14.04.2021, 18.37 Uhr

Coronavirus-News am Mittwoch: In Mecklenburg-Vorpommern von Montag an Notbetreuung in Kitas

Die Corona-Zahlen klettern weiter nach oben. Auch am Mittwoch meldet das RKI wieder über 21.000 Neuinfektionen. Der Impfstoffhersteller Biontech hat nun angekündigt, Deutschland und der EU 50 Millionen Extra-Dosen zu liefern. Die aktuellen Corona-News hier im Überblick.

Aufgezogene Spritzen mit dem Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus liegen in einer Schale in einer Hausarztpraxis. Bild: dpa

Wann wird es endlich wieder besser? Diese Frage stellen sich aktuelle Miliionen von Deutschen. Doch ein baldiges Ende der Lockdown-Beschränkungen ist noch lange nicht in Sicht - im Gegenteil. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 21.693 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 342 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Mittwochmorgen hervor. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 05:03 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich.

Coronavirus-News aus Deutschland: Mehr als 21.000 Neuinfektionen! Inzidenz steigt weiter

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag nach Angaben des RKI am Mittwochmorgen bundesweit bei 153,2. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 140,9 an, vor einer Woche lag sie bei 110,1.

Die Beurteilung des Infektionsgeschehens ist aufgrund der zurückliegenden Ferien und der Osterfeiertage noch immer schwierig. "Wir müssen wahrscheinlich bis Ende dieser Woche warten, um wieder realistische Zahlen zu sehen", hatte der Virologe Christian Drosten von der BerlinerCharité am Dienstag im Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR-Info gesagt.

Fast 80.000 Menschen starben in Deutschland am Coronavirus - R-Wert steigt weiter an

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.044.016 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 79.088.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Dienstag bei 1,08 (Vortag: 1,09). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 108 weitere Menschen anstecken.

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Corona-Lage am Mittwoch im News-Ticker

Alle aktuellen Geschehnisse rund um die Coronavirus-Pandemie lesen Sie in unserem News-Ticker.

+++ In Mecklenburg-Vorpommern von Montag an Notbetreuung in Kitas +++

Vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Corona-Infektionszahlen schränkt Mecklenburg-Vorpommern die Betreuung in Kitas vom kommenden Montag an deutlich ein. Dann ist landesweit nur noch eine Notbetreuung möglich, wie das Sozialministerium am Mittwoch in Schwerin mitteilte. Die Verschärfung sei notwendig, da der landesweite Sieben-Tage-Inzidenzwert am Mittwoch den zweiten Tag in Folge bei mehr als 150 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche lag.

Anspruch auf die Notfallbetreuung können laut Ministerium etwa Alleinerziehende oder Eltern haben, bei denen mindestens einer im Bereich der kritischen Infrastruktur arbeitet. Dazu zählt demnach beispielsweise der Gesundheits- und Pflegebereich, Polizei und Feuerwehr oder Schulen.

Nach Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) waren mit Stand Mittwoch insgesamt 29 Kitas und Horte von Corona-Fällen betroffen. Demnach haben sich inklusive der Folgefälle, also etwa bei Kontaktpersonen, 29 Kinder und 20 Erzieherinnen und Erzieher infiziert.

"Wir waren uns einig, dass angesichts der landesweit stark steigenden Corona-Infektionen auch bei Kindern die landesweite Umstellung des Kitabetriebs auf die Notfallbetreuung ein notwendiger Schritt ist", sagte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) in einer Mitteilung. Diese Regelung soll demnach auch in Regionen im Bundesland gelten, die noch unter dem Inzidenzwert von 150 liegen. Dies ist nach Lagus-Zahlen vom Mittwoch in drei der sechs Landkreise sowie in der Hansestadt Rostock der Fall.

+++ EU-Kommission: Weitere 50 Millionen Biontech-Impfdosen bis Ende Juni +++

Die Hersteller Biontech und Pfizer wollen bis Ende Juni zusätzlich 50 Millionen Dosen Corona-Impfstoff an Deutschland und die übrigen EU-Staaten liefern. Dies teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel mit.

