10.01.2021, 07.53 Uhr

Coronavirus-News am Sonntag: 16.946 Neuinfektionen! Söder verteidigt Lockdown bis Ende Januar

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen und der Todeszahlen bleibt weiterhin hoch. Während Markus Söder die Lockdown-Verlängerung weiterhin verteidigt, streiten Union und SPD weiter über den Impf-Start. Die Coronavirus-News vom Sonntag.

Markus Söder hat den Lockdown bis Ende Januar verteidigt. Bild: dpa

Die deutschen Gesundheitsämter haben am Sonntag 16.946 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 465 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Morgen bekanntgab. An Sonntagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Grundsätzlich ist die Interpretation der Daten momentan schwierig, weil um Weihnachten und den Jahreswechsel Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden.

Coronavirus-News zu aktuellen RKI-Zahlen: Neuinfektionen, Todesfälle und Sieben-Tage-Inzidenz

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Sonntagmorgen bei 162,2. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch enorm: Die höchsten Inzidenzen hatten Sachsen mit 269,8 und Thüringen mit 232,4. Den niedrigsten Wert hatte Bremen mit 74,0. Wegen der Feiertage sind die Wochenwerte aber ebenfalls mit Vorsicht zu bewerten.

DAS sind die neuen Corona-Maßnahmen
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Bisher 1.908.527 nachgewiesene Corona-Infektionen in Deutschland laut RKI

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 1.908.527 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 10.01., 00.00 Uhr). Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 40.343. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1.525.300 an.

Sieben-Tage-R-Wert in Deutschland aktuell bei 1,16

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Bericht vom Sonntag bei 1,16 (Samstag: 1,17). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 116 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Das RKI betont in seinem Bericht aber, dass um den Jahreswechsel Corona-Fälle nur verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt werden, "so dass der R-Wert gegebenenfalls unterschätzt wird".

Coronavirus-Lage in Deutschland am Samstag (09.01.2021) im Überblick

Die aktuellen Geschehnisse und Entwicklungen rund um die Coronavirus-Pandemie lesen Sie hier in unserem News-Ticker zur aktuellen Corona-Lage.

+++ Söder verteidigt Lockdown-Verlängerung - müssen Lockdown vertiefen +++

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die verschärften Corona-Beschränkungen bis 31. Januar verteidigt. "Wir müssen den Lockdown, den wir jetzt haben, verlängern und an einigen Stellen auch noch vertiefen", sagte Söder am Samstag beim digitalen Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen CDU. Mit Verlängerung und Vertiefung bezog sich der Ministerpräsident nach Angaben eines Sprechers darauf, dass in Bayern ab Montag neue Corona-Regeln gelten. Bund und Länder hatten sich erst am vergangenen Dienstag darauf geeinigt, den Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wegen weiter hoher Infektionszahlen bis zum 31. Januar zu verlängern.

Söder sagte, zu viele Menschen suchten noch Schlupflöcher bei den vereinbarten Corona-Beschränkungen oder diskutierten Einzelmaßnahmen. Viele stellten sich auch als Opfer der Pandemie dar. Die wahren Opfer seien aber die fast 40 000 Toten in Zusammenhang mit dem Virus. "Es ist jedes Mal ein kleiner Stich ins Herz." Um jedes Leben werde gekämpft, versprach Söder. "Jeder Tag ist eine neue Bewährungsprobe."

Er habe Verständnis für den Ärger vieler Menschen über die Maßnahmen, vor allem aus der Wirtschaft, sagte Söder. Die versprochenen Wirtschaftshilfen müssten auch endlich kommen. "Es dauert schon sehr lange, und manches wirkt sehr bürokratisch." Erst ab kommender Woche sollten endgültig die Auszahlungen der Novemberhilfen kommen. "Aber wir sind im Januar."

+++ Kramp-Karrenbauer: SPD verlässt anscheinend Weg der Vernunft +++

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner SPD im Impfstreit scharf attackiert. "Die SPD hat anscheinend den Weg der Vernunft verlassen", sagte sie der "Saarbrücker Zeitung" (Samstag). Inmitten der Pandemie mache die Partei mit der Debatte um das Impfen Wahlkampf. "Das hilft ihr nicht, schadet aber bei der Bekämpfung von Corona, weil es die Verunsicherung schürt." Die Sozialdemokraten sollten sich wieder auf ihre Verantwortung für das Land konzentrieren. "So, wie wir es als Union immer tun." Vor allem Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU kritisieren zahlreiche SPD-Politiker seit mehreren Tagen.

+++Söder: Anderswo genehmigte Impfstoffe in EU schneller zulassen +++

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert mehr Schnelligkeit bei der Zulassung von neuen Corona-Impfstoffen. "Wir sollten alle Möglichkeiten nutzen, rasch Impfstoff zu bekommen", sagte der CSU-Chef der "Welt am Sonntag". Die verlässliche Zulassung sei wichtig, aber jeder Impfstoff rette Leben. "Deshalb sollte man nicht die typischen bürokratischen Verfahren wählen, sondern sich in der Tat offensiv um eine Zulassung bemühen. Ein Impfstoff, der in einem Land schon zugelassen ist, könnte auch in der EU schnell zur Zulassung gebracht werden."

