29.01.2021, 19.36 Uhr

Coronavirus-Impfstoff im News-Ticker: Astrazeneca-Impfstoff in der EU zugelassen! Hersteller will Lieferungen erhöhen

Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca darf nun auch in der Europäischen Union genutzt werden. Gleichzeitig kündigte der Impfstoff-Hersteller an, mehr Lieferungen an die EU zu liefern. Alle aktuellen Entwicklungen zum Thema Impfungen lesen Sie hier.

Der Streit zwischen der EU und dem Impfhersteller Astrazeneca droht zu eskalieren. Bild: dpa

Hat der Streit um knappen Corona-Impfstoff zwischen Herstellers Astrazeneca und der Europäischen Union nun edlich ein Ende? Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca darf seit Freitag auch in der Europäischen Union genutzt werden. Die EU-Kommission erteilte eine Zulassung, wie Kommissionschefin Ursula von der Leyen mitteilte. Währenddessen will die Bundesregierung mit einem Impfgipfel von Bund und Ländern auf die wachsende Kritik an der Impfkampagne zur Eindämmung der Corona-Pandemie reagieren.

Krisentreffen im Impft-Streit: Alle aktuellen Entwicklungen im News-Ticker

Alle aktuellen Meldungen rund um den Corona-Impfstoff und die Impfstrategie in Deutschland lesen Sie in unserem News-Ticker.

+++ Impfkommission empfiehlt Astrazeneca-Präparat nur bis 64 Jahre +++

Für den Einsatz des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca in Deutschland sollte aus Sicht der Ständigen Impfkommission (Stiko) eine Altersvorgabe gelten. Das Präparat werde "aktuell aufgrund der derzeit verfügbaren Daten nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen", heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss des am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelten Gremiums. Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren lägen bisher keine ausreichenden Daten vor. "Abgesehen von dieser Einschränkung wird dieser Impfstoff ebenfalls als geeignet zum Individualschutz und zur Bekämpfung der Pandemie angesehen", erläuterte die Stiko weiter.

+++ Astrazeneca will Lieferungen an die EU möglichst schnell erhöhen +++

Im Impfstoffstreit mit der EU bemüht sich der Hersteller Astrazeneca um versöhnliche Töne. "Wir arbeiten 24/7 daran, die Kapazitäten zu erhöhen", sagte Astrazeneca-Chef Pascal Soriot am Freitagabend in einer Videoschalte zu Journalisten. Man tue alles, um die Produktion des Vakzins zu beschleunigen und möglichst schnell viele Impfdosen nach Europa zu liefern. In den nächsten Tagen werde die erste Charge mit den ersten Millionen Dosen geliefert. Außerdem sollten Lieferketten weiter aufgerüstet werden und «Material» nach Europa verlagert werden - Details wollte Soriot dazu jedoch nicht nennen. Anfängliche Probleme bezeichnete Soriot als «Kinderkrankheiten», die man bald gelöst haben werde.

Zwischen der EU-Kommission und Astrazeneca hatte sich in den vergangenen Tagen ein offener Streit zugespitzt. Wegen angeblicher Produktionsprobleme sollen große Mengen des Impfstoffes für Deutschland und andere EU-Länder erst Wochen oder Monate später geliefert werden, wie der Konzern angekündigt hatte. Die EU hatte insgesamt 400 Millionen Impfdosen geordert.

+++ Astrazeneca-Impfstoff in der EU zugelassen +++

Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca darf nun auch in der Europäischen Union genutzt werden. Die EU-Kommission erteilte eine Zulassung, wie Kommissionschefin Ursula von der Leyen mitteilte.

+++ EMA empfiehlt Astrazeneca-Impfstoff für alle ab 18 +++

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die bedingte Marktzulassung für den Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns Astrazeneca in der EU empfohlen. Sie gelte für Personen ab 18 Jahren, teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung muss nun die EU-Kommission treffen - das gilt als Formsache.

+++ Impfstoffstreit: Panne bei Veröffentlichung von Astrazeneca-Vertrag +++

Der EU-Kommission ist bei der Veröffentlichtung ihres Rahmenvertrags mit dem Impfstoffhersteller Astrazeneca am Freitag eine schwere Panne unterlaufen. Die auf Wunsch des Unternehmens geschwärzten Passagen in dem Dokument waren in einer ersten Version über die Lesezeichen-Funktion des Acrobat Reader lesbar. Es handele sich um einen technischen Fehler, hieß es aus Kommissionskreisen. Die veröffentlichte Version wurde später ersetzt.

Eine Reaktion von Astrazeneca lag zunächst nicht vor. Die Kommission hatte auf Veröffentlichung des Vertrags gedrungen. Hintergrund ist der Streit um die von Astrazeneca angekündigte Kürzung bei der Lieferung von Corona-Impfstoff an die EU im ersten Qurartal.

+++ EU beschließt Exportkontrollen für Corona-Impfstoffe +++

Die EU kann künftig die Exporte von Corona-Impfstoffen überwachen und gegebenenfalls beschränken. Die EU-Kommission habe am Freitag eine entsprechende "Ausfuhrgenehmigungspflicht" beschlossen, sagte der für Außenhandel zuständige Kommissionsvize Valdis Dombrovskis in Brüssel. Alle Pharmakonzerne, die mit der EU Lieferverträge über Corona-Impfstoffe abgeschlossen haben, müssen demnach künftig Lieferungen an Drittstaaten in Brüssel anmelden.

+++ Weiterer Corona-Impfstoff mit Studienergebnissen - 66 Prozent Wirkung +++

Bei der Herstellung eines Corona-Impfstoffes, der nur einmal verabreicht wird, hat die Firma Janssen einen wichtigen Schritt gemacht. Die Pharmasparte des US-Konzerns Johnson & Johnson gab am Freitag ein Zwischenergebnis ihrer Phase-III-Studie mit rund 44 000 Probanden bekannt, demzufolge der Impfstoff vier Wochen nach Verabreichung einen 66-prozentigen Schutz vor mittleren oder schweren Covid-19-Krankheitsverläufen biete. Die Wirksamkeit gegenüber schweren Erkrankungen wurde mit 85 Prozent angegeben. Die Prozentzahlen bedeuten, dass es in der geimpften Probandengruppe entsprechend weniger Fälle gab als in der Placebo-Probandengruppe.

Die Chefetage des Konzerns äußerte sich zufrieden, Anfang Februar will der Hersteller eine Notfallzulassung in den USA beantragen. Die Veröffentlichung der Daten ist notwendig, um die Zulassung bei den Behörden zu beantragen. Die Studie läuft in den USA, Lateinamerika und Südafrika. Es ist bisher der einzige auch für die EU vorgesehene Impfstoff, der nur einmal gespritzt werden müsste - das gilt als großer Vorteil.

Die EU-Kommission hat 200 Millionen Dosen vorbestellt plus Option auf weitere 200 Millionen Dosen. Im Gegensatz zu den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und von Moderna handelt es sich um einen Vektorimpfstoff, der bei Kühlschranktemperatur transportiert und gelagert werden kann. Bei den Konkurrenzprodukten, die in der EU bereits verimpft werden und im Abstand von mehreren Wochen zwei Mal gespritzt werden, ist die Wirksamkeit Studienergebnissen zufolge allerdings höher.

