12.11.2020, 14.54 Uhr

Coronavirus-News im Ticker: "Schwere Wintermonate"! Merkel schwor Auszubildenede auf harte Zeiten ein

Schon wieder fast 22.000 Neuinfektionen in Deutschland. Die Coronavirus-Pandemie sorgt weiter für Chaos, vor allem an deutschen Schulen. Ein Gericht hat jetzt die Schließung von Fitnessstudios in Bayern aufgehoben. Die aktuelle Corona-Lage im Überblick.

Angela Merkel hat mit Auszubildenden gesprochen. Bild: dpa

In Deutschland haben die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 21.866 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Das sind knapp 3400 Fälle mehr als am Mittwoch, wie aus den Angaben des RKI vom Donnerstagmorgen hervorgeht. Im Vergleich zum Donnerstag vergangener Woche ist der Wert etwas höher. Zu dem Zeitpunkt hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 19.990 gelegen. Ein Höchststand war am Samstag mit 23.399 verzeichneten Fällen erreicht worden.

Coronavirus-News aus Deutschland: RKI meldet 21.866 Neuinfektionen, Zahl der Toten steigt

Das RKIzählt seit Beginn der Pandemie insgesamt 727.553 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 inDeutschland (Stand: 12.11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Donnerstag um 215 auf insgesamt 11 982. Am Mittwoch hatte diese Steigerung 261 Fälle betragen. Das RKI schätzt, dass rund 467 800 Menschen inzwischen genesen sind.

Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwochabend bei 0,89 (Vortag: 0,92). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch etwa 89 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Die aktuellen Coronavirus-News aus Deutschland im Ticker

+++ 12.11.2020: Merkel spricht mit Azubis: Müssen durch schwere Wintermonate kommen +++

Auch für Auszubildende sind es gerade schwierige Zeiten - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihnen nun versucht, Mut zu machen. Merkel sagte am Donnerstag bei einem virtuellen Gespräch mit Auszubildenden: "Wir hoffen ja, dass wir dann, wenn wir durch den November sind, auch wieder Licht am Ende des Tunnels sehen." Sie sagte aber auch, man müsse nun durch "schwere Wintermonate" hindurch.

Auf eine Frage eines Azubis, wie sie die Lage in Gastronomiebetrieben sehe, die im November geschlossen haben, sagte die Kanzlerin, sie sehe die Zukunft positiv. Zunächst aber habe man eine "Durststrecke", solange es keinen Impfstoff gebe.

Merkel nahm sich 90 Minuten Zeit, um mit insgesamt 18 Azubis und Ausbildern zu reden und sie nach ihren Erfahrungen in der Pandemie zu fragen. Es war der Auftakt zu einer neuen Dialogreihe.

Die Corona-Pandemie hat in diesem Jahr deutliche Auswirkungen auf die Situation am Ausbildungsmarkt. Die Berufsorientierung war deutlich schwieriger, so fielen Ausbildungsmessen und andere Veranstaltungen aus. In vielen Branchen sind weniger Ausbildungsverträge geschlossen worden.

Auszubildende berichteten von ihrer Arbeit im Home Office und von Problemen bei der Digitalisierung in Berufsschulen. Merkel versprach Besserung und betonte die Bedeutung der beruflichen Bildung, diese sei genauso wichtig wie ein Studium.

Das Virus verlange allen viel ab, gerade auch jungen Leuten, sagte die Kanzlerin mit Blick auf Kontaktbeschränkungen. An eine Auszubildende stellte sie die Frage, es gebe ja keine Partys und keine Disco, ob das Leben denn sehr trübsinnig sei? Die Antwort war im Sinne Merkels: Natürlich fehlten die Kontakte, es gehe aber darum, sich nun gegenseitig zu schützen und nicht egoistisch zu sein.

Dann wurde die Kanzlerin gefragt, ob sie auch mal zur Ruhe komme bei dem ganzen Regierungsstress. Merkel antwortete, sie versuche, an die frische Luft zu gehen oder einen Film zu sehen und auch mal abzuschalten - man könne nicht nur über das Coronavirus nachdenken. Sie habe schon unbeschwertere Zeiten gehabt, aber das gehe ja vielen Menschen so.

