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TV-Duell Donald Trump - Joe Biden: Hitler-Vergleich und Rassismuskritik! So lief die 2. TV-Debatte

Kurz vor der Präsidentenwahl konnten sich Millionen Amerikaner nochmals einen Eindruck der beiden Kandidaten machen. Trump und Biden kämpften mit harten Bandagen. Beide wollten noch unentschlossene Wähler für sich gewinnen - mit ganz unterschiedlichen Strategien.

So sehen Sie das letzte TV-Duell von Trump und Biden im TV. Bild: dpa

In Nashville im US-Bundesstaat Tennessee treffen in der Nacht von Donnerstag (22. Oktober 2020) auf Freitag (23. Oktober 2020) US-Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden zum zweiten und letzten Mal vor der Wahl am 3. November im TV aufeinander.

Nach dem chaotischen ersten TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden werden die Regeln für ihr nächstes Zusammentreffen angepasst. Teilweise soll das Mikrofon eines Kandidaten stummgeschaltet werden, während der andere spricht, wie die zuständige unabhängige Kommission (CPD) zuletzt mitteilte. Damit sollen gegenseitige Unterbrechungen der Kandidaten bei der Debatte am Donnerstag (Freitagmorgen MESZ) reduziert werden. Der Republikaner Trump warf der Kommission im Sender Fox News erneut vor, auf Bidens Seite zu stehen. Er kündigte aber an, an der Debatte teilzunehmen.

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Ablauf des TV-Duells zwischen Donald Trump und Joe Biden

Zu jedem neuen Themenkomplex dürfen Trump und Biden jeweils zwei Minuten Stellung nehmen. Dabei wird aber jetzt nur das Mikrofon des Kandidaten eingeschaltet sein, dem der Moderator das Wort erteilt. Für jedes Thema sind rund 15 Minuten Gespräch vorgesehen - für den Großteil des TV-Duells werden daher beide Mikrofone eingeschaltet bleiben, um einen Austausch der Ideen zu gewährleisten, wie die Kommission erklärte. Falls ein Kandidat durch Unterbrechungen Zeit verliere, würde er jene Zeit extra gutgeschrieben bekommen, hieß es in einer Pressemitteilung.

Corona und Klimawandel: Um diese Themen geht es beim TV-Duell Trump vs. Biden

Nach Angaben der Debatten-Kommission gehören zu den von Moderatorin Welker ausgewählten sechs Themen Kampf gegen Covid-19, Ethnien in Amerika, Klimawandel, amerikanische Familien, nationale Sicherheit und Führungskraft. Trump kritisierte am Dienstag erneut, dass der Schwerpunkt der letzten Debatte nicht auf der Außenpolitik liege. Trumps Wahlkampfberater Jason Miller hatte der Kommission vorgeworfen, auf Bitten des Biden-Teams den Schwerpunkt nicht auf Außenpolitik gelegt zu haben.

Zweite TV-Debatte zwischen Trump und Biden disziplinierter

Das zweite und letzte TV-Duell vor der Präsidentenwahl in den USA ist auch dank neuer Regeln deutlich disziplinierter verlaufen als die erste Fernsehdebatte. Moderatorin Kristen Welker bat US-Präsident Donald Trump und seinen Herausforderer Joe Biden zu Beginn der Debatte am Donnerstagabend (Ortszeit) in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee darum, sich nicht gegenseitig zu unterbrechen.

Beide fielen sich und auch der Moderatorin erheblich seltener ins Wort als beim ersten TV-Duell Ende September. Diese Debatte war vor allem wegen Trumps häufiger Unterbrechungen ins Chaos abgeglitten.

Als Konsequenz hatte die Kommission, die die TV-Duelle organisiert, die Regeln angepasst. Während der zweiminütigen Eingangsstatements eines Kandidaten zu Beginn von jedem der sechs Themenkomplexe blieb das Mikrofon des Gegenkandidaten abgeschaltet.

Trumps Wahlkampfteam hatte sich zunächst gegen jede Regeländerung gewehrt, die neue Maßnahme aber doch hingenommen. Besonders Trump gab sich in Nashville deutlich weniger aggressiv als beim ersten Duell.

