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Kannibale von Pankow vor Gericht: Sex-Date kastriert, zerstückelt und verscharrt - Mordprozess geht weiter

Ein vermisster Mann, Knochen-Funde an einem Waldstück, Sägen und Blutspuren in einer Wohnung: Wie kam der Monteur Stefan T. zu Tode? Gegen den mutmaßlichen Kannibalen-Mörder von Pankow, Stefan R., läuft der Gerichtsprozess.

Er soll einen Sex-Partner kastriert, zerstückelt und verscharrt haben - nun wird einem mutmaßlichen Kannibalen in Berlin der Prozess gemacht (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / tiero

Auf den ersten Blick wirkt Stefan R. wie ein unscheinbarer Durchschnittsmann - aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, von Beruf Lehrer für Mathematik und Chemie, von seinem Umfeld als freundlich und sozial beschrieben. Doch seit knapp einem Jahr sitzt der heute 42-Jährige in Untersuchungshaft, seit August 2021 wird dem Pädagogen in Berlin der Prozess gemacht. Stefan R. wird vorgeworfen, einen anderen Mann nach einem Sex-Date ermordet und zerstückelt zu haben. Doch ist Stefan R. auch ein Kannibale, der Teile seines Opfers verspeiste?

Kannibale von Pankow vor Gericht: Tötete Mathelehrer Stefan R. sein Sex-Date, um es zu verspeisen?

Beim Prozessauftakt im Sommer hielt der angeklagte Lehrer seine Hände locker vor dem Bauch gefaltet, als er den Eltern des Opfers erstmals im Gerichtssaal gegenüberstand. Er soll einen 43 Jahre alten Mann in Berlin ermordet haben - in der Absicht, Teile der Leiche zu essen und geschlechtliche Befriedigung zu erlangen. Von einem Sexualmord mit kannibalistischem Hintergrund geht die Staatsanwaltschaft aus. Der erste Tag in dem Indizienprozess am Landgericht Berlin kam nicht über die Anklageverlesung hinaus.

Prozess gegen mutmaßlichen Kannibalen am Landgericht Berlin seit August 2021

Nur knapp 40 Wörter umfasst der Anklagesatz. Der Deutsche habe am 6. September 2020 in seiner Wohnung in Berlin-Pankow das 43-jährige Opfer "auf bislang nicht bekannte Weise" getötet, heißt es darin. Ein Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebes und sonst aus niedrigen Beweggründen wird dem Lehrer zur Last gelegt. Der korpulente Angeklagte im karierten Hemd hörte die Vorwürfe äußerlich regungslos - und hüllte sich in Schweigen. Ihr Mandant werde sich zunächst nicht äußern, erklärten seine Verteidigerinnen.

Wie in einem Gruselkrimi soll es abgelaufen sein. Erst verschwand ein Mann scheinbar spurlos, dann wurden Wochen später Knochenteile gefunden. Detail für Detail fügten Ermittler zusammen. Bis zu einem verstörender Verdacht: Ist es ein Fall von Kannibalismus? Staatsanwalt Martin Glage ist überzeugt davon. Ermittlungen hätten ergeben, dass der Lehrer bereits Monate vor dem Tod des 43-Jährigen in verschiedenen sogenannten Kannibalismus-Foren konkret und detailreich recherchiert habe. Er habe sich dafür interessiert, "wie man Menschen schlachtet und dann verspeist", so Glage am Rande der Verhandlung. Der Lehrer habe sich auch darüber informiert, wie man ein solches Geschehen am besten vertuschen kann.

Monteur spurlos verschwunden - Leichenteile im Wald schüren Kannibalismus-Verdacht

Der Angeklagte und der Monteur im Hochleitungsbau sollen sich erst Stunden vor der Tat über ein Dating-Portal kennengelernt haben. Spontan sei ein Sex-Date in der Wohnung des Lehrers verabredet worden. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sich der 43-Jährige töten lassen wollte, so Glage. "Er wollte da lebend wieder raus."

Der Monteur soll seine Wohngemeinschaft am 5. September 2020 kurz vor Mitternacht verlassen haben. Er kehrte nicht mehr zurück. Seine Mutter erstattete Vermisstenanzeige. Wochenlang bangten und hofften seine Eltern, Geschwister, Freunde. Nachdem Spaziergänger am 8. November an einem Waldstück in Berlin-Buch Knochenteile gefunden hatten, wurde aus dem Vermisstenfall ein Mordverfahren. Drei Knochen-Funde an zwei verschiedenen Orten wurden gemacht.

Polizei findet eindeutige Spuren bei Mathelehrer Stefan R. und rekonstruieren Leiche

Die Polizei setzte Personen- und Leichenspürhunde ein. Es wurden Chatprotokolle ausgewertet sowie der Taxifahrer ermittelt, der das Opfer nach Pankow gebracht hatte. Nach der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten wurde er als mutmaßlicher Kannibale festgenommen. "Es sind Geräte zum Zerteilen von Leichen sowie Kühlanlagen gefunden worden", so der Ankläger. Außerdem "viel Blut des Opfers".

Fast der gesamte Körper des Toten sei gefunden worden. "Man konnte feststellen, dass die Leiche zersägt wurde und bestimmte Körperteile, die bis heute fehlen, entnommen wurden", erklärte der Staatsanwalt weiter nach dem ersten Tag. Mit einem Carsharing-Fahrzeug soll der Lehrer Leichenteile zu Fundorten gefahren haben. Inzwischen sind sich Rechtsmediziner sicher, dass Stefan T. durch den Blutverlust starb, den er infolge der Abtrennung seines Penis erlitten hatte.

Angeklagter packt aus: So schildert der "Kannibale von Pankow" das Geschehen

Der Angeklagte Stefan R. äußerte sich erst Ende September vor Gericht zu den Vorwürfen. Wie die "Bild" berichtete, sagte der Lehrer aus, er habe sein Sex-Date tot auf der Couch vorgefunden - Stefan T. sei demnach im Schlaf gestorben. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, ärztliche Hilfe rief Stefan R. jedoch nicht herbei, aus Angst, seine Homosexualität könnte bekannt werden. Wie aus seiner schriftlichen Erklärung hervorgeht, fasste er deshalb den Beschluss, die Leiche zu zerstückeln und zu entsorgen. Den Aussagen des Angeklagten zufolge sei sein Sex-Date bereits vor der Verabredung betrunken gewesen. Den Vorwurf kannibalistischer Handlungen wies der Angeklagte zurück - dabei habe es sich um "reine Fantasien" gehandelt.

Blick in die Kriminalgeschichte: Der "Kannibale von Rotenburg" kastrierte sein Opfer auf Wunsch

Das Berliner Mordverfahren erinnert an ein spektakuläres Verbrechen in Deutschland aus dem Jahr 2001, das als Fall des "Kannibalen von Rotenburg" bekannt geworden ist. Ein Computertechniker hatte sein späteres Opfer über eine Kontaktanzeige in einem Internet-Forum kennengelernt. Er schnitt im März 2001 seinem Berliner Internet-Bekannten auf dessen ausdrückliches Verlangen hin zunächst den Penis ab. Später erstach er den Ingenieur und aß ihn teilweise auf. Das Strafverfahren endete mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

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loc/news.de/dpa

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