26.11.2020, 20.50 Uhr

Coronavirus-News Donnerstag: Patientenschützer: "Werden im Januar die Totenglocken läuten hören"

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt weiterhin hoch. Am Donnerstag meldeten die Gesundheitsämter 22.268 neue Fälle. Nachdem Angela Merkel die neuen Corona-Regeln verkündet hat, gibt es Kritik aus allen Richtungen. Das sind die Coronavirus-News vom Donnerstag.

Angela Merkel beriet sich am Mittwoch mit den Ministern zu neuen Corona-Regeln. Bild: dpa

In Deutschland haben die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 22 268 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Das sind rund 3600 Fälle mehr als am Mittwoch (18 633), wie aus Angaben des RKI vom Donnerstagmorgen hervorgeht. Am Donnerstag vor einer Woche waren 22 609 Fälle gemeldet worden. Am Freitag war mit 23 648 gemeldeten Fällen ein Höchststand erreicht worden.

Coronavirus-News aktuell: Bisher 983.588 Infizierte und15.160 Corona-Tote in Deutschland

Das RKIzählt seit Beginn der Pandemie insgesamt 983 588 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 inDeutschland (Stand: 26. 11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Donnerstag um 389 auf insgesamt 15 160. Am Mittwoch war mit 410 Todesfällen ein neuer Höchstwert erreicht worden. Das RKI schätzt, dass rund 676 100 Menschen inzwischen genesen sind.

Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwochabend bei 0,87 (Vortag: 0,90). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 87 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Coronavirus-News in Deutschland aktuell

+++ Weihnachtsbesuch darf in Berlin im Hotel übernachten +++

Wer über Weihnachten seine Verwandten in Berlin besucht, darf dabei auch in Hotels übernachten. "Wenn es eine Reise ist, die nicht touristischer Natur ist, dann gibt es auch eine Übernachtungsmöglichkeit in den Hotels", sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag nach einer Senatssitzung.

"Aber der Ausgangspunkt ist ein anderer", fügt er hinzu. "Zu Hause bleiben ist der dringende Appell, nicht herumreisen." Wo es aber doch nötig sei, Familienmitglieder zu besuchen, gehe er davon aus, dass das keine touristische Reise sei, bei der man durch die Stadt gehe, sich Sehenswürdigkeiten anschaue oder Einkaufen gehe.

Wegen der Corona-Pandemie dürfen Touristen momentan nicht in Hotels übernachten. Mit seiner Linie im Hinblick auf Verwandtenbesuche zu Weihnachten schließt sich Berlin den Ländern Hessen und Nordrhein-Westfalen an - entgegen dem Willen von Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU).

+++ Maskenpflicht wird in Berlin ausgeweitet +++

In Berlin wird wegen der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen die Maskenpflicht auf der Straße ausgeweitet. Sie werde künftig auf praktisch allen Straßen gelten, wo es viele Geschäfte und damit Begegnungen und Kontakte gebe, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag nach einer Sondersitzung des Senats. Details nannte Müller nicht, er sprach von belebteren Straßen. Schon jetzt gilt auf 35 Berliner Straßen und Plätzen eine Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

+++ Keine Corona-Lockerungen in Berlin über Weihnachten +++

Die von Bund und Ländern verabredeten Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen für private Treffen über Weihnachten und Silvester sollen in Berlin nicht gelten. Darauf verständigte sich der Senat am Donnerstag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Im Corona-Hotspot Berlin könne es keine derartigen Lockerungen geben, hieß es aus Senatskreisen. Demnach sollen sich in Berlin über die Feiertage maximal fünf Personen zu privaten Zusammenkünften treffen dürfen, hinzu kommen Kinder.

Bund und Länder hatten sich hingegen am Mittwoch für Treffen "im engsten Familien- oder Freundeskreis" vom 23. Dezember bis 1. Januar auf eine Obergrenze von zehn Personen plus Kinder bis 14 Jahren verständigt. Zuvor sollen laut Bund-Länder-Beschluss private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten wegen der Infektionslage ab 1. Dezember auf fünf Personen des eigenen und eines weiteren Haushalts beschränkt werden, Kinder bis 14 ausgenommen. Ob die Regelung ab 1. Dezember in Berlin gilt, war zunächst unklar.