Söder kritisierte ferner die mangelnde Bereitschaft beim Pflegepersonal, sich impfen zu lassen. Sollte der Ethikrat eine Impfpflicht für diese Gruppe empfehlen, könnte dies erwogen werden. Zur Erhöhung der allgemeinen Impfbereitschaft regte Söder an, Vorbilder des öffentlichen Lebens impfen zu lassen.

Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Katarina Barley (SPD), warnt unterdessen angesichts des "schleppenden Impfstarts" in der EU vor wachsender Skepsis gegenüber der Staatengemeinschaft. Die EU-Kommission müsse sich aktiv in die Diskussion einbringen, schreibt Barley in einem Gastbeitrag für das Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Es braucht proaktive Kommunikation, Transparenz, etwaiges Eingeständnis von Fehlern und vor allem den Mut der Kommission, die Rolle der Mitgliedsstaaten offenzulegen."

+++ Göring-Eckardt fordert mehr Corona-Regeln für die Wirtschaft +++

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat angesichts anhaltend hoher Corona-Infektionszahlen und des Auftretens einer Virusmutation gefordert, stärker die Wirtschaft bei der Bekämpfung der Pandemie in den Fokus zu nehmen. "Millionen Beschäftigte sind täglich von Infektionen bedroht, weil Schutzmaßnahmen in Unternehmen nicht ausreichen, ohne Not Präsenzpflicht eingefordert wird oder Risiken durch die Anfahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mitgedacht werden", sagte Göring-Eckardt dem "Tagesspiegel" (Sonntag). "Beim Kampf gegen das Virus gehören Wirtschaft und Arbeitswelt ins Zentrum."

Bund und Länder hätten bei Einzelhandel, Kultur und Schulen zwar harte Maßnahmen ergriffen. Für große Bereiche der Wirtschaft und der Arbeitswelt gebe es aber kaum verpflichtende Regeln. Das sei nicht nachvollziehbar und unverantwortlich.

"Bei vielen Verantwortlichen ist noch nicht angekommen, wie bedrohlich die Lage durch das mutierte Virus und zu wenig greifende Maßnahmen geworden ist", sagte Göring-Eckardt weiter. Sie warnte: "Wenn wir nicht rasch mehr tun, um Kontakte und Infektionszahlen massiv zu reduzieren, ist der Ausblick nicht nur düster, sondern katastrophal."

+++ Zoos verlieren Millionen durch Corona - Verband ruft nach Hilfe +++

Der bundesweite Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) drängt angesichts der kritischen Situation in Corona-Zeiten auf staatliche Hilfe. "Wenn unsere Zoos jetzt unverschuldet in finanzielle Engpässe geraten, würden wir es natürlich begrüßen, wenn der Staat Verantwortung übernehmen und passende Hilfsprogramme auflegen würde", sagte VdZ-Geschäftsführer Volker Homes der dpa. "Schließlich können wir unsere Tiere kaum in Kurzarbeit schicken. Diese Hilfe wäre gelebter Tierschutz", sagte Homes.

Allein in Nordrhein-Westfalen, wo es nach Angaben der Initiative NRW Partner Zoo die höchste Zoo-Dichte weltweit gibt, haben die Tierparks durch die coronabedingten Schließungen und Besucherbegrenzungen im vergangenen Jahr Millionen an Einnahmen eingebüßt. Sie leben derzeit von ihren Rücklagen. "Die Kosten laufen weiter - allein 50 000 Euro pro Monat für Futter", sagte der Sprecher des Duisburger Zoos, Christian Schreiner. Der größte NRW-Zoo in Köln verzeichnete 2020 nur rund 700 000 Besucher - halb so viele wie im Vorjahr. Der Einnahmerückgang liege bei rund drei Millionen Euro, sagte sein Sprecher Christoph Schütt.

Nordrhein-Westfalen hatte im Frühsommer 2020 nach dem ersten Lockdown ein Corona-Hilfsprogramm für die Zoos im Bundesland mit insgesamt knapp 12 Millionen Euro Fördervolumen gestartet. Maximal 800 000 Euro pro Zoo wurden ausgeschüttet - Geld, das hochwillkommen war zur Deckung des Defizits, wie mehrere Zoo-Sprecher betonten. Doch das ist lange her. Inzwischen hat sich nach dem erneuten Lockdown Anfang November die Lage wieder verschärft.

Der Zoo-Verband VdZ zeigte sich immerhin "vorsichtig optimistisch", dass die Zoos die Pandemie überstehen werden. Wenn sich eine Schließung aber noch über mehrere Monate erstrecken sollte, werde es "immer schwieriger", sagte VdZ-Sprecher Sebastian Scholze.

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fka/news.de/dpa

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