Von news.de-Redakteurin Franziska Obst - 17.01.2014, 08.52 Uhr

Präventiv weggesperrt: Ein Leben im Knast auf unbestimmte Zeit

Wie weit darf die Justiz gehen, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten? Ist es rechtens, einen Täter präventiv für einen ungewissen Zeitraum wegzusperren? Schaut man sich einmal das Rechtssystem der Schweiz an, dann ist die klare Antwort «Ja». Psychiater entscheiden hier über Freiheit oder Hölle.

War der Strafvollzug in der Schweiz vor wenigen Jahren noch auf die Resozialisierung der Insassen ausgerichtet, so ist mittlerweile eine Entwicklung vom Schuld- hin zum Präventivstrafrecht erkennbar.

Forensische Psychiater haben nun die Aufgabe, zu beurteilen, ob ein Häftling ihrer Meinung nach wieder straffällig wird oder ob man ihn ruhigen Gewissens entlassen kann. Eine schwere Bürde, schließlich entscheiden diese damit mehr oder weniger über Leben und Tod.

Die SRF-Doku «Im Zweifel für die Sicherheit - Präventiv weggesperrt» setzte sich mit dieser Entwicklung auseinander und sprach mit Inhaftierten, Psychiatern aber auch mit Strafrechtsprofessoren.

Nach Jahrzehnten aufgeklärt
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Im Hafturlaub schlug der Vergewaltiger erneut zu

Die Wende im Schweizer Strafvollzug brachte der Fall Erich Hauert. 1993 vergewaltigte und ermordete der Sexualstraftäter während seines Hafturlaubes die 20-jährige Pfadfinderführerin Pasquale Brumann. Im Gefängnis saß er wegen elf Vergewaltigungen und zwei Sexualmorden. Warum also durfte er das Gefängnis überhaupt verlassen? Ein Aufschrei ging durch die Bevölkerung.

Frank Urbaniok, Professor für forensische Psychiatrie, erinnert sich: «Dieser Fall hat einen Systemfehler des Strafvollzugs aufgezeigt. Der Systemfehler ist gewesen, dass man keine individuellen Risikobeurteilungen gemacht hat.» Doch das sollte sich bald ändern: 2004 kam es schließlich zur sogenannten Verwahrungsinitiative.

FOTOS: Haft im Ausland Was Gefangene weltweit erleiden

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