+++ Patientenschützer warnen vor hohen Corona-Zahlen nach Weihnachten +++

Mit deutlichen Worten warnt die Deutsche Stiftung Patientenschutz vor steigenden Corona-Zahlen infolge des Weihnachtsfestes. "Wir feiern alle Weihnachten und werden dann im Januar die Totenglocken läuten hören", mahnte Vorstand Eugen Brysch am Donnerstag in Dortmund. Ein Prozent der Infizierten müsse in Krankenhäusern behandelt werden, sagte Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Je nach Prognose könnten das nach zahlreichen Kontakten an den Feiertagen im Januar 250 Patienten sein - pro Tag.

Ostern hätten wir auch anders überstanden, sagte Brysch. "Ich weiß nicht, warum Weihnachten jetzt so überhöht wird." Der Patientenschützer hatte sich schon früher zum Schutz insbesondere der Hochrisikogruppe für flächendeckende Tests etwa von Besuchern und Personal bei jedem Schichtwechsel in Senioren- und Pflegeheimen ausgesprochen.

+++ Edeka übt scharfe Kritik an neuen Corona-Auflagen +++

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka hat scharfe Kritik an der Verschärfung der Corona-Auflagen für den Einzelhandel geübt. "Wir halten die Begrenzung der Kundenzahl ab 800 Quadratmetern Verkaufsfläche für kontraproduktiv und nicht nachvollziehbar", sage Edeka-Chef Markus Mosa am Donnerstag. Die hohe Nachfrage gerade im Weihnachtsgeschäft lasse sich so nicht bedienen.

Der Hinweis der Politik, dass die Verbraucher ihre Einkäufe auf die Wochentage verteilen sollten, sei auch nicht hilfreich, denn das täten die Kunden bereits seit dem ersten Lockdown, meinte Mosa. "Auch bei einer weiteren Verteilung der Kundenströme könnten wir die hohe Nachfrage gerade im Weihnachtsgeschäft nicht bedienen."

Zudem verzerre der Beschluss den Wettbewerb, klagte der Edeka-Chef. Supermärkte mit Bedientheken und einer dadurch höheren Verweildauer der Kunden seien extrem benachteiligt im Vergleich zu Konkurrenten, die nur auf Selbstbedienung setzten. "Das wird einen weiteren Schub geben in Richtung SB-Formate mit ausschließlich preisorientierten Angeboten", prognostizierte der Händler.

+++ Merkel zur Corona-Krise: Auf absehbare Zeit noch Einschränkungen +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht die Corona-Krise als noch lange nicht überwunden an. Das Wichtigste sei es derzeit, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sagte Merkel am Donnerstag bei einer Videoschalte zur Mitgliederversammlung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Das Gesundheitssystem dürfe nicht überfordert werden. "Deshalb werden wir auch auf absehbare Zeit noch mit Einschränkungen leben müssen."

Es sei es in den vergangenen Wochen gelungen, die exponentielle, also sehr starke Dynamik bei den Infektionen zu stoppen und zu einer "Seitwärtsbewegung" zu kommen. "Aber das reicht eben nicht aus", sagte Merkel. Man könne leider nicht von einer Trendumkehr sprechen. Eine solche aber sei auch im wirtschaftlichen Interesse.

+++ Virologin Brinkmann: Hätte mir klarere Entscheidungen gewünscht +++

Aus Sicht der Virologin Melanie Brinkmann gehen die am Mittwoch beschlossenen Corona-Regeln nicht weit genug. "Ich hätte mir tatsächlich gewünscht, dass noch etwas klarere Entscheidungen getroffen werden", sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Virale Immunmodulation am Helmholtz-Institut für Infektionsforschung am späten Mittwochabend im Deutschlandfunk.

Sie hätte sich gerade für die älteren Schüler einen Übergang zum Hybridunterricht und klarere Beschlüsse bei der Maskenpflicht gewünscht, sagte Brinkmann. "Ich befürchte jetzt, dass wir uns immer um diese 50er-Inzidenz herum bewegen und dann wieder drübergehen und vielleicht dann wieder drunter, und das ist eigentlich kein guter Kompromiss, weil wir immer wieder jeden Tag neue Todesfälle haben werden." Mit 50er-Inzidenz sind 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gemeint.