+++ 12.11.2020: Gerichtsurteil: Schließung von Fitnesstudios gekippt +++

Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hat am Donnerstag die vollständige Schließung von Fitnessstudios gekippt, berichtet "Bild.de". Die Schließungverstoße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Die entsprechende Regelung in der bayerischen Landesverordnung sei außer Vollzug gesetzt. Denn laut dem Senat würden die Fitnesstudios benachteiligt. Denn andere Einrichtungen des Freizeitsports dürfen trotz Teil-Lockdown allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts genutzt werden. Rechtsmittel sind nicht möglich. Zuvor hatte ein Fitnessstudiobetreiber einen Eilantrag beim Gericht gestellt. Den Antrag des Betreibers auf Außervollzugsetzung auch der restlichen Beschränkungen des Individualsports lehnte das Gericht ab.

+++ 12.11.2020: Novemberhilfen: Altmaier plant zunächst Abschlagszahlungen +++

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plant nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei den Novemberhilfen zunächst Abschlagszahlungen. Damit sollen erste Gelder noch bis Ende des Monats bei den vom Teil-Lockdown Betroffenen ankommen. Wie es hieß, sollen Soloselbständige eine Abschlagszahlung von bis zu 5000 Euro erhalten, Unternehmen von bis zu 10 000 Euro. Details zu den Auszahlungen der Hilfen will das Ministerium noch am Donnerstag bekanntgeben.

Die Bundesregierung hatte Zuschüsse etwa für Gastronomiebetriebe sowie Solo-Selbstständige wie Künstler zugesagt, die von behördlich angeordneten Schließungen im Kampf gegen eine Ausbreitung des Coronavirus betroffen sind. Es sollen Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes im November 2019 gewährt werden.

An der Umsetzung wird aber noch gearbeitet. So muss eine IT-Plattform umprogrammiert werden, außerdem sind Vereinbarungen mit den Länden geplant. Deswegen soll es nun zunächst Abschlagszahlungen geben, damit erste Hilfen noch im November bei den Firmen ankommen.

Insgesamt sollen die Novemberhilfen ein Volumen von rund 10 Milliarden Euro haben. Altmaier war in den vergangenen Tagen zunehmend in die Kritik geraten. Wirtschaftsverbände hatten ihm eine schleppende Umsetzung der Hilfen vorgeworfen. Länder fordern Nachbesserungen vor allem für Betriebe, die indirekt von den Einschränkungen betroffen sind.

Auch der Koalitionspartner SPD hatte Druck gemacht. "Ich erwarte, dass die Novemberhilfen auch wirklich im November fließen», sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol der Deutschen Presse-Agentur. "Der Wirtschaftsminister war von A bis Z in die Programmentwicklung eingebunden, aber jetzt kriegt er das Geld nicht ausgegeben.» Es sei weder klar, wer die Anträge prüfe, noch wer sie auszahle noch gebe es eine einheitliche Software, sagte Bartol. "Die Hilfen müssen schnell und rechtssicher an die Betroffenen gezahlt werden und dafür ist der Wirtschaftsminister verantwortlich."

+++ 12.11.2020: Fracht brummt in Frankfurt - Vorbereitungen für Impfstoff laufen +++

Am Frankfurter Flughafen laufen die Vorbereitungen zur Verteilung des Corona-Impfstoffes auf vollen Touren. In den "Cargo-Cities" im Norden und Süden des Geländes sind alle Mitarbeiter an Bord, denn auch ohne den Corona-Impfstoff brummt am größten deutschen Flughafen die Fracht. Im Oktober lag die beförderte Menge erstmals seit 15 Monaten mit gut 178 000 Tonnen wieder über dem Wert aus dem entsprechenden Vorjahresmonat, wie der Betreiber Fraport am Donnerstag berichtete. Die Wirtschaftskrise scheint in diesem Teilbereich überwunden.

