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Coronavirus-News am 22.09. aktuell: Masken, Verbote, Sperrstunde - Bayern wappnet sich für neue Welle

Im Vergleich zum Montag ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen am Dienstag erheblich angestiegen. In Bayern reagiert man mit einer Verschärfung der Corona-Maßnahmen. Die Coronavirus-News und -zahlen vom Dienstag.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, hat neue Verschärfungen im Kampf gegen das Coronavirus angekündigt. Bild: dpa

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland 1.821 neue Corona-Infektionen gemeldet. Dies gab das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag auf seiner Homepage bekannt. Aus den Daten des RKI-Lageberichts geht hervor, dass sich von den vom 14. bis 20. September erfassten Infizierten, bei denen eine Angabe zum Infektionsland vorliegt, 12 Prozent wahrscheinlich im Ausland angesteckt haben.

Damit sank ihr Anteil innerhalb einer Woche deutlich. Vergangene Woche hatte er bei 21 Prozent gelegen. Dem aktuellen Bericht nach wurden auf vier Wochen betrachtet am häufigsten Kroatien, der Kosovo, die Türkei, Rumänien sowie Bosnien und Herzegowina als wahrscheinliche Infektionsländer genannt.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach Angaben des RKI vom Dienstagmorgen mindestens 274.158 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 22.9., 0.00 Uhr).

Coronavirus-News aktuell: Bisher 9.396 Corona-Tote in Deutschland

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9.396. Das sind zehn mehr als am Vortag. Rund 243.700 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Am Samstag war mit 2.297 neuen Corona-Infektionen der höchste Wert seit April erreicht worden. "Nach einer vorübergehenden Stabilisierung der Fallzahlen auf einem erhöhten Niveau ist aktuell ein weiterer Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten", schrieb das RKI in seinem Lagebericht vom Montag.

Zahl der Neuinfektionen abhängig von Anzahl getesteter Personen

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen. Die Zahl war dann in der Tendenz gesunken und im Juli wieder gestiegen. Im August lag die Zahl der Fälle einmal bei knapp über 2.000 (2.034). Die Zahl der erkannten Neuinfektionen ist auch davon abhängig, wie viele Menschen getestet werden.

Reproduktionszahl R-Wert laut RKI bei 1,06, Sieben-Tage-R bei 1,04

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht von Montag bei 1,06 (Vortag: 1,22). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,04 (Vortag: 1,17). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Marburger Bund unterstützt Spahns Fieberambulanzen

Der Ärzteverband Marburger Bund unterstützt die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ins Spiel gebrachten Pläne zu sogenannten Fieberambulanzen. Sie seien "sehr sinnvoll", sagte die Vorsitzende Susanne Johna. "Es gilt unbedingt zu vermeiden, dass Patienten mit anderen Erkrankungen sich scheuen, zum Arzt oder in die Klinik zu gehen. Je klarer wir die Wege für mögliche Covid-19-Patienten bahnen, desto eher trauen sich andere, wieder den Hausarzt aufzusuchen."

Jens Spahn mit neuer Corona-Strategie für den Herbst

Spahn hatte am Montag die Pläne zur Einrichtung der Fieberambulanzen mit Blick auf einen befürchteten Anstieg der Corona-Zahlen konkretisiert. "Es geht darum, eine Infrastruktur zu haben, die sicherstellt, dass nicht im Wartezimmer sich die Menschen untereinander anstecken. Das macht Sinn für Corona und auch bei der Grippe und einer möglichen Grippewelle", sagte Spahn am Montag in Berlin. Der CDU-Politiker sprach von "Schwerpunktsprechstunden", "Schwerpunktpraxen" und "regionalen Fieberambulanzen", an die sich Patienten mit entsprechenden Symptomen künftig wenden können sollen.

Mit Blick auf die steigenden Corona-Infektionszahlen sagte Johna: "Ich bin weniger besorgt, als ich es im Frühjahr war. Wir wissen mittlerweile viel mehr über das Virus." Es gebe genug Schutzkleidung und Masken. Nun gehe es darum, bei den Schutzmaßnahmen nicht nachzulassen. Auch Spahn hält Deutschland im Kampf gegen das Coronavirus für besser gerüstet als noch im Frühjahr. "Wir wissen zum Beispiel besser, wie wir die Intensivkapazitäten in den Kliniken genauer, zielgenauer auch steuern können", sagte der CDU-Politiker am Montagabend in einem ARD-"Extra".

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Nächster Ausbruch in Hamburger Bar: 16 Gäste positiv getestet

Währenddessen hat es im Hamburger Schanzenviertel einen weiteren Corona-Ausbruch gegeben. Nach Informationen von NDR 90,3 sind 16 Menschen positiv getestet worden, alle hatten sich zuvor in der Bar "Le Vou" in der Juliusstraße aufgehalten. Aktuell seinen den Behörden 60 Kontaktpersonen bekannt, weitere werden noch ermittelt, heißt es. Laut dem Bezirksamt Altona seien bislang weder Servicekräfte noch Türsteher betroffen. Demnach ging die Infektion offenbar von einer Gästegruppe aus. Neben den 16 positiv Getesteten befinden sich fünf weitere Betroffene in Quarantäne. Um weitere Ansteckungen zu vermeiden, bittet das Bezirksamt alle Gäste, die sich in der Nacht vom 11. auf den 12. September zwischen 22.30 und 3 Uhr sowie in der Nacht vom 12. auf den 13. September zwischen 22 und 4 Uhr in der Bar aufgehalten haben, das Gesundheitsamt Altona unter der Rufnummer 040-428112000 zu kontaktieren.

