktionsproblemen bei einigen Herstellern will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag über die Lage beraten. An einer Videokonferenz sollen die Ministerpräsidenten der Länder, mehrere Bundesminister, Impfstoffhersteller sowie Vertreter der EU-Kommission teilnehmen, die für die gesamte EU Impfstoff bei verschiedenen Herstellern einkauft.

Seibert betonte, die Bundesregierung tue alles dafür, um positive Rahmenbedingungen für die Impfstoffproduktion zu schaffen. Derzeit wünschten sich alle mehr Impfstoff. Es sei aber auch nie gesagt worden, dass bereits im Januar oder Februar so viel vorhanden sein würde, dass man dann schon ganz große Schritte erwarten könne. Alle müssten alle Kräfte einsetzen, um das Impfen voranzubringen.

+++ Paul-Ehrlich-Institut: Kein Zusammenhang zwischen Corona-Impfung und Todesfällen +++

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sieht Impfungen in der Corona-Pandemie bisher nicht als Ursache für Todesfälle. Bislang seien bei rund 1,7 Millionen Immunisierungen 69 Todesfälle gemeldet worden, die eine Stunde bis 18 Tage nach der Impfung auftraten, sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek am Freitag. "Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie von der Impfung verursacht wurden", ergänzte er. "Es handelt sich häufig um Personen mit Grunderkrankungen. Es ist plausibel, dass diese Grunderkrankungen zum Versterben geführt haben." Die Toten seien im Alter zwischen 56 und 100 Jahren gewesen. Das PEI im hessischen Langen ist in Deutschland für Impfstoffe zuständig.

Gesichert gemeldet worden seien bisher auch 22 allergische Reaktionen auf die Impfung, die wieder abklangen. "Es ist nicht ganz klar, worauf diese zurückgehen", sagte Cichutek. Nach den Erfahrungen in klinischen Tests sei aber bereits in sehr seltenen Fällen damit zu rechnen gewesen. Deshalb gebe es in vielen Impfzentren eine ärztliche Notfallversorgung. Allergische Reaktionen seien dort "sehr, sehr selten und die Betroffenen erholen sich davon." Entwarnungen gebe es auch bei Gesichtslähmungen als Impfreaktion. Auch sie seien sehr selten und bildeten sich wieder zurück, berichtete der PEI-Präsident.

Erwartbar seien dagegen milde und moderate Impfreaktionen nach drei bis fünf Tagen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, leichtes Unwohlsein oder leichtes Fieber. "Insgesamt haben wir es mit Impfstoffen zu tun, die von Millionen sehr gut vertragen werden und die den nötigen Schutz geben werden, den wir erwarten", resümierte Cichutek.

Dennoch kursiere eine Reihe von Fake News. Es gebe aber keinen Hinweis und keine Grundlage dafür, dass die Impfstoffe in irgendeiner Form den Menschen oder seine Körperzellen genetisch verändern könnten, betonte er. "Es gibt auch keine Hinweis darauf, dass es Probleme mit der Fruchtbarkeit geben wird. Das ist alles Quatsch."

Für Marylyn Addo vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), gibt es auch gute Nachrichten zu den zwei ersten in der EU zugelassenen Impfstoffen. Die bereits bekannten Mutationen des neuen Coronavirus in Deutschland würden vom Impfschutz mit abgedeckt. Auch bei den Vakzinen, die noch im Zulassungsprozess seien, zeige sich das bereits.

Am Donnerstag hatte das PEI bereits von den unerwünschten Reaktionen im ersten Monat seit Beginn der Impfungen (27.12.2020 bis 24.1.2021) berichtet. Demnach wurden ihm 1232 Verdachtsfälle mit insgesamt 3.404 unerwünschten Reaktionen gemeldet. 182 Fälle wurden als schwerwiegend eingestuft. Bezogen auf die Gesamtzahl der Impfungen sind das laut PEI 0,7 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Nebenwirkungen 0,1 Meldungen pro 1.000 Impfdosen.

+++ RKI-Präsident warnt vor zu schneller Lockerung des Lockdowns +++

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hat eindringlich vor zu frühen Lockerungen der staatlichen Corona-Beschränkungen gewarnt. "Wir sind auf einem guten Weg, und wir müssen diesen Weg weiter konsequent bestreiten", sagte Wieler am Freitag in Berlin. Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner habe am Donnerstag in Deutschland erstmals seit Ende Oktober unter 100 gelegen. Aber sie sei nur in den am stärksten betroffenen Ländern Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen gesunken. In den anderen zwölf Ländern sei die Inzidenz nahezu gleich geblieben - in manchen Landkreisen sogar gestiegen.

Besorgt zeigte sich Wieler wegen der neuen, wohl ansteckenderen Corona-Varianten. "Es werden immer mehr Fälle und Ausbrüche der Varianten gemeldet", sagte Wieler. Ob sie gefährlicher sind und ob bereits mit Corona infizierte Menschen immun gegen die neuen Varianten seien, sei noch unbekannt und werde international erst erforscht. Wieler warnte, eine weitere Verbreitung der Varianten würde die Infektionslage in kurzer Zeit wohl deutlich verschlimmern.