Eine weitere kleine Sonderkonjunktur erwarten sich Fraport wie auch Lufthansa Cargo als größte Airline am Platz durch die kurz vor der Zulassung stehenden Corona-Impfstoffe. "Wir bereiten uns auf Im- und Export gleichermaßen vor", sagt Fraport-Manager Max Philipp Conrady. "Wir wissen ja noch nicht, was kommt und was wo produziert wird." Von der Menge her sei der Corona-Impfstoff keine übergroße Herausforderung, benötige aber wie alle temperatursensible Fracht besonders hohen Aufwand und Sorgfalt.

Besonders wichtig ist bei Medikamenten eine ununterbrochene Kühlkette: Grundsätzlich gibt es drei international definierte Temperaturbereiche zwischen +25 und -20 Grad Celsius, sowie den Ultratiefkühlbereich bis zu -80 Grad. Aktuell stehen am Flughafen rund 13 500 Quadratmeter "temperaturgeführte" Umschlagkapazitäten zur Verfügung, weitere 500 Quadratmeter seien kurz vor der Inbetriebnahme. Für den Transport über das Vorfeld könnten 20 moderne Thermotransporter eingesetzt werden. Im vergangenen Jahr wurden an dem größten deutschen Frachtflughafen rund 120 000 Tonnen Impfstoffe, Arzneimittel und andere Pharma-Produkte umgeschlagen.

Den Löwenanteil hat die Lufthansa Cargo geflogen, die an ihrem Drehkreuz Europas größtes Pharma-Umschlagzentrum installiert hat. Dazu kommen weltweit rund 200 Stationen, die auf den Transport von Medikamenten vorbereitet und zertifiziert sind, weil Lufthansa sich frühzeitig auf den lukrativen Pharma-Teilmarkt spezialisiert hat, der rund 10 Prozent zum Umsatz beiträgt. Im vergangenen Jahr kamen fast 100 000 Tonnen Fracht zusammen.

Die Lufthansa-Frachtsparte hat nach Angaben einer Sprecherin zur anstehenden Verteilung der Corona-Impfstoffe eine Task Force errichtet, die sich mit Spediteuren, Pharmaherstellern, weiteren Partnern und den Behörden abstimmt. "Mit unserer Frachterflotte können wir bei Nachfrageverschiebungen grundsätzlich flexibel nachsteuern und gegebenenfalls mit Passagiermaschinen nochmals Kapazität ergänzen", sagt sie.

Der Impfstoff der Mainzer Biontech beispielsweise muss dauerhaft bei einer Temperatur von minus 80 Grad gelagert werden. "Very deep frozen" nennen das die Logistiker. Und das bedeutet Lagerung im flüssigen Stickstoff - ein Gefahrgut, das nur abseits der Passagierströme in reinen Frachtmaschinen geflogen werden darf.

Dass Frankfurt eine zentrale Rolle bei der Verteilung des Impfstoffes spielen wird, steht für Fraport-Mann Conrady außer Frage. Die zentrale Lage, die einschlägige Infrastruktur auch für größere Mengen einschließlich Sicherheitsreserven und schließlich die Expertise der beteiligten Partner - am Frankfurter Flughafen führe in Sachen Impfstoff kein Weg vorbei.

"Der Oktober ist sehr gut gelaufen, und der November lässt sich mindestens genauso gut an", sagt Fraport-Manager Conrady zur allgemeinen Entwicklung. Dass die Vorjahresmengen übertroffen wurden, obwohl zahlreiche Zuladungsmöglichkeiten in Passagierflugzeugen entfallen sind, zeige den Wandel am größten deutschen Drehkreuz. Reine Frachtflüge haben um mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt. Nach dem Platzhirsch Lufthansa Cargo und der russischen AirBridgeCargo sind aktuell China Southern und Air China die größten Kunden.

Wie bereits im Frühjahr sind auch die "Prachter" zurück, provisorisch zu Frachtern umfunktionierte Passagierflugzeuge. Kurzarbeit sei in der Fracht ein Fremdwort - egal ob beim Flughafenbetreiber, den Fluggesellschaften, den Speditionen oder Abwicklern, sagt Conrady. "Wir haben alle Hände an Deck." Der Flughafen fährt frachtseitig unter Volllast, vor allem an den Wochenenden passt kaum noch was rein. Zeitlich manchmal flexiblere Charterflüge werden in der Folge gezielt auf andere Tage oder Tageszeiten gelegt.

