16.01.2021, 12.38 Uhr

Impfstoff-Debakel: Lieferausfall bei Corona-Impfstoff! Es könnten 2,6 Millionen Dosen fehlen

Pfizer kann in den nächsten drei bis vier Wochen die bereits zugesagte Menge an Corona-Impfstoff nicht liefern.Bis zu 2,6 Millionen Dosen könnten fehlen. Bei Gesundheitsminister Jens Spahn sollen die Alarmglocken geschellt haben.

Gesundheitsminister Spahn muss mit verzögerter Impfstoff-Lieferung rechnen. Bild: dpa

Es ist eine regelrechte Hiobsbotschaft! Der Pharmakonzern Pfizer rechnet mit einer Einschränkung der Corona-Impfstofflieferungen in Europa in den kommenden Wochen. Maßnahmen zur Erhöhung der Produktion im Werk in Puurs inBelgien würden sich "vorübergehend auf die Lieferungen von Ende Januar bis Anfang Februar auswirken", teilte Pfizer. Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin geht davon aus, dass das Pharmaunternehmen die in den kommenden drei bis vier Wochen bereits zugesagte Menge an Corona-Impfstoff nicht liefern kann. Zunächst war unklar, wie viele Impfdosen nun vorerst nicht zur Verfügung stehen.

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Corona-Impfstoff kommt nicht: Bis zu 2,6 Millionen Impfdosen könnten fehlen

Wenn man davon ausgeht, dass Biontech/Pfizer wöchentlich 670.000 Impfdosen wöchentlich nach Deutschland liefern sollte und nun bis zu vier Lieferungen bedroht sein sollen, fehlen uns nach dem sowieso schon schleppend angelaufenen Impfstart zunächst knapp 2,6 Millionen Impfdosen. Was für ein Rückschlag. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin hatte das Unternehmen die Verzögerungen der EU-Kommission und über diese den EU-Mitgliedstaaten kurzfristig mitgeteilt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und seine Länderkollegen berieten nach Angaben des Sprechers am Nachmittag in einer Schaltkonferenz über die Lage.Wie die "Bild" schreibt, habe ein "Biontech-Vertreter in der Schalte habe vollkommen verzweifelt gewirkt". Zudem soll "gebrüllt worden" sein.

Impfstoff-Debakel: Müssen die Impftermine jetzt verschoben werden?

Der Mainzer Impfstoff-Hersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer bekräftigen danach: "Ab der Woche vom 25. Januar werden wir wieder zum ursprünglichen Zeitplan für die Lieferungen in die Europäische Union zurückkehren (100 Prozent) und die Auslieferungen ab der Woche vom 15. Februar erhöhen (über 100 Prozent), so dass wir in der Lage sein werden, die volle zugesagte Menge an Impfstoffdosen im ersten Quartal und deutlich mehr im zweiten Quartal zu liefern." Genaue Zahlen wurden aber auch in dieser Mitteilung nicht genannt. Die Frage ist: Müssen die Impfungen, die bereits terminlich vereinbart wurden, nun verschoben werden? Noch scheint das unklar zu sein. In Mecklenburg-Vorpommern werde laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig deshalb die zweite Impf-Dosis zurückgestellt, wie sie gegenüber "Bild" erklärte.

Zu wenig Corona-Impfstoff bestellt: EU bestellte zu wenig Dosen im Herbst

Nach Pfizer-Angaben kann es "in naher Zukunft zu Schwankungen bei Bestellungen und Versandplänen" kommen. Der Konzern betonte jedoch, dass die Änderungen in der Fabrik in Belgien zu einer signifikant höheren Anzahl an Impfdosen Ende Februar und im März führen würden. Der Grund liegt auch darin, weil die EU im Herbst 2020 laut "Bild" "viel zu wenig Impfstoff bei Biontech/Pfizer bestellt hat und erst kürzlich auf massiven Druck 300 Millionen Dosen nachbestellte." Das Unternehmen erklärte dazu: "Unsere Pläne sehen eine gerechte Verteilung im Rahmen der Vereinbarungen mit den Regierungen vor und dass jedes Land seine zugewiesenen Dosen über die Laufzeit des Vertrags erhält, obwohl die geschätzten Mengen in einem bestimmten Quartal möglicherweise angepasst werden müssen."

In einem Schreiben an EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides zeigten sich sechs Staaten der Europäischen Union besorgt und appellierten, die EU-Kommission solle sicherstellen, dass die Impfstoffproduktion von Pfizer/Biontech effektiv sei und Chargen schnell geliefert würden. Nach Angaben der finnischen Regierung schrieben Dänemark, Finnland, Schweden und die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen den Brief gemeinsam. Die Kommission müsse alles daran setzen, dass die Impfstoffproduktion von Biontech/Pfizer gesteigert und die Verteilung der Chargen gemäß dem EU-Kaufvertrag und den Bestellungen der Mitgliedstaaten gewährleistet sei.

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rut/news.de/dpa