"Die Intensivstationen sind immer noch sehr belastet", sagte Wieler. "Einen neuen starken Anstieg an Fallzahlen würden die Intensivstationen derzeit definitiv nicht verkraften." Derzeit gebe es rund 238.000 aktive Covid-19-Fälle. Um Fälle mit neuen Varianten zu entdecken, werde in den Laboren nun verstärkt nach ihnen gesucht.

Der Präsident des für die Zulassungen der Impfstoffe mitzuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, warnte eindringlich davor, zirkulierende "Fake news" über angebliche schwere Nebenwirkungen der Präparate zu glauben. Zu Behauptungen, dass Impfstoffe Körperzellen genetisch modifizieren, sagte er: "Das ist alles Quatsch."

Wieler warb bei den Menschen in Deutschland eindringlich dafür, Schutzmasken zu tragen. Wenn man diese einmal vergesse, solle man sie das nächste Mal tragen. "Wenn Sie sich einmal nicht daran halten können, dann geben Sie nicht auf." Wieler warb zudem eindringlich dafür, angebotene Impfungen wahrzunehmen: "Wenn Sie eine Impfung angeboten bekommen: Bitte lassen Sie sich impfen."

+++ Spahn setzt auf Fortschritte bei Corona-Impfungen +++

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt auf weitere Fortschritte bei den schleppend angelaufenen Corona-Impfungen in Deutschland. "Der Start der Impfkampagne war schwierig", sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Es habe weniger Impfstoff gegeben als aus EU-Bestellungen erwartet, Termin-Hotlines seien teils schwer erreichbar gewesen. Alle Bundesländer machten bei Impfungen zunächst besonders verwundbarer Corona-Risikogruppen aber Fortschritte.

Er könne Ungeduld verstehen, es stünden jedoch noch einige harte Wochen der Impfstoffknappheit bevor. Für das Vertrauen der Bürger sei es wichtig, dass Bund und Länder an einem Strang ziehen, sagte Spahn mit Blick auf den Impfgipfel bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Montag. Dabei gehe es allerdings auch um eine realistische Einschätzung, was kurzfristig an Nachsteuerungen möglich sei.

Spahn begrüßte die anstehende Zulassung des Präparats von Astrazeneca als dann dritter Impfstoff in der EU. Er sei einfacher in der Handhabung. Im zweiten Quartal könnten voraussichtlich zwei weitere Stoffe zugelassen werden. Das Ziel bleibe, im Sommer allen Bürgern in Deutschland ein Impfangebot machen zu können.

Inzwischen wurden laut Spahn mehr als 3,5 Millionen Impfdosen an die Bundesländer gesandt - davon wurden 2,2 Millionen verwendet. Beim Ziel, allen Pflegeheimbewohnern bis Mitte Februar ein Angebot zu machen, sei man auf gutem Weg. Bisher seien 560.000 Bewohner geimpft. Bei insgesamt 800.000 Heimbewohnern sei davon auszugehen, dass etwa 80 oder 90 Prozent das Impfangebot annehmen, so dass wohl eine Größenordnung von 650.000 zu Impfenden zu erreichen sei.

+++ Söder rügt Impfstoff-Beschaffung: EU habe zu spät bestellt +++

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat der Europäischen Union Fehler im Kampf gegen die Corona-Pandemie vorgeworfen. Es sei zu spät Impfstoff bestellt und zudem nur auf wenige Hersteller gesetzt worden, sagte Söder am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". Das Ergebnis sei bislang ungenügend. "Die operative Verantwortung lag in Europa", hielt Söder fest. Man habe die grundlegende Bedeutung unterschätzt.

Nun sei man auch hierzulande einige Wochen nach Beginn des Impfstarts an einen Punkt, an dem die bestellten Mengen nicht ankommen und Impfungen deswegen verschoben werden. "Das ist schon eine sehr, sehr unsichere Situation für so ein wichtiges Thema. Und ich glaube, man hat es auch in Deutschland an einigen Stellen am Anfang unterschätzt", sagte Söder. Nun brauche es «maximale Transparenz» bei der Aufarbeitung der Probleme. Söder begrüßte den Impfgipfel von Bund und Ländern am Montag.

Jetzt gehe es darum, schneller an mehr Impfstoff zu bekommen. "Das kann doch nicht sein, dass ein so großer Kontinent, der wirtschaftlich so stark ist und so viele große Pharma-Unternehmen hat, nicht mehr an Produktion möglich machen kann, als nur ein Werk, dass jetzt gerade in Marburg ans Band gehen soll", sagte Söder.

Der Ministerpräsident zeigte sich skeptisch bezüglich einer Lockerung der Corona-Beschränkungen, die bis Mitte Februar befristet sind. "Ich bin nicht überzeugt, dass am 14. alles aufgehoben wird. Ich finde nicht, dass es ist die Zeit für große Lockerungen ist." Mutation und vorschnelle Lockerungen seien "eine toxische Kombination".

