06.12.2020, 17.32 Uhr

Coronavirus-News am Sonntag: Lauterbach fordert Geschäftsschließungen nach Weihnachten

Trotz "Lockdown Light" gehen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen und Covid-19-Toten nicht zurück. Der Ruf nach einem harten Lockdown mit verschärften Regeln wird immer lauter. Heute wird in Teilen Deutschlands darüber beraten. Alle Corona-News von Sonntag hier.

Karl Lauterbach fordert härtere Beschränkungen. Bild: dpa

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen 24 Stunden 17 767 neue Corona-Infektionen gemeldet. An Sonntagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil amWochenendeweniger getestet wird. Alle Corona-Zahlen und Corona-News von Sonntag.

Zahl der Neuinfektionen und Covid-19- Verstorbenen in Deutschland

Vor einer Woche lag der Wert noch bei 14.611 gemeldeten Neu-Infektionen an einem Tag. Innerhalb eines Tages sind 255 Menschenim Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Damit steigt die Zahl der Todesfälle in Deutschland auf 18.772 seit Beginn der Pandemie (Stand: 06.12., 00.00 Uhr). Insgesamt haben sich nach Angaben des RKI 1 171 322 Menschen nachweislich mit dem Virusinfiziert.

Coronavirus-News mit R-Wert: Reproduktionszahl des RKI bei 1,10

Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Samstag bei 1,10 (Vortag: 1,04). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 110 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Coronavirus-News Deutschland von Sonntag im Ticker

Die aktuellen Corona-News in Deutschland vom Sonntag erfahren Sie hier.

+++ Lauterbach für Geschäftsschließungen nach Weihnachten +++

Angesichts der sehr hohen Corona-Infektionszahlen fordert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach deutschlandweit schärfere Beschränkungen und eine Schließung von Geschäften nach Weihnachten. "Wir brauchen eine neue Ministerpräsidentenkonferenz schon in der kommenden Woche", sagte der Epidemiologe dem Berliner "Tagesspiel" (Montag). Nötig seien "vorgezogene und längere Schulferien bis weit ins neue Jahr und ein Schließen der Geschäfte zumindest nach Weihnachten". Schulen und Geschäfte sollten mindestens bis zum Ende der ersten Januarwoche geschlossen bleiben, erläuterte er in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe weiter.

Er bekräftigte seine Warnungen vor einem Silvesterfest mit Lockerungen der bisherigen Beschränkungen und sagte dem "Tagesspiegel" mit Blick auf die geforderten Maßnahmen: «Sonst haben wir Ende Januar noch einmal zusätzliche 25 000 Tote."

 

NRW-Grüne fordern Verzicht auf Lockerungen im Dezember

Die Grünen in Nordrhein-Westfalen fordern, im Dezember auf Lockerungen von Corona-Maßnahmen zu verzichten. "Als erstes Signal wäre ein Verzicht auf Silvester-Lockerungen sinnvoll und nötig. Auch über Weihnachten muss im Zweifel noch mal diskutiert werden", sagte Felix Banaszak, Vorsitzender der NRW-Grünen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Montagsausgabe).

Die Infektionszahlen seien besorgniserregend, so der Oppositionspolitiker. "Durch die aktuellen Maßnahmen ist es ganz offensichtlich bislang nicht gelungen, die zweite Welle zu brechen."Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Sonntag angekündigt, die vereinbarten Lockerungen für Silvester für sein Land zu kippen und den Präsenzunterricht für ältere Schüler ab kommenden Mittwoch deutlich einzuschränken.

Die NRW-Landesregierung verwies am Sonntag auf die gültigen Absprachen. "Bund und Länder haben sich auf umfangreiche Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie verständigt. Die Landesregierung prüft fortlaufend das Infektionsgeschehen und trifft entsprechend ihre Maßnahmen», sagte eine Regierungssprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

+++ Heilbronn kündigt nächtliche Ausgangsbeschränkungen an +++

Im Corona-Hotspot Heilbronn soll es ab Dienstag eine nächtliche Ausgangsbeschränkung geben. Eine entsprechende Allgemeinverfügung werde am Montag verkündet, teilte eine Sprecherin der Stadt am Sonntag mit. Die Ausgangsbeschränkung soll von 21.00 Uhr bis 5.00 Uhr gelten. Das Verlassen des Hauses wäre demnach in dieser Zeit nur noch mit "triftigem Grund" möglich, wie in den Städten Mannheim und Pforzheim, wo eine solche Regelung bereits seit dem Wochenende greift. Die Stadt überschritt zuletzt mehrere Tage den Wert von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche und gilt damit als Hotspot.