Auch die Lockerung der Kontaktbeschränkungen an den Weihnachtstagen finde sie als Virologin nicht nachvollziehbar. "Ich glaube nicht, dass wir die Zahlen bis dahin soweit runtergedrückt haben, dass wir da entspannt sein können, und ich halte es für keine gute Idee zu lockern." Es sei zwar wichtig, dass Menschen an Weihnachten nicht alleine blieben. Man solle aber nur eine begrenzte Zahl von Menschen treffen und aufpassen, dass man keine älteren Menschen anstecke.

+++ Mehr als 600 Neuinfektionen pro Woche im Hotspot Hildburghausen +++

Der Corona-Hotspot Hildburghausen in Thüringen hat am Donnerstag erneut den deutschlandweiten Höchstwert an Neuinfektionen mit dem neuartigen Virus verzeichnet. Mit 602,9 wurde erstmals ein Wert von mehr als 600 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche registriert, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Innerhalb der letzten 24 Stunden kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Erfurt allein im Landkreis Hildburghausen 70 neue Fälle hinzu, landesweit waren es 628. Damit liegt die Gesamtzahl der seit Beginn der Corona-Pandemie in Thüringen nachgewiesenen Infektionen bei 15 248.

Als genesen gelten 10 260 Menschen, die Zahl der an oder mit dem Corona-Virus Verstorbenen stieg auf 327. 74 Patienten wurden laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin am Donnerstag auf Intensivstationen behandelt, 32 davon mussten künstlich beatmet werden.

+++ Linksfraktionschef Bartsch kritisiert Merkels Corona-Politik +++

Die Linke im Bundestag hat der Bundesregierung nach den Gesprächen mit den Ministerpräsidenten der Länder Fehler in der Corona-Politik vorgeworfen. "Ob in Schulen, in Zügen, Pflegeheimen oder Krankenhäusern, die Bundesregierung hat in den acht Monaten deutlich zu wenig getan. Jedes Theater hat sich besser auf den Corona-Winter vorbereitet als die Bundesregierung", sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch am Donnerstag in der Aussprache zur Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Bundestag. Merkel hatte zuvor die Bund-Länder-Beschlüsse vom Mittwoch im Parlament erläutert.

Bartsch kritisierte erneut das Verfahren der Bund-Länder-Runden. Der Bundestag dürfe dann im Nachhinein ein bisschen darüber debattieren, bemängelte er. Merkel müsse ihre Erklärungen im Parlament nicht nach, sondern vor solchen Treffen mit den Ministerpräsidenten machen. "Ich fordere Sie auf, vor der nächsten Runde hier zu erklären, was Ihre Herangehensweise ist. Bei schweren Grundrechtseinschränkungen muss der Bundestag entscheiden, egal wie sehr Sie das nervt."

+++ Lindner fordert längerfristige Corona-Strategie +++

FDP-Chef Christian Lindner hat eine längerfristige Strategie in der Corona-Krise gefordert. "Die sozialen und wirtschaftlichen Kosten der Pandemie-Bekämpfung explodieren, jedenfalls ist das keine langfristig durchhaltbare Strategie", sagte Lindner am Donnerstag im Bundestag bei der Aussprache zur Regierungserklärung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Lindner verwies auf Aussagen von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Dieser habe angedeutet, dass der "Stillstand" bis März 2021 anhalten könne - und das vor einer Sitzung des Haushaltsausschusses des Bundestags am Donnerstag zum Bundeshaushalt 2021.

Lindner kritisierte Beschlüsse von Bund und Ländern etwa über strengere Auflagen für größere Geschäfte im Einzelhandel. Es müsse stattdessen überlegt werden, ob es einen "Schutzschirm" für besonders gefährdete Menschen brauche, weil es dort die schweren Krankheitsverläufe gebe. Auf der anderen Seite wäre dann mehr gesellschaftliches und kulturelles Leben möglich. Aus dem "November-Wellenbrecher" sei ein "Dezember-Stillstand" geworden.