Masken, Verbote, Sperrstunde - Bayern stemmt sich gegen Corona-Welle

In besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Kommunen in Bayern gilt künftig nicht nur eine Maskenpflicht auf stark besuchten öffentlichen Plätzen, sondern auch ein Alkoholverbot. Das hat das bayerische Kabinett am Dienstag in München als Reaktion auf die teils wieder stark steigenden Infektionszahlen in dem Bundesland beschlossen. Demnach soll immer bei einer Überschreitung von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Region in sieben Tagen ein Maßnahmenpaket greifen, welches auch eine Sperrstunde zwischen 23.00 und 6.00 Uhr vorsehen kann. Prinzipiell war dies bisher zwar auch möglich, die neue Regelung der Staatsregierung sieht aber vor, dass die Kommunen klarer angehalten werden, die Maßnahmen auch umzusetzen.

Nach Ansicht von Ministerpräsident Markus Söder sind nach wie vor "sehr viele" Urlaubsrückkehrer verantwortlich für die aktuell hohen Corona-Zahlen in Bayern. Der CSU-Politiker sprach zudem von einem übermäßigen Leichtsinn bei vielen Menschen. "Die Zahl derer, die über Leichtsinn sich infizieren, wächst." Dies zeige sich an der hohen Zahl junger Infizierter - da gebe es bei manchen noch kein starkes Bewusstsein für die Gefahr von Corona.

Kommunen: Coronavirus verstärkt Verödung der Innenstädte

Das Coronavirus trägt aus Sicht der Kommunen zur Verödung der Innenstädte bei. "Die Corona-Pandemie wirkt wie ein Katalysator: Sie forciert den Online-Handel und könnte viele Einzelhändler zur Geschäftsaufgabe zwingen", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung am Dienstag in Mannheim. Um Dominoeffekte zu vermeiden, müsse jetzt gehandelt werden. Der Verband fordert eine höhere Städtebauförderung von Bund und Ländern für innovative Innenstadtkonzepte über die derzeit 790 Millionen Euro jährlich hinaus.

Zudem solle das Vorkaufsrecht der Kommunen beim Erwerb von Liegenschaften gestärkt werden, betonte Jung, der auch Leipziger Oberbürgermeister ist. Das in Mannheim zusammengekommene Präsidium des Verbandes schlug überdies vor, dass Kommunen mittels eines von Bund und Ländern gespeisten Fonds Schlüsselimmobilien wie aufgegebene Kaufhausfilialen vorübergehend erwerben können. Mit diesen Gebäuden könnten dann die Zentren neu entwickelt werden.

Die 20 Oberbürgermeister wollen dafür eintreten, den geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung von Grundschülern zeitlich zu entzerren. So soll er nicht im Jahr 2025 erfüllt werden, sondern in einer Stufenlösung zwischen 2025 und 2028. Sonst seien viele Kommunen finanziell, räumlich und organisatorisch überfordert. Nach Angaben des Städtetags müssen dafür rund eine Million zusätzliche Plätze geschaffen werden. Auch das dafür notwendige Personal muss auf dem leer gefegten Markt gefunden werden.

SPD-Politiker Lauterbach: Corona-Warn-App wird unterschätzt

Die Corona-Warn-App wird nach Meinung des Mediziners und SPD-Politikers Karl Lauterbach unterschätzt. "Ich glaube, dass die goldene Zeit der App jetzt in den nächsten Monaten erst kommt", sagte der Bundestagsabgeordnete am Dienstag dem Radiosender RPR1 in Ludwigshafen. "Jetzt im Herbst, wenn die Fallzahlen deutlich steigen, wird die App ein Segen sein." Grundsätzlich habe sie fast immer gut funktioniert, es seien mehrere hundert Warnungen rausgegangen.

Die Corona-Warn-App kann seit Mitte Juni auf Smartphones installiert werden. Sie wurde mittlerweile mehr als 18 Millionen Mal heruntergeladen. Seit der Veröffentlichung im Juni waren mehrfach Fehler entdeckt und wieder behoben worden.

Laschet schließt landesweite Verschärfung der Corona-Auflagen aus

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat eine landesweite Verschärfung der Corona-Auflagen trotz der steigenden Infektionszahlen vorerst ausgeschlossen. "Wir wollen keinen flächendeckenden Lockdown in NRW", sagte Laschet am Dienstag auf dem Wasserschloss Anholt in Isselburg. Bisher seien die Infektionsketten rückverfolgbar. Es werde daher weiter lokal reagiert, wie etwa in Hamm, wo die Auflagen verschärft worden seien. "Nein, neue Regeln brauchen wir nicht», sagte Laschet. "Aber es wäre gut, wenn sich alle an die Regeln halten würden." Wenn es - wie in Hamm - Verstöße gebe, müsse darauf mit Ordnungswidrigkeitsverfahren reagiert werden. "Wenn es in Hamm Probleme gibt, muss man aber nicht Menschen in der Eifel und im Sauerland dafür leiden lassen."

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fka/news.de/dpa