+++ In Thüringen keine Lockerungen zu Weihnachten und Silvester +++

In Thüringen soll es wegen der zunehmenden Zahl an Infektionen mit dem Corona-Virus einem Medienbericht zufolge über die Feiertage keine Lockerungen der Corona-Maßnahmen geben. "Es wird keine Entlastungen für Weihnachten und Silvester geben", zitierten am Sonntag die Thüringer Zeitungen der Funke-Mediengruppe Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur war die Staatskanzlei zunächst nicht zu erreichen.

Wegen der aktuellen Entwicklung sei ein anderes Vorgehen aus seiner Sicht nicht möglich, hieß es auf den Online-Portalen von "Thüringer Allgemeine", "Ostthüringer Zeitung" und der "Thüringischen Landeszeitung". Abschließend werde das Kabinett am Dienstag darüber beraten.

Damit würden voraussichtlich die aktuellen Regelungen der Thüringer Corona-Eindämmungsverordnung auch über die Festtage Bestand haben. Danach sollen "private Zusammenkünfte, die in der eigenen Wohnung stattfinden, auf die Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstands bis zu einer Gruppengröße von höchstens fünf Personen beschränkt werden". Kinder bis 14 Jahre würden nicht mitgezählt.

+++ Bayern verschärft Corona-Maßnahmen - Söder kippt Lockerungen über Silvester +++

Wegen der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen verschärft Bayern seinen Kurs zur Kontaktbeschränkung deutlich und kippt die für Silvester geplanten Lockerungen wieder. Das Kabinett um Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beschloss am Sonntag in einer Sondersitzung, dass am 9. Dezember zudem der Katastrophenfall erneut ausgerufen werden soll. Die Regelung ist zunächst bis zum 9. Januar befristet. "Es bleibt dabei, die Zahlen sind einfach zu hoch", sagte Söder. Auch viele Kliniken klagten inzwischen über eine Überlastung. Der national vereinbarte sanfte Lockdown habe eine Wirkung, aber auch nur eine milde.

Einzig an den Weihnachtstagen sollen die Kontaktbeschränkungen noch gelockert werden. Vom 23. bis zum 26. Dezember sind demnach auch Treffen über die zwei Hausstände hinaus mit bis zu maximal zehn Personen - aus bis zu zehn Hausständen - gestattet. Die bisher auch für Silvester geplanten Lockerungen wurden dagegen gekippt. Damit dürfen sich auch zum Jahreswechsel maximal fünf Personen aus zwei Hausständen treffen. Eine ähnliche Regelung hat bereits Baden-Württemberg vom 23. bis 27. Dezember. In Berlin sind über die ganzen Feiertage maximal fünf Personen erlaubt.

Der Präsenzunterricht für ältere Schüler wird ab kommenden Mittwoch in Bayern deutlich eingeschränkt: Ab Klassenstufe acht sollen die Klassen überall geteilt werden und in Wechselunterricht übergehen. In Hotspots ab einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche sollen die Schüler ab der achten Klasse komplett in den Distanzunterricht wechseln.

Ferner sollen ab Mittwoch landesweit strengere Ausgangsbeschränkungen und in Hotspots mit einer Inzidenz ab 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen auch zwischen 21.00 und 05.00 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre gelten. Die eigene Wohnung darf dann nur noch aus triftigen Gründen verlassen werden. Dazu sollen aber auch Weihnachtseinkäufe, Arztbesuche, Sport und der Weg zur Arbeit und Schule gelten. Landesweit gilt zudem auch an Silvester ein Verbot für Alkoholkonsum unter freiem Himmel.

In Bayern sind die Corona-Infektionen auch nach dem seit Wochen geltenden Teil-Lockdown fast flächendeckend auf einem sehr hohen und vielerorts bedenklichen Stand. Fast 60 000 Menschen sind aktuell infiziert, so viele wie noch nie zuvor. Hinzu kommt eine stetig steigenden Zahl von Todesopfern unter den Infizierten.

+++ Polizei löst illegale Karaoke-Party mit 41 Teilnehmern auf +++

Die Polizei hat in Berlin eine illegale Karaoke-Party mit mehr als 40 Teilnehmern aufgelöst - gegen vier von ihnen hat ein Haftbefehl vorgelegen. Ein anonymer Anrufer hatte die Beamten am frühen Sonntagmorgen wegen Lärms zu einem Haus in Lichtenberg gerufen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Als die Polizisten eintrafen, schallte ihnen aus einer Wohnung in der ersten Etage laute Musik entgegen. Als die Beamten klopften, wurde sie abgestellt. Mehrere Leute versuchten, über das Dach zu fliehen. Nachdem Verstärkung eingetroffen war, überprüften die Einsatzkräfte in der Wohnung und auf dem Dach 24 Männer und 17 Frauen. Niemand von ihnen trug eine Maske. Die Polizei stellte entsprechende Anzeigen aus.

