03.12.2020, 11.34 Uhr

Diskussion um Intensivbetten-Auslastung: Ungeheuerlich! Kliniken sollen Corona-Krise ausgenutzt haben

Es ist ein heftiger Verdacht, der sich aktuell gegen Deutschlands Kliniken richtet. Haben Krankenhäuser in der Corona-Krise die Angst der Menschen für eigene Zwecke ausgenutzt? Das steckt hinter der Interimsbetten-Diskussion.

Ein Intensivbett mit einem Beatmungsgerät steht in einer deutschen Klinik. Bild: dpa

Die Corona-Krise hat Deutschland weiter fest im Griff. Auch am Donnerstag meldeten die Gesundheitsämter wieder 22.000 Neuinfektionen und fast 500 Tote. Die Lage bleibt angespannt, vor allem auch in den Krankenhäusern. Schon vor Monaten schlugen Experten Alarm, indem sie erklärten, dass "die Belastungsgrenze insbesondere auf vielen Intensivstationen schon bald überschritten" sei, sollten ihnen keine finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Ärzte warnten damals: In drei Wochen seien alle Intensivbetten belegt.

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Polit-Schlacht um unsere Intensivbetten? Prognostizierter Klinik-Kollaps bleibt aus

Heute wissen wir, dass die Corona-Belastung auf vielen Intensivstationen zwar stark angestiegen ist, ein Kollaps des Gesundheitssystems trotz zahlreicher Corona-Fälle aber dennoch ausgeblieben ist. Laut "Bild"-Zeitung könnte dies den Verdacht erwecken, dass die Angst der Menschen in der Corona-Krise knallhart für eigene Interessen ausgenutzt wurde.

Zahlen belegen: So ist die Lage in Deutschlands Krankenhäusern

Ein Blick in die aktuellen Zahlen der gemeldeten Intensivbetten aus Deutschlands Krankenhäusern zeigt: Fast 5300 Betten sind noch frei. Laut "Bild" habe sich die Zahl der Corona-Kranken auf den Intensivstationen bei rund 3900 eingependelt. "Von einem Krankenhaus-Kollaps kann keine Rede sein", sagt Gernot Marx, Chef der Intensivmedizin am Uni-Klinikum Aachen, im Gespräch mit "Bild". Zwar sei die Situation "sehr fordernd", jedoch seien wir "von Bergamo weit weg."

Haben Kliniken die Corona-Krise für ihre Zwecke benutzt?

Wie "Bild" erfahren haben will, soll auch in hochrangigen Regierungskreisen der Verdacht kursieren, dass in Schieflage geratene Kliniken das Virus für ihre Zwecke benutzen würde. Heißt zusammengefasst: Eine Sanierung auf Staatskosten. Bereits im Frühjahr habe der Bund, so berichtet es die "Bild", pro Tag 560 Euro für jedes freie Bett bezahlt.

Einer neuen Regelung zufolge sollen die Gelder nun an Intensivstationen in Corona-Hotspots fließen. Ein Punkt, den Verbände wie die Krankenhausgesellschaft scharf kritisieren. "Die Lage auf den Intensivstationen wurde nicht absichtlich überdramatisiert.", stellt Gerald Gaß (57), Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, im Gespräch mit "Bild" zunächst einmal klar. Allerdings sagt er auch, dass man im Oktober "schlicht von einer deutlich höheren Belastung für die Intensivstationen ausgegangen" sei.

CDU-Politiker erhebt schwere Vorwürfe gegen deutsche Krankenhäuser

Deutlicher wird da Erwin Rüddel (64, CDU), Chef des Gesundheitsausschusses, der schwere Vorwürfe gegen einige Krankenhäuser erhebt: "Bei allen hervorragenden Diensten, die unsere Krankenhäuser gerade jetzt in der Pandemie für uns leisten, habe ich den Eindruck, dass einige von ihnen als Pandemie-Gewinner aus der jetzigen Situation hervorgehen wollen.", zitiert "Bild" den Politiker.

Personalmangel in Krankenhäusern: Die Corona-Krise offenbart, wie dramatisch die Lage ist

Man sollte dabei jedoch nicht vergessen: Deutschen Krankenhäusern fehlt es nicht nur an Geld, sondern vor allem auch an Personal. Obwohl in den letzten Jahren immer mehr Beschäftigte in der Pflege gearbeitet haben, konnte die Zahl der Pflegekräfte mit dem wachsenden Bedarf in Krankenhäusern und Pflegeheimen nicht Schritt halten. Die Folgen personeller Unterbesetzung in der Pflege sind für die betroffenen Häuser dramatisch. Einerseits steigen die Kosten für die Personalakquise.

Andererseits verstärken personelle Engpässe die Unzufriedenheit beim verbliebenen Pflegepersonal. Dies wiederum erhöht laut "aerzteblatt.de" auch die Bereitschaft, den Arbeitsplatz zu wechseln, denn die Pflegekräfte in den betroffenen Einrichtungen müssen oftmals über einen langen Zeitraum die personelle Unterbesetzung kompensieren. Eine Tatsache, die den Krankenhausmitarbeitern vor allem in Zeiten von Corona schwer zusetzt. Mit Blick auf das, was Krankenhausmitarbeiter aktuell leisten, dürften die aktuellen Vorwürfe bei vielen Pflegekräften und Ärzten für Entsetzen sorgen.

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sba/news.de

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