+++ Kanzleramtschef: Spitzentreffen zum Impfen soll mehr Tempo bringen +++

Bei einem Spitzentreffen zum Thema Impfen an diesem Montag steht laut Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) eine schnellere Beschaffung im Mittelpunkt. Es gehe um die Frage an die Industrie und ihre Verbände, welche Möglichkeiten es gibt, sagte Braun am Freitag der RTL/ntv-Redaktion. Es sei ein ermutigendes Zeichen, dass "Unternehmen, die selber noch nicht so weit sind in der Impfstoffentwicklung, sagen: Dann können wir meine Produktionsanlagen noch zusätzlich nehmen, um die anderen zu produzieren". Das sehe "ganz gut" aus, fügte er an. "Und wie schnell das geht, müssen wir am Montag noch einmal erfahren."

Angesichts erheblicher Kritik am schleppenden Impf-Beginn und Produktionsproblemen bei einigen Herstellern will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag über die Lage beraten. An einer Videokonferenz sollen die Ministerpräsidenten der Länder, mehrere Bundesminister, Impfstoffhersteller sowie Vertreter der EU-Kommission teilnehmen, die für die gesamte EU Impfstoff bei verschiedenen Herstellern einkauft.

+++ Bund wirbt vor Impfgipfel für gemeinsames Vorgehen +++

Die Bundesregierung wirbt vor dem geplanten Impfgipfel an diesem Montag für ein gemeinsames Vorgehen und will Möglichkeiten für einen Ausbau der Impfstoffproduktion ausloten. Regierungssprecher Steffen Seibert dämpfte am Freitag in Berlin aber Erwartungen, dass mit konkreten Beschlüssen zu rechnen sei. Es gehe um einen Austausch zur weiteren Impfstrategie und eine gemeinsame Informationsbasis zu Möglichkeiten, an welchen Schrauben noch gedreht werden könne. Es sei wichtig, bei den Impfungen an einem Strang zu ziehen - der Bund bei der Impfstoffbeschaffung und die Länder bei den Impfungen vor Ort.

Angesichts erheblicher Kritik am schleppenden Impf-Beginn und Produktionsproblemen bei einigen Herstellern will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag über die Lage beraten. An einer Videokonferenz sollen die Ministerpräsidenten der Länder, mehrere Bundesminister, Impfstoffhersteller sowie Vertreter der EU-Kommission teilnehmen, die für die gesamte EU Impfstoff bei verschiedenen Herstellern einkauft.

Seibert betonte, die Bundesregierung tue alles dafür, um positive Rahmenbedingungen für die Impfstoffproduktion zu schaffen. Derzeit wünschten sich alle mehr Impfstoff. Es sei aber auch nie gesagt worden, dass bereits im Januar oder Februar so viel vorhanden sein würde, dass man dann schon ganz große Schritte erwarten könne. Alle müssten alle Kräfte einsetzen, um das Impfen voranzubringen.

+++ Paul-Ehrlich-Institut: Kein Zusammenhang zwischen Corona-Impfung und Todesfällen +++

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sieht Impfungen in der Corona-Pandemie bisher nicht als Ursache für Todesfälle. Bislang seien bei rund 1,7 Millionen Immunisierungen 69 Todesfälle gemeldet worden, die eine Stunde bis 18 Tage nach der Impfung auftraten, sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek am Freitag. "Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie von der Impfung verursacht wurden", ergänzte er. "Es handelt sich häufig um Personen mit Grunderkrankungen. Es ist plausibel, dass diese Grunderkrankungen zum Versterben geführt haben." Die Toten seien im Alter zwischen 56 und 100 Jahren gewesen. Das PEI im hessischen Langen ist in Deutschland für Impfstoffe zuständig.

Gesichert gemeldet worden seien bisher auch 22 allergische Reaktionen auf die Impfung, die wieder abklangen. "Es ist nicht ganz klar, worauf diese zurückgehen", sagte Cichutek. Nach den Erfahrungen in klinischen Tests sei aber bereits in sehr seltenen Fällen damit zu rechnen gewesen. Deshalb gebe es in vielen Impfzentren eine ärztliche Notfallversorgung. Allergische Reaktionen seien dort "sehr, sehr selten und die Betroffenen erholen sich davon." Entwarnungen gebe es auch bei Gesichtslähmungen als Impfreaktion. Auch sie seien sehr selten und bildeten sich wieder zurück, berichtete der PEI-Präsident.

Erwartbar seien dagegen milde und moderate Impfreaktionen nach drei bis fünf Tagen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, leichtes Unwohlsein oder leichtes Fieber. "Insgesamt haben wir es mit Impfstoffen zu tun, die von Millionen sehr gut vertragen werden und die den nötigen Schutz geben werden, den wir erwarten", resümierte Cichutek.

Dennoch kursiere eine Reihe von Fake News. Es gebe aber keinen Hinweis und keine Grundlage dafür, dass die Impfstoffe in irgendeiner Form den Menschen oder seine Körperzellen genetisch verändern könnten, betonte er. "Es gibt auch keine Hinweis darauf, dass es Probleme mit der Fruchtbarkeit geben wird. Das ist alles Quatsch."

Für Marylyn Addo vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), gibt es auch gute Nachrichten zu den zwei ersten in der EU zugelassenen Impfstoffen. Die bereits bekannten Mutationen des neuen Coronavirus in Deutschland würden vom Impfschutz mit abgedeckt. Auch bei den Vakzinen, die noch im Zulassungsprozess seien, zeige sich das bereits.

Am Donnerstag hatte das PEI bereits von den unerwünschten Reaktionen im ersten Monat seit Beginn der Impfungen (27.12.2020 bis 24.1.2021) berichtet. Demnach wurden ihm 1232 Verdachtsfälle mit insgesamt 3.404 unerwünschten Reaktionen gemeldet. 182 Fälle wurden als schwerwiegend eingestuft. Bezogen auf die Gesamtzahl der Impfungen sind das laut PEI 0,7 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Nebenwirkungen 0,1 Meldungen pro 1.000 Impfdosen.

+++ Entwicklungsorganisation: Astrazeneca global fairer als andere +++

Die Entwicklungsorganisation One bescheinigt dem Pharmaunternehmen Astrazeneca ungeachtet des Streits mit der EU eine international betrachtet besonders faire Verteilung seines Corona-Impfstoffes. Von zehn untersuchten Unternehmen schneide Astrazeneca bei einem Fairnesstest mit 8,8 von 15 möglichen Punkten am besten ab, teilte One am Freitag in Berlin mit. Für den Test analysierte die Organisation öffentliche Informationen über Verträge und bewertete, wie Impfstoffe zugänglich gemacht werden.

"Die Pandemie endet nicht, weil mehr und mehr Impfstoffe zugelassen werden, sondern sie endet, wenn alle Menschen auf der Welt Zugang zu diesen Impfstoffen erhalten", erklärte Stephan Exo-Kreischer, Direktor von One Deutschland. "Astrazeneca leistet hierbei von allen Herstellern von Corona-Impfstoffen am meisten, um sicherzustellen, dass der Impfstoff weltweit gerecht zugänglich ist und somit auch den Menschen zur Verfügung stehen wird, die am stärksten von Armut betroffen sind. Biontech, Moderna und Co können sich davon eine Scheibe abschneiden."

