30.09.2020, 20.46 Uhr

Coronavirus News aktuell: Berliner Corona-Ampel bei Neuinfektionen auf Rot

Während die Gesundheitsämter in Deutschland knapp 1800 neue Corona-Infektionen melden, sieht das Robert Koch-Institut einen Anstieg bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten. So ist die aktuelle Corona-Lage.

Die Zahl der Corona-Intensiv-Patienten steigt wieder an. Bild: dpa

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland 1798 neue Corona-Infektionen gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwochmorgen mindestens 289.219 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 30.9., 0.00 Uhr).

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Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9488. Das sind 17 mehr als am Vortag. Rund 1800 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Coronavirus News aktuell: Anstieg bei Intensiv-Patienten laut RKI

Ein leichter Anstieg zeichnet sich inzwischen bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten ab. Laut aktuellem RKI-Lagebericht werden derzeit (29.09.2020, 12.15 Uhr) 352 Corona-Infizierte intensivmedizinisch behandelt, 195 davon werden beatmet. Vor einer Woche (22.9.) hatte der Wert noch bei 278 (151 beatmet) gelegen, in der Woche davor (15.9.) bei 236 (129 beatmet). Rund 8900 Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hatte erst kürzlich auf den Zeitverzug zwischen Neuinfektionen und schweren Verläufen hingewiesen.

Coronavirus aktuell: R-Wert weiter auf hohem Niveau

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Dienstag bei 1,12 (Vortag: 1,18). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. "Der 4-Tage-R-Wert liegt seit der zweiten Septemberwoche überwiegend über 1", hieß es vom RKI.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Dienstag bei 1,03 (Vortag: 0,98). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Bildungsministerin: Lehrer mit als Erste gegen Corona impfen

Lehrer sollten nach Auffassung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek mit als Erste gegen das Coronavirus geimpft werden, wenn es den Impfstoff gibt. "Als Bundesbildungsministerin würde ich mir wünschen, dass Lehrerinnen und Lehrer aufgrund ihrer Vielzahl an Kontakten in der Schule zu den Ersten gehören, denen eine Impfung angeboten wird - insbesondere, wenn sie zu einer Risikogruppe gehören", sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das würde den Lehrern verständliche Sorgen vor einer Infektion nehmen, meinte sie. Auch würde eine bevorzugte Impfung für Lehrer helfen, den für die Gesellschaft so wichtigen Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.

Karliczek verwies darauf, dass das Robert Koch-Institut, der Ethikrat und die Ständige Impfkommission gerade Empfehlungen entwickelten. «Die Impfung ist und bleibt freiwillig», betonte sie.

Söder: RKI soll vor Ausweisung neuer Corona-Risikogebiete vorwarnen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert vom Robert Koch-Institut künftig eine rechtzeitige Vorwarnung vor der Ausweisung neuer internationaler Corona-Risikogebiete. Derzeit würden neue Gebiete quasi über Nacht benannt, sagte Söder. Da wäre aber eine Vorwarnung extrem wichtig, sagte der CSU-Chef, er sprach von einem Zeitraum von etwa zwei Tagen.

Söder wandte sich strikt gegen neue Grenzschließungen: "Zu den Prioritäten sollte auch gehören, dass die Grenzen offen bleiben." Der Bayer kündigte zudem ein Treffen mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz an, um alle aktuellen bilateralen Corona-Fragen zu besprechen. Unter anderem das direkt an Bayern grenzende österreichische Bundesland Tirol war vom RKI vor wenigen Tagen zum Corona-Risikogebiet erklärt worden.

Emotionaler Appell: Merkel bittet um Durchhalten in Corona-Krise

Mit einem zutiefst emotionalen Appell hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bevölkerung zum Durchhalten in der Corona-Krise aufgefordert. "Geben wir alle als Bürgerinnen und Bürger dieser Gesellschaft wieder mehr aufeinander acht", bat die Kanzlerin am Mittwoch im Bundestag. Sie erlebe derzeit, dass die Vorsicht der Menschen nachlasse. "Wir riskieren gerade alles, was wir in den letzten Monaten erreicht haben", warnte Merkel.

Die steigenden Infektionszahlen seien ein Zeichen dafür, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei sei. "Ich bin sicher: Das Leben, wie wir es kannten, wird zurückkehren. Die Familien werden wieder feiern, die Clubs und Theater und Fußballstadien wieder voll sein. Was für eine Freude wird das sein", betonte Merkel. "Aber jetzt müssen wir zeigen, dass wir weiter geduldig und vernünftig handeln und so Leben retten können." Dabei komme es auf jeden Einzelnen an.Merkel sprach in der Generaldebatte des Bundestags zum Haushalt für das Jahr 2021 - doch die Kanzlerin betonte, sie könne in dieser Situation keine Routine-Rede halten.