+++ Umfrage enthüllt Impfbereitschaft und Vakzin-Präferenzen bei Medizinern +++

Einer Umfrage von Medwing zufolge, aus der die "Bild" aktuell zitiert, bevorzugt medizinisches Personal bei der Wahl von Coronavirus-Impfstoffen ein besonderes Vakzin. Auf die Frage, mit welchem Impfstoff sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen würden, antworteten knapp 55 Prozent der 1.421 bundesweit befragten Pflegekräfte und Ärzte mit dem Biontech-Impfstoff. Rund 8 Prozent würden das Vakzin von Moderna bevorzugen, lediglich 3,5 Prozent der Befragten würden sich dafür entscheiden, mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft zu werden. 30 Prozent der Befragten gaben jedoch an, sich für keinen der angebotenen Impfstoffe entscheiden zu wollen. Nur knapp die Hälfte der Befragten zieht eine zeitnahe Impfung in Betracht, 27 Prozent verneinten dies, während rund 13 Prozent noch unentschlossen seien. Lediglich 11 Prozent der befragten Mediziner haben sich bereits impfen lassen.

+++ Heil fordert Corona-Zuschuss für Hilfsbedürftige +++

Hilfsbedürftige wie Hartz-IV-Empfänger sollten nach Ansicht von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil neben kostenlosen FFP2-Masken auch einen finanziellen Zuschuss erhalten. Der SPD-Politiker wies in der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag) darauf hin, dass mit der Schließung sozialer Einrichtungen oder Büchereien viele Alltagshilfen wegfielen, die hilfsbedürftige Menschen sonst nutzen können. Hinzu kämen steigende Kosten etwa für Strom oder die Förderung der Kinder.

"Hilfsbedürftige Menschen treffen die lang andauernden Maßnahmen besonders hart", betonte Heil. "Ich will deshalb einen Corona-Zuschuss für hilfsbedürftige Menschen mit dem die größten Belastungen ausgeglichen werden können. Corona darf nicht zur sozialen Spaltung unserer Gesellschaft führen." Auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hat sich für eine finanzielle Kompensation für Bedürftige ausgesprochen.

+++ Kramp-Karrenbauer untersagt Friseure in Kasernen +++

In den Kasernen der Bundeswehr dürfen Friseure wegen der Corona-Pandemie vorerst keine Haare mehr schneiden. "Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat im Laufe des Donnerstag entschieden, dass Friseursalons in Bundeswehrkasernen bis auf Weiteres geschlossen werden", sagte eine Ministeriumssprecherin der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag). Entsprechende Angebote seien per Erlass untersagt worden.

Auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes hätten Soldaten bislang auch in Pandemiezeiten die Dienste von Friseuren in militärischen Liegenschaften in Anspruch nehmen dürfen, so der Bericht. Nach Angaben des Ministeriums war dies etwa wegen des geforderten "korrekten Erscheinungsbilds" von Soldatinnen und Soldaten erforderlich. Es diene auch dem korrekten Sitz beispielsweise einer ABC-Maske. Eigenes Personal - also Friseure unter den Soldaten - habe die Bundeswehr nicht, teilte das Ministerium der Zeitung mit.

Die Ausnahmeregelung hatte für Aufregung unter Friseuren gesorgt. Die Geschäftsführerin des bayerischen Landesinnungsverbands des Friseurhandwerks, Doris Ortlieb, sagte der "Augsburger Allgemeinen": "Es geht nicht an, dass sich Fußballer oder eben auch Soldaten professionell die Haare schneiden lassen, alle anderen dies aber nicht dürfen und ja meistens auch nicht tun." Es rufe großen Unmut hervor, wenn manche Friseure Soldaten die Haare schneiden könnten, andere aber ihre Salons geschlossen halten müssten.

+++FDP-Chef Lindner: Lehrer und Erzieher eher impfen +++

FDP-Chef Christian Lindner fordert, Beschäftigte im Bildungswesen früher gegen das Coronavirus zu impfen. "Bei der Impf-Priorisierung sollten Lehrer und Erzieher vorgezogen werden. Das sind ultra-systemrelevante Berufe. Die sollten früher ein Impfangebot bekommen als geplant" sagte Lindner am Donnerstag dem Fernsehsender phoenix. Dies sei notwendig, um möglichst zeitnah Schulen und Kitas wieder zu öffnen. "Daran hängen die Bildungschancen der Kinder und die Betreuungssituation in den Familien."

Lindner verlangte auch ein Öffnungskonzept für die Zeit nach dem Lockdown. "Zum jetzigen Zeitpunkt zu öffnen, ist zu früh. Aber wir brauchen die Perspektive." Schleswig-Holstein habe mit einem Plan diese Woche vorgemacht, wie eine Öffnung aussehen könnte - zunächst Kitas und Schulen, dann Handel und Gastronomie, später das ganze Land. "Daran sollte sich das Kanzleramt orientieren. Einen solchen Fahrplan braucht Deutschland - besser gestern als heute."

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fka/news.de/dpa

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