Positiv fällt laut One die Zusammenarbeit des britisch-schwedischen Unternehmens mit der internationalen Impfstoff-Allianz Covax ins Gewicht. Insgesamt habe Astrazeneca Covax bereits 470 Millionen Impfdosen zugesagt. Zudem bietet das Unternehmen den Impfstoff zu einem niedrigen Preis an. Exo-Kreischer betonte: "Astrazeneca hat versprochen, während der Pandemie keinen Profit mit seinem Impfstoff erzielen zu wollen. Ein außergewöhnlicher Schritt für ein Unternehmen und ein großer Dienst an der Menschheit in Anbetracht der Pandemie.". One rief den Hersteller auf, zumindest für die Dauer der Pandemie auf den Schutz von Patenten zu verzichten, damit weltweite Produktionskapazitäten erhöht werden könnten.

Erst am Vortag hatte die Organisation World Vision gerügt, dass reiche Länder bei der Impfstoffbeschaffung zuerst zum Zug kommen - etwa durch bilaterale Vorabverträge mit den Herstellern, die zum Teil sogar eine Überversorgung der eigenen Bevölkerung ermöglichen. Das eigentlich gut gemeinte Anliegen der Covax-Initiative werde durch die "Ich zuerst-Haltung" der reichen Industrieländer untergraben. So gut wie kein afrikanisches Land habe bisher auch nur annähernd genügend Impfdosen erhalten. Völlig unklar bleibt laut World Vision, wann und wieviel Covid-19 Impfdosen in den ärmeren Ländern eintreffen werden.

+++ Russland stellt EU Millionen Corona-Impfstoffdosen in Aussicht +++

Im Streit um knappen Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca für die Europäische Union will Russland mit seinem Vakzin aushelfen. Im zweiten Quartal könnten 100 Millionen Dosen des Impfstoffes Sputnik V geliefert werden, teilte der staatliche Direktinvestmentfonds am Freitag in Moskau mit, der das Vakzin mitfinanziert und im Ausland vermarktet. Damit könnten 50 Millionen Menschen geimpft werden. Voraussetzung sei, dass die Europäische Arzneimittelagentur EMA den Wirkstoff zulasse. Ein entsprechender Antrag war in der vergangenen Woche eingereicht worden.

Eine Lieferung an die EU wäre dem Fonds zufolge möglich, wenn ein Großteil der Massenimpfung in Russland abgeschlossen ist. Die Impfungen laufen bereits seit Dezember. Nach jüngsten Zahlen haben mehr als 1,5 Millionen Menschen das aus zwei Komponenten bestehende Vakzin erhalten. Sputnik V ist den Angaben zufolge mittlerweile in 15 Ländern registriert. Ungarn hatte vergangene Woche als erstes EU-Land zwei Millionen Dosen des russischen Präparats bestellt.

Der Wirkstoff war Mitte August als weltweit erster für eine breite Anwendung in der Bevölkerung freigegeben worden, obwohl bis dahin wichtige Tests ausgestanden hatten. Das löste international Kritik aus. Unabhängige Studien sind bisher nicht bekannt. Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca hat mit Produktionsproblemen zu kämpfen.

+++ EMA: Keine Sicherheitsprobleme bei Pfizer-Impfstoff +++

Gut einen Monat nach Start für den Corona-Impfstoff von Pfizer/Biontech hat die Europäische Arzneimittel-Behörde (EMA) keine Sicherheitsprobleme festgestellt. Die gemeldeten allergischen Reaktionen und Nebenwirkungen zeigten keine Auffälligkeiten, teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Gemeldete Todesfälle hätten nichts mit dem Impfstoff zu tun. Die Daten entsprächen dem zuvor bekannten Sicherheitsprofil, so die Behörde. "Neue Nebenwirkungen wurden nicht identifiziert."

Der Impfstoff des US-Herstellers Pfizer und des Mainzer Unternehmens Biontech war am 21. Dezember in der EU zugelassen worden. Allergische Reaktionen und mögliche Nebenwirkungen werden aber weiterhin in der EU überprüft. Auch Verdachtsfälle würden weiterhin gemeldet und bewertet, wie die EMA mitteilte. Sicherheitsberichte sollen monatlich veröffentlicht werden.

Der Sicherheitsausschuss der Behörde PRAC hatte den Angaben zufolge auch Todesfälle überprüft, die nach der Impfung aufgetreten waren. Dabei seien Vorerkrankungen der Personen sowie das Alter berücksichtigt worden. "PRAC stellte fest, dass die Daten keine Verbindung zeigten zur Impfung mit Comirnaty und dass die Fälle keine Sicherheitsbedenken auslösten." Comirnaty ist der offizielle Name des Präparates von Pfizer und Biontech.

+++ Söder rügt Impfstoff-Beschaffung: EU habe zu spät bestellt +++

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat der Europäischen Union Fehler im Kampf gegen die Corona-Pandemie vorgeworfen. Es sei zu spät Impfstoff bestellt und zudem nur auf wenige Hersteller gesetzt worden, sagte Söder am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". Das Ergebnis sei bislang ungenügend. "Die operative Verantwortung lag in Europa", hielt Söder fest. Man habe die grundlegende Bedeutung unterschätzt.

Nun sei man auch hierzulande einige Wochen nach Beginn des Impfstarts an einen Punkt, an dem die bestellten Mengen nicht ankommen und Impfungen deswegen verschoben werden. "Das ist schon eine sehr, sehr unsichere Situation für so ein wichtiges Thema. Und ich glaube, man hat es auch in Deutschland an einigen Stellen am Anfang unterschätzt", sagte Söder. Nun brauche es «maximale Transparenz» bei der Aufarbeitung der Probleme. Söder begrüßte den Impfgipfel von Bund und Ländern am Montag.

Jetzt gehe es darum, schneller an mehr Impfstoff zu bekommen. "Das kann doch nicht sein, dass ein so großer Kontinent, der wirtschaftlich so stark ist und so viele große Pharma-Unternehmen hat, nicht mehr an Produktion möglich machen kann, als nur ein Werk, dass jetzt gerade in Marburg ans Band gehen soll", sagte Söder.

Der Ministerpräsident zeigte sich skeptisch bezüglich einer Lockerung der Corona-Beschränkungen, die bis Mitte Februar befristet sind. "Ich bin nicht überzeugt, dass am 14. alles aufgehoben wird. Ich finde nicht, dass es ist die Zeit für große Lockerungen ist." Mutation und vorschnelle Lockerungen seien "eine toxische Kombination".

+++ Corona-Impfstoff von Novavax weist hohe Wirksamkeit auf +++

Ein Impfstoff-Kandidat des US-amerikanischen Herstellers Novavax hat laut vorläufigen Ergebnissen rund 90 Prozent Wirksamkeit gegen Covid-19 aufgezeigt. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Auch gegen die in Großbritannien zuerst entdeckte Mutation soll das Vakzin sehr gut wirken - weniger stark ist die Wirkung hingegen bei der südafrikanischen Variante.

