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Coronavirus News aktuell : 250 Corona-Laborproben verloren gegangen

Das Robert Koch-Institut hat seine Coronazahlen für den Freitag deutlich nach oben korrigiert. Derweil sind in Hamburg Corona-Tests verloren gegangen. Jens Spahn spricht sich für eine Quarantäne-Zeit von zehn Tagen aus.

Das Robert Koch-Institut hat seine Coronazahlen für den Freitag deutlich nach oben korrigiert. Bild: dpa

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland rund 1430 neue Corona-Infektionen gemeldet. Das geht aus Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Freitag hervor. Zunächst hatte das Institut am frühen Morgen wesentlich weniger Fälle angegeben (782). Später berichtete das RKI von technischenProblemen und schrieb, es seien 650Fälle zu wenig ausgewiesen worden. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach rund 247.600 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Bis Freitagmorgen hatten etwa 221.900 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Coronavirus News aktuell: R-Wert sinkt weiter - Fall zahlen stabilisieren sich

Das RKI schreibt imLagebericht vonDonnerstagabend: "Der seit Mitte Juli beobachtete Zuwachs in den übermittelten Fallzahlen hat sich in der letzten Woche stabilisiert und die 7-Tage-Inzidenz ist bundesweit wieder gesunken." Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Donnerstagabend bei 0,77 (Vortag: 0,80). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 0,91 (Vortag: 0,91). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

 

250 Corona-Laborproben in Hamburg verloren gegangen

In Hamburg sind 250 Corona-Laborproben von Rückkehrern aus Risikogebieten verloren gegangen. Ursache sei eine falsche Zuordnung, teilte die Gesundheitsbehörde am Freitag mit. Betroffen seien Menschen, die sich am vergangenen Freitag im Testzentrum am Flughafen auf das Coronavirus haben testen lassen. Sie würden nun kontaktiert und sollten nun schnellstmöglich erneut getestet werden. Alle 250 Personen befänden sich seit der Rückkehr in Quarantäne, hieß es. Eine Infektionsgefahr für die Bevölkerung bestehe nicht.

Erst am Donnerstagabend hatte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Verzögerungen bei den Teststationen an Flughäfen eingeräumt. Grund sei bei den rund 10 000 betroffenen Menschen «ein Schnittstellenproblem in der Datenverarbeitung» beim privaten Dienstleister Ecolog. Bereits zuvor hatte es Probleme bei der Übermittlung an mehreren Teststellen in Bayern gegeben. Mitte August war bekannt geworden, dass Zehntausende Menschen tagelang auf das Ergebnis ihres Corona-Tests gewartet hatten - darunter auch mehr als 900 positiv Getestete.

Spahn offen für kürzere Corona-Quarantäne von zehn Tagen


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist offen für eine mögliche Verkürzung der Quarantäne bei Corona-Verdachtsfällen von derzeit 14 auf nur noch zehn Tage. Es gelte jetzt abzuwägen, was «die richtige Quarantäne-Länge» für Herbst und Winter sei, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Bis Anfang Oktober solle ein angepasstes Konzept zum weiteren Vorgehen bei Tests und Quarantäne erarbeitet werden. «Ich kann mir gut vorstellen, dass dazu gehört, eine zehntägige Quarantäne für Reiserückkehrer und möglicherweise darüber hinaus.» Es sei zu klären, ob die Praktikabilität und die tatsächliche Bereitschaft zur Quarantäne dann überwiegen könnten.

Spahn sagte, in der Debatte gehe es nicht um falsch oder richtig. So gebe es Argumente für eine Quarantäne von 20 wie von zehn Tagen. Je länger die Quarantäne, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, alle potenziell Infizierten zu erfassen und die Weiterverbreitung des Virus gen Null zu bringen. Auf der anderen Seite stünden der Aufwand und Belastungen für die Betroffenen, aber auch für die Wirtschaft, Kitas oder Schulen. Spahn verwies auf Berechnungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für symptomfreie Reiserückkehrer. Demnach seien bei einer 14-Tages-Quarantäne zwei von 100 Infizierten nicht herausgefiltert worden, bei einer Zehn-Tages-Quarantäne vier von 100.

Spahn will über mögliche Neuregelungen mit den Ländern beraten: «Ich möchte gern ein einheitliches Vorgehen haben.» Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Berlins Senatorin Dilek Kalayci (SPD), hält eine kürzere allgemeine Quarantäne ebenfalls für denkbar. «Es gibt unterschiedliche wissenschaftliche Untersuchungen dazu und auch Erfahrungen in anderen europäischen Ländern, beispielsweise von 14 auf zehn Tage zu gehen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Das RKI sei um Berechnungen gebeten worden, wie hoch die Infektiosität nach zehn, 14 und eventuell sieben Tagen sei. «Für viele Menschen ist die 14-tägige Quarantäne eine ganz große Herausforderung, wenn Kitas, Schulen betroffen sind, Eltern, Arbeitgeber», sagte Kalayci dem ZDF.

Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) sagte: «Sowohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Monate als auch die Erfahrungen aus der Praxis deuten stark darauf hin, dass eine Verkürzung der Quarantäne von den heute vorgeschriebenen 14 Tagen vertretbar wäre.» Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte der dpa: «Entscheidend sind gesicherte medizinische Erkenntnisse.» Seine Regierung führe intensive Gespräche mit Virologen in Bayern. Auch Gesundheitspolitiker im Bundestag befürworteten neue Regeln.

Das Bundesministerium erläuterte, dass sich die meist häusliche Quarantäne etwa auf Menschen bezieht, die Kontakt zu Infizierten hatten. Sie soll vermeiden, dass man in der Inkubationszeit ungewollt andere infiziert. Davon sind Isolierungen von Infizierten zu unterscheiden, die das Virus ausscheiden. Das RKI hatte die empfohlene Dauer dafür kürzlich von 14 auf zehn Tage gesenkt. Spahn sagte, er sehe keine Notwendigkeit, nun erneut davon abzuweichen.

Er äußerte sich erneut zurückhaltend auch mit Blick auf den Herbst und Winter und Ereignisse wie Weihnachtsmärkte oder Karnevalsfeiern. Hier gelte es, mit der nötigen Vorsicht heranzugehen und Risiken zu reduzieren. Vor allem bei geselligem Miteinander auf engem Raum wie bei Feiern breiteten sich Infektionen leichter aus. «Das Virus ist der Spielverderber, nicht ich.» Daher sollten alle Bürger überlegen, ob etwa Feiern sein müssten und in welchem Umfang - und auch, wohin sie im Herbst reisen. Wenn es gelinge, Weihnachtsmärkte mit Hygiene, Abstand und Masken zu versehen, ohne ihren Charakter infrage zu stellen, könnte es das sicherlich auch geben.

Spahn bekräftigte, dass der Bund die Gesundheitsämter personell und technisch unterstützen will. Am kommenden Dienstag will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Vertretern von Ämtern, Kommunen und Ländern darüber beraten. Spahn schlug als mittelfristige Idee vor, ein Netzwerk von "Gesundheitsreservisten" aufzubauen, die in den Kommunen bei größeren Infektionsfällen mithelfen könnten.

Der Berliner Virologe Christian Drosten präzisierte Vorschläge für den Umgang mit Corona-Infizierten und Verdachtsfällen. In einer E-Mail an die Deutsche Presse-Agentur ging er am Freitag auf einen von ihm vorgeschlagenen "Notfallmodus" für den Fall ein, "wenn die Gesundheitsämter die Fallverfolgung nicht mehr leisten können, die Inzidenz steigt, und deshalb ein Lockdown unausweichlich erscheint".

Die Gesundheitsämter sollen sich dann auf sogenannte Quellcluster konzentrieren, also auf Gruppen, in denen sich ein Infizierter angesteckt haben könnte. «Ich führe den Begriff "Abklingzeit" ein, weil in dieser Notfallsituation ein Quellcluster weitgehend unbestätigt isoliert wird und man einfach annimmt, dass die meisten Mitglieder infiziert sind», schreibt Drosten. "Ich empfehle hier das Vorgehen wie bei der Einzelisolation: Fünf Tage Isolierung, danach Testung." Er empfehle diese kurze Zeit, weil in Quellclustern die meisten Infizierten zu einem einzigen Zeitpunkt infiziert würden.

Drosten hatte zu diesem Thema auch in einem am Dienstag veröffentlichen Podcast des NDR gesprochen. Die Deutsche Presse-Agentur hatte berichtet, dass Drosten sich für eine Verkürzung der Quarantänezeit für Menschen mit Verdacht auf eine Coronainfektion von 14 auf fünf Tage ausspricht - ohne explizite Erwähnung der genauen Umstände einer solchen Maßnahme.

Corona-Tests in Bayern schon wieder zu spät zugestellt - 10.000 Menschen betroffen

Derweil gibt es offenbar erneute Corona-Test-Probleme in Bayern. Wie die "Bild"-Zeitung schreibt, seien bei an Flughäfen genommen Proben ab dem 29. August "wachsende Rückstände bei der Befundübermittlung erkannt" worden. Offenbar wurde die geplante Zustellung innerhalb von 48 Stunden nicht eingehalten. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit soll den Fehler selbst eingeräumt haben. Von der jüngsten Panne bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen in Bayern sind rund 10.000 Menschen betroffen. Das sagte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums am Freitag in München.

Wie der "Bayerische Rundfunk" erklärt, soll es auch bei den Teststationen an Autobahnen sowie am Münchner Hauptbahnhof gegeben haben.

Berlin kämpft gegen Corona-"Super-Spreader"-Events

Um der bedrohlichen Corona-Lage in Berlin Herr zu werden, müssen die Behörden gegen gleich mehrere "Super-Spreader"-Events vorgehen. Unter anderem dabei: eine Sexparty, die laut RTL-Bericht Ende August in Mitte gefeiert wurde. Wie viele Teilnehmer die Veranstaltungen besucht haben und wie viele Personen sich dabei angesteckt haben könnten, ist laut RTL noch unklar. Angeblich sollen 35 kritische Vorkommnisse danach, darunter an vier Schulen und fünf Arztpraxen, ins Blickfeld geraten sein.

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rut/news.de/dpa

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