+++ Essener Uni nähert sich Covid-Höchststand auf Intensivstationen +++

Die Essener Universitätskliniken nähern sich bei der Belegung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten wieder dem bisherigen Höchstwert aus dem vergangenen Jahr. Im Dezember 2020 sei mit 41 Corona-Patienten auf Intensivstationen die bisher höchste Zahl erreicht worden, aktuell seien es 38, sagte ein Kliniksprecher am Mittwoch. Bundesweit liegen die Essener Universitätskliniken im Millionen-Ballungsraum Ruhrgebiet nach der Charité Berlin bei der Corona-Patientenzahl in der Spitzengruppe.

Die Essener Universitätsmedizin habe ihre planbaren Operationen etwa der Hüfte, des Knies oder mancher Krebs-OPs um ein Drittel reduziert, um Intensivbetten für Corona-Patienten zu sparen, sagte der Sprecher. Dennoch seien von den insgesamt 180 Intensivbetten der Häuser Stand Mittwochmorgen nur sieben frei. Hinzu kämen allerdings 15 sogenannte Überwachungsbetten, auf die etwa Unfallopfer verlegt werden könnten, um Raum für Corona-Patienten zu gewinnen.

+++ SPD will Sport im Freien von Ausgangsbeschränkungen ausnehmen +++

Die SPD im Bundestag will Sport im Freien und kontaktlosen Sport für Kinder von der geplanten Corona-Notbremse des Bundes ausnehmen. Ausnahmen bei den Ausgangsbeschränkungen für Sport im Außenbereich seien zwingend, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, am Mittwoch in Berlin. Kindern solle zudem kontaktloser Sport ermöglicht werden.

Andernfalls drohe eine Eskalation der sozialen Situation bei denjenigen, die in beengten Verhältnissen leben. "Die erste Welle war eine Ischgl-Welle, und die zweite und dritte Welle ist eine Welle in den sozialen Brennpunkten."

+++ Zweitimpfung nach Astra mit anderem Präparat +++

Unter 60-Jährige, die bereits einmal mit Astrazeneca geimpft wurden, sollen für ihre Zweitimpfung in der Regel die Präparate von Biontech oder Moderna erhalten. Auf diese Empfehlung haben sich die Gesundheitsminister der Länder einstimmig geeinigt und folgen damit dem Vorschlag der Ständigen Impfkommission (Stiko) von Anfang April. Im Einzelfall soll aber auch eine Zweitimpfung mit Astrazeneca möglich sein.

+++ Brandenburg will Erstimpfungen stoppen +++

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, könnten Erstimpfungen für Biontech und Moderna wegen "Engpässen bei der Lieferung von Impfstoffen" in Brandenburg "in den nächsten Wochen auf Null gefahren werden". Ziel sei es laut Innenminister Michael Stübgen (CDU), die notwendigen Zweitimpfungen abzusichern. "Wir werden keine Erstimpfungstermine mehr herausgeben." Doch ob das klappt, steht noch in den Sternen. "Das wird so eng werden, dass wir nach Stand jetzt nicht unbedingt in der Lage sind, das zu erreichen", wird er zitiert.

In Brandenburg könnten die Erstimpfungen ausgesetzt werden. Bild: dpa

+++ "Ausgangsbeschränkungen wirken!" Vizekanzler Scholz verteidigt bundesweite Corona-Notbremse +++

Im Tauziehen um strengere Corona-Regeln angesichts steigender Infektionszahlen hat Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) die "Bundes-Notbremse" verteidigt. "Unverantwortlich wäre es jetzt, eine ganz lange wissenschaftliche Debatte darüber zu führen, was man alles auch anders machen könnte, ohne zu handeln", sagte der SPD-Politiker der "Saarbrücker Zeitung" (Mittwoch). "Wir können jetzt nicht Doktorarbeiten und Habilitationen schreiben. Wir müssen die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger schützen."

