15.12.2020, 08.20 Uhr

Coronavirus aktuell: Trödelei beim Impfstoff! Professor warnt vor 15.000 Corona-Toten

Gesundheitsminister Jens Spahn macht Hoffnung auf ein nicht allzu fernes Ende der Corona-Pandemie. Doch hierzulande ist der Impfstoff noch nicht einmal zugelassen. Ein Professor warnt vor drastischen Folgen mit bis zu 15.000 Toten.

Der Corona-Impfstoff ist in Deutschland immer noch nicht zugelassen. Bild: dpa

Während die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hierzulande weiterhin auf hohem Niveau bleibt und die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag erneut 500 Todesfälle binnen eines Tages übermittelt haben, wird in anderen Ländern bereits kräftig gegen das Coronavirus geimpft. In den USA, in Kanada und in Großbritannien wird mit dem in Deutschland entwickelten Impfstoff des Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech und seines US-Partners Pfizer schon gearbeitet.

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Corona-Impfstoff aktuell: Professor warnt vor zusätzlichen 15.000 Toten wegen Trödelei

In Europa entscheidet die Europäische Arzneimittel-Agentur (Ema) erst noch über eine Zulassung. Von manchen Beobachtern wird das als regelrechte "Impfstoff-Trödelei" bezeichnet. Laut der "Bild"-Zeitung kritisiert jetzt der Wuppertaler Wirtschaftsprofessor Paul Welfens (63), Präsident des Europäischen Instituts für Internationale Wirtschaftsbeziehungen, "in einer neuen Studie den Impfplan der Regierung. Dieser sei "zu langsam und unsinnig". In einem drastischen Statement erklärt Welfens dem Blatt: "Insgesamt wird die deutsche Impf-Trödelei rund 15.000 Menschenleben kosten".

Coronavirus: Professor fordert Turbo-Impfung in 90 Tagen

Für ihn scheint klar zu sein, dass die Regierung schlicht zu wenig Impfdosen bei den jeweiligen Herstellern bestellt habe, wodurch sich der "gesamte Impfprozess gut 18 Monate" hinziehen könnte. Zudem würde es zu wenig Impfzentren und Ärzte geben. Welfens hat einen eigenen Plan, wie mit den Impfungen vorangegangen werden könnte. Und der klingt mehr als ambitioniert. Man müsse mit Turbo-Impfungen innerhalb von 90 Tagen agieren, Bund und Länder sollten "rasch die nötigen Kapazitäten schaffen, die Arzthonorare deutlich erhöhen", wird er von der "Bild" zitiert. Auch den Nebeneffekt erklärt der Wirtschaftsprofessor: Seine Turbo-Impfung könne die Wirtschaft ankurbeln.

Allerdings: Die Regierung hat insgesamt 300 Millionen Impfdosen bestellt, die würden zur Durchimpfung von 150 Millionen Menschen reichen. Das Problem liegt bei der Entwicklung des Impfstoffs, wozu es zu Verzögerungen gekommen sei und eine "Turbo-Impfung" kaum möglich machen.

Spahn: Ende Sommer 2021 könnten 60 Prozent gegen Corona in Deutschland geimpft

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass bis Ende Sommer 2021 rund 60 Prozent der Bürger in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft sein könnten. Stand heute könne im Sommer mit einer solch großen Zahl an Impfdosen gerechnet werden, dass dann weite Teile der Bevölkerung geimpft werden könnten, sagte der CDU-Politiker im ZDF-"heute-journal" auf die Frage, wann 60 Prozent der Bevölkerung geimpft sein könnten.

Laut Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Pandemie nötig. Nach Angaben von Spahn ist für das erste Quartal mit 12 bis 13 Millionen Impfdosen zu rechnen.

Kritik nimmt zu: Immer noch keine Corona-Impfungen in Deutschland

Dass in den USA, in Kanada und in Großbritannien schon mit dem in Deutschland entwickelten Impfstoff geimpft werden darf, hierzulande aber noch nicht, stößt auf Kritik. "Es kann nicht sein, dass ein in Deutschland entwickelter Impfstoff erst im Januar zugelassen und verimpft werden kann", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, Christine Aschenberg-Dugnus. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) forderte eine Notfallzulassung. "Ich frage mich, ob wir wirklich bis zum 29. Dezember brauchen, um in Europa eine Zulassung des Impfstoffs zu erreichen, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass auch hierzulande eine Notzulassung rechtlich möglich sei. Sie sei aber "nicht vorbereitet worden, weil man mit der Verzögerung der Zulassung auf europäischer Ebene einfach nicht rechnen konnte". Für eine Notzulassung in Deutschland sei es nun zu spät, fügte Lauterbach hinzu. Diese würde jetzt länger dauern als das Ende der Zulassung auf EU-Ebene abzuwarten.

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rut/sba/news.de/dpa

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