+++ 12.11.2020: Kritik an früheren Weihnachtsferien in NRW - Betreuungsfrage offen +++

Nachdem die nordrhein-westfälische Landesregierung bekanntgegeben hat, die Weihnachtsferien vorziehen zu wollen, wächst die Kritik an dem Plan. Unter anderem ist nach Ansicht der Lehrergewerkschaft GEW vor allem die Frage offen, wer die Kinder während der zusätzlichen Freizeit betreuen soll.

NRW-Schulminister Yvonne Gebauer (FDP) hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass am 21. und 22. Dezember kein Schulunterricht stattfinden soll. Die Entscheidung solle helfen, den Familien ein möglichst unbeschwertes Weihnachtsfest zu ermöglichen. Damit ist wegen des Wochenendes Freitag, der 18. Dezember, der letzte Schultag in NRW in diesem Jahr.

Eltern, die am 21. und 22. noch arbeiten müssen, hätten ein Problem, meint die GEW. "Aus Sicht der Familien kann die Maßnahme nur dann sinnvoll sein, wenn die Betreuung der Kinder gesichert ist und wenn sie wirklich die Zeit als vorgezogene Quarantäne nutzen, um zum Weihnachtsfest möglichst infektionsfrei zu sein", sagte dazu die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern am Donnerstag der dpa.

Nicola Stroop, Vorstand des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter in NRW, wurde noch deutlicher: "Die Ankündigung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, die Weihnachtsferien vorzuverlegen, ist für Alleinerziehende eine Hiobsbotschaft.» Stroop forderte: "Schließungen von Schulen müssen strukturell kompensiert werden, entweder durch einen gesetzlichen Anspruch auf Notbetreuung oder durch finanzielle Ausgleichszahlungen wie ein Corona-Elterngeld."

+++ 12.11.2020: RKI betont Ernst der Corona-Lage - Maßnahmen noch Monate nötig +++

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sind momentan nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) immer noch sehr hoch. Zwar habe die Geschwindigkeit des Anstiegs nachgelassen - aber ist das schon Grund zur Entwarnung?

Die Corona-Lage in Deutschland ist nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) nach wie vor sehr ernst. Das Infektionsgeschehen nehme immer noch in ganz Deutschland zu, Kliniken meldeten zunehmend Engpässe, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. In seinen jüngsten Zahlen registrierte das RKI fast 22 000 neue Infektionen - knapp 3400 mehr als am Mittwoch. All diese Menschen könnten weitere anstecken, sagte Wieler. Die Zahl der Intensivpatienten und der Toten steige - und werde das mit zeitlichem Verzug auch weiter tun. Es sei damit zu rechnen, dass manche Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen kämen.

Vorsichtig optimistisch stimme ihn aber, dass die Kurve der Neuinfektionen zuletzt weniger steil gestiegen sei, schilderte Wieler. Noch wisse man aber nicht, ob es sich dabei um eine stabile Entwicklung handele. Es sei abzuwarten, ob sich dies fortsetze. Auch für eine Beurteilung der Effekte des Teil-Lockdowns sei es deshalb noch zu früh. Wie schnell das Infektionsgeschehen abgebremst werden könne, hänge vom Verhalten der Menschen ab.

Wieler rief zum Einhalten der Maßnahmen auf: Regeln wie Abstandhalten, Hygiene und Lüften würden die Menschen noch lange begleiten. "Wir müssen noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen", sagte er. Es gebe in Deutschland beachtliche Erfolge. "Wir sind diesem Virus nicht hoffnungslos ausgeliefert.» Die Mehrheit der Bevölkerung habe den Sinn der Maßnahmen verstanden.

Der Mikrobiologe und Veterinärmediziner mahnte aber auch, dass es für eine entspanntere Sicht der Dinge zu früh sei. Rund die Hälfte der Kliniken in Deutschland melde inzwischen Engpässe. Häufigster Grund sei das Personal, das zum Teil ebenfalls erkranke oder in Quarantäne müsse, sagte Wieler und bezog sich auf Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Es gelte zu verhindern, dass sich die Situation weiter zuspitze.