Laumann: Weihnachtsmärkte werden in NRW unter Auflagen erlaubt

Laut Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) werden Weihnachtsmärkte durch die neue Coronaschutz-Verordnung, die ab Donnerstag gilt, unter Auflagen in Nordrhein-Westfalen erlaubt. Voraussetzungen seien unter anderem eine Zugangssteuerung, ein Hygienekonzept und Namenslisten für Stehtische an Glühweinständen.

Hofreiter fordert mehr Weitsicht im Kampf gegen Corona

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat mehr Weitsicht im Kampf gegen Corona angemahnt. Er kritisierte am Mittwoch im Bundestag vor allem, dass es auch sechs Monate nach der Ausbreitung der Pandemie in Deutschland noch keine vorausschauende Teststrategie gebe. Es werde auch immer noch darüber diskutiert, wann zum Beispiel in Schulräumen Luftfilter eingebaut würden.

Bisher sei Deutschland zwar glimpflich durch die Pandemie gekommen, sagte der Grünen-Fraktionschef. Das müsse aber nicht so bleiben. "Ich glaube, es ist ganz entscheidend, dass das, was uns bisher gut durch die Pandemie gebracht hat - Vorsicht, Vernunft und Solidarität - dass wir das weiter aufrecht erhalten."

Lindner kritisiert Corona-Krisenmanagement für den Herbst

FDP-Chef Christian Lindner hat das Krisenmanagement im Kampf gegen die Corona-Pandemie kritisiert. Jeder Einzelne trage Verantwortung, sagte er am Mittwoch in der Generaldebatte im Bundestag. "Aber auch die staatliche Verantwortungsgemeinschaft ist gefordert, in diesem Herbst und Winter Maßnahmen zu ergreifen, dass sich ein zweiter Stillstand dieses Landes nicht wiederholen muss." Es fehlten jedoch nun konkrete Maßnahmen, etwa zu schnellen Corona-Tests für Menschen in Pflegeeinrichtungen und Lehrberufen oder Ampelmodelle für eine transparente Beschreibung der Infektionslage vor Ort.

Deutschland sei vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Diese habe dennoch großen Schaden angerichtet, sagte der FDP-Chef. Der Staat habe viele Familien im Stich gelassen, als Schulen und Kitas geschlossen blieben. Ältere seien vereinsamt. Millionen Menschen fürchteten bis heute um ihre wirtschaftliche Existenz. Generell müssten Freiheitseinschränkungen verhältnismäßig sein, etwa in Bezug auf private Treffen: "Auch in Zeiten der Pandemie gilt die Unverletzlichkeit der eigenen Wohnung."

Lindner kritisierte die geplante Neuverschuldung von 96 Milliarden Euro im Etat 2021. Dass Finanzminister Olaf Scholz (SPD) auch nächstes Jahr die Schuldenbremse missachte, habe mit Nothilfe nichts mehr zu tun.

NRW führt künftig 250 Euro Bußgeld bei falschen Kontaktangaben ein

Für falsche Angaben zur Person auf den Kontaktlisten in Restaurants oder Gaststätten verhängt das Land Nordrhein-Westfalen künftig ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro. Das teilte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf mit. Zu zahlen ist die Strafe demnach von denjenigen, die die falschen Kontakte auf den Listen zur Corona-Nachverfolgung angeben. Aber auch Wirte müssen die Angaben auf den Listen auf Plausibilität überprüfen.

Die Höhe des Bußgelds und weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus werden in der aktualisierten Corona-Schutzverordnung für NRW festgelegt. Diese tritt am Donnerstag in Kraft.

Die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten am Dienstag ein Mindestbußgeld von 50 Euro bei falschen Angaben auf den Kontaktlisten vereinbart. In Schleswig-Holstein soll das sogar bis zu 1000 Euro kosten. Gastwirte werden bei der Kontrolle dieser Angaben ebenfalls in die Pflicht genommen. Merkel forderte Gaststättenbetreiber auf, besser zu kontrollieren.

Zudem kündigte Laumann an, dass es in NRW keine generellen Alkoholverbote wegen Corona geben werde. Er könne sich dies - wenn überhaupt - bei einem "diffusen" Infektionsgeschehen vorstellen, bei dem man den Hergang nicht nachvollziehen könne. Dann könnte man theoretisch darüber nachdenken, an einzelnen Plätzen oder Straßen an bestimmten Tagen oder Uhrzeiten über ein Alkoholverbot nachdenken.

Branche kritisiert geplantes Corona-Bußgeld in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holsteins Pläne für ein im Ländervergleich extrem hohes Bußgeld von 1000 Euro für vorsätzlich falsche Kontaktangaben beim Restaurantbesuch stößt auf scharfe Kritik der Branche. «Wir halten eine pure Erhöhung des Bußgeldes für nicht zielführend», sagte der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga im Norden, Stefan Scholtis, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Wir reden hier von einer Gaststätte und nicht von einem hochsensiblen Bereich, in dem man den Ausweis vorzeigen muss."