+++ Weidel wirft Merkel und Länderchefs "Kungelrunde" vor +++

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel hat die Beratungen und Beschlüsse von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie kritisiert. "Wieder hat eine von der Verfassung nicht vorgesehene Kungelrunde aus Kanzleramt und Ministerpräsidenten im virtuellen Hinterzimmer getagt", sagte Weidel am Donnerstag bei der Aussprache zur Regierungserklärung der Kanzlerin im Bundestag.

Es seien erneut Beschlüsse ausgehandelt worden, die tief in das Leben und die Rechte von Bürgern und Unternehmen eingriffen. "Was Sie den Bürgern zumuten ist inkonsistent, widersprüchlich, von zweifelhaftem Nutzen und durchtränkt vom undemokratischen Geist obrigkeitsstaatlicher Bevormundung", sagte Weidel. Es gehe den Staat nichts an, wer in seinen privaten Wohnräumen wann wen treffe oder in welchem Rahmen jemand Weihnachten feiere. "Das ist ungehörig und das ist übergriffig."

+++ Merkel: "Wir haben es in der Hand, wir sind nicht machtlos" +++

Kanzlerin Angela Merkel hat in der Corona-Pandemie die Bürger zur Solidarität aufgerufen. "Wir haben es in der Hand, wir sind nicht machtlos", sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag im Bundestag. «Wir haben ganz ohne Zweifel noch einmal schwierige Monate vor uns." Aber jeder und jede könne aktiv dazu beitragen, dass man sie gut durchstehe. Merkel wiederholte, was sie bereits Ende Oktober im Bundestag gesagt hatte: "Der Winter wird schwer, aber er wird enden." Mit Blick auf Weihnachten und den Jahreswechsel wünsche sie sich und allen, "dass wir mehr denn je miteinander und füreinander einstehen. Wenn wir das beherzigen, werden wir aus der Krise kommen".

"Die Coronavirus-Pandemie ist und bleibt die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg, für Deutschland, für die Europäische Union und für die ganze Welt", sagte Merkel. Hoffnung mache die Aussicht auf Impfstoffe, aber auch, dass man nun mehr über das Virus und sein Verhalten wisse. Hoffnung mache zudem, dass die «"große Mehrheit" der Menschen sich an die vereinbarten Dinge halte.

Impfstoffe würden das Problem nicht sofort lösen, seien aber ein "Licht am Ende des Tunnels", sagte Merkel. Falls es vor Weihnachten noch Impfstoffe gebe, würden sie denjenigen angeboten, die im medizinischen und pflegerischen Bereich arbeiteten.

Merkel warb erneut für die Corona-Warn-App, die sich inzwischen mehr als 23 Millionen Menschen in Deutschland heruntergeladen hätten. "Ich lade jeden ein, der uns zuhört und der sie noch nicht hat, doch diese App zu nutzen", sagte sie.

+++ Hildburghausens Bürgermeister: Corona-Maßnahmen beachten +++

Nach dem Protest mehrerer hundert Menschen im Corona-Hotspot-Landkreis Hildburghausen hat der Bürgermeister der Kreisstadt dazu aufgerufen, die Ausgangsbeschränkungen zu beachten. Rund 400 Menschen hatten sich am Mittwochabend in Hildburghausen versammelt. Die Polizei zerstreute die Ansammlung auch mit Hilfe von Pfefferspray.

"Wenn die Fallzahlen dadurch weiter hoch gehen, waren die ganzen Gegenmaßnahmen umsonst", sagte Rathauschef Tilo Kummer (Linke) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. "Wir bekommen Probleme, das Lebensnotwendige zu organisieren, wenn die Infektionszahlen weiter steigen." Er verwies darauf, dass es auch Corona-Fälle bei Rettungsdiensten und Feuerwehren gebe.

Für die rund 63 000 Einwohner im Kreisgebiet gelten bis vorerst 13. Dezember strengere Corona-Regeln. So ist der Aufenthalt außerhalb der Wohnung oder dem eigenen Grundstück nur noch aus "triftigem Grund" erlaubt. Dazu gehören unter anderem der Weg zur Arbeit, der Gang zum Arzt und notwendige Einkäufe.

