07.05.2020, 19.30 Uhr

Coronavirus-News : Drama um Lockerungen! Angela Merkel war "kurz davor aufzugeben"

Seit Wochen mahnt die Kanzlerin in der Corona-Krise zu Geduld, doch immer wieder preschten Ministerpräsidenten vor. Jetzt drehte Merkel den Spieß um. Dem sei angeblich ein regelrechter "Nervenkrieg" vorausgegangen.

Angela Merkel delegiert die Corona-Verantwortung an die Länderchefs. Bild: dpa

Wochenlang versucht die Kanzlerin, die Schar der Ministerpräsidenten in der Corona-Krise zusammenzuhalten. Vor zwei Wochen noch spricht Angela Merkel mit ihrer Warnung vor "Öffnungsdiskussionsorgien" sogar eine Art Machtwort. Genutzt hat es offensichtlich wenig. Zu stark ist wohl der Druck von Bürgern und Wirtschaft in den Ländern, auf einen schnelleren Öffnungskurs umzuschwenken.

Coronavirus: Aktuelle Lockerungen beim Kontaktverbot im Mai

Jetzt kommen die lange erhofften Corona-Lockerungen noch im Mai. Lokale, Gaststätten und Hotels sollen öffnen, Geschäfte ohne die 800 Quadratmeter-Begrenzung Kunden begrüßen. Schulen und Kitas sollen schrittweise geöffnet werden, künftig dürfen sich wieder Angehörige aus zwei Haushalten treffen dürfen, mit Abstand.

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Coronavirus-News aktuell: Neue Lockerungen für Musikschulen, Bars, Clubs und Diskotheken

Viel Verantwortung überlässt der Bund den Ländern. Diese sollen in eigener Verantwortung über die schrittweise Öffnung in anderen Bereichen entscheiden. Dazu gehören etwa der Vorlesungsbetrieb an Hochschulen, die Öffnung von Musikschulen, Bars, Clubs und Diskotheken, Messen, Fahrschulen und Kosmetikstudios. Das gilt auch für Theater, Konzerthäuser und Kinos. Dahin ist das einheitliche Vorgehen von Bund und Ländern in der Krise. Schon am Tag vor der Schalte mit den Länderchefs brachen die Dämme. Ein wilder Wettbewerb um die besten Lockerungen begann. Die Stimmung unter den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten schien zunehmend gereizt.

Corona-Lockerungen: Angela Merkel war "kurz davor aufzugeben"

Und offenbar setzte sich diese Stimmung auch bei der Schalte der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin fort. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, habe es einen regelrechten "Nervenkrieg der Länder mit der Kanzlerin" gegeben. In der Sitzung, die über vier Stunden lang dauerte, sei Merkel besonders beim Thema Kontakteverbote offenbar der Verzweiflung nahe gewesen, schreibt die "Bild". Angeblich soll Merkel, mutmaßlich "entnervt von Streitlust und Rededrang der 16 Länderchefs", davon gesprochen haben, sie sei "kurz davor aufzugeben".

Die Pragmatikerin Merkel dürfte erkannt haben, dass dieser Wettbewerb von ihr nicht mehr einzufangen ist - sie drehte den Spieß um. Nach dem Motto: Wenn Ihr macht, was Ihr wollt, dann übernehmt Ihr auch die volle Verantwortung für Euer Tun. Die Länder müssen nun zusehen, dass das Infektionsgeschehen in ihren Landkreisen und kreisfreien Städten im Zaum gehalten wird. Sie müssen ansonsten sofort mit Gegenmaßnahmen reagieren, wenn die Infektionszahlen aufgrund ihrer Lockerungen wieder hochgehen. Das könnte durchaus ein starker Hebel des Bundes in der Krise werden.

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rut/news.de/dpa

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