Vorläufigen Ergebnissen aus einer Phase-III-Studie in Großbritannien zufolge habe der proteinbasierte Impfstoff NVX-CoV2373 eine Wirksamkeit von 89,3 Prozent erzielt, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Diese Daten basieren jedoch lediglich auf 62 Infektionen. An der Studie sollen rund 15.000 Menschen im Alter von 18 bis 84 Jahren teilnehmen. Gegen die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 soll das Vakzin laut Hersteller ähnlich gut wirken, wie gegen die ursprüngliche Variante. Weniger gut sind hingegen die Ergebnisse aus einer in Südafrika durchgeführten Phase-II-Studie. Gegen die dort auftretende Mutation soll die Wirksamkeit nur bei 60 Prozent liegen.

In Großbritannien wurde die Nachricht als große Erfolgsmeldung wahrgenommen. Premierminister Boris Johnson twitterte: "Gute Nachrichten, dass der Novavax-Impfstoff sich als effektiv herausgestellt hat." Die britische Zulassungsbehörde werde das Vakzin prüfen. Großbritannien habe 60 Millionen des Präparats vorbestellt. Gesundheitsminister Matt Hancock bezeichnete die Neuigkeiten als "eine weitere großartige britische Impfstoff-Erfolgsstory".

+++ Linksfraktionschef fordert breite Beteiligung bei Impfgipfel +++

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Dietmar Bartsch, hat eine Beteiligung der Fraktionschefs im Bundestag und von Vertretern der Kommunen am sogenannten Impfgipfel am Montag gefordert. Eingeladen sollten demnach etwa Landräte und Oberbürgermeister. "Wir brauchen eine breite politische Beteiligung beim Impfgipfel", sagte Bartsch der Deutschen Presse-Agentur.

Das Parlament dürfe nicht außen vor bleiben und die Kommunen seien beispielsweise mit den Impfzentren direkt betroffen. "Es muss um die Lösung des Impfdebakels gehen - und nicht um Ausreden, warum etwas nicht geht", sagte Bartsch. Er erneuerte die Forderung seiner Partei, die Lizenzen der zugelassenen Impfstoffe freizugeben. "Alle europäischen Hersteller, die dazu in der Lage sind, müssen produzieren dürfen."

Angesichts der Probleme bei den Impfstofflieferungen hatten Bund und Länder für Montag ein Spitzentreffen vereinbart. Teilnehmen sollen nach aktuellem Stand Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mehrere Regierungsmitglieder, die Ministerpräsidenten der Länder, Vertreter der Impfstoffhersteller sowie der betreffenden Verbände.

+++ Corona-Impfpass: EU-Experten einig über Eckpunkte +++

Die Europäische Union treibt die Einführung von Corona-Impfpässen voran. Wie die EU-Kommission am Donnerstag mitteilte, haben sich die EU-Staaten auf Empfehlungen geeinigt, welche Informationen solche Dokumente enthalten sollen. Ziel ist die Vergleichbarkeit und gegenseitige Anerkennung in den 27 Staaten.

Impfnachweise sollen demnach sowohl in Papier- als auch in elektronischer Form möglich sein. Neben Basisinformationen etwa zu Personalien, dem verwendeten Impfstoff und der ausstellenden Behörden soll es eine Art elektronisches Siegel geben, etwa einen QR-Code oder eine Registrierung. Ziel sei, den Impfstatus einer Person rasch und eindeutig festzustellen, heißt es in den Richtlinien. Später könnten damit auch weitere Informationen verlinkt werden.

Die Richtlinien werden nun weiter beraten und ausgearbeitet. Wann die vergleichbaren Impfzertifikate eingeführt werden, blieb offen. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides erklärte: "Gegenseitig anerkannte Impfnachweise werden ein wichtiges Instrument für die Bürger während der Pandemie, aber auch, nachdem wir sie überwunden haben."

+++ EMA: Zweite Impfung mit Pfizer-Vakzin innerhalb von drei Wochen +++

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Richtlinien für die Anwendung des Corona-Impfstoffes der Hersteller Pfizer und Biontech verschärft. Danach muss die zweite Dosis innerhalb von drei Wochen gespritzt werden, wie aus dem am Donnerstag in Amsterdam veröffentlichten Beschluss hervorgeht. Zuvor hatten die Experten empfohlen, dass zwischen der ersten und zweiten Impfdosis "mindestens 21 Tage" liegen sollten. Nun wird klar von drei Wochen gesprochen, und es wird davon abgeraten, die Zeitspanne zu verlängern.

Verschiedene Länder, darunter die Niederlande, hatten aber beschlossen, wegen des Mangels an Impfstoffen, die zweite Pfizer-Dosis erst nach etwa sechs Wochen zu spritzen. Dadurch sollten mehr Menschen geimpft werden können. Der volle Schutz vor einer Corona-Infektion wird erst nach der Impfung mit beiden Dosen erzielt.

Die EMA weist nun mit Nachdruck daraufhin, dass bei einer längeren Pause die Wirksamkeit nicht sicher sei: "Es gibt zurzeit keine klinischen Daten über die Wirksamkeit des Impfstoffes, wenn dieser nicht im Intervall der klinischen Versuche verabreicht wird." Die EMA weist daraufhin, dass mehr als 93 Prozent der Testpersonen bei den klinischen Versuchen die zweite Dosis des Impfstoffes 19 bis 23 Tage nach der ersten bekamen. Auf dieser Basis sei auch die Wirksamkeit des Stoffes von etwa 95 Prozent festgestellt worden.

+++ Genehmigung da! Biontech darf in Deutschland produzieren +++

Das Mainzer Unternehmen Biontech hat auch die arzneimittelrechtliche Erlaubnis zur Herstellung von Corona-Impfstoff in seinem Werk im hessischen Marburg erhalten. Das teilte das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt am Donnerstag mit. Vor zwei Wochen hatte Biontech bereits die Genehmigung zum Betrieb seiner Anlage für die Produktion des Mittels bekommen - in dem Fall war das RP Gießen zuständig.

Nach Angaben eines Sprechers der Darmstädter Behörde steht noch ein weiterer formaler Schritt an: Um den in Marburg hergestellten Impfstoff in der Europäischen Union vermarkten zu können, sei noch eine Genehmigung der EU-Arzneimittelagentur EMA nötig.

Im ersten Halbjahr 2021 sollen in Marburg 250 Millionen Dosen des Impfstoffes von Biontech und seines US-Partners Pfizer hergestellt werden. Als Gesamtmenge einer Jahresproduktion streben die Mainzer nach eigenen Angaben hier 750 Millionen Dosen an. In Marburg sollen drei der vier nötigen Produktionsschritte erfolgen. Biontech hatte das Werk vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen. Biontech plant - so die letzte Ankündigung - im Februar mit dem Produktionsstart in Marburg. Dem Unternehmen zufolge vergehen zwischen der Herstellung und Freigabe des kontrollierten Vakzins dann üblicherweise etwa vier Wochen.

