16.12.2020, 06.54 Uhr

Polizei vermeldet Festnahme: Verdächtiger nach Juwelen-Klau von Zielfahndern geschnappt

Der Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden war ein Schock. Bei einer spektakulären Razzia in Berlin wurden vor knapp einem Monat erste Verdächtige gefasst. Doch zwei Verdächtigen ist es gelungen, zu entkommen. Nun meldet die Polizei einen Erfolg.

Knapp ein Jahr nach dem Kunstraub im Dresdner Grünen Gewölbe hat die Polizei nach einer Razzia in Berlin drei Tatverdächtige festgenommen. Jetzt gab es einen weiteren Fahndungserfolg. Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael

Knapp ein Monat liegen die ersten Verhaftungen im Zusammenhang mit dem spektakulären Juwelendiebstahl in Dresden zurück - nun hat die Polizei einen weiteren gesuchten Verdächtigen gefasst. Am Dienstag will die Dresdner Polizei Angaben dazu machen, wie sie dem 21-Jährigen aus einem bekannten arabischstämmigen Berliner Clan auf die Spur kam. Nun wird noch nach dessen Zwillingsbruder international gefahndet.

Fahndungserfolg nach Juwelenraub von Dresden: Polizei nimmt 21-Jährigen aus Clanmilieu fest

Der 21-jährige Mann sei in Berlin festgenommen worden, sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Dresdner Polizei am Montag. Die Berliner Polizei bestätigte, dass die Festnahme am Montagabend im Bezirk Neukölln durch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) erfolgte. Zuvor hatten die "Bild"-Zeitung und die "B.Z." berichtet. Nach dem Bericht wurde der Mann in einem Mietshaus in der Jahnstraße gefasst. Demnach wollte er sich dort mit einer Bekannten treffen und geriet dadurch in das Visier der Zivilfahnder.

Juwelendiebstahl: Details nach Festnahme von Zwilling erwartet

Einer der im Zusammenhang mit dem spektakulären Dresdner Juwelendiebstahl verdächtigen Zwillinge ist nach wochenlanger Flucht in Haft - am Vormittag des 15.12.2020 will die Staatsanwaltschaft weitere Details mitteilen. Noch sei unklar, wo und wann eine Vorführung beim Haftrichter erfolge, sagte ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen. Am Montagabend war der Gesuchte aus dem Berliner Clan-Milieu gefasst worden. Der 21-Jährige wurde nach Angaben der Polizei im Bezirk Neukölln von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) festgenommen.

Am 25. November 2019 hatten mehrere Täter bei einem der spektakulärsten Einbrüche der vergangenen Jahrzehnte aus der berühmten Schatzkammer Grünes Gewölbe in Dresden Juwelen in hohem Wert gestohlen. Am 17. November verhafteten die Dresdner und die Berliner Polizei bei einer Razzia drei verdächtige Männer im Alter von 23, 23 und 26 Jahren aus der Großfamilie. Sie kamen in Dresden in Untersuchungshaft.

Dresdner Juwelendiebstahl: BKA-Zielfahnder entdeckten Verdächtigen

Der vierte gefasste Verdächtige im Fall des spektakulären Dresdner Juwelendiebstahls ist von Zielfahndern des Bundeskriminalamtes (BKA) aufgespürt worden. Das teilte die Dresdner Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Der gesuchte 21-jährige Zwilling wurde am Montagabend um 19.21 Uhr in Berlin-Neukölln von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) des Landeskriminalamtes (LKA) verhaftet. Der Zugriff erfolgte an einem Auto in der Jahnstraße. Nach dem zweiten Zwilling werde weiter "mit Hochdruck und auch öffentlich gefahndet", so die Staatsanwaltschaft.

Die Brüder gehören zu einem bekannten arabischstämmigen Berliner Clan. Mitglieder der Familie wurden auch für andere große Straftaten wie den Goldmünzen-Diebstahl aus dem Berliner Bode-Museum 2017 verurteilt. Nach beiden Männern wurde seit knapp einem Monat international gefahndet. Sie waren am 17. November trotz eines Großeinsatzes der Dresdner Polizei in Berlin entkommen. Drei andere Verdächtige aus dem Clan wurden verhaftet.

