Von news.de-Redakteurin Ina Bongartz - Uhr

Sahra Wagenknecht exklusiv: Darum sollte Deutschland Angela Merkel nicht überschätzen

Sahra Wagenknecht kämpft als Fraktionsführerin der Linken im Bundestag gegen den Kapitalismus. Bild: dpa

Sie sind oft zu Gast in politischen Talkshows wie der von Frank Plasberg oder Anne Will. Wie sehr frustriert es Sie, dass Sie Ihre Ideen und Ansichten zwar verkünden, aber nicht in Regierungsverantwortung umsetzen können?

Sahra Wagenknecht: Natürlich fände ich es besser, wenn wir eine Chance hätten, unsere Ideen auch umzusetzen. Aber dafür brauchen wir entweder eine Mehrheit oder politische Partner, die in die gleiche Richtung wollen. Je besser es gelingt, Menschen zu überzeugen, desto wahrscheinlicher wird es, dass bestimmte Ideen irgendwann auch realisiert werden können.

Haben Sie Verständnis für die Menschen, die sich in Scharen Pegida und der AfD anschließen?

Sahra Wagenknecht: Die AfD profitiert von Angst und Verunsicherung. Letztlich wird eine erstarkende AfD die Lebensverhältnisse von Geringverdienern, Dauerbefristeten oder Rentnern mit niedrigen Renten nicht verbessern, weil sie selbst dem neoliberalen Programm anhängt. Aber ich finde wichtiger, dass wir Linken uns fragen müssen, warum wir diese Menschen in so großer Zahl nicht mehr erreicht haben. Hier müssen wir etwas ändern.

Wenn Angela Merkel morgen zurücktreten würde - was würden Sie als erstes tun?

Sahra Wagenknecht: Nunja, das kommt darauf an, wer statt dessen kommt. Merkel hat unendlich viel falsch gemacht in ihrer Regierungszeit, aber nicht jeder denkbare Nachfolger wäre eine Verbesserung.

Wie endet folgender Satz? Deutschland ohne Angela Merkel wäre...

Sahra Wagenknecht: ... ach, man sollte Angela Merkel auch nicht überschätzen. Auch ohne sie wäre Deutschland ein zutiefst sozial gespaltenes Land. Solange, bis endlich einmal wieder Politiker das Ruder übernehmen, denen die Wünsche und der Wohlstand normaler Bürger wichtiger sind als die Gewinne großer Unternehmen und Banken und der Reichtum der oberen Zehntausend.

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boi/lid/news.de

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