Auf 50 Euro Mindestbußgeld hatten sich die Ministerpräsidenten der Länder am Dienstag bei ihrer Videoschalte mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für falsche Angaben auf Kontaktlisten verständigt. In Schleswig-Holstein sollen dafür jedoch 1000 Euro fällig werden und das pro Gast. "Das ist Vorsatz, wenn man Kontaktlisten nicht richtig ausfüllt", hatte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) das Vorgehen begründet. Solches Verhalten von Gästen sei kein Kavaliersdelikt.

Der Dehoga-Hauptgeschäftsführer verwies auf die Probleme, entsprechendes Bußgeld zu verhängen. Zwar seien die Mitarbeiter aufmerksam und dazu aufgerufen, die Plausibilität der Angaben in Kontaktlisten zu prüfen. Praktisch nicht möglich sei es aber, Namen und Anschriften der Gäste auf ihre Korrektheit zu prüfen. "Der Gast ist weg, wenn der Zettel falsch ausgefüllt wurde." Zudem habe es im Norden bislang nur in Einzelfällen Infektionsgeschehen in den Betrieben gegeben. Das Vorgehen Schleswig-Holsteins erfülle seinen Zweck nicht.

Maskenpflicht für Schleswig-Holsteins Schüler nach Herbstferien

Nach den Herbstferien müssen Schüler in Schleswig-Holstein ab der fünften Klasse zwei Wochen lang auch im Unterricht Masken tragen. So will Bildungsministerin Karin Prien (CDU) das Risiko einer Ausbreitung des neuartigen Coronavirus an den Schulen durch Reiserückkehrer eindämmen. "Das ist ein vertretbarer Weg aus Fürsorge für die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler", sagte Prien am Mittwoch. Bei Lehrern gilt wie bisher auch: Wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, müssen sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Nach den Herbstferien geht die Schule im Norden am 19. Oktober wieder los.

Spahn zeigt Verständnis für neue Maskenpflicht in Berliner Büros

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Verständnis gezeigt für die vom Berliner Senat beschlossene Maskenpflicht in Büro- und Verwaltungsgebäuden zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Das machte er am Mittwoch im Anschluss an eine Videokonferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern deutlich.

"Ich kann verstehen, dass unter einer Infektionslage in der Stadt, die ja auch nicht abschließend einem Infektionsherd zuzuordnen ist, sondern überall an verschiedenen Stellen zu sehen ist, dann auch Maßnahmen ergriffen werden, die in anderen Regionen mit anderem Infektionsgeschen und geringerem Infektionsgeschehen nicht ergriffen werden", sagte Spahn.

Er sei sich aber sicher, dass Büros allein keine Hauptquelle von Infektionen seien. "Ich würde mir sehr wünschen, dass in der Stadt Berlin wie in anderen größeren Städten auch das Durchsetzen von Regeln rund um Veranstaltungen, Feiern, Partys auch so jetzt angegangen wird, wie wir es gestern vereinbart haben", so Spahn mit Blick auf die Schalte der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag. "Ich hatte den Eindruck, der Regierende Bürgermeister (Michael Müller), so hat er es jedenfalls gestern auch angedeutet, hat genau das vor."

Berlin hatte angesichts einer Zunahme der Corona-Zahlen restriktive Obergrenzen für private Feiern beschlossen sowie eine Maskenpflicht in Büros. Die Wirtschaft hatte dieses bundesweit bisher einmalige Vorgehen kritisiert.

Berliner Corona-Ampel bei Neuinfektionen auf Rot

Im Berliner Corona-Warnsystem ist eine der drei Ampeln auf Rot gesprungen. Für die Zahl der Neuinfektionen gilt nun die höchste Warnstufe: Pro 100 000 Einwohner steckten sich in den vergangenen sieben Tagen 30,2 Menschen nachweislich an, wie die Gesundheitsverwaltung am Mittwoch mitteilte. Am Vortag waren es noch 28,9 - und diese Ampel auf Gelb.

Direkte Konsequenzen hat das Rot nicht, weil die anderen beiden Ampeln auf Grün stehen: Der Reproduktionswert für die vergangenen vier Tage lag nach Angaben der Gesundheitsverwaltung bei 0,93 - so viele Menschen steckt ein Corona-Infizierter durchschnittlich an. Auch bei der Auslastung der Intensivbetten ist Berlin mit 2,4 Prozent weiter im grünen Bereich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte eine stärkere Eindämmung des Coronavirus in Berlin angemahnt. Die Situation sei vor allem in einigen Stadtbezirken ernst, sagte sie am Dienstag. Der Berliner Senat hatte bei einer Sondersitzung am frühen Dienstagabend einige strengere Regeln beschlossen. Am Mittwoch wurden 288 bestätigte Corona-Neuinfektionen gemeldet.

Das Berliner Frühwarnsystem zur Bewertung der Corona-Lage signalisiert bei Doppel-Gelb Beratungsbedarf. Zeigt die sogenannte Corona-Ampel Doppel-Rot, sieht der Senat Handlungsbedarf.

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rut/news.de/dpa

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