Von news.de-Redakteur Sebastian Haak - 21.01.2009, 12.46 Uhr

Obamas Hautfarbe: Von Negern und Schwarzen

Wie sagt man politisch korrekt, dass Barack Obama der erste schwarze Präsident der USA ist? In den deutschen Medien herrscht darüber einige Unsicherheit. Die ist aber überflüssig, sagt Sprachwissenschaftler Norbert Richard Wolf.

Das erste afroamerikanische Paar an der Spitze der US-Nation: Barack und Michelle Obama. Bild: ap

Barack Obama schreibt in diesen Tagen Geschichte. Nicht nur, dass seine Amtseinführung ein beispielloses Medienereignis und ein Live-Spektakel für Millionen von Amerikanern war. Der Ex-Senator aus Illinois ist der erste schwarze US-Präsident. In den USA selbst ist das die wohl wichtigste Botschaft jenseits des politischen Tagesgeschäftes. Das ist der Wandel, von dem alle sprechen.

Aber wie formuliert man das politisch korrekt? Ist es legitim, Obama den ersten «schwarzen» Präsidenten der USA zu nennen? Ist er der erste «afroamerikanische» Mann an der Regierungsspitze? Oder spricht man doch besser vom ersten «farbigen» Staatsoberhaupt der letzten Supermacht?

Ein Blick in die deutsche Medienlandschaft zeigt, wie unterschiedlich man in hierzulande mit den Sprachregelungen umgeht. So heiß es beim Deutschlandradio: «Es wird ein historischer Tag für das Land, das das erste Mal von einem Afroamerikaner regiert werden wird.» Bei RP Online war vor einiger Zeit zu lesen: «Barack Obama könnte Amerikas erster farbiger Präsident werden.» Und viele der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten einigten sich auf die Sprachreglung vom «schwarzen Präsidenten» oder vom «schwarzen Hoffnungsträger». In zahlreichen Medien werden die Begriffe als Synonyme für einander benutzt.

Wie sich die Sprachregelungen im Englischen verändert haben

Brisant und schwierig scheint die Wortwahl, weil jeder der Begriffe mit einer bestimmten Bedeutung aufgeladen ist. Jedenfalls im Englischen. Dort, so erklärt der Sprachwissenschaftler Prof. Norbert Richard Wolf, war bis in die 1970er Jahre hinein «Negro» (deutsch: Neger) eine gebräuchliche, nicht diskriminierend gemeinte Wendung. «In den 1980er und 1990er Jahren wurde das dann von ‹black› und ‹colored›, also ‹schwarz› und ‹farbig›, ersetzt.» Ab den späten 1990ern sei dann der Begriff «African American» (deutsch: afroamerikanisch) als politisch-korrekte Formulierung aufgekommen – und hat sich bis heute gehalten.

Dieser Wandel in der Sprache, so Wolf, sei völlig normal, denn schließlich änderten sich auch die Werte innerhalb einer Gesellschaft. Deshalb sei die Rede von den «African Americans» auch bis heute in den USA zur allgemein akzeptierten Form geworden. «Denn gleichsam hat man damit ein kulturelle Identität bestimmt», so Wolf.

Im Deutschen hält der Sprachwissenschaftler die Verwendung aller drei Begriffe – schwarz, farbig, afroamerikanisch – für möglich. Sie stünden gleichberechtigt und ohne wesentliche Bedeutungsunterschiede nebeneinander. In Deutschland seien Sprachregelungen allgemein weniger wertend aufgeladen als in den USA. «Auf der anderen Seite des Atlantik sind mit der ‹poltical correctness› Dinge verbunden, die können wir uns in hier gar nicht vorstellen.»

Wie das Auswärtige Amt mit Obamas Hautfarbe umgeht

Wohl auch deshalb löst man beim Auswärtigen Amt in Berlin die Sache mit der Sprache und der Hautfarbe Obamas erwartungsgemäß ganz diplomatisch. Das äußere Erscheinungsbild des 44. US-Präsidenten werde in diplomatischen Belangen gar nicht thematisiert, so die zuständige Referatsleiterin Silke Bellmann: «Wir haben nicht die Aufgabe, die Hautfarbe von Staatsoberhäuptern zu kommentieren. Das spielt überhaupt keine Rolle für unsere bilateralen Beziehungen.» Von daher stelle sich für das Ministerium die Frage nach dem politisch-korrekten Begriff gar nicht.

Eines aber ist bei aller erlaubten Vielfalt sicher: Die Bezeichnung «Neger» gilt heute sowohl in den USA als auch in Deutschland als Beleidigung; wie auch vermeintlich komische Sprüche über die Hautfarbe allgemein als unangebracht empfunden werden. So hatte sich Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi vor einigen Monaten einmal mehr keinen Gafallen getan, als er lästerte, Obama sei stets «gut gebräunt».

news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser