22.10.2020, 11.29 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Ü-50-Inzidenz! Bundesregierung lehnt Drosten-Vorschlag ab

Im Kampf gegen das Coronavirus hat Top-Virologe Christian Drosten mit der Ü-50-Inzidenz einen neuen Kennwert vorgeschlagen. Doch die Idee kommt bei der Politik offenbar nicht gut an. Die Bundesregierung erteilt dem Vorschlag eine Absage.

Christian Drosten hat die Ü-50-Inzidenz zur besseren Orientierung vorgeschlagen, doch die Politik lehnt ab. Bild: dpa

Rekordanstieg: Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstag (22.10.2020) 11.287 neue Corona-Infektionen in Deutschland. RKI-Präsident Lothar Wieler appellierte angesichts der aktuellen Entwicklungen an die BürgerInnen, unbedingt die Corona-Regeln einzuhalten. Um die Ausbreitung zu verlangsamen, seien Abstandhalten, Hygienemaßnahmen und wo nötig das Tragen von Mund-Nase-Masken sowie regelmäßiges Lüften unbedingt zu beherzigen.

Coronavirus-News aktuell: Drosten schlägt Ü-50-Inzidenz vor - DAS steckt dahinter

Wie die "Bild" berichtet, schlägt Christian Drosten,Chef-Virologe der Charité Berlin, angesichts der steigenden Zahlen einen neuen Richtwert speziell für über 50-Jährige vor. Diese Ü-50-Inzidenz würden nur Covid-19-Infizierte ab 50 Jahren erfassen. "Da in dieser Personengruppe nach gesicherten Erkenntnissen mit einer erhöhten Quote von schweren Verläufen zu rechnen ist, ergäbe sich aus der Ü50-Inzidenz eine Prognose über die demnächst zu erwartenden schwereren Fälle und damit über die Bettenauslastung", erklärt eine Charité-Sprecherin die Notwendigkeit dieser Kennzahl. Eine konkrete Altersgrenze gibt Drosten bei seinem Vorschlag jedoch nicht vor. So könne sie bei 55, 60 oder sogar 70 Jahren liegen.

Bundesregierung lehnt Ü-50-Inzidenz ab 

Die Ü-50-Inzidenz könnte der Bundesregierung als Orientierung bei weiteren Corona-Maßnahmen dienen. Bislang richtet sich die Politik nach der 7-Tage-Inzidenz, die aufzeigt, wie viele neue Ansteckungen es in einem Landkreis in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner gab. Und das völlig unabhängig vom Alter der Corona-Infizierten. Doch die Politik erteilt Drostens Ü-50-Inzidenz-Vorschlag eine Absage. "Es ist richtig, regional auf das Ausbruchsgeschehen zu reagieren und dafür national einen Rahmen zu setzen", zitiert die "Bild" einen Sprecher des Gesundheitsministeriums. "Dafür geben die beiden vorhandenen Warnstufen schon jetzt Orientierung."

Erst in der vergangenen Woche verständigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder auf neue Inzidenzwerte. Doch die Lage veränderte sich seitdem dramatisch. Aktuell haben bereits 166 Landkreise und Städte die Grenzwerte überschritten (Stand: 22.10.2020), Tendenz steigend. Einen Lockdown gilt es unbedingt zu verhindern. Die Ü-50-Inzidenz könnte dabei helfen. Doch sie würde auch einen harten Kurswechsel bedeuten.

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bua/loc/news.de

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