16.03.2021, 16.17 Uhr

Impfstoff-News: Sputnik V statt Astra? Rettet uns das Russen-Vakzin aus dem Impfdebakel?

Nach dem Impfstopp mit dem Astrazeneca-Vakzin verzögert sich die Durchimpfung der Bevölkerung weiter. Indes rollt die dritte Corona-Welle bereits kräftig an. Kann uns Europäern der russische Impfstoff Sputnik V nun aus dem Impfdilemma helfen?

Rettet uns das russische Vakzin Sputnik V aus dem Impfchaos?  Bild: (Symbolbild) Sklyarov/AdobeStock

Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit: Die dritte Corona-Welle rollt an und noch immer sind weite Teile der Bevölkerung noch nicht geimpft. Nicht einmal alle Angehörige der sogenannten Risikogruppen konnten bislang den schützenden Pikser erhalten. Mit dem Stopp der Impfungen durch das Vakzin von Astrazeneca aufgrund von sieben Thrombosefällen im zeitlichen Zusammenhang mit der Astra-Impfung geraten wir im Wettlauf mit dem Virus weiter ins Hintertreffen. Welche Hoffnung bleibt uns noch? Wäre vielleicht der russische Impfstoff Sputnik V unsere Rettung?

Russischer Impfstoff Sputnik V als europäischer Hoffnungsgeber?

Wie "Bild" berichtet, spekulieren italienische Medien darüber, dass anstelle von Astrazeneca bald Sputnik V in Europa verimpft werden könnte. Ab Juni sollen nahe der norditalienischen Stadt Monza zehn Millionen Impfdosen des russischen Vakzins produziert werden. Zudem soll der russische Hersteller am Montag mitgeteilt haben, dass auch deutsche, französische und spanische Firmen Produktionsverträge für Sputnik V abgeschlossen haben sollen.

EMA gegen Impfstopp mit Astrazeneca - trotzdem ausgesetzt

In den genannten Ländern wurden die Impfungen mit Astrazeneca vorläufig gestoppt, obwohl die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) davon abgeraten hatte. Die Vorteile der Impfungen würden die Risiken durch eventuelle Nebenwirkungen bei Weitem übertreffen, so die EMA. So schütze der Astrazeneca-Impfstoff zuverlässig vor schweren Covid-19-Verläufen.

EMA benötigt klinische Studien für Impfstoffzulassung von Sputnik V

Die EMA wird auch als erstes über die Zulassung von Sputnik V als Impfstoff in Europa entscheiden. Leider könnten bis zur Zulassung des russischen Vakzins jedoch noch Wochen oder gar Monate verstreichen, denn die EMA benötigt zuverlässige Testergebnisse von klinischen Studien, um den Impfstoff genehmigen zu können.

Ungarn impft mit Sputnik V, Tschechien und Slowakei setzen ebenfalls auf Russen-Vakzin

Wer jedoch bereit ist, ein Risiko einzugehen, darf Sputnik V selbstständig im eigenen Land genehmigen lassen. So hat sich beispielsweise Ungarn dazu entschlossen, sowohl Sputnik V als auch einen chinesischen Impfstoff einzusetzen. Letzterer wurde sogar an Regierungschef Viktor Orban verabreicht. Wie "Bild" berichtet, haben sich auch Tschechien und die Slowakei für Impfungen mit Sputnik V entschieden, ohne auf die Entscheidung der EMA zu warten.

Skepsis gegenüber Sputnik V lässt allmählich nach

Aufgrund der raschen Zulassung noch vor Abschluss der Studien sowie wegen des aggressiven Marketings bei der Präsentation von Sputnik V (das V steht für Victory, Sieg) steht man dem russischen Vakzin in Deutschland allgemein skeptisch gegenüber. Im Februar erschien jedoch die Auswertung einer unabhängigen Studie in der renommierten britischen Fachzeitschrift "The Lancet", die dem russischen Vakzin eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent zuschrieb. Das Misstrauen gegenüber dem Putin-Impfstoff ließ daraufhin etwas nach. Dennoch: Von einer Zulassung durch die EMA scheint das Vakzin noch weit entfernt.

Stiko-Chef Mertens hält Russen-Vakzin für "klug"

Anders als das Vakzin von Astrazeneca funktioniert der Putin-Impftoff über "zwei unterschiedliche Vektorviren für die erste und zweite Dosis", wie Thomas Mertens, der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko) laut "Bild" erklärte. "Das ist sehr klug, denn dadurch kann er potenziell auftretende Wirksamkeitsverluste durch Immunantworten gegen die Vektoren verhindern."

Wie "Bild" unter Berufung auf den Kreml schreibt, sei Sputnik V bereits in 50 Ländern der Welt zugelassen und im Einsatz.

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sig/sba/news.de

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