Ziel sei nach wie vor, die Zahl der Neuinfektionen wieder auf ein Level zu bringen, mit dem auch die Krankenhäuser umgehen können. Es gelte, so wenige Infektionen wie möglich zuzulassen. Ein bisheriger Höchststand der registrierten Infektionen war am Samstag mit 23 399 Fällen innerhalb von 24 Stunden erreicht worden. Die Dunkelziffer kann in Hotspots nach RKI-Schätzungen allerdings vier- bis fünfmal so hoch liegen.

Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie insgesamt 727 553 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 12.11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Donnerstag um 215 auf insgesamt 11 982. Wieler sagte, eine halbe Million Menschen habe die Erkrankung überstanden.

Die Infektionszahlen sind auch mit Blick auf die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am kommenden Montag von Bedeutung. Die Runde hatte am 28. Oktober einen Teil-Lockdown beschlossen, der seit dem 2. November zunächst bis Monatsende gilt. Unter anderem müssen viele Freizeiteinrichtungen und Restaurants geschlossen bleiben. Nach 14 Tagen - also am kommenden Montag - soll eine Zwischenbilanz gezogen und Maßnahmen möglicherweise verändert werden.

+++ 12.11.2020: Gericht bestätigt Schließung von Tattoo- und Piercingstudios +++

Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hat die vorübergehende Schließung von Tattoo- und Piercingstudios in Sachsen im Kampf gegen die Corona-Pandemie bestätigt. Der Eingriff sei für die betroffenen Gewerbetreibenden zwar gravierend, teilte ein Sprecher am Donnerstag mit. Dem stehe aber das durch die Pandemie bedrohte Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit der Bevölkerung entgegen. Außerdem sei das Betriebsverbot auf vier Wochen befristet und den Betrieben eine erheblich Entschädigung in Aussicht gestellt worden.

Gemäß der am 2. November in Kraft getretenen Corona-Schutz-Verordnung müssen Anbieter körpernaher Dienstleistungen mit Ausnahme von medizinisch notwendigen Behandlungen sowie Friseuren diesen Monat schließen. Die Ausnahme für Friseure sei gerechtfertigt, da deren Tätigkeit zur Grundversorgung im Bereich Körperhygiene gehöre, erklärte das Gericht.

+++ 12.11.2020: RKI-Chef Wieler: Zu früh für Urteil über Teil-Lockdown +++

Für eine Beurteilung der Effekte des derzeitigen Teil-Lockdowns wegen der Corona-Pandemie ist es aus Sicht des Robert Koch-Instituts (RKI) noch zu früh. Man müsse abwarten, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. Wie schnell das Infektionsgeschehen abgebremst werden könne, hänge vom Verhalten der Menschen ab. Im Winter sei es schwieriger, weil man mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringe - das bedeutet bessere Bedingungen für Ansteckungen. Wieler rief erneut zum Einhalten der Maßnahmen auf: Regeln wie Abstandhalten, Tragen von Mund-Nasen-Schutz, Hygiene und Lüften würden die Menschen noch lange begleiten. "Wir müssen noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen", sagte er.

+++ 12.11.2020: RKI: Mehr Kliniken melden Engpässe - Ausfälle beim Personal +++

Immer mehr Kliniken in Deutschland melden laut Robert Koch-Institut (RKI) Engpässe. Häufigster Grund sei das Personal, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin und bezog sich auf Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Es komme zunehmend zu akuten Einschränkungen des Betriebs aufgrund von Personalmangel. Die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten in den Krankenhäusern war zuletzt deutlich gestiegen. Wieler führte aus, durch die hohen Corona-Fallzahlen im Land gebe es auch mehr Ansteckungen und Fälle von Quarantäne bei Klinikbeschäftigten. Es gelte zu verhindern, dass sich die Situation weiter zuspitze. Ziel sei nach wie vor, die Zahl der Neuinfektionen wieder auf ein Level zu bringen, mit dem auch die Krankenhäuser umgehen können. Es gelte, so wenige Infektionen wie möglich zulassen.

