05.09.2020, 14.52 Uhr

Coronavirus News aktuell: Spahn fordert: Herbst- und Weihnachtsurlaub in Deutschland verbringen

Während die Gesundheitsämter knapp 1400 neue Corona-Infektionen melden, kann sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine verkürzte Corona-Quarantäne vorstellen. Prof. Drosten schlägt einen "Notfallmodus" vor.

Die Gesundheitsämter haben knapp 1400 Corona-Neuinfektionen registriert. Bild: dpa

In Hamburg sind 250 Corona-Laborproben von Rückkehrern aus Risikogebieten verloren gegangen. Ursache sei eine falsche Zuordnung, teilte die Gesundheitsbehörde am Freitag mit. Betroffen seien Menschen, die sich am vergangenen Freitag im Testzentrum am Flughafen auf das Coronavirus haben testen lassen. Sie würden nun kontaktiert und sollten nun schnellstmöglich erneut getestet werden. Alle 250 Personen befänden sich seit der Rückkehr in Quarantäne, hieß es. Eine Infektionsgefahr für die Bevölkerung bestehe nicht.

Coronavirus News aktuell: Corona-Test-Desaster in Bayern - 10.000 Menschen betroffen

Erst am Donnerstagabend hatte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Verzögerungen bei den Teststationen an Flughäfen eingeräumt. Grund sei bei den rund 10.000 betroffenen Menschen "ein Schnittstellenproblem in der Datenverarbeitung" beim privaten Dienstleister Ecolog. Bereits zuvor hatte es Probleme bei der Übermittlung an mehreren Teststellen in Bayern gegeben. Mitte August war bekannt geworden, dass Zehntausende Menschen tagelang auf das Ergebnis ihres Corona-Tests gewartet hatten - darunter auch mehr als 900 positiv Getestete.

Spahn fordert: Herbst- und Weihnachtsurlaub in Deutschland verbringen

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Bürger angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie eindringlich aufgerufen, Herbstferien und Weihnachtsurlaub in Deutschland zu verbringen. Man habe beim Winterurlaub in Ischgl und im Sommerurlaub gesehen, dass "zumindest bestimmte Arten von Reisen und Urlaub Risiken mit sich bringen und Infektionen mit zurück nach Deutschland bringen, sagte Spahn. "Das haben wir mit großem Aufwand, aber jetzt für diese Reiserückkehrer-Situation gut in den Griff bekommen."

Zugleich appellierte Spahn an die Menschen: "Aber vielleicht schaffen wir es ja auch alle zusammen, mal für den Herbsturlaub und vielleicht auch gleich für den Weihnachtsurlaub mit, nicht so weit zu fahren. Sondern einfach mal die Schönheit Deutschlands zu genießen." Der Minister fügte hinzu: "Das macht's uns allen, übrigens auch den Gesundheitsämtern vor Ort, deutlich leichter."

1378 neue Corona-Infektionen aktuell in Deutschland

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Samstagmorgen 1378 neue Corona-Infektionen gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 248.997 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 5.9., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9324. Seit dem Vortag wurden zwei Todesfälle mehr gemeldet. Bis Samstagmorgen hatten etwa 222 900 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Coronavirus aktuell: Reproduktionszahl steigt wieder leicht auf 0,85

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Freitag bei 0,85(Vortag: 0,77). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 0,94(Vortag: 0,91). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Spahn offen für kürzere Corona-Quarantäne von zehn Tagen - Drosten schägt "Notfallmodus" vor

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist offen für eine mögliche Verkürzung der Quarantäne bei Corona-Verdachtsfällen von derzeit 14 auf nur noch zehn Tage. Es gelte jetzt abzuwägen, was "die richtige Quarantäne-Länge" für Herbst und Winter sei, sagte der CDU-Politiker. Bis Anfang Oktober solle ein angepasstes Konzept zum weiteren Vorgehen bei Tests und Quarantäne erarbeitet werden.

Der Berliner Virologe Christian Drosten präzisierte Vorschläge für den Umgang mit Corona-Infizierten und Verdachtsfällen. In einer E-Mail an die Deutsche Presse-Agentur ging er am Freitag auf einen von ihm vorgeschlagenen "Notfallmodus" für den Fall ein, "wenn die Gesundheitsämter die Fallverfolgung nicht mehr leisten können, die Inzidenz steigt, und deshalb ein Lockdown unausweichlich erscheint!." Die Gesundheitsämter sollen sich dann auf sogenannte Quellcluster konzentrieren, also auf Gruppen, in denen sich ein Infizierter angesteckt haben könnte. "Ich führe den Begriff "Abklingzeit" ein, weil in dieser Notfallsituation ein Quellcluster weitgehend unbestätigt isoliert wird und man einfach annimmt, dass die meisten Mitglieder infiziert sind", schreibt Drosten. "Ich empfehle hier das Vorgehen wie bei der Einzelisolation: Fünf Tage Isolierung, danach Testung." Er empfehle diese kurze Zeit, weil in Quellclustern die meisten Infizierten zu einem einzigen Zeitpunkt infiziert würden.

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rut/news.de/dpa

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