07.10.2020, 16.41 Uhr

Coronavirus-News aktuell: "Sinnlos!" Beherbergungsverbot löst Twitter-Beben aus

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt täglich weiter an. Einige Regionen sind zu Corona-Hotspots geworden. Dagegen gehen jetzt die Bundesländer vor und haben ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus innerdeutschen Risikogebieten erlassen. Das Netz tobt.

Die Ministerpräsidenten haben ein Beherbergungsverbot beschlossen. Twitter-Nutzer sind entsetzt. Bild: picture alliance/Stefan Sauer/ZB/dpa

Die Zahl der Neuinfektionen steigt weiter an. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 2828 neue Corona-Infektionen. Das ist der höchste Wert seit der zweiten Aprilhälfte. Die Ministerpräsidenten wollen den Anstieg jetzt aufhalten und haben bundesweit ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Hotspots erlassen.

Coronavirus-News aktuell: Ministerpräsidenten erlassen Übernachtungsverbot

Die Bundesländer haben ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus inländischen Gebieten mit hohen Corona-Infektionszahlen beschlossen. Das Verbot gelte bundesweit, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen nach einer Schaltkonferenz der Chefs der Staatskanzleien der Länder mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Darin sollte es angesichts teils unterschiedlicher Regelungen um einen einheitlichen Rahmen gehen.

Schon gelesen?Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten in Deutschland

Negativer Corona-Test in Bayern erforderlich

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) teilte für sein Land mit, dass Urlauber aus innerdeutschen Corona-Hotspots ohne negativen Corona-Test von diesem Donnerstag (8. Oktober) an nicht mehr in bayerischen Hotels und Gaststätten übernachten dürfen. Das Beherbergungsverbot soll demnach für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen gelten. Die genauen Gebiete müssen noch vom bayerischen Gesundheitsministerium benannt werden.

Söder erklärte, dies bedeute "eine Testpflicht de facto für Urlauber, die aus Risikogebieten nach Bayern kommen". Denn wer einen aktuellen, negativen Corona-Test vorweisen kann, darf auch weiterhin in Hotels in Bayern übernachten. Tests müssen Reisende aber in der Regel aus eigener Tasche bezahlen, wenn sie keine Krankheitsanzeichen haben.

Beherbergungsverbot: Mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner

Kanzleramtschef Braun hatte ein gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern angemahnt. Bei Zweifeln, dass in manchen Gebieten alles Erforderliche getan werde, verstehe er, dass Länder mit niedrigem Infektionsgeschehen versuchten, sich vor einer Ausbreitung zu schützen, sagte Braun der «Bild». "Das ist nachvollziehbar, aber kann nur eine Behelfsmaßnahme sein, die ihrerseits viele Probleme hervorruft."

Zentrales Kriterium beim Krisenmanagement ist, ob es in einer Region mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gibt. Anhand dieser Schwelle stuft die Bundesregierung auch andere Staaten als "Risikogebiete" für deutsche Urlauber ein. Im Inland haben Bund und Länder vereinbart, dass ab dieser Marke in "besonders betroffenen Gebieten" örtliche Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Beherbergungsverbot sorgt bei Twitter für Unverständnis

Im Netz traf der Erlass auf zweigeteilte Meinungen. Ein Nutzer schreibt: "Genau das habe ich gerade an #MarkusSoeder geschrieben. Es wäre besser, die Kultusminister würden sich endlich um sichere Schulen kümmern. Auch in Büros u Fitnessstudios kann noch einiges bezügl. Schutzmaßnahmen getan werden. Beherbergungsverbote hingegen schränken sinnlos ein." 

Karl Lauterbach: "Beherbergungsverbote machen wenig Sinn"

Der gleichen Meinung ist auch SPD-Politiker Karl Lauterbach. "(1) Innerdeutsche Testpflichten und Beherbergungsverbote machen wenig Sinn. Wir werden bald so viele betroffene Regionen haben dass die Regel kaum umsetzbar, geschweige denn kontrollierbar ist. Dazu kommt: jede Beherbergung muss sicher sein, auch mit potentiell Infizierten" schreibt er in einem Tweet.

Das sieht ein Nutzer genauso: "Ich muss es jetzt doch mal klar sagen: Ich halte ein bundesweites Beherbergungsverbot für Menschen aus dt. Risikogebieten für überzogen. Für viele Familien, die sich an alle Vorgaben seit Monaten halten, fällt jetzt der Urlaub flach wegen einigen unvernünftigen Feierwütigen.

Ein Mann findet: "Ihr habt doch einen an der Waffel! #beherbergungsverbot #CoronaVirusDE". 

"Bald sind Herbstferien in Berlin! Mit einer 7-Tage Inzidenz von 44,2 (gestern), sind wir wohl bald auch als gesamte Stadt ein Hotspot Länder beschließen Beherbergungsverbot für Urlauber aus deutschen Hotspots". Bleibt Berlin jetzt zu Hause, oder fliegen alle in den Urlaub?" , fragt sich ein Mann.

Corona-Leugner wüten bei Twitter gegen das Beherbergungsverbot

Auch Corona-Leugner geben ihren Senf dazu, so wie ein Mann. Er schreibt: "Glückwunsch zum Zahlenneugenerieren durch Zwänge und Beschrenkungen. Aber auch das ändert nichts daran, dass die Plandemie schon längst vorbei ist. Offenbar bekommen Sie erheblich Druck von den Bilderbergern und Eliten."

Twitter-Nutzer vergleicht Übernachtungsverbot mit der Berliner Mauer

Ein User vergleicht das Beherbergungsverbot mit der innerdeutschen Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland: "Keine #Grenzschutz gegen #Migranten aber innerhalb Deutschlands neue Mauern...Bravo. und die Grenzen innerhalb unseres Landes werden garantiert besser kontrolliert als unsere Aussengrenzen...Ihr seid so richtig toll...Ihr Politiker". Der Ärger geht bei Twitter munter weiter. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.

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bos/news.de/dpa

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