Nach Kummers Angaben war schon vor dem Protest am Mittwoch geplant, dass Mitarbeiter des Ordnungsamts und des Gesundheitsamts gemeinsam auf die Straße gehen, um die Durchsetzung der Verordnung zu kontrollieren. Wegen fehlender Kräfte sei das aber nicht ganz einfach zu organisieren.

Kummer war zu Beginn der Ansammlung am Mittwochabend auf dem Hildburghausener Marktplatz dabei. Etwa 200 Personalien seien festgesellt worden. "Die Leute haben meistens gesagt, dass sie spazieren gehen." Nach seinen Angaben gab es bereits seit Tagen Aufrufe im Netz, einige Teilnehmer hätten Transparente und Kerzen getragen.

Das Grünen-Landesvorstandsmitglied Katharina Schmidt postete ein Video, das zeigt, wie zahlreiche Menschen "Oh, wie ist das schön!" singen und durch Hildburghausen ziehen.

Kummer sagte: "Es fehlt das Verständnis für die Maßnahmen. Die Information war bisher nicht die Beste." Das sei ein Stück weit auch als Selbstkritik gemeint. Auch mit den Landratsamt sei besprochen worden, den Informationsfluss zu verbessern.

+++ Merkel betont Notwendigkeit weiterer Corona-Beschränkungen +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Notwendigkeit weiterer starker Beschränkungen zum Eindämmen der Corona-Pandemie unterstrichen. "Wenn wir warten würden, bis die Intensivstationen voll belegt sind, dann wäre es zu spät", sagte sie am Donnerstag im Bundestag. Die seit November geltenden Beschränkungen hätten zu einer Seitwärtsbewegung bei der Entwicklung der Infektionszahlen geführt, aber noch nicht zur so "dringend notwendigen Trendumkehr nach unten". Die Neuinfektionen seien weiter auf "viel zu hohem Niveau", noch immer stiegen die Zahlen in einigen Regionen, anstatt zu sinken.

Die Kanzlerin betonte, in der Pandemiebekämpfung gehe es nicht um ein Gegeneinander von Gesundheit und anderen wichtigen Aspekten wie Bildung und Wirtschaft. Was das Gesundheitssystem vor Überlastung schütze, diene allem anderen und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Merkel verteidigte das Vorgehen der Regierungen von Bund und Ländern und betonte auch die Rolle der Parlamente. "Unsere parlamentarische Demokratie ist leistungsfähig." Sie könne sehr schnell Entscheidungen treffen und sei für die Bürger "ein Anker des Vertrauens, gerade in Zeiten wie diesen".

+++ Merkel wirbt für Schließung aller Skigebiete in Europa +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mit Blick auf anstehende Winterurlaube dafür ausgesprochen, dass alle Skigebiete in Europa schließen. "Es naht die Skisaison", sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag im Bundestag in Berlin. Touristische Reisen sollten nicht stattfinden, jeder nicht notwendige Kontakt sollte vermieden werden. "Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten. Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen."

+++ Merkel verteidigt strengere Auflagen für größere Geschäfte +++

Angela Merkel (CDU) hat den Beschluss von Bund und Ländern über strengere Auflagen für größere Geschäfte verteidigt. Es komme darauf an, große Menschenmengen in Einkaufszentren zu vermeiden, sagte Merkel am Donnerstag in einer Regierungserklärung zur Corona-Politik im Bundestag.

Merkel sagte, es werde gesagt, es gebe eine Maskenpflicht und damit sei Einkaufen ohne Risiko. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes senke zwar das Risiko einer Infektion und sei ein Schutz. Aber solange es sich nicht um eine medizinische Maske handle, gebe es keine Sicherheit, dass es nicht doch zu Ansteckungen komme. Man dürfe die Menschen nicht in falsche Sicherheit wiegen.