Nach Angaben der Kommission hatte die Moderatorin keine Kontrolle über die Mikrofone, die von hinter der Bühne aus an- oder abgeschaltet wurden.

Trump hatte der unabhängigen Kommission vor der Debatte vorgeworfen, auf Bidens Seite zu stehen. Der Präsident hatte vorab auch NBC-Journalistin Welker angegriffen und sie "total parteiisch" und eine "radikale linke Demokratin" genannt.

US-Medien zum TV-Duell: Mehr Debatte und weniger Unterbrechungen

Zahlreiche US-Medien haben den ruhigeren Ton des zweiten und letzten TV-Duells zwischen Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden gelobt. "Dies war tatsächlich eine echte Debatte", titelte etwa der Sender CNN im Anschluss an das Duell in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee am Donnerstagabend (Ortszeit).

Im Gegensatz zur ersten Debatte hätten US-Wähler diesmal eine Chance gehabt, den Kandidaten zuzuhören und aneinander zu messen "ohne sich von Trumps unerbittlichen Unterbrechungen ablenken zu lassen", schrieb CNN weiter. Der Präsident schien daran zu arbeiten, nicht die Beherrschung zu verlieren. Dennoch schloss der Sender mit Blick auf Trumps Leistung: "Die entscheidende Wende, die er braucht, um den Verlauf des Rennens dramatisch zu ändern, gelang ihm nicht."

"Die Debatte war im Großen und Ganzen eine verhaltenere Angelegenheit als die erste Begegnung zwischen den beiden Kandidaten", schrieb die "New York Times". "Aber selbst wenn der Tenor der Diskussion am Donnerstag ruhiger gewesen ist, so hätte der Widerspruch mit Blick auf Inhalt und Vision nicht dramatischer sein können."

Ähnlich sah es das "Wall Street Journal": "Beide Kandidaten tauchten tiefer in politische Fragen ein als beim ersten Aufeinandertreffen." Einige Themen, wie etwa Rassismus in den USA, entfachten einen "feurigen Meinungsaustausch". Der Sender Fox News betonte, dass Trump und Biden diesmal davon absahen, sich gegenseitig zu unterbrechen. "Die Stummschalttaste war nicht wirklich nötig."

Biden: Neue Jobs durch Klimawandel - Trump: Zerstörung der Wirtschaft

US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden will den Klimawandel für die Schaffung neuer Jobs in den USA nutzen. "Wir können wachsen und sauberer sein, wenn wir den Weg gehen, den ich vorschlage", sagte Biden bei der letzten TV-Debatte gegen Amtsinhaber Donald Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) in Nashville. Biden versprach dabei 18,6 Millionen neue Jobs, ein Programm, um Häuser energieeffizienter zu machen und 50.000 Ladestation für Elektroautos an amerikanischen Highways.

Trump lobte dagegen seinen eigene Umwelt-Bilanz und warf Biden vor, mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen der Ökonomie zu schaden: "Wenn Sie die Wirtschaft kaputt machen wollen, müssen Sie die Ölindustrie abschaffen." Er werde nicht Abermillionen von Jobs und Tausende von Unternehmen für das Pariser Klimaabkommen opfern. Die Trump-Regierung hatte sich aus dem internationalen Pakt zurückgezogen.

Trump hatte sich in der Vergangenheit mehrfach skeptisch dazu geäußert, ob es den Klimawandel überhaupt gibt und falls ja, ob er vom Menschen verursacht ist. Die USA sind einer der größten Verursacher von Treibhausgasen. Bei der ersten TV-Debatte Ende September hatte der Präsident allerdings eingeräumt, dass er "in einem gewissen Ausmaß" glaube, dass Umweltverschmutzung und Treibhausgase zur Erderwärmung beitrügen. Trump wirft Biden vor, dass dessen Umweltschutzpläne unbezahlbar wären. Biden hat angekündigt, den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen rückgängig zu machen.

Biden kritisiert anhaltenden strukturellen Rassismus in den USA

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat den weiterhin anhaltenden strukturellen Rassismus in den USA kritisiert. In den Vereinigten Staaten herrsche immer noch nicht völlige Gleichheit, sagte Biden am Donnerstagabend (Ortszeit) im zweiten und letzten TV-Duell mit Präsident Donald Trump. "Es ist eine Tatsache, dass es in den USA strukturellen Rassismus gibt", sagte er. Biden warf Trump vor, Rassismus noch weiter Vorschub zu leisten. "Er gießt in jedes einzelne rassistische Feuer Öl", sagte Biden.