"Ausgangsbeschränkungen wirken. Wir haben in vielen Ländern gesehen, dass sie zu einer Senkung der Infektionen beitragen", betonte der Kanzlerkandidat der SPD. Die Ergänzungen des Infektionsschutzgesetzes beschloss das Kabinett am Dienstag. Über die genaue Ausgestaltung der Novellierung dürfte aber im Bundestag noch viel diskutiert werden - bereits kurz nach Bekanntwerden des Entwurfs wurde hier vor allem an den geplanten Ausgangsbeschränkungen Kritik laut. "Es geht darum, Kontakte zu beschränken und das ist ein Weg, das zu erreichen - neben vielen anderen, die ebenfalls in dem Gesetz vorgesehen sind", betonte Bundesfinanzminister Scholz.

+++ Lauterbach hält Bundes-Notbremse für unzureichend: "Uns läuft die Zeit davon" +++

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die im Bundeskabinett beschlossenen Änderungen des Infektionsschutzgesetzes als nicht ausreichend bezeichnet. "Die beschlossene Testpflicht in Unternehmen ist das Minimum dessen, was wir eigentlich benötigen. Ich hätte zwei Tests pro Woche für richtig gehalten", sagte Lauterbach im Podcast "Talk mit K" des "Kölner Stadt-Anzeiger". "Die jetzige Regelung wird nicht ausreichen, um die großen Ausbrüche in den Griff zu bekommen, die wir angesichts der Corona-Mutationen zu erwarten haben." Überhaupt komme die Testpflicht in den Unternehmen reichlich spät: "Da stand der Lobbyismus sicherlich im Vordergrund."

Auch erklärte Lauterbach, dass Ausgangsbeschränkungen allein nicht ausreichen werden, um die Pandemie-Lage zu stabilisieren. Lauterbach kritisierte zudem, dass die Maßnahme frühestens nächste Woche umgesetzt werde: "Uns läuft die Zeit davon. Auf Landes- und auf kommunaler Ebene muss jetzt drastisch vorab gehandelt werden, anstatt auf diesen Minimalkompromiss warten."

+++ Drosten hält weitere Maßnahmen neben Corona-Notbremse für nötig +++

Wegen der Lage auf den Intensivstationen erwartet der Virologe Christian Drosten, dass zusätzlich zur geplanten bundesweiten Corona-Notbremse weitere Maßnahmen nötig sein werden. "Ich denke, dass man anhand der sich jetzt einstellenden Situation in den Krankenhäusern auch noch mal anders reagieren muss", sagte der Corona-Experte von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR-Info. Dies müsse sicherlich in "allernächster Zeit" geschehen. "Ich erwarte jetzt nicht ohne weiteres, dass man damit die Situation in der Intensivmedizin kontrollieren kann", sagte Drosten mit Blick auf die Entscheidung.

Weiter erinnerte Drosten daran, dass man sich nach einem negativen Schnelltestergebnis nicht in falscher Sicherheit wiegen dürfe."Es ist nicht alles so simpel, wie das zum Teil in der Politik auch argumentativ verarbeitet wird. So nach dem Motto: Jetzt kann ja alles öffnen, weil wir haben ja jetzt Schnelltests." In der Praxis stellten Fachleute fest, dass es bei diesen Tests eine Lücke beim Erkennen von Infektionen in der Frühphase gebe, schilderte Drosten. Noch fehlten zwar Studien dazu. Beobachtet werde aber, dass die Tests nur beim größten Teil der ansteckenden Tage anschlagen: Beim Testen direkt bei Symptombeginn könne der Test jedoch noch negativ ausfallen. Ein Labortest (PCR) hingegen könne im Vergleich schon mehrere Tage vorher eine Ansteckung anzeigen.

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, Charité Berlin, hält weitere Maßnahmen für notwendig. Bild: dpa

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sba/bos/news.de/dpa

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