05.10.2020, 20.32 Uhr

Attacke vor Hamburger Synagoge: Jüdischer Student attackiert! Täter in Psychatrie eingeliefert

Ein Mann im Tarnanzug greift mit einem Spaten einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge an. Der 29-Jährige soll einen Zettel mit Hakenkreuz bei sich getragen haben und wirkt verwirrt. Er wurde in eine Psychatrie eingewiesen. Die Polizei ermittelt die Hintergründe der Tat.

Polizisten stehen am abgesperrten Tatort vor der Synagoge. Bild: dpa

Nach der Attacke auf einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge versucht die Polizei, die Hintergründe der Tat aufzuklären. Der Angreifer - ein Deutscher aus Berlin mit kasachischen Wurzeln - mache einen "extrem verwirrten Eindruck", sagte eine Polizeisprecherin. Es sei sehr schwierig, ihn zu vernehmen. Es sei unklar, woher der Mann die militärisch wirkende Kleidung habe, die er bei der Tat mit einem Klappspaten am Sonntagnachmittag trug. Die Ermittlungen dauerten an, auch der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

Die Polizei und Generalstaatsanwaltschaft werten den Angriff auf den jüdischen Studenten nach ersten Erkenntnissen als versuchten Mord - mutmaßlich mit antisemitischem Hintergrund. Das teilten beide Behörden am Montag in Hamburg mit.

Attacke auf jüdischen Studenten: Angreifer bei der Bundeswehr ausgebildet?

Der 29-Jährige, der an der Hamburger Synagoge in Militärkleidung einen jüdischen Studenten attackiert haben soll, war einem "Spiegel"-Bericht zufolge zeitweise bei der Bundeswehr. Er habe 2016 freiwillig Wehrdienst geleistet, eine dreimonatige Grundausbildung an der Waffe absolviert und später als Sanitäter gearbeitet, berichtete das Nachrichtenmagazin am Montagabend.

Die Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaften, Nana Frombach, sagte dazu auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, sie könne dies weder bestätigen noch dementieren. Es laufe derzeit dazu noch eine Anfrage bei der Bundeswehr. Es werde zudem geprüft, ob die Uniform, die der Tatverdächtige trug, eine echte Bundeswehruniform war.

Angreifer in Psychatrie eingewiesen

Da der Angreifer offenkundig psychisch krank ist, ordnete eine Untersuchungsrichterin wegen des Verdachts des versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.

Nach Attacke auf jüdischen Studenten: Polizei durchsucht Wohnung in Hamburg

Noch in der Nacht nach dem Angriff hat die Polizei eine Wohnung in der Hansestadt durchsucht. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte sich der 29 Jahre mutmaßliche Täter dort unangemeldet aufgehalten, sagte ein Polizeisprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. In seiner Wohnung in Berlin lebe er seit 2019 nicht mehr.

In der Wohnung in Hamburg-Langenhorn hätten die Beamten zunächst keine weiteren offensichtlichen Hinweise auf einen Mittäter oder rechte Struktur oder Gesinnung gefunden. Sie haben mehrere Datenträger, vor allem zwei Laptops und USB-Sticks, sichergestellt. Die Auswertung dauere noch an.

Jüdischer Student vor Hamburger Synagoge attackiert - Motiv aktuell unklar

Die Gemeinde wollte laut Polizei am Sonntag das Laubhüttenfest Sukkot feiern. Auch das 26 Jahre alte Opfer sei auf dem Weg dorthin gewesen und habe das Gelände gerade betreten wollen. Der 29 Jahre alte Tatverdächtige habe dort offensichtlich gewartet, sagte die Sprecherin. Zu den Motiven könne man noch keine definitiven Aussagen treffen. "Ob die beiden sich kennen, ob es vielleicht sogar noch einen privaten Hintergrund gegeben hat, das kann man nicht sagen."

Student erlitt bei Attacke Kopfverletzungen

Der 26-Jährige erlitt Kopfverletzungen, ist aber nicht lebensgefährlich verletzt. Er konnte sich den Angaben zufolge in Sicherheit bringen und wurde bis zum Eintreffen von Rettungskräften von Passanten erstversorgt. Beamte, die zum Schutz der Synagoge vor Ort waren und den Vorfall beobachteten, hätten den Angreifer festgenommen. Er hat laut Polizei seinen Wohnsitz in Berlin.

Außenminister Maaß bezeichnete Attacke als "widerlichen Antisemitismuns"

Außenminister Heiko Maas (SPD)verurteilte die Attacke scharf. "Das ist kein Einzelfall, das ist widerlicher Antisemitismus und dem müssen wir uns alle entgegenstellen", schrieb Maas am Sonntagabend auf Twitter. "Meine Gedanken sind bei dem Studenten, ich wünsche gute Genesung."Nach dpa-Informationen soll der Täter einen Zettel mit einem Hakenkreuz in seiner Hosentasche gehabt haben.

Hamburger Angriff weckt Erinnerungen an Halle-Attentat 2019

Sollte sich ein antisemitischer Hintergrund bestätigen, würde das dunkle Erinnerungen an den Anschlag auf das jüdische Gotteshaus in Halle vor fast einem Jahr wecken. "Die Frage ist, was haben wir nicht gelernt seit Halle?", sagte Landesrabbiner Shlomo Bistritzky von der Jüdischen Gemeinde Hamburg, der nach eigenen Angaben wenige Minuten nach der Tat eintraf. "Alle waren sehr, sehr schockiert."

Am 9. Oktober 2019 hatte der schwer bewaffnete Rechtsextremist Stephan Balliet versucht, die Synagoge in Halle zu stürmen und ein Massaker unter 52 Besuchern anzurichten. Die begingen dort zu dem Zeitpunkt den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er eine Passantin und in einem Dönerimbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Deutsche mehrere Menschen teils sehr schwer. Gegen ihn läuft am Oberlandesgericht Naumburg der Prozess.

Hamburgs Bürgermeister bestürzt nach Spaten-Angriff vor Synagoge

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erklärte: "Ich bin bestürzt über den Angriff vor einer Synagoge in Hamburg." Die Polizei kläre nun die Hintergründe der Tat auf. "Ich wünsche dem Opfer viel Kraft und baldige Genesung. Hamburg steht fest an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger."

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sba/news.de/dpa

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