Trump wiederum behauptete, er habe so viel für Afroamerikaner und Schwarze getan wie kein anderer Präsident vor ihm, höchstens mit der Ausnahme von Abraham Lincoln. "Ich bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum", sagte Trump. Der Präsident weist die Idee, dass es in den USA strukturellen Rassismus gibt, zurück. Er spricht zum Beispiel bei Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze von bedauernswerten Einzelfällen.

Biden zieht angesichts von Trumps Außenpolitik Hitler-Vergleich

US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat bei der TV-Debatte gegen Amtsinhaber Donald Trump mit einem Hitler-Vergleich wegen dessen Beziehung zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un für Aufsehen gesorgt. Trump war gerade dabei, über sein "gutes Verhältnis" mit dem Autokraten und Regierungschefs anderer Länder zu reden, als Biden entgegnete: "Und wir hatten ein gutes Verhältnis zu Hitler, bevor er in Europa einfiel." Biden wollte damit klarmachen, dass er Trumps Kurs gegenüber autoritären Herrschern für zu weich und damit für eine Gefahr für den internationalen Frieden hält.

Trump traf sich mehrfach mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un, um das Land zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu bewegen. Dies ist bislang nicht gelungen.

Biden: Werde Präsident aller Amerikaner sein

Der US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, hat seinen politischen Gegnern zugesichert, im Falle seines Wahlsieges auch ihr Präsident zu sein. Beim TV-Duell in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee am Donnerstagabend (Ortszeit) wurden Biden und Amtsinhaber Donald Trump gefragt, was sie den Amerikanern, die nicht für sie gestimmt hätten, in ihrer Rede zur Amtseinführung sagen würden.

Biden antwortete: "Ich werde sagen: Ich bin ein amerikanischer Präsident, ich vertrete euch alle, ob ihr für oder gegen mich gestimmt habt."

Trump sagte: "Erfolg wird uns zusammenbringen." Er versprach, die USA in seiner zweiten Amtszeit wieder so erfolgreich zu machen wie vor der Corona-Pandemie.

Trump warnte, sollte Biden die Wahl am 3. November gewinnen, würden die USA in eine nie dagewesene wirtschaftliche Depression schlittern. "Es wird ein sehr, sehr trauriger Tag für dieses Land sein."

Biden sagte, er werden den Menschen Hoffnung geben. "Was hier zur Wahl steht, ist der Charakter des Landes: Anstand, Ehre, Respekt, Menschen mit Würde zu behandeln und sicherzustellen, dass jeder gleiche Chancen hat. Ich werde dafür sorgen, dass Sie das bekommen. In den vergangenen vier Jahren haben Sie das nicht bekommen."

CNN-Umfrage sieht Biden als Sieger der Fernsehdebatte

In der TV-Debatte vor der US-Präsidentschaftswahl hat Herausforderer Joe Biden nach dem Ergebnis einer Umfrage des Senders CNN einen besseren Eindruck gemacht als Amtsinhaber Donald Trump. Die Umfrage unter Zuschauern des direkten Aufeinandertreffens vom Donnerstag ergab, dass 53 Prozent Biden als Sieger sahen. 39 Prozent sahen Trump vorn.

Befragt nach ihrem Eindruck, wer die Fragen von Moderatorin Kristen Welker direkt beantwortet habe, nannten 62 Prozent Biden und 31 Prozent Trump. Einen Gleichstand von 49 zu 49 Prozent ergab die Frage, wer in der Debatte die stärkere politische Führungskraft gezeigt habe.

Basis der Erhebung war eine telefonische Befragung von 585 registrierten Wählern durch das Institut SSRS. Der Sender gab die statistische Fehlerquote der Umfrage mit 5,7 Prozent an.

Nach der ersten Fernsehdebatte Ende September sahen in einer Umfrage des Senders CBS 48 Prozent der Zuschauer Biden vorn, 41 Prozent Trump.

Der Trump-Herausforderer Joe Biden hier im Porträt

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rut/news.de/dpa