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30.12.2019, 13.47 Uhr

Manfred Stolpe ist tot: Trauer um Brandenburgs Ex-Ministerpräsident! Er wurde 83 Jahre alt

Er war der erste Ministerpräsident von Brandenburg nach der Wiedervereinigung, im Kabinett Schröder war er Verkehrsminister. Vor allem wegen seiner früheren Kontakte zur Stasi war Manfred Stolpe immer umstritten. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Manfred Stolpe ist gestorben. Bild: dpa

Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe ist tot. Der SPD-Politiker ist im Alter von 83 Jahren gestorben.Das teilte die Staatskanzlei Brandenburg in Potsdam am Montag im Namen der Familie mit. Der langjährige Ministerpräsident des Landes Brandenburg sei nach langer Krankheit "friedlich eingeschlafen", heißt es in dem Statement.

Manfred Stolpe ist tot: SPD-Politiker stirbt nach jahrelangem Kampf gegen den Krebs

Manfred Stolpe kämpfte bereits seit 15 Jahren gegen den Krebs. 2004 erkrankte er an Darmkrebs, später litt er auch an Leberkrebs. Zuletzt lehnte ernach einem Zeitungsbericht die weitere Behandlung seiner Krebserkrankung ab. Er wolle sich medizinisch beobachten lassen, sich aber keiner Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung mehr unterziehen, hieß es damals. Die Behandlungen der letzten Jahre hätten Stolpe stark zugesetzt. Im Februar berichtete "Bild", dass Stolpe zuletzt kaum noch laufen und sprechen konnte. 

"Ich kann problemlos ‚ja' oder ‚nein' sagen. Das reicht nicht. Deshalb benutze ich ein Sprachgerät und antworte schriftlich. Meine Mobilität ist stark eingeschränkt", erklärte er damals in dem Interview mit der Zeitung.

Politiker trauern um Manfred Stolpe

Stolpe war der erste Brandenburger Ministerpräsident nach der Wiedervereinigung. Kollegen, Freunde und Politiker reagierten bestürzt auf den Tod des SPD-Mannes. Brandenburgs aktueller Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte:"Dies ist ein Tag tiefer Trauer. Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst." Manfred Stolpe sei "der Vater des modernen Brandenburgs" gewesen. "Er trug die Liebe zu Brandenburg in seinem Herzen, lange schon bevor unser Land 1990 gegründet wurde. Er gab dem Land Stimme und Gesicht. Im besten Sinne des Wortes war Manfred Stolpe Landesvater und Mutmacher in einem.", so Woidke weiter.

Manfred Stolpe gestorben: Letzter öffentlicher Auftritt im Jahr 2018

Seinen letzten Auftritt in der Öffentlichkeit absolvierte der SPD-Mann am 18. Dezember 2018 in Potsdam. Während der schweren Jahre immer an seiner Seite: Stolpes Ehefrau Ingrid, die ihrem Mann bis zuletzt nicht von der Seite wich.

Manfred Stolpe verstorben: So begann er seine Politik-Karriere

Stolpe wurde 1936 bei Stettin geboren und studierte nach dem Abitur in Greifswald ab 1955 an der Uni Jena Rechtswissenschaften. Danach zog es ihn in den Kirchendienst. In der DDR galt er als Vordenker einer Kirchenpolitik, die sich als "Kirche im Sozialismus" verstand. In den 1980er Jahren war er als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg auch im Westen bekannt.

1990 wurde Stolpe SPD-Mitglied, trat als Spitzenkandidat an und wurde im November von einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90 zum ersten Ministerpräsidenten Brandenburgs gewählt. Einen Namen machte sich Stolpe dabei als Vertreter der Interessen Ostdeutschlands. Er forderte staatliche Programme zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und eine Kurskorrektur bei der Treuhandanstalt, die Volkseigene Betriebe fit machen und privatisieren sollte.

Manfred Stolpe und seine Stasi-Vergangenheit

Seine Vergangenheit wurde immer wieder kritisch thematisiert. Stolpe hatte als Kirchenfunktionär Kontakte mit der Stasi, die Behörde führte ihn gar als Inoffiziellen Mitarbeiter. Die Leitung der evangelischen Kirche erklärte Mitte der 1990er Jahre nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein "Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen". 2005 - Stolpe sprach von später Genugtuung - entschied das Bundesverfassungsgericht zudem, dass Stolpe nicht als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen sei.

In den 1990er Jahren war Stolpe in Brandenburg sehr beliebt - doch Vorzeigeprojekte wie der Lausitzring, der Cargolifter oder die Chipfabrik in Frankfurt/Oder scheiterten oder liefen nicht wie erhofft. Überraschend erklärte Stolpe 2002, als Regierungschef zurücktreten zu wollen, um einen Generationenwechsel zu ermöglichen.

Ähnlich überraschend wurde Stolpe wenige Monate später im zweiten Kabinett von SPD-Kanzler Gerhard Schröder als "Gesicht des Ostens" Verkehrsminister. Nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 trat Stolpe dann von der politischen Bühne ab. Im Hintergrund kümmerte sich der Ruheständler verstärkt um den Erhalt historischer Baukultur.

Trotz Krebserkrankung nahm Stolpe noch viele Termine wahr

Trotz einer Krebserkrankung nahm Stolpe zunächst noch viele Termine wahr und meldete sich auch immer wieder zu Wort. So sagte er in einem Interview der Zeitungen "Bild" und "B.Z." im Februar 2019: "Einige Regionen Ostdeutschlands fühlen sich vergessen." Er zog sich dann aber zunehmend zurück.

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zurück Weiter Jan Fedder, Schauspieler (14.01.1955 - 30.12.2019) (Foto) Foto: Angelika Warmuth / picture alliance / dpa Kamera

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sba/news.de/dpa

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