29.09.2020, 14.34 Uhr

Angela Merkel: "Purer Alarmismus!" Übertreibt die Kanzlerin mit ihrer Corona-Warnung?

Die Bundesregierung und allen voran Kanzlerin Angela Merkel sind in Alarmbereitschaft. Die Coronavirus-Zahlen steigen erneut an. Bei der aktuellen Entwicklung rechnet Merkel bis Weihnachten mit 19.200 Neuinfektionen TÄGLICH. Das sagen Experten zu den Zahlen und der dramatischen Corona-Warnung der Kanzlerin.

Angela Merkle rechnet mit fast 20.000 Neuinfektionen TÄGLICH bis Weihnachten. Bild: dpa

Die sonst so besonnene Bundeskanzlerin ist in Alarmbereitschaft. Angela Merkel hatte bei einer Videokonferenz des CDU-Präsidiums am Montag nach Angaben aus Teilnehmerkreisen vor einem deutlichen Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Deutschland gewarnt. Wenn diese sich wöchentlich so weiterentwickelten, werde es zu Weihnachten 19.200 Neuinfektionen am Tag geben. Die Kanzlerin habe das hochrechnen lassen, hieß es.

Fast 20.000 Neuinfektionen TÄGLICH! Angela Merkel mit dramatischer Corona-Warnung

Die auf den ersten Blick utopische Zahl und die dazugehörige Rechnung ist schnell erklärt. Wenn sich die aktuellen Zahlen von jetzt an pro Monat immer einmal verdoppeln, wäre Deutschland im Dezember täglich bei knapp 19.000 Neuinfizierten. Priorität hätten laut Merkel nun Schulen, die Kindertagesstätten und die Wirtschaft. Man müsse lokale Infektionsherde sehr deutlich angehen, sonst habe man an Weihnachten Zahlen wie in Frankreich - wo die Lage wieder extrem angespannt ist. Verantwortlich für die steigenden Zahlen macht Merkel vor allem Partys, religiöse Veranstaltungen und Gaststätten.

Kurz vor der Herbstzeit: Bundeskanzlerin in Alarmbereitschaft durch steigende Corona-Zahlen

In Deutschland wurden bis Dienstag 960 Todesopfer gezählt. Damit liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich bislang besser als viele andere Staaten. Binnen 24 Stunden meldeten die deutschen Gesundheitsämter 289 neue Ansteckungen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag mitteilte. Damit haben sich in Deutschland mindestens 287.421 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 29.9, 0 Uhr). Mehr als 254.000 haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Familienfeiern und Privat-Partys als großes Risiko für Corona-Verbreitung

Zuletzt hatten Merkel und die Länderregierungschefs Ende August in einer Videoschalte nötige Maßnahmen in der Pandemie erörtert. Aus Sorge um steigende Covid-19-Infektionszahlen lehnten Bund und Länder damals Lockerungen der Auflagen ab, sie verschärften diese zum Teil noch. Sorgen bereiteten schon damals vor allem Feiern im privaten und Familienkreis, die als eine der Hauptursachen für die steigenden Infektionszahlen gelten. Mit Blick auf die kalte Jahreszeit dürfte die Angst vor einem Anstieg der Fallzahlen hoch sein. Schließlich verbringen die Menschen dann mehr Zeit in ihren Häusern und Wohnungen anstatt an der frischen Luft.

"Purer Alarmismus"! Hygiene-Experte Zastrow kann Merkel nicht verstehen

Bei so manchem Experten sorgten die Aussagen der Kanzlerin bezüglich der Neuinfektionen und des Infektionsgeschehens für Kopfschütteln. "19.200 Neuinfektionen pro Tag für Weihnachten zu berechnen, ist im besten Fall Kaffeesatzleserei", soHygiene-Experte Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow gegenüber der "Bild". Das habe "nichts mit der Realität zu tun. Wir haben im Schnitt weniger als 2.000 Neuinfektionen pro Tag. So eine Horrorzahl zu nennen, ist purer Alarmismus."

Übertreibt Angela Merkel mit ihrer Corona-Warnung?

Katharina Schüller (43), Vorstandsmitglied der Deutschen Statistischen Gesellschaft, wiederum erklärte bezüglich der Merkel-Prognose, diese sei "denkbar, insbesondere wenn die Zahl der durchgeführten Tests nicht weiter verändert wird". Doch auch sie gibt zu bedenken: "Ob all diese Menschen auch krank werden, steht auf einem ganz anderen Blatt."

Merkel berät mit Ministerpräsidenten über neue Corona-Einschränkungen

Zu welchem Ergebnis Angela Merkel und die Ministerpräsidenten bei ihrer Video-Konferenz an diesem Dienstag kommen, bleibt abzuwarten. Insgesamt schlägt der Bund ein regional abgestuftes Vorgehen vor - keine pauschalen Maßnahmen. Allerdings hatte der Bund angesichts der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen für Feiern in privaten Räumen eine Obergrenze von 25 Teilnehmern vorgeschlagen.

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fka/bua/news.de/dpa