+++ Impfgipfel findet am Montag statt +++

Angesichts der Corona-Impfmisere planen Bund und Länder ein Spitzentreffen am kommenden Montag. Der Termin für einen sogenannten Impfgipfel wurde der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag aus Kreisen der Länder und des Bundes bestätigt, nachdem zunächst das Wirtschaftsmagazin «Business Insider» berichtet hatte. Weil es bei den Impfstofflieferungen seit Wochen ruckelt und Hersteller wiederholt geringere Mengen in Aussicht stellten, als zunächst geplant, hatten mehrere SPD-Politiker einen Impfgipfel gefordert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich zuletzt offen für eine solche Runde gezeigt, an der voraussichtlich auch die Impfstoff-Hersteller teilnehmen sollen.

Spahn erwiderte: "Vertrauen in dieser Krise erhalten wir nur, wenn Bund und Länder an einem Strang ziehen."Auf dem Impfgipfel von Bund und Ländern werde über die Lage, die Ziele und das weitere Vorgehen gesprochen. Die Impfstoffhersteller sollten dazu zu einem Expertengespräch eingeladen werden. "Eine Impfstoff-Produktion lässt sich nicht in vier Wochen mal eben aufbauen", so Spahn. "Wenn das in wenigen Monaten gelingt, ist das schon sehr schnell." Konkret erhofft sich Spahn nach eigenen Worten für den geplanten Gipfel eine Übersicht darüber, "welche Kooperationen der Industrie untereinander es bereits gibt - und wo wir noch unterstützen können".

+++ Impfstoffstreit: EU-Vertrag mit Astrazeneca soll öffentlich werden +++

Im Impfstoffstreit soll der Vertrag der EU-Kommission mit dem Hersteller Astrazeneca rasch in redigierter Form veröffentlicht werden. Dem habe das Unternehmen grundsätzlich zugestimmt, bestätigten Kommissionskreise am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Es werde nun besprochen, welche Teile aus Gründen der Vertraulichkeit geschwärzt würden. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber berichtet.

Die Zeitung berichtete auch, dass Astrazeneca-Chef Pascal Soriot einen Teil der angekündigten Lieferkürzung zurücknehmen wolle. Nach Angaben von EU-Politikern hatte die Firma vorige Woche erklärt, statt 80 Millionen Impfdosen im ersten Qurartal nur 31 Millionen an die EU zu liefern. Jetzt zitiert das Blatt einen EU-Vertreter mit den Worten: "Es ist nicht wahrscheinlich, dass wir am Ende doch noch auf 80 Millionen kommen. Aber es sollten doch deutlich mehr werden als 31."

Die EU-Kommission und Vertreter der 27 Mitgliedsstaaten hatten am Mittwochabend ein Krisengespräch mit Soriot geführt. Sie sind empört über die angekündigte Kürzung und pochen auf fristgerechte Erfüllung des Liefervertrags über insgesamt bis zu 400 Millionen Impfdosen.

+++ AstraZeneca-Impfstoff wohl nur für unter 65-Jährige +++

Ein drittes Vakzin soll nach den Präparaten von Biotech/Pfizer und Moderna an diesem Freitag in der EU zugelassen werden - das des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca. Doch überschattet wird dies von schlechten Nachrichten: Für Ältere wird der Impfstoff von der Ständigen Impfkommission (Stiko) nicht empfohlen, sondern nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren, wie das am Robert Koch-Institut angesiedelte Gremium mitteilte. "Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren liegen aktuell keine ausreichenden Daten vor."

Für die stark gefährdete Gruppe der älteren Senioren falle das Astrazeneca-Präparat erst einmal flach, stellte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, fest. Für sie sollten deshalb die anderen beiden Impfstoffe reserviert werden, forderte er. Ärzte, Pflegepersonal und andere priorisierte Berufsgruppen sollten dafür den Astrazeneca-Impfstoff bekommen.

+++ Pharmaindustrie sagt Bund bei Impfstoffbeschaffung Unterstützung zu +++

Die Pharmaindustrie sagt der Bundesregierung ihre Unterstützung bei der Beschaffung zusätzlichen Impfstoffs zu. "Wir stehen zu unserer Verantwortung", erklärte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) am Donnerstag. "Der BPI steht bereits seit Dezember vergangenen Jahres mit dem Bundesgesundheitsministerium im Austausch und unterstützt die Bundesregierung in Sachen Impfstoffbeschaffung nach besten Kräften." So hatte der Verband seine Mitgliedsunternehmen nach weiteren Produktionskapazitäten befragt.

Auch am geplanten Impfgipfel will der Verband sich beteiligen, obwohl in der Industrie ursprünglich Zweifel am Sinn solcher politischer Veranstaltungen herrschte. "Wenn die Bundesregierung einen weiteren Impfgipfel anstrebt, stehen wir als pharmazeutische Industrie selbstverständlich für weitere Unterstützung zur Verfügung", hieß es in der Stellungnahme. Anlass des geplanten Impfgipfels sind die mehrfachen Verspätungen bei der Impfstofflieferung.

+++ Eine Festnahme nach verdächtigem Paketfund bei Astrazeneca-Zulieferer +++

Nach dem Fund eines verdächtigen Paketes bei einem Zulieferer des Impfstoffherstellers Astrazeneca in Wales hat die Polizei einen Mann festgenommen, der damit in Verbindung stehen soll. Der 53-Jährige aus Chatham im Südosten von England werde verdächtigt, das Paket verschickt zu haben, teilte die Polizei der Grafschaft Kent am Donnerstag mit. Der Mann sei nun in Untersuchungshaft, während man weiter ermittle.

Das Paket war am Mittwoch bei einem Zulieferer des britisch-schwedischen Impfstoffherstellers Astrazeneca entdeckt und von Sprengstoffexperten gesichert und zu Untersuchungen abtransportiert worden. Ob sich darin Sprengstoff befand, blieb zunächst unklar.

Das Unternehmen Wockhardt hatte sein Werk im walisischen Wrexham zeitweise geräumt. Dort finden wichtige Schritte zur Herstellung des Coronavirus-Impfstoffs von Astrazeneca statt. Die Polizei hatte mehrere Straßen gesperrt und die Bevölkerung aufgefordert, die Umgebung zu meiden. Später wurde die Produktion wieder aufgenommen. Astrazeneca betonte, die Produktion des Impfstoffs sei durch den Vorfall nicht beeinträchtigt worden.

+++ Biontech/Pfizer: Wohl kein neuer Impfstoff gegen Varianten nötig +++

Der Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer dürfte nach Herstellerangaben auch vor den zunächst in Großbritannien und Südafrika entdeckten Virusvarianten schützen. "Diese Ergebnisse deuten nicht auf die Notwendigkeit eines neuen Impfstoffs gegen die neu auftretenden Varianten hin", erklärten die beiden Firmen am Donnerstag zu einer Studie. Sie konnten im Labor zeigen, dass der Impfstoff eine neutralisierende Antikörperantwort gegen solche Sars-CoV-2-Viren auslöst, die Schlüsselmutationen der Varianten aus Großbritannien und Südafrika tragen. Die Studie wurde bislang jedoch nicht von externen Experten begutachtet und in einem Fachjournal veröffentlicht.

