22.11.2020, 11.25 Uhr

Kollegen nannten ihn engagiert und besonnen: Essener Oberarzt soll Corona-Patienten totgespritzt haben

Was für ein Schock mitten in der Coronakrise: Ein 44-jähriger Oberarzt soll Corona-Patienten an der Uniklinik in Essen Medikamente verabreicht haben, die zu deren sofortigem Tod führten. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Ein Oberarzt soll zwei Männern in deren letzter Lebensphase todbringende Medikamente verabreicht haben. Bild: dpa

Ein Oberarzt der Essener Uniklinik soll zwei todkranken Männern in deren letzter Lebensphase Medikamente verabreicht haben, die zu deren sofortigem Tod führten. Die Polizei wirft dem 44-Jährigen Totschlag vor. Er kam in Haft. Eine Mordkommission ermittelt. Der Beschuldigte habe nur zu einem Fall Angaben gemacht, teilte die Polizei Essen am Freitag mit.

Er habe angegeben, dass er das weitere Leiden des Patienten und seiner Angehörigen habe beenden wollen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung handelte es sich bei den beiden gestorbenen Männern um Corona-Patienten, die auf der Covid-19-Station des Uniklinikums behandelt wurden.

Coronavirus News aktuell: Oberarzt soll Corona-Patienten tödliches Mittel verabreicht haben

Die beiden Patienten im Alter von 47 und 50 Jahren lagen laut Polizei auf der Station des Oberarztes. Sie hätten sich in einem sehr kritischen gesundheitlichen Zustand befunden. Der eine starb am 13. November, der andere am 17. November. Der Arzt wurde am 18. November festgenommen. Einen Tag später ordnete ein Richter Untersuchungshaft an."

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Der Arzt sei seit Februar in der Uniklinik beschäftigt gewesen, teilte das Klinikum mit. "Es besteht der Verdacht, dass der Mediziner in vermutlich zwei Fällen einem versterbenden Patienten in der letzten Sterbephase ein Mittel verabreicht hat, um den Tod unmittelbar herbeizuführen" hieß es in einer Mitteilung. Die Klinik habe die Staatsanwaltschaft unverzüglich über den Verdacht informiert. Der Mediziner sei sofort außer Dienst gesetzt worden.

Kollegen kannten Essener Oberarzt als engagiert und besonnen

Bei seinen Kollegen galt der Oberarzt alsengagiert und besonnen. "Er kam im Februar von Heidelberg nach Essen, der neue Chefarzt hat ihn mitgebracht. Ein sehr besonnener und angenehmer Kollege, wir sind alle völlig fassungslos und geschockt. Offenbar hat ihn das Leid der Corona-Patienten überfordert. Er hat wohl wirklich gedacht, er tut etwas Gutes", so ein Klinik-Mitarbeiter gegenüber der "Bild am Sonntag".

Ein anderer Kollege des Essener Oberarztes sieht dessen Tat als Weckruf. "Meine Sorge ist, dass nun die ganze aufopferungsvolle und vorbildliche Arbeit der Kollegen in der Covid-Krise in Zweifel gezogen wird. Das wäre sehr, sehr schade! Es muss eigentlich ein Weckruf sein, wie dramatisch es aktuell aussieht, dass selbst erfahrene Mediziner offenbar so verzweifelt sind!"

Patientenschützer zu Essener Oberarzt: Alle Sterbefälle prüfen

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz hat eine Aufarbeitung aller Sterbefälle im Umfeld des Oberarztes der Essener Uniklinik gefordert, dem von der Polizei Totschlag vorgeworfen wird. "Da der Arzt auch in leitender Funktion war, müssen alle Sterbefälle der letzten Jahre aufgearbeitet werden, in denen der Mediziner Dienst hatte", sagte Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur.

Krankenhäuser seien auch Orte des täglichen Sterbens, sagte Brysch. "Für Täter ist deshalb die Gefahr gering, schnell überführt zu werden." Bei tödlich verlaufenden Krankheiten sei es die Aufgabe der Ärzte, "in Abstimmung mit den Patienten leidenslindernde palliative Hilfe beim Sterben" zu ermöglichen. Im Fall des Oberarztes in Essen bestünden nun "berechtigte Zweifel, ob das die Motive des Mediziners waren."

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rut/news.de/dpa

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