Zu Beschränkungen im Einzelhandel ist laut dem Beschluss von Bund und Ländern ein abgestuftes Verfahren geplant. So soll künftig gelten, dass sich in kleineren und mittleren Geschäften mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern wie derzeit geltend höchstens eine Person pro 10 Quadratmetern Verkaufsfläche befinden soll. Für die Quadratmeter darüber hinaus, also etwa Kaufhäuser, sollen jeweils 20 Quadratmeter pro Kunde vorgeschrieben werden. Der Beschluss war beim Handelsverband auf Kritik gestoßen.

Merkel machte außerdem deutlich, sie wisse, was die fortgeführten Schließungen etwa von Gastronomiebetrieben für die Betroffenen bedeuteten. Deswegen sei es wichtig, dass der Bund viele Milliarden in die Hand nehme, um wirtschaftliche Folgen abzumildern. Es gehe nicht um die Frage Gesundheit oder Wirtschaft.

+++ Merkel verteidigt Beschlüsse für Kontaktbeschränkungen im November +++

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den zunächst bis Ende November beschlossenen und nun verlängerten Teil-Lockdown als unausweichlich verteidigt. "Es ist nicht auszudenken, wo wir heute stünden, wenn wir vor vier Wochen, als es buchstäblich 5 vor 12 war, nicht zu dieser nationalen Kraftanstrengung bereit und in der Lage gewesen wären", sagte Merkel am Donnerstag im Bundestag in einer Regierungserklärung zur Corona-Politik.

Die Kontakte seien durch die im November geltenden Maßnahmen um etwa 40 Prozent zurückgegangen, das dramatische exponentielle Wachstum der Infektionszahlen habe gestoppt werden können, betonte Merkel.

Bund und Länder hatten am Mittwochabend beschlossen, dass der Teil-Lockdown mit der Schließung unter anderem von Restaurants, Theatern, Fitnessstudios und Freizeiteinrichtungen bis zum 20. Dezember verlängert wird. Private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten sollen auf maximal fünf Personen aus dem eigenen und einem weiteren Haushalt begrenzt werden. Kinder bis 14 Jahre sollten nicht unter diese Regelung fallen. Weihnachten solle aber gefeiert werden können, im engsten Familien- und Freundeskreise mit maximal zehn Menschen, Kinder bis 14 Jahre nicht eingerechnet.

+++ Montgomery warnt vor Weihnachtsfest "mit einem Todesrisiko" +++

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat vor einem Anstieg der Corona-Infektionszahlen nach Weihnachten gewarnt. "Medizinisch-epidemologisch ist es Wahnsinn, zu Weihnachten wieder aufzumachen und zu lockern", sagte er am Donnerstagmorgen im Radioprogramm "SWR Aktuell". Zwei bis drei Wochen später werde es mehr Todesfälle geben, prognostizierte er. "Weihnachten wird damit zu einem Fest mit einem Todesrisiko für manche Menschen."

Er verstehe, dass Lockerungen über die Feiertage aus psychologischer Sicht für die Menschen wichtig seien. Das Risiko könne man in Kauf nehmen, wenn sich die Bevölkerung danach von selbst an die Distanzregeln halte.

Kein Verständnis habe er dafür, dass die gelockerten Kontaktbeschränkungen auch über Silvester gelten sollen. Über den Jahreswechsel sei viel Alkohol im Spiel. Menschen würden gemeinsam feiern und sich in den Armen liegen. "Das sind wunderbare Infektionsquellen. Da freut sich das Virus und jubelt", sagte Montgomery.

Am Mittwoch hatten die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Verlängerung und Verschärfung der Kontaktbeschränkungen beschlossen. Ab dem 23. Dezember und höchstens bis zum 1. Januar soll es aber Lockerungen geben. In dieser Zeit können zehn Personen im Familien- und Freundeskreis zusammenkommen, Kinder bis 14 Jahre nicht mitgezählt.

+++ Kanzleramtschef: Kommt jetzt auf uns alle an +++

Nach den Beschlüssen zur Verlängerung des Teil-Lockdowns hat Kanzleramtschef Helge Braun betont, dass es im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf das Verhalten der Bürger ankomme. "Dass wir jetzt sicher ein Sinken der Zahlen erleben werden, das können wir nur dann gewährleisten, wenn die Leute wirklich alle mitziehen", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin". Die Maßnahmen seien so, "dass es sehr auf uns alle ankommt, dass wir die Kontakte weiter reduzieren."

