14.01.2021, 09.37 Uhr

Coronavirus News: "Realitätsfern!" Pandemie-Experte kritisiert Lockdown-Ziel der Kanzlerin

Viele Deutsche stellen sich derzeit nur eine Frage: Wann haben Corona-Pandemie und Lockdown endlich ein Ende? Das von Angela Merkel erklärte Lockdown-Ziel ist eine Inzidenz von 50. Laut Virologe Klaus Stöhr ist dies "realitätsfern und demotivierend".

Ein Pandemie-Experte kritisiert das Lockdown-Ziel der Kanzlerin. Bild: dpa

Fast ein Jahr nach dem ersten Corona-Lockdown im März 2020 befinden wir uns noch immer mitten in der Coronavirus-Pandemie. Unser normaler Alltag scheint noch immer in weiter Ferne. Der derzeitige Lockdown ist bis zum 31. Januar 2021 anberaumt, im Bundesland Sachsen sogar bis zum 7. Februar.

Coronavirus News: Virologe Klaus Stöhr kritisiert Merkels Lockdown-Ziel

Kanzlerin Angela Merkel und die Bundesregierung haben ein klares Lockdown-Ziel: eine Inzidenz von 50. Das heißt: Bis Deutschland die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen unterschreitet, soll Deutschland im Lockdown bleiben. Laut Pandemie-Experte und Virologe Klaus Stöhr (62) ist dieses Lockdown-Ziel jedoch "realitätsfern und demotivierend", wie er im Interview mit der "Bild"-Zeitung erklärte.

Pandemie-Experte nennt Lockdown-Ziel der Kanzlerin "realitätsfern und demotivierend"

"Ohne Kontaktreduzierung würde Deutschland in ein ähnliches Infektionsgeschehen schlittern wie Irland oder Großbritannien. Deshalb muss man gegensteuern. Allerdings halte ich das propagierte Ziel, eine Inzidenz von 50 zu erreichen und dann zu halten, für vollkommen realitätsfern und demotivierend. Es fehlt auch ein Positiv-Agenda mit einem erreichbaren Ziel, wann die Maßnahmen zurückgefahren werden", so der Pandemie-Experte.

Virologe Stöhr hält Leben mit Inzidenz von 130 oder 150 für möglich

In der Agenda der Kanzlerin vermisse er den Kompromiss zwischen "Werten Gesundheit, Freiheit und Wirtschaft". Der 62-Jährige halte es durchaus für möglich, mit einerInzidenz von 130 oder 150 umzugehen beziehungsweise zu leben. "Trotz einiger überlasteter Intensivstationen funktioniert das Gesundheitssystem flächendeckend. Allerdings ist eine geographische Differenzierung der Maßnahmen notwendig."

Kritik an den Corona-Maßnahmen von Kanzlerin Angela Merkel

Auch in punkto Kindergärten und Schulen sowie bei den Altenheimen würde Virologe Stöhr eine andere Strategie verfolgen. Er würde Kindergärten sofort öffnen und zum Präsenzunterricht mit Hygienemaßnahmen in den Grundschulen zurückkehren. "Prinzipiell sollte niemand glauben, dass man eine saisonale Erkrankung mit statischen Maßnahmen bekämpfen kann. Alle zwei bis drei Wochen muss nach oben oder unten kalibriert werden", so der Virologe im "Bild"-Interview.

Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus kosteten bisher insgesamt 400 Milliarden Euro

Über die Angemessenheit der seit Frühjahr 2020 ergriffenen Pandemie-Maßnahmen lässt sich laut Klaus Stöhr streiten. "Es besteht kein Zweifel, dass man die Pandemie bekämpfen muss. Allerdings stellen Gesundheitsökonomen jetzt zunehmend Fragen", so der Pandemie-Experte. Für die Bekämpfung des Coronavirus habe man bislang insgesamt 400 Milliarden Euro ausgegeben. "Das entspricht etwa den Ausgaben für alle gesundheitlichen Interventionen im Jahr 2018. Alle Krankenhäuser und Krankenkassen, Krebstherapien, Geburten, alles. So viel wurde jetzt ausgegeben für die Bekämpfung einer Atemwegserkrankung."

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fka/bua/news.de