Zum Alter der Beteiligten wurde am Sonntag nichts bekannt. Bei vier Partygästen stellten die Polizisten bei der Überprüfung fest, dass Haftbefehle vorlagen. Sie wurden in eine Polizeisammelstelle gebracht. Zu den Gründen der Haftbefehle machte die Polizei zunächst keine Angaben.

In der Wohnung war eine Bar mit Ausschank aufgebaut sowie eine Karaoke-Anlage. "Die Party hinterließ den Eindruck einer kommerziellen Veranstaltung", sagte eine Polizeisprecherin. Daher wurde eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gestellt. Weil sich niemand für die Wohnung verantwortlich zeigte, wurde sie anschließend von der Polizei verschlossen.

+++ Erstmals in Sachsen Landkreis mit Inzidenz über 500er-Marke +++

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen einen neuen Höchststand erreicht. Die 7-Tage-Inzidenz kletterte nach Zahlen des Landratsamtes und des Robert Koch-Instituts (RKI) über die Marke von 500 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Das habe es seit Ausbruch der Pandemie in Sachsen nicht gegeben, bestätigte am Sonntag das Gesundheitsministerium in Dresden. Das RKI gab den Wert für den Landkreis mit 534,6 an. Im bundesweiten Vergleich gehört die Region damit zu jenen, in denen die Pandemie derzeit am heftigsten grassiert. Höher liegt die Inzidenz einzig im bayerischen Landkreis Regen.

Unter den Bundesländern bleibt Sachsen insgesamt negativer Spitzenreiter: Der Inzidenzwert des Freistaates ist laut RKI knapp über die Marke von 300 geklettert (Stand: Sonntag 0.00 Uhr).

+++ Rufe nach schärferen Corona-Regeln - Bayerns Kabinett berät darüber +++

Angesichts der kaum sinkenden Corona-Infektionszahlen bahnen sich in Bayern wie bereits in einzelnen anderen Ländern Verschärfungen der geltenden Regeln an. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sein Kabinett für diesen Sonntagmittag zu einer Sondersitzung zusammengerufen. Der Ministerrat will nach Angaben der Staatskanzlei per Videoschalte über "weitere Maßnahmen» beraten. "Es braucht jetzt konsequentes Vorgehen", sagte Söder der "Bild am Sonntag". "Wir können die hohen Todeszahlen in Deutschland nicht hinnehmen. Die Ansteckungszahlen sind weiterhin zu hoch. Es ist besser, bis Weihnachten zu handeln, als ein dauerhaftes Stop-and-go für die Bevölkerung."

Entgegen vieler Hoffnungen liegt die Zahl der Neuinfektionen auch rund fünf Wochen nach Inkrafttreten des Teil-Lockdowns noch auf hohem Niveau. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstag binnen eines einzigen Tages 23 318 neue Infektionen - über 1600 mehr als vor einer Woche. Mit 483 neuen Todesfällen wurde der Höchststand seit Ausbruch der Pandemie nur knapp verfehlt.

Deshalb wächst die Sorge, dass bei der von Bund und Ländern vereinbarten Lockerung über Weihnachten und den Jahreswechsel die Zahlen anschließend in die Höhe schnellen. Aus den Reihen von Union und SPD mehren sich die Warnungen, kein überflüssiges Risiko einzugehen.

Auch der Städte- und Gemeindebund sieht die Lockerungen skeptisch. "Je nachdem wie die Entwicklung in den weiteren zehn Tagen ist, werden sicherlich auch noch einmal die für Weihnachten und Silvester bislang vorgesehenen Lockerungen hinterfragt werden müssen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem "Handelsblatt". "Denn diese Lockerungen werden nicht nur zu mehr Kontakten, sondern auch zu erhöhten Reiseaktivitäten führen, die wiederum ein Risiko darstellen können."

Seit Anfang November gelten wieder Kontaktbeschränkungen, zum 1. Dezember wurden sie in fast allen Bundesländern verschärft. Private Zusammenkünfte sind nun auf fünf Teilnehmer aus maximal zwei Haushalten beschränkt; Kinder bis 14 Jahre sind ausgenommen. Mit Blick auf die Festtage haben Bund und Länder jedoch vereinbart, vom 23. Dezember bis 1. Januar zehn Personen plus Kinder zuzulassen. Allerdings machen nicht alle Bundesländer diese Lockerung mit. Berlin etwa bleibt bei der geringeren Zahl erlaubter Kontakte, Baden-Württemberg erlaubt die größere Personenzahl nur bis zum 27. Dezember.

In Bayern sind nun härtere Schritte etwa im Bereich der Schulen und im Handel denkbar, aber auch größere Ausgangsbeschränkungen. In Hotspots wie Nürnberg oder Passau gelten bereits Ausgangsbeschränkungen. Der niederbayerische Landkreis Regen hat mit mehr als 520 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen einen der höchsten Werte in Deutschland.

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sig/news.de/dpa