In der Untersuchung von Pfizer und der University of Texas Medical Branch wurde auch festgestellt, dass Geimpfte gegen die Variante aus Südafrika aber offenbar eine etwas schwächere Immunantwort aufbauen. "Die bisher beobachteten kleinen Unterschiede in der Virusneutralisation zwischen den Virusvarianten führen vermutlich nicht zu einer signifikant verringerten Wirksamkeit des Impfstoffs", erklärten die Hersteller.

Diese frühen Ergebnisse seien "sehr ermutigend", hieß es. Man wolle neu auftretende Stämme weiter beobachten und die Impfstoffwirksamkeit bei Geimpften weiterhin überprüfen. Falls in Zukunft nötig, könne voraussichtlich eine Anpassung des Impfstoffs erfolgen, so Pfizer und Biontech.

Der Hersteller Moderna hatte vor einigen Tagen angekündigt, die Wirkung einer zusätzlichen Auffrischungsdosis zu testen. Deutschland und anderen Ländern bereitet große Sorgen, dass ansteckendere Mutanten des Coronavirus die Infektionslage massiv verschlechtern könnten. In Großbritannien hatte sich die Variante B.1.1.7 rasch verbreitet, in Südafrika war es B.1.351. Auch in Deutschland gibt es bereits einige Nachweise dieser Mutanten, aber noch keine repräsentativen Daten.

+++ Belgische Behörden inspizieren im Impfstreit Astrazeneca-Werk +++

Im Impfstoff-Streit mit Astrazeneca haben belgische Behörden auf Bitten der EU-Kommission einen Produktionsstandort des Pharmaunternehmens in Belgien inspiziert. Dies meldete die Nachrichtenagentur Belga. Die EU-Kommission wollte sich am Donnerstag zu Hintergrund und Ergebnis der Aktion allerdings nicht äußern.

Laut Belga beauftragte Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke die Agentur für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte damit, den Standort in Seneffe zu besuchen. Dieser ist Teil der europäischen Produktionskette von Astrazeneca. Man habe prüfen wollen, ob die vom Unternehmen ankündigten Lieferverzögerungen tatsächlich mit Problemen in dem belgischen Werk zusammenhingen, hieß es am Mittwochabend unter Berufung auf das Kabinett des Ministers.

Astrazeneca hatte der EU mitgeteilt, nach der für Freitag erwarteten Zulassung zunächst viel weniger seines Impfstoffs liefern zu wollen als vertraglich vereinbart. Das Unternehmen begründete dies mit Problemen in der europäischen Lieferkette. In der EU produziert es in Belgien und den Niederlanden.

+++ Scholz dringt auf schnellere Impfung - Pharmahersteller zuschalten +++

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) dringt auf eine schnellere Impfung gegen das Coronavirus und will dafür bei einem Impfgipfel von Bund und Ländern auch Pharmaunternehmen zuschalten. "Ziel dieser Runde muss es sein, eine gemeinsame nationale Anstrengung auf den Weg zu bringen, die Produktion und Verteilung von Impfstoff in Deutschland zu beschleunigen", sagte der Finanzminister der Deutschen Presse-Agentur. Dabei sollten die Pharmafirmen mitsprechen. Parallel müssten überall Kapazitäten geschaffen werden, damit in kurzer Zeit so viele Bürger wie möglich geimpft werden könnten. Die Impfung sei "der Ausweg aus der Pandemie", deshalb müsse sie «nun endlich oberste Priorität haben", forderte Scholz.

Mehrere SPD-Politiker und auch die FDP hatten angesichts der schleppend anlaufenden Impfkampagne einen Impfgipfel angeregt. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich dafür offen gezeigt. Der CDU-Politiker schlug am Donnerstag ein gesondertes Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder vor. Auch Spahn hatte bereits angeregt, Vertreter der Pharmahersteller könnten teilnehmen.

+++ Stiftung Patientenschutz: Gipfel bringt nicht schnell mehr Impfstoff +++

Die Menschen in Deutschland können nach Expertenansicht auch durch einen Impfgipfel von Bund und Ländern nicht rasch auf mehr Corona-Impfungen hoffen. "Die Kapazitäten können nicht binnen zwei oder drei Monaten über den bisherigen Plan vergrößert werden", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vorgeschlagen, dass Bund und Länder auf einer eigenen Ministerpräsidentenkonferenz nur zum Impfen über die Lage, die Ziele und das weitere Vorgehen beraten sollten. Zuerst hatte die SPD einen Impfgipfel gefordert.

"Ein Impfstoffgipfel wird den Menschen in Deutschland in den nächsten Monaten nicht eine zusätzliche Ampulle mehr bringen", sagte Brysch. "Wenn nun zusätzliche Milliarden in die Hand genommen werden sollten, um mittelfristig weitere Produktionskapazitäten zu schaffen, kann das sinnvoll sein." Es bestehe dann aber auch das Risiko, dass die Impfstoffproduktion bis dahin ohnehin wie geplant hochgefahren ist und nun aufgebaute zusätzliche Kapazitäten dann gar nicht gebraucht würden. Insofern könne ein Impfgipfel dazu beitragen, neuen Parteienstreit zu vermeiden: "Dann sollten die politischen Parteien auch zusammenstehen, anstatt sich dann darüber zu streiten."

Brysch forderte die Bundesregierung zu Transparenz und Ehrlichkeit auf. Sie sollte seiner Ansicht nach zugeben: "Die Fehler sind im letzten Jahr gemacht worden und lassen sich durch Konferenzen jetzt nicht beheben."

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+++ Europapolitiker: Leichte Bewegung im Astrazeneca-Impfstreit +++

Im Impfstoffstreit der Europäischen Union mit Astrazeneca sieht der CDU-Europapolitiker Peter Liese erste Bewegung. Statt nur einer Lieferung seines Corona-Impfstoffs im Februar erwäge der Pharmakonzern nun drei, sagte Liese am Donnerstag. Zudem habe sich der Hersteller bereiterklärt, bereits eine Woche nach der Zulassung zu liefern statt nach zwei Wochen. Der Druck auf das Unternehmen trage erste Früchte.

Die EU-Kommission und die 27 Mitgliedsstaaten streiten mit dem britisch-schwedischen Unternehmen, seit dieses eine drastische Lieferkürzung für die EU angekündigt hatte. Nach EU-Angaben soll nur ein Viertel der bestellten Menge ankommen. Doch brachte auch ein Krisentreffen mit Unternehmenschef Pascal Soriot am Mittwochabend keinen Durchbruch. Wann die vertraglich vereinbarte Menge kommt, ist weiter offen.

Der Grünen-Politiker Sven Giegold forderte, die Lizenz des Impfstoffs nach einer Vergütung für die Entwickler zum Gemeingut zu erklären. "Den Impfstoff von Astrazeneca könnten viele andere Unternehmen herstellen", erklärte Giegold. "Der Patentschutz verhindert, dass wir bei der Impfstoffproduktion die Möglichkeiten der Industrie voll ausnutzen."

Der CDU-Politiker Liese äußerte sich zuversichtlich über einen weiteren Impfstoff, das Mittel des Herstellers Johnson&Johnson. Die Daten der klinischen Tests würden für Freitag oder Montag erwartet. "Wenn die Daten gut sind, und ich habe keinen Grund zu glauben, dass sie es nicht sind, haben wir einen vierten Impfstoff, und der Vorteil ist, dass er nur einmal verabreicht werden muss", sagte Liese. Die EU habe 200 Millionen Dosen bestellt, mit der Option auf weitere 200 Millionen. Er hoffe, dass das Mittel im Frühjahr zur Verfügung stehe.

