21.04.2021, 12.16 Uhr

Schlafforschung aktuell: Studie enthüllt: Wer zu wenig schläft, hat höheres Demenz-Risiko

Wer glaubt, dass Schlaf überbewertet wird, muss jetzt ganz stark sein: Laut einer UCL-Studie könnte zu wenig Schlaf das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken. Die Untersuchung ergab, dass sich eine Schlafdauer von weniger als sechs Stunden negativ auswirken kann.

Menschen, die pro Nacht weniger als sechs Stunden schlafen, haben laut einer Studie ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Bild: (Symbolbild) Rido/AdobeStock

Menschen im mittleren Alter, die nur sechs Stunden oder weniger pro Nacht schlafen, haben ein 30 Prozent höheres Risiko, an Demenz zu erkranken. Das ergab eine Studie der UCL in London.

UCL-Studie wertete 10.000 Probanden-Daten zu Schlafdauer und Demenz aus

Wie der "Guardian" berichtet, wertete die Studie Daten von 10.000 Probanden aus, die sich freiwillig für die Teilnahme bei der Studie gemeldet hatten. Die Ergebnisse überraschten: Demnach sei das Risiko für Menschen, die nur sechs Stunden Schlaf oder weniger pro Nacht bekommen, um 30 Prozent erhöht, an einer neurodegenerativen Krankheit zu erkranken, als für Menschen, die länger schlafen.

Menschen im mittleren Alter sollten mehr als sechs Stunden schlafen

Die Forscher stellten das erhöhte Risiko bei Menschen in ihren 50ern, 60ern und 70ern fest. Menschen in diesen Altersgruppen, die konstant zu wenig Schlag bekämen, zeigten ein deutlich erhöhtes Risiko für Demenzkrankheiten - unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Herz- und Stoffwechselerkrankungen oder psychischen Krankheiten.

Schlaf und Demenz - Kausalität oder Korrelation?

Die Studie weist jedoch nicht zweifelsfrei nach, dass zu wenig Schlag das Demenzrisiko erhöht. Statt einer Kausalität konnte die Studie lediglich eine Korrelation von wenig Schlaf und Demenz nachweisen. Das könnte jedoch auch damit zusammenhängen, dass kurzer Nachtschlaf eines der frühen Symptome von Demenzkrankheiten sein kann.

Einige Wissenschaftler vermuten jedoch, dass zu wenig Schlaf sich durchaus negativ auf Gehirn und neurologische Synapsen auswirkt, da sich beim Schlafen das Gehirn erholt und regeneriert. Zudem wird das Gehirn von "giftigem Müll" gereinigt, wenn der Mensch schläft. Schläft man zu wenig, kommt dieser Prozess zu kurz.

Kurze Schlafdauer als Symptom oder als Risikofaktor für Demenz?

"Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Schlafdauer im späteren Leben ein Risikofaktor für Demenz sein könnte", sagte Dr. Séverine Sabia, Autorin der Studie an der Universität von Paris. "Ich kann Ihnen nicht sagen, dass die Schlafdauer eine Ursache für Demenz ist, aber sie kann zu ihrer Entwicklung beitragen."

"Schlechter Schlaf im mittleren Alter kann Demenz verschlimmern"

Dr. Liz Coulthard, Dozentin für Demenzneurologie an der Universität Bristol, die nicht an der Studie beteiligt war, erklärte den Befund folgendermaßen: "Es stärkt den Beweis, dass schlechter Schlaf im mittleren Alter Demenz im späteren Leben verursachen oder verschlimmern kann." Sie fügt an: "Es ist sinnvoll, Maßnahmen zur Verbesserung des Schlafes zu ergreifen, zum Beispiel bei Tageslicht nach draußen zu gehen, um den natürlichen Rhythmus aufrechtzuerhalten, der einen guten Schlaf fördert, übermäßigen Alkohol- oder Koffeinkonsum zu vermeiden, insbesondere vor dem Schlafengehen, und eine für Sie geeignete Schlafenszeitroutine zu finden."

Professor für Alterspsychiatrie sieht in zu wenig Schlaf keine Ursache für Demenz

Robert Howard, Professor für Alterspsychiatrie an der UCL, schildert: "Wir wissen, dass die ersten Anzeichen einer Alzheimer-Krankheit 20 Jahre vor einer nachweisbaren kognitiven Beeinträchtigung im Gehirn auftreten. Daher ist es immer möglich, dass schlechter Schlaf ein sehr frühes Symptom ist anstatt ein behandelbarer Risikofaktor." Er glaube jedoch nicht, dass Menschen, die dazu neigen, im Bett zu grübeln und deshalb weniger Schlaf bekommen, sich wegen eines hohen Alzheimerrisikos ängstigen müssen. "Es sei denn, sie schlafen sofort ein."

Schon gelesen?Schock-Studie! Frauen, die nachts aufwachen, sterben früher

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

sig/loc/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser