24.01.2021, 12.17 Uhr

Coronavirus-News: Erhöhte Ansteckungsgefahr! Sind die Corona-Mutationen wirklich gefährlicher?

Die neuentdeckten Corona-Mutationen könnten weitaus ansteckender sein, als bislang vermutet. Laut aktuellen Studien begünstigen die Varianten Neuinfektionen bei bereits Genesenen. Welche Auswirkungen hat das auf die Corona-Impfung?

Die neuen Corona-Mutationen sind laut Studien noch ansteckender als Sars-CoV-2. (Symbolfoto) Bild: picture alliance/dpa/AP/Daniel Cole

Die neu entdeckten Coronavirus-Mutationen aus Südafrika und Großbritannien sehen Wissenschaftler mit großer Sorge. Sie könnten zu noch mehr Infektionen führen und seien im Fall der britischen Mutation sogar tödlicher. Jetzt besorgt auch noch eine Mutation aus Brasilien Forscher weltweit. In allen Fällen sei mit einer erhöhten Ansteckungsgefahr zu rechnen, heißt es aus Fachkreisen.

Coronavirus-News: Große Gefahr durch Corona-Mutation aus Brasilien

Die zuerst im brasilianischen Corona-Hotspot Manaus gefundene Mutation P.1, hatte für einen Anstieg der Infektionszahlen geführt. Denn eigentlich waren die zuvor an Covid-19 erkrankten Menschen wieder gesund, doch sie steckten sich erneut an.

Intensivmediziner Prof. Uwe Janssen zeigte sich im RTL-Interview besorgt. Ihm bereite die brasilianische Corona-Mutation "ganz große Sorgen". Der Chefarzt der Intensivmediziner sagte, dass die Mutation einen "neuen Effekt" zeige und vermutlich "eine ganz neue Qualität" hätte. Diese Corona-Variante breitete sich bereits in Brasilien und Japan aus. In Deutschland wurde die Mutation bei einem Reiserückkehrer aus Hessen festgestellt.

Coronavirus-News aktuell: Südafrikanische Mutation soll Reinfektion begünstigen

Genauso verhält es sich auch mit der südafrikanischen Coronavirus-Variante 501Y.V2. Sie könnte sich womöglich stärker ausbreiten als die in Deutschland bisher hauptsächlich verbreitete Sars-CoV-2-Variante. Zudem könnten Antikörper-Therapien und Impfstoffe deutlich an Wirksamkeit gegen diesen Erregertyp einbüßen. Von diesen Ergebnissen berichten Wissenschaftler in zwei Fachartikeln, die vor der Veröffentlichung noch nicht durch unabhängige Fachkollegen begutachtet wurden. Die Forscher schreiben weiter, dass die Mutationen auch dazu führen könnten, dass sich Covid-19-Genesene mit der neuen Variante ein zweites Mal anstecken.

Neue Studien: Südafrikanische Corona-Mutation noch ansteckender als Sars-CoV-2

Die Coronavirus-Variante 501Y.V2 - auch als B.1.351 bekannt - wurde in Südafrika zuerst entdeckt und ist mittlerweile in zahlreichen Ländern, auch in Deutschland, nachgewiesen. Sie zeichnet sich unter anderem durch mehrere Mutationen aus, die das sogenannte Spike-Protein des Virus verändern. Dieses Eiweiß nutzt das Virus, um sich an die Körperzellen anzuheften und schließlich in sie einzudringen.

Die Gruppe um Gard Nelson von der Firma ImmunityBio in Culver City (Kalifornien, USA) untersuchte die Auswirkungen der genetischen Veränderungen nun mit Hilfe von Computersimulationen. Sie bezogen drei Mutationen in einer zentralen Region des Spike-Proteins in ihre Untersuchung ein. Die Analyse zeigte, dass das Virus dank der drei Mutationen noch besser an die Zellen anheften kann als etwa die mutierte britische Variante, für die ebenfalls eine bessere Übertragbarkeit angenommen wird. Die effektivere Bindung macht das Virus also ansteckender.

Das Spike-Protein ist auch der Ort, an dem die Antikörper angreifen, die das Immunsystem nach einer Infektion oder einer Impfung bildet oder die im Rahmen einer Therapie verabreicht werden. Bei den betrachteten Änderungen bestehe die Gefahr, dass die Antikörper das Virus nicht mehr "erkennen", schreiben Nelson und Kollegen weiter.

Macht Corona-Mutation Antikörper-Therapie unwirksam?

Das südafrikanische Team um Penny Moore vom nationalen Gesundheitslabordienst NHLS in Johannesburg (Südafrika) untersuchte die Wirkung von neun Mutationen der Variante 501Y.V2, die das Spike-Protein betreffen. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass drei monoklonale Antikörper, die bei einer Therapie gegen eine Sars-CoV-2-Infektion verabreicht werden, bei der südafrikanischen Variante als Folge der Mutationen nicht mehr wirken.

Bei Laborversuchen mit Blut von genesenen Covid-19-Patienten stellten sie fest, dass die darin enthaltenen Abwehrstoffe eine Infektion von Zellen mit der südafrikanischen Virusvariante in vielen Fällen nicht verhindern konnten. Dieses Ergebnis deute auf eine erhöhte Gefahr einer Reinfektion hin, schreiben die Wissenschaftler.

Christian Drosten: Rechnet nicht mit "Ausfall der Impfstoffe"

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, weist darauf hin, dass die südafrikanischen Virologen nicht das Blut von Geimpften untersucht haben: "Nach einer Impfung sind deutlich mehr Antikörper im Blut, als es bei den meisten der ehemaligen Covid-19-Patienten der Fall war." Erst eine Untersuchung an Blut von geimpften Patienten könne Klarheit bringen, ob ein Impfstoff an die neue Variante angepasst werden müsse oder nicht.

Christian Drosten von der Berliner Charité betonte kürzlich zudem die Bedeutung der T-Zellen in der Immunantwort des Körpers. "Wenn ein Virus an irgendeiner Stelle eine Mutation hat, ändert das nichts an der T-Zell-Immunität. Insofern glaube ich nicht, dass wir mit einem Ausfall der Impfstoffe rechnen müssen", sagte er am Freitag in einem Gespräch mit dem Magazin "Der Spiegel". Eine Variante, die genesene Covid-19-Patienten erneut infizieren könne, habe wahrscheinlich keinen Vorteil in einer nicht immunen Bevölkerung wie in Deutschland.

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Corona-Mutation 501Y.V2: Torben Schiffner vermutet, dass Impfstoffe angepasst werden müssen

Anders bewertet Impfstoff-Forscher Torben Schiffner von der Universität Leipzig die südafrikanische Studie. "Diese Daten sind deutlich schlechter, als ich erwartet hatte, und deuten darauf hin, dass die Impfstoffe vermutlich früher oder später angepasst werden müssen", sagte er am Mittwoch in einem Gespräch mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

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bos/news.de/dpa

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