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+++ Spahn bereit zu Impfgipfel - Für Verhandlungslösung mit Astrazeneca +++

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich offen gezeigt für einen sogenannten Impfgipfel, wie er etwa von SPD-Politikern gefordert wird. Im Radiosender NDR Info schlug er am Donnerstag ein gesondertes Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder vor, an dem auch Vertreter der Pharmahersteller teilnehmen sollten. Inhaltlich muss es nach seinen Worten darum gehen, wie das weitere Vorgehen gegen die Pandemie aussehen kann.

Mehrere SPD-Politiker und auch die FDP hatten angesichts des Impfstoffmangels und der schleppend anlaufenden Impfkampagne wiederholt ein solches Treffen gefordert, darunter die Regierungschefs von Rheinland-Pfalz, und Brandenburg, Malu Dreyer und Dietmar Woidke (beide SPD). SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir brauchen einen klaren Plan, wie wir das Impfen in Deutschland schneller hinbekommen." Und: "Dafür ist es wichtig, dass alle Ebenen jetzt zusammenkommen."

Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie hatte sich vor Wochen eher ablehnend zu einem Gipfel geäußert. "Die akuten Fragestellungen sind nicht politischer, sondern regulatorischer und technologischer Natur. Diese Fragen können nicht auf einem Gipfel mit der Politik beantwortet werden", hatte Verbandschef Hans-Georg Feldmeier der dpa gesagt.

Im Streit der EU-Kommission mit dem Pharmakonzern Astrazeneca um seine Impfstofflieferungen setzt Spahn auf eine Verhandlungslösung. Eine lange juristische Auseinandersetzung über die Offenlegung von Lieferverträgen helfe in der jetzigen Lage nicht weiter. "Das ist das Letzte, was wir brauchen", sagte Spahn NDR Info. Stattdessen müsse es um eine faire Verteilung des Impfstoffs gehen. Er setze auf ein einvernehmliches Ergebnis. "Das ist sicher der bessere Weg."

In dem Streit hatte auch ein weiteres Krisengespräch am Mittwochabend keinen Durchbruch gebracht. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides lobte zwar den konstruktiven Ton. Aber in der Sache hat sich vorerst nichts geändert: Große Mengen Impfstoff, die in Deutschland und anderen Ländern dringend erwartet werden, werden wohl Wochen oder Monate später kommen. Laut EU-Kommission wird vorerst nur ein Viertel der erwarteten Menge ankommen. Die EU hat einen Rahmenvertrag über 400 Millionen Impfdosen mit Astrazeneca. Das Präparat wird voraussichtlich am Freitag in der EU zugelassen.

+++ SPD-Vize Midyatli fordert Impfstoff-Gipfel auf europäischer Ebene +++

Angesichts der akuten Knappheit an Corona-Impfstoffen hat SPD-Bundesvize Serpil Midyatli einen europäischen Impfstoff-Gipfel gefordert. "Es müssen alle Hersteller und Zulieferer an einen Tisch mit der Europäischen Kommission, um schnellstmöglich zu klären, wer noch welche Kapazitäten hat und wer schnell Produktionsstätten, Logistik und andere Dinge zur Verfügung stellen kann", sagte Midyatli der Deutschen Presse-Agentur. Die "Impfstoffkrise" lasse sich nur im Schulterschluss bewältigen.

"Dieses Hickhack um Verträge und wer woran Schuld ist, bringt niemanden weiter", sagte Midyatli. Sie zeigte Verständnis für die Hersteller, die zunächst hauptsächlich Länder beliefern, die viele Monate vor der EU Impfstoffe bestellt und auch einen viel höheren Preis bezahlt hätten. "Zusätzliche Produktionsstätten errichtet man nun mal nicht von heute auf morgen." Die teilweise sehr kurzfristigen Ankündigungen einiger Hersteller seien aber kein Ausweis großer Zuverlässigkeit.

"Zweifellos handelt es sich um die größte globale Krise seit Jahrzehnten", sagte Midyatli. Sie begrüße Ankündigungen des Sanofi-Konzerns, trotz Konkurrenz zu anderen Firmen Kapazitäten bereitzustellen. "Aufgabe der Politik ist es, diejenigen, die ihre Ressourcen zur Verfügung stellen, von finanziellen Schäden beispielsweise bei der Verzögerung eigener Produkte frei zu halten."

+++ SPD fordert klaren Plan für schnellere Impfungen +++

Die SPD dringt auf eine Beschleunigung der Corona-Impfungen in Deutschland. "Wir brauchen einen klaren Plan, wie wir das Impfen in Deutschland schneller hinbekommen", sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Dafür ist es wichtig, dass alle Ebenen jetzt zusammenkommen." Bereits die SPD-Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und Brandenburg, Dietmar Woidke, hatten am Mittwoch einen Impfgipfel von Bund, Ländern und Wirtschaftsvertretern gefordert.

Hintergrund ist unter anderem der Streit der Europäischen Union mit dem Pharmakonzern Astrazeneca. Der Impfstoff des Herstellers wird voraussichtlich zunächst in weit geringen Mengen nach Deutschland und andere Länder geliefert als zunächst erwartet. Das Präparat wird voraussichtlich am Freitag in der EU zugelassen. Bei einem Krisentreffen am Mittwochabend hatte das Unternehmen keine zusätzlichen Lieferungen zugesagt. Auch der Hersteller Biontech/Pfizer, dessen Präparat bereits eingesetzt wird, hatte zwischenzeitlich Produktionsprobleme.

"Es gibt gerade einen Rückschlag nach dem anderen", sagte Klingbeil. "Mich beunruhigt, dass Deutschland seinen Vorsprung in der Corona-Krise vom letzten Frühjahr wegen des Impfchaos' verspielt." Etwa das Impfzentrum in seinem Wahlkreis in der Lüneburger Heide sei seit Dezember startklar - doch wann es losgehe, wisse man dort nicht. Klingbeil: "Wir brauchen jetzt Transparenz über die Verträge und über Nachbestellungen von Impfstoffen, und wir brauchen eine bessere Kommunikation zwischen allen Ebenen."

Klingbeil warf Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor, Vertrauen verspielt zu haben. "Bis Ende Januar sollten alle Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen in ganz Deutschland geimpft sein." Zum Sommer sollte zudem jedem Menschen in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden - zuletzt habe es dann doch geheißen: bis Sommerende am 21. September. "Jedes Impfversprechen, was Spahn gibt, hat gerade maximal eine oder zwei Wochen Bestand", sagte der SPD-Politiker. "Dadurch geht Vertrauen verloren bei den Menschen." Vom Wendepunkt der Pandemie, zu dem die Impfkampagne werden sollte, sei noch nicht viel zu spüren. Dabei gelte: «Das beste Mittel gegen Corona ist nicht der Lockdown, es ist das Impfen.»