Bund und Länder hätten lange darüber gesprochen und gestritten, wie in Regionen vorzugehen sei, in denen die Infektionszahlen stark stiegen, berichtete Braun nach der langen Videoschalte vom Mittwoch. Das betreffe etwa Berlin oder Thüringen.

Vor allem beim Thema Schulen habe der Bund auf das Robert Koch-Institut (RKI) und die nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina verwiesen, sagte Braun.

Den dortigen Experten zufolge seien die Infektionszahlen bei jungen Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren derzeit besonders hoch, deswegen sei "Wechselunterricht" in getrennten Gruppen, "jedenfalls Abstand halten", sinnvoll. Der Kanzleramtschef betonte, dass die Bundesregierung nun darauf setze, dass das in Regionen mit hohem Infektionsgeschehen nun auch konsequent umgesetzt werde. "Ich würd's mir sehr wünschen, weil ich glaube, dass man da auf die Expertise auch der Institutionen hören muss", sagte er. "Darauf werden wir jedenfalls dringen."

In der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland", sagte Braun, vor den Menschen lägen nun schwierige Wintermonate. Nach März könnten wahrscheinlich immer mehr Menschen geimpft werden und im Frühling sei es einfacher, die Infektionen niedrig zu halten. "Aber diese Zurückhaltung, die wir alle an den Tag legen müssen, das wird uns auch den Januar, Februar und März begleiten, und gegebenenfalls auch Beschränkungsmaßnahmen, wenn unser individuelles Verhalten nicht ausreicht." Hotels und Restaurants seien jetzt zunächst bis 20. Dezember geschlossen, sagte Braun. "Aber wir gehen davon aus, dass wir das bis in den Januar hinein verlängern müssen."

Im SWR sagte Braun mit Blick auf Weihnachten: "Familienfeiern kann man verantworten, wenn man vorher darauf geachtet hat, sein Risiko zu reduzieren."

+++ Corona-Proteste in Hildburghausen: Polizei setzt Pfefferspray ein +++

Bei den Protesten gegen die neuen Infektionsschutzregeln im Corona-Hotspot-Landkreis Hildburghausen hat die Polizei am Mittwochabend Pfefferspray eingesetzt. Mehrfache kommunikative Versuche, die Teilnehmer zum Verlassen der Demonstration zu bewegen, seien fehlgeschlagen, teilte die Polizei in der Nacht zum Donnerstag mit. Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht. Gegen 20.45 Uhr seien die Proteste beendet gewesen.

Rund 400 Personen hatten sich auf dem Marktplatz in Hildburghausen entgegen der geltenden Thüringer Infektionsschutzverordnung und der Allgemeinverfügung des Landkreises Hildburghausen versammelt, teilte die Polizei mit. Die Beamten stellten zahlreiche Verstöße gegen die geltenden Infektionsschutzregelungen fest. So wurden laut Mitteilung Mindestabstände nicht eingehalten, Masken nicht getragen und die eigene Wohnung ohne triftigen Grund verlassen, hieß es.

Insgesamt seien mehr als 30 Anzeigen erstattet worden. Die Proteste fanden während der Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) statt. Der Kreis Hildburghausen hat derzeit bundesweit das größte Infektionsgeschehen bei Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Seit Mittwoch gilt dort ein regionaler Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen sowie geschlossenen Schulen und Kindergärten.

+++ Marburger Bund: Keine Entwarnung, kein Ruhepolster +++

Der Ärzteverband Marburger Bund begrüßt die Verlängerung der Kontaktbeschränkungen zum Eindämmen der Corona-Pandemie. "Die Notbremse hat gewirkt, das exponentielle Wachstum ist vorerst gebrochen. Das kann aber kein Ruhepolster sein", sagte die 1. Vorsitzende Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. "Wir können keine Entwarnung geben, solange die Anzahl der Patienten in den Krankenhäusern weiter steigt." Die Ministerpräsidenten der Länder hatten am Mittwoch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beschlossen.

