09.04.2021, 08.51 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Trotz steigender Intensivzahlen! Rostock will an Öffnungen festhalten

Trotz Notrufen aus der Intensivmedizin wollen einzelne Regionen an ihren Modellprojekten zur Öffnung festhalten. Der Rostocker Oberbürgermeister Madsen appellierte an die Regierung, das Pilotprojekt zur Lockerung von Kontaktbeschränkungen fortführen zu können.

Die steigenden Corona-Zahlen schlagen sich im Gesundheitssystem nieder: Die Belegung der Intensivbetten nähert sich der gefährlichen Marke von 5.000. Bild: picture alliance/dpa | Fabian Strauch

Das Rostocker Pilotprojekt zur schrittweisen Lockerung von Kontaktbeschränkungen sorgt für bundesweite Aufmerksamkeit. Doch die Zahl der Neuinfektionen steigt. Die Intensivmediziner bitten seit Wochen um einen Lockdown. Die Intensivbetten werden knapp.

Trotz steigender Zahlen: Rostocks Oberbürgermeister hält an Modellprojekt fest

Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hat an die Landes- und Bundesregierung appelliert, trotz steigender Infektionszahlen das Pilotprojekt zur Lockerung von Kontaktbeschränkungen fortführen zu können. "Wir beobachten die Zahlen. Bei allen Parametern liegen wir im Plan, wir haben keinen Anlass zur Sorge", sagte Madsen der Deutschen Presse-Agentur. Im Rahmen des Projekts waren etwa die Zulassung von 777 Zuschauern im Ostseestadion beim Heimspiel von Hansa Rostock gegen den Halleschen FC, eine Premiere im Volkstheater und Öffnungen im Einzelhandel möglich.

Noch am 21. März hatte in Rostock die Sieben-Tage-Inzidenz bei 22,0 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern gelegen, am Sonntag lag sie bei 76,5, am Donnerstag bei 63,1. Laut Robert Koch-Institut sind die jüngsten Zahlen wegen der Feiertage aber nicht verlässlich.

Madsen: "Wir wollen als Antwort auf steigende Inzidenzzahlen keinen Lockdown"

Es gehe bei dem Projekt in erster Linie darum, Wissen zu generieren, sagte Madsen. "Wir wollen als Antwort auf steigende Inzidenzzahlen keinen Lockdown haben." Er ging davon aus, dass ein neuerlicher Lockdown nicht die notwendige Akzeptanz erreichen würde. Für Madsen wäre die Auskunft des Gesundheitsamts, dass die Kontakte nach einer Infektion häufig nicht mehr nachzuvollziehen seien, das Signal, über eine Änderung nachzudenken. "Dann müssen wir gegensteuern."

Es sei nun eine der zentralen Aufgaben festzustellen, wie viele Rostocker derzeit tatsächlich getestet werden. Dabei gehe es vor allem um die frei verfügbaren Schnelltests. "Es wäre interessant zu erfahren, ob es gelingt, mit den Schnelltests mehr Menschen zu ermitteln, die coronapositiv, gleichzeitig aber symptomfrei sind", sagte er. Bei positiven Schnelltests gebe es noch keine verfügbare Datenbasis. "Dabei macht es einen Riesenunterschied, ob an einem Tag 100 oder 1.000 Menschen getestet werden."

Einsatz der Luca-App zur Nachverfolgung von Infektionsketten in Rostock

Im Einzelhandel sei die Luca-App zur Nachverfolgung der Kontakte eingeführt worden. "Die App ist ein Werkzeug für die Arbeit der Gesundheitsämter." Die Umsätze der Händler seien aber noch weit vom "Vor-Corona-Niveau" entfernt. Auch von den Kliniken bekomme er die Botschaft, dass nichts gegen die Fortsetzung das Projekt spreche. Das zu glauben, fällt angesichts der steigenden Zahl von Intensivpatienten schwer.

Intensivbetten werden knapp: Gesundheitssystem nähert sich dem Kollaps

Die Zahl der Menschen, die aufgrund ihrer Corona-Infektion intensivmedizinisch behandelt werden müssen liegt in Deutschland bei derzeit 4.474 (Stand am 08.04.2021 12.31 Uhr lautDIVI). Intensivmedizinisch beatmet werden müssen davon 2.530 (57 Prozent) Patienten. Virologe Christian Drosten setzte auf Twitter einen Notruf ab. Intensivmediziner warnen vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. Der Epidemiologe und Gesundheitsexperte der SPD Karl Lauterbach hält Öffnungen im Rahmen von Modellprojekten bei den steigenden Infektions- und Krankenzahlen für das falsche Signal. "Es kann nicht gleichzeitig gelockert werden, während wir im Lockdown sind", sagte Lauterbach im Gespräch mit dem Nachrichtensender "Welt".

Coronavirus-News: Infektionszahlen, Inzidenzen, Intensivbelegungen steigen

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 25.464 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 296 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Freitagmorgen (09.04.2021) hervor. Das RKI geht jedoch davon aus, dass sich in den Ferien meist weniger Menschen testen lassen, was zu einer geringeren Meldezahl an die Gesundheitsämter führe.

Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 21.888 Neuinfektionen und 232 neue Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Freitagmorgen bundesweit bei 110,4. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 105,7 an.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.956.316 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.647.600 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 78.003.

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sig/loc/news.de/dpa

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