Das wichtigste Instrument, das Politik in einer Krise habe, sei eine vertrauensvolle Kommunikation, die den Menschen Klarheit gebe und Wege aus der Krise aufzeige. "Ich habe Angst, dass wir die Menschen durch vollmundige Ankündigungen verlieren, die wir gerade nicht einhalten können", mahnte Klingbeil.

Klingbeil wies Vorwürfe zurück, nach denen die SPD es sich mit Kritik an Spahns Impfkampagne aus taktischen Gründen zu leicht mache. Die öffentliche Debatte führe zu mehr Tempo, sagte Klingbeil. "Und das ist gut. Denn jede Kritik hat zum Ziel, dass wir besser werden."

+++ Erster Politiker spricht von "Impfstoff-Krieg" +++

Der Impfstoffstreit zwischen EU und Pharma-Riese AstraZeneca könnte einen Handelskrieg auslösen! Noch während des Krisen-Gipfels zwischen der EU und Astrazeneca drohte der CDU-Politiker Peter Liese bei "T-Online": "Wir wollen keinen Impfstoff-Krieg, aber wir werden auch nicht in die Röhre schauen."

+++ Auch Dreyer fordert Impfgipfel - Druck von der SPD +++

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) will einen Impfgipfel. "Überall in Deutschland stehen Impfstraßen weitgehend leer, denn die zugesagten Impfstoffe werden nicht wie versprochen geliefert", sagte Dreyer am Mittwoch dem "Spiegel". Auf dem Gipfel sollten verbindliche Absprachen über die Lieferung der Corona-Impfstoffe getroffen werden. "Wir brauchen einen klaren und transparenten Impfstoffplan für die kommenden Monate", sagte Dreyer.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte einen Impfgipfel von Bund, Ländern und Wirtschaftsvertretern gefordert - möglichst noch vor Ende kommender Woche, schrieb Woidke am Mittwoch an den Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Die Verschiebung von Impfterminen sorgten für große Verunsicherung. "Wir könnten viel mehr impfen, wenn wir mehr Dosen hätten", sagte Müller. "Wir benötigen daher dringend mehr Sicherheit, wann mit welchen Liefermengen zu rechnen ist. Auf einem gemeinsamen Impfgipfel auch mit Akteuren aus der Pharmabranche sollten wir gemeinsam klären, wie die Produktionskapazitäten erweitert werden können und wie zudem eine langfristige Impfstrategie aussehen kann. Ohne eine solide Planung verlieren wir zunehmend auch das Vertrauen der Bevölkerung."

+++ Insider zu Impf-Streit mit EU: "Das wäre das Ende der Impfstoff-Produktion" +++

Der Streit um die Impflieferungen zwischen der EU und Astrazeneca geht in die nächste Runde. Nachdem hochrangige EU-Politiker wie zuletzt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Ton verschärft hatten, schießen nun die Manager der Pharma- und Biotech-Firmen gegen die EU.

Glaubt man Medienberichten kamen die Androhungen der EU, Exportverbote oder -kontrollen für Impfstoffe einzuführen, bei den Unternehmen alles andere als gut an. Ein Manager eines Impfstoffherstellers sagte zu "Bild": "Sollte das kommen, dann wäre das das Ende der Impfstoff-Produktion."

+++ EU-Kommissarin: Astrazeneca zur Impfstoff-Lieferung verpflichtet +++

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hat erneut an den Pharmakonzern Astrazeneca appelliert, die vertraglich vereinbarte Menge Corona-Impfstoff fristgerecht an die EU-Staaten zu liefern. "Wir stecken in einer Pandemie, und wir verlieren jeden Tag Menschen", sagte Kyriakides am Mittwoch in Brüssel. Die Hersteller von Impfstoffen hätten eine "moralische, gesellschaftliche und vertragliche Verantwortung".

Die EU-Kommission hat einen Rahmenvertrag mit Astrazeneca über bis zu 400 Millionen Impfstoffdosen. Der Konzern hat jedoch angekündigt, nach der für Freitag erwarteten Zulassung des Impfstoffs im ersten Quartal nur einen kleinen Teil der zugesagten Menge zu liefern. Als Grund wurden Produktionsprobleme in einem Werk in Belgien angegeben. Die EU lässt das nicht gelten, zumal der Konzern noch in drei anderen Werken produziere.

+++ "Nicht vertraglich verpflichtet": Astrazeneca-Chef weht sich gegen Vorwürfe der EU +++

Astrazeneca-Chef Soriot sagte in dem "Welt"-Interview, in der EU werde der Impfstoff in Belgien und den Niederlanden produziert. Dort sei bei einer Anlage leider der Ertrag sehr niedrig. Sein Unternehmen sei vertraglich nicht zur Lieferung bestimmter Mengen verpflichtet. Vielmehr habe man nur einen "best effort" zugesagt, sich also im besten Sinne zu bemühen.

In Großbritannien habe es anfangs auch Schwierigkeiten gegeben. "Aber der Vertrag mit den Briten wurde drei Monate vor dem mit Brüssel geschlossen." Die Anlagen mit der niedrigsten Produktivität lägen nun einmal in Europa. "Das machen wir ja nicht mit Absicht!" Sein Team arbeite rund um die Uhr, um die Probleme zu lösen. Aus Kommissionskreisen hieß es jedoch, es sei nicht verständlich, warum nicht in Großbritannien produzierte Impfstoffdosen an die EU geliefert würden. Wesentliche Aussagen aus dem Interview Soriots bestreite man, hieß es aus den Kreisen.

+++ EU hatte 400 Millionen Impfdosen von Astrazeneca bestellt +++

Die EU hatte im August bis zu 400 Millionen Impfdosen von Astrazeneca bestellt und nach eigenen Angaben 336 Millionen Euro für Entwicklung und Fertigung vorgestreckt. Nach Darstellung der EU-Kommission hätte Astrazeneca seit Oktober auf Halde produzieren müssen, damit der Impfstoff sofort nach der Zulassung in der EU bereitsteht.

Die Brüsseler Behörde steht selbst in der Kritik, weil Impfstoff in der EU knapp ist und bisher prozentual weit weniger Menschen immunisiert wurden als etwa in Großbritannien oder Israel. Das liegt zum Teil daran, dass die Mittel in der EU eine Marktzulassung statt nur eine Notfallzulassung bekommen sollen - und das dauert länger. So hat die Impfkampagne später begonnen.

+++ Auch Biontech/Pfizer hat Produktionsprobleme +++

Inzwischen sind Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Auch Biontech/Pfizer hatte zwischenzeitlich Produktionsprobleme, allerdings wohl nur kurzfristig. Der französische Pharmakonzern Sanofi kündigte am Mittwoch an, ab Sommer mehr als 125 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für die EU im Sanofi-Werk in Frankfurt zu produzieren.

Der Impfstoff von Astrazeneca wäre das dritte in der EU zugelassene Corona-Vakzin. Fragezeichen gibt es aber noch, ob dieser für ältere Menschen freigegeben wird. Experten der EU-Arzneimittelagentur EMA prüfen derzeit die Daten der klinischen Tests und wollen am Freitag eine Zulassungsempfehlung abgeben. EMA-Chefin Emer Cooke schloss am Dienstag nicht aus, dass diese auf bestimmte Altersgruppen begrenzt werden könnte.

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sba/news.de/dpa