"Das Personal insbesondere auf den Intensivstationen, den Infektionsstationen und den Notaufnahmen ist seit Wochen massiv belastet", betonte Johna. Die Kurve bei den Neuinfektionen müsse nach unten zeigen. "Deshalb ist es richtig, die Kontaktbeschränkungen aufrechtzuerhalten, so schwer das auch fällt."

Im Namen der Ärztinnen und Ärzte appellierte sie auch an die Unterstützung aus der Bevölkerung: "Wer sich und andere bestmöglich vor einer Infektion schützt, trägt dazu bei, dass weniger Menschen erkranken und womöglich im Krankenhaus behandelt werden müssen", sagte Johna. Verständlich sei auch, dass sich viele Menschen nach langen Beschränkungen darauf freuten, das Weihnachtsfest mit der ganzen Familie feiern zu können. "Eine vorübergehende Lockerung ist deshalb richtig", so Johna. "Es kommt darauf an, wie wir alle uns verhalten. Ich vertraue auf die Vernunft der Menschen."

+++ Patientenschützer enttäuscht über Pläne für Risikogruppen +++

Die von Bund und Ländern geplanten weiteren Maßnahmen in der Corona-Krise schaffen aus Sicht von Patientenschützern noch keine ausreichende Sicherheit für Risikogruppen. Pflegebedürftige, Klinikpatienten, Angehörige und Personal würden weiterhin nicht mit täglichen Schnelltests zusätzlich geschützt, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. "Mit 30 Schnelltest pro Monat kann es nicht gelingen, das Virus dort zu stoppen, wo es am härtesten zuschlägt." Zudem werde die Wirkung des Teil-Lockdowns erheblich geschmälert.

Ab 1. Dezember sollen je Pflegebedürftigem 30 Schnelltests pro Monat möglich sein, wie aus einem am Mittwochabend gefassten Beschluss von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten hervorgeht. Je nach Verfügbarkeit solle dieser Anspruch dann schrittweise erhöht werden. In Pflegeheimen sind bisher bis zu 20 Tests pro Monat und Bewohner möglich. Einrichtungen müssen dazu Test-Konzepte erstellen.

"Für pflegebedürftige, chronisch und schwerstkranke Menschen wird es wohl ein düsteres Weihnachtsfest", sagte Brysch. Hygienegrundschutz und klassische PCR-Test bräuchten die Ergänzung durch Schnelltests, sonst sei Einsamkeit in Heimen und Krankenhäusern programmiert.

Ungeklärt sei auch, wie Schnelltests Schutzbedürftige und Helfer unverzüglich erreichen sollen. Angehörige, Dienste und Einrichtungen könnten die Mammutaufgabe personell und finanziell nicht aus eigener Kraft stemmen - zumal drei Millionen Pflegebedürftige daheim lebten. Nötig seien unkonventionelle Wege. "Neben der Bundeswehr stehen auch hunderttausende Freiwillige der Sanitätsdienste bereit, um im Katastrophenfall zu unterstützen", schlug Brysch vor.

+++ Intensivmediziner besorgt über Lockerungen zu Weihnachten +++

Der Intensivmediziner Uwe Janssens hat sich besorgt über die Lockerung der Kontaktbeschränkungen geäußert, auf die sich Bund und Länder für Weihnachten verständigt haben. "Bei allem Verständnis für Weihnachten und Familienfeiern müssen wir leider befürchten, dass in der Folge der partiellen Aufhebung der Einschränkungen um Weihnachten im Januar die Infektionszahlen wieder ansteigen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag).

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs hatten sich am Mittwoch zur Bekämpfung des Coronavirus zwar auf eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen im Dezember geeinigt - mit einer Begrenzung von Treffen auf maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten, Kinder bis 14 Jahre nicht eingerechnet. Weihnachten soll aber gefeiert werden können - im engsten Familien- und Freundeskreise mit maximal zehn Menschen, Kinder bis 14 Jahre ebenfalls nicht eingerechnet. Schleswig-Holstein hält an seinen eigenen Kontaktregelungen fest.

Janssens kritisierte "das ewige Auf und Ab der politisch getroffenen Entscheidungen". In der Intensivmedizin stehe man mittlerweile in einigen Regionen mit dem Rücken zur Wand.

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fka/news.de/dpa

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