Dresdner Juwelendiebstahl: Polizei auf Spur des fünften Verdächtigen

Das Netz um den fünften mutmaßlichen Dieb der Juwelen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden zieht sich zu. Am Montagabend überwältigte und verhaftete ein Spezialeinsatzkommando (SEK) des Berliner Landeskriminalamtes den vierten Verdächtigen in der Hauptstadt.

Nach ihm und seinem Zwillingsbruder wurde international gefahndet, seit sie vor einem Monat bei einem ersten Zugriff der Polizei entkommen waren. Über den zweiten, noch flüchtigen 21-jährigen Zwilling sagte am Dienstag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden: "Wir sind zuversichtlich, ihn zeitnah festnehmen zu können."

Der verhaftete erste Zwilling aus einem bekannten arabischstämmigen Berliner Clan wurde von Zielfahndern des Bundeskriminalamtes (BKA) aufgespürt. Am Montag um 19.21 Uhr schlug das Berliner SEK im Berliner Bezirk Neukölln zu. Der Zugriff erfolgte abseits der angesagten Kneipenecken in Nord-Neukölln, "an einem Auto", wie es hieß - also offenbar auf der Straße oder auf einem Parkplatz. Weitere Details zu Fahndung und Festnahme wollten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht nennen.

Zielfahnder des Bundeskriminalamtes schnappten flüchtiges Clan-Mitglied

Unklar war, warum das BKA in den Fall einbezogen wurde. Zielfahnder sind Spezialisten der Kriminalpolizei sowohl beim BKA als auch bei den LKAs. Sie suchen nach geflüchteten Verbrechern und Verdächtigen, deren Identitäten bekannt sind. Die Zielfahnder erstellen ein Persönlichkeitsprofil des Gesuchten, überwachen Familie und Freunde, analysieren Gewohnheiten und Eigenschaften und versuchen so, ihm auf die Spur zu kommen.

Der nun gefasste Mann wurde am Dienstag nach Dresden gebracht und dort am Nachmittag einem Ermittlungsrichter am Amtsgericht vorgeführt. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Einen Haftbefehl gab es bereits. Ebenfalls in der dortigen Untersuchungshaft sitzen die anderen drei Verdächtigen aus demselben Clan. Mitglieder der Großfamilie wurden auch für andere große Straftaten wie den Goldmünzen-Diebstahl aus dem Berliner Bode-Museum 2017 verurteilt.

Gegen die vier Verdächtigen im Gefängnis und den fünften Mann, der noch auf der Flucht ist, bestehe "dringender Tatverdacht", sagte Staatsanwaltschaftssprecher Jürgen Schmidt. "Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung. Die Beweislage ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft sehr gut."

Großrazzia nach Juwelendiebstahl in Dresden von Pannen überschattet

Ein knappes Jahr nach der Tat rückte die Polizei aus Dresden am 17. November zu einer Großrazzia in Berlin aus. Dabei kam es zu Pannen. Zwar wurden drei mutmaßliche Mitglieder der Einbrecherbande im Alter von 23, 23 und 26 Jahren verhaftet und zahlreiche Wohnungen durchsucht. Die Zwillinge als jüngste mutmaßliche Mitglieder der Bande entkamen allerdings, obwohl auch sie schon länger von der Polizei observiert worden waren.

Die Polizei hatte einen der ersten drei Verdächtigen früher als geplant schon in der Nacht und nicht erst am frühen Morgen festgenommen. Spekuliert wurde, dass sich davon schnell Gerüchte in der Szene verbreiteten oder dass andere Observationen auffielen. Nach den Geflohenen wurde sofort eine Fahndung mit Namen und Fotos eingeleitet, die jetzt den ersten Erfolg brachte.

Keine Spur zu den geklauten Juwelen aus dem Grünen Gewölbe Dresden

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) sprach am Dienstag von einem "weiteren großen Schlag gegen das organisierte Verbrechen". Die Polizei habe "im ganzen letzten Jahr in akribischer Kleinstarbeit Spuren verfolgt und gezeigt, dass es sich lohnt, hartnäckig zu ermitteln". Er hoffe auch, dass dies ein weiterer Schritt sei, um den gestohlenen Staatsschatz zu finden.

Staatsanwalt Schmidt verkündete allerdings dazu eine schlechte Nachricht: "Es gibt aktuell keine heiße Spur zu den entwendeten Juwelen." Auf Hinweise aus den Reihen der Verdächtigen hofft auch kaum jemand. Bisher schweigen alle vier Männer.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

loc/news.de/dpa