06.07.2020, 13.21 Uhr

Corona-Krise in Deutschland aktuell: "Zumutbare Zumutung!" DARUM bleibt die Maskenpflicht bestehen

Zwar ist die Coronavirus-Pandemie noch nicht ausgestanden, dennoch denken erste Bundesländer über eine Abschaffung der Maskenpflicht nach. Spitzenpolitiker lehnen die Debatte jedoch ab. Das Tragen einer Maske sei eine "zumutbare Zumutung".

Soll die Maskenpflicht beim Einkaufen abgeschafft werden? Bild: dpa

Am Wochenende entfachte erneut eine Debatte über ein baldiges Ende der coronabedingten Maskenpflicht im Handel. Doch aus der Sicht mehrerer Bundesländer sei es dafür noch zu früh.Bayern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Hamburg sprachen sich deutlich gegen ein zeitnahes Ende der Pflicht für den Mund-Nasen-Schutz in Geschäften aus.

Coronavirus-News aktuell: Darum wird die Maskenpflicht beim Einkaufen nicht abgeschafft

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn klinkte sich in die Debatte ein und mahnte am Sonntag zur Vorsicht. "Ich verstehe die Ungeduld und den Wunsch nach Normalität. Aber das Virus ist noch da. Wo in geschlossenen Räumen der nötige Abstand nicht immer gesichert ist, bleibt die Alltagsmaske geboten", schrieb der CDU-Politiker auf Twitter.

"Schutzmaske ist keine Vermummung!" Karl Lauterbach warnt vor frühzeitiger Aufhebung der Maskenpflicht

Mit dieser Meinung ist der Bundesgesundheitsminister nicht allein. Karl Lauterbach warnte ebenfalls vor einer frühzeitigen Aufhebung der Regelung. "Die Maskenpflicht im Handel ist eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen das Coronavirus. Es wäre das völlig falsche Signal, diese Pflicht jetzt schon wieder aufzuheben", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post". "Schafft eine Landesregierung die Maskenpflicht ab, experimentiert sie mit der Gesundheit der Menschen und erhöht das Risiko für eine zweite Infektionswelle."

Auf Twitter reagierte der Gesundheitsexperte der SPD auf einen Artikel der "Bild"-Zeitung der unter dem Slogan "Gesicht zeigen" zum Abschaffen der Maskenpflicht aufrief. "Ich sehe es genau anders. Wer ohne Maske einkauft und die Ware mit seinen Droplets kontaminiert oder das Personal und alte Menschen gefährdet mag zwar 'sein Gesicht zeigen'. Das gleiche nicht zu tun wäre aber 'Charakter und Verstand zu zeigen'. Schutzmaske ist keine Vermummung", heißt es in dem Tweet von Lauterbach.

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Der SPD-Parteivorsitzende Norbert Walter-Borjans lehnt eine Aufhebung der Maskenpflicht im Einzelhandel ab und liegt damit nach eigener Aussage auf einer Linie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Ich habe heute noch mit der Bundeskanzlerin darüber gesprochen und wir sind uns einig, dass das Maskentragen in Geschäften eine Zumutung ist, aber eine zumutbare Zumutung", sagte Walter-Borjans am Sonntagabend auf "Bild live".

Der SPD-Chef sprach sich dafür aus, in der Corona-Pandemie weiter Vorsicht walten zu lassen. "Im Geschäft werde ich eine Maske anziehen. Und wenn das alle tun, haben wir einen großen Teil von Infektionsmöglichkeiten eingedämmt", sagte Walter-Borjans. Das werde er auch anderen Sozialdemokraten sagen, die zu mehr Lockerungen neigten.

"Wieso fällt es diesen Menschen so unglaublich schwer?" Twitter wütet gegen Maskenpflicht-Debatte

Während die Debatte um eine Abschaffung der Maskenpflicht vorerst beendet scheint, regt sich auf Twitter bereits heftiger Widerstand gegen eine zu frühe Lockerung. So prophezeit Twitternutzer @ruhsein bereits, wie die Politik auf steigende Infektionszahlen nach einer Lockerung der Maskenpflicht auswirken könne: "1. Durch Schutzmassnahmen wie von Experten empfohlen Katastrophe verhindern. 2. Erste Lockerungen einführen, weil die Katastrophe ja ausblieb. 3. Kleine, örtliche Katastrophen ignorieren. 4. Große Lockerung durchziehen, #Maskenpflicht abschaffen. 5. "Konnte ja keiner ahnen!"

"Sind die Masken wirklich unser größtes Problem", fragt sich der Journalist Gabor Halasz auf Twitter. "Es kostet nicht viel, sie zu tragen. Warum diskutieren Politiker also über die #Maskenpflicht? Und nicht über die wirklich wichtigen Dinge: Zum Beispiel Konzepte für Schulen und Kitas." Eine wirklich gute Frage! "#Maskenpflicht scheint für manche Menschen ähnlich persönlichkeitseinschränkend zu sein wie ein #Tempolimit, oder? Wieso fällt es diesen Menschen so unglaublich schwer, an die Gesundheit und Unversehrtheit ihrer Mitmenschen zu denken?", regt ein weiterer Twitter-Nutzer an.

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"Der größte Fehler in der Kommunikation war, dass Maskentragen die anderen schützt", mutmaßt eine andere Twitter-Nutzerin, warum die Maske ein so großes Problem für viele sei.

Merkel: Tragen von Masken bleibt wichtiges und unverzichtbares Mittel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt die seit dem Wochenende diskutierte Abschaffung der coronabedingt eingeführten Maskenpflicht in Geschäften strikt ab. "Überall dort, wo im öffentlichen Leben der Mindestabstand nicht gewährleistet sein kann, sind Masken ein wichtiges und aus heutiger Sicht auch weiter unverzichtbares Mittel", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Dies sei nötig, "um die Infektionszahlen niedrig zu halten und um unsere Mitmenschen und uns selbst zu schützen".

"Also: Ob im Bus, in der U-Bahn oder im Einzelhandel soll es bei der Pflicht bleiben, Masken zu tragen." Das sei gerade jetzt in der Sommerferienzeit wichtig, erklärte Seibert. "Auch Regionen, die womöglich jetzt sehr geringe Fallzahlen hatten, bekommen nun Zulauf aus anderen Teilen des Landes." Die neue Mobilität sei zu begrüßen. "Aber sie muss einhergehen mit der Beachtung der Regeln, die uns bisher in den vergangenen Monaten im Kampf gegen diese Pandemie so gut gedient haben, nämlich Abstand, Hygieneregeln und eben da, wo es nötig ist, Maskenpflicht."

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hatte die Debatte über ein baldiges Ende der coronabedingten Maskenpflicht im Handel in der "Welt am Sonntag" losgetreten.

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bua/fka/news.de/dpa

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