+++ 12.11.2020: RKI gibt Pressekonferenz +++

Das RKI äußert sich am 12. November wieder über die aktuelle Corona-Lage in einer Pressekonferenz. Hier erfahren Sie, wie und wo sie die PK live sehen können.

+++ 12.11.2020: Walter-Borjans für weitere Hilfen, falls Teil-Shutdown anhält +++

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hat sich für weitere finanzielle Hilfen ausgesprochen für den Fall, dass der coronabedingte Teil-Shutdown im Dezember bestehen bleibt. "Wir haben jetzt in die Kasse gegriffen, und wenn man dieselben Auflagen wieder weiterführen würde, dann müssen wir natürlich dafür auch einspringen", sagte Walter-Borjans am Donnerstag im Deutschlandfunk. «Dafür hat Deutschland auch die Luft."

Bund und Länder hatten Zuschüsse von insgesamt rund 10 Milliarden Euro angekündigt für Betriebe, die vom coronabedingten Teil-Shutdown im November besonders betroffen sind, etwa Gastronomie- und Kultureinrichtungen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz rechnet nach eigener Aussage damit, dass die deutsche Wirtschaft spätestens Anfang 2022 wieder Vorkrisenniveau erreichen wird. Man könne davon ausgehen, dass derartige Prognosen zutreffen dürften, sagte der SPD-Kanzlerkandidat im ARD-"Morgenmagazin". Er warb für Optimismus. "Wir brauchen ja auch Licht am Ende des Tunnels und das ist immerhin sichtbar."

Am Donnerstagnachmittag legen die Steuerschätzer zum dritten Mal in diesem Jahr eine Prognose über die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen vor. Es deutet sich an, dass Scholz eventuell etwas mehr Geld zu verteilen haben könnte als bisher angenommen. Zuvor hatte schon Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr leicht angehoben.

Walter-Borjans und Scholz verteidigten die Befristung der Mehrwertsteuersenkung bis Ende dieses Jahres. Die Befristung sei auch deshalb so beschlossen worden, "damit man weiß, wenn ich davon Gebrauch machen will, dann muss ich mich jetzt ins Geschäft begeben und etwas kaufen", sagte Walter-Borjans. "In einer Krise muss man die Situation überwinden, dass alle auf bessere Zeiten warten", sagte Scholz. Seit Juli gelten für ein halbes Jahr niedrigere Mehrwertsteuersätze. Damit will die Bundesregierung in der Corona-Krise den Konsum ankurbeln.

+++ 12.11.2020: Stuttgarter Kultusministerin für früheren Start der Weihnachtsferien +++

In Baden-Württemberg könnten die Schüler wegen der Corona-Pandemie früher in die Weihnachtsferien starten, so wie auch in Nordrhein-Westfalen geplant. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will das aber in die Verantwortung der Schulen geben und rief diese auf, die Weihnachtsferien durch bewegliche Ferientage um zwei Tage nach vorne zu verlängern. "Das ist sicher ein kluges Vorgehen, für das vieles spricht", sagte Eisenmann der "Südwest Presse" (Donnerstag). Die Entscheidung müssten aber die Schulen vor Ort treffen, das Vorgehen müsse örtlich einheitlich geregelt werden. Schüler würden dann in der Praxis nicht erst am Dienstag, 22. Dezember, in die Ferien entlassen, sondern schon am Freitag, 18. Dezember.

Eisenmann riet Familien davon ab, die gewonnene Zeit bis zum 9. Januar für einen Urlaub zu nutzen. "Ich bitte dringend darum, an Weihnachten nicht zu verreisen, sondern zu Hause zu bleiben", sagte die Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl 2021.

Nordrhein-Westfalen war bei der Ferienverlängerung vorangegangen. Um den Familien ein möglichst unbeschwertes Weihnachtsfest zu ermöglichen, habe man sich entschieden, den 21. und 22. Dezember freizugeben, hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch dem WDR gesagt, nachdem Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) dies angeregt hatte.

+++ 12.11.2020: Jens Spahn: Keine Feiern mehr in diesem Winter +++

Weihnachten wie zuvor wird es wohl nicht geben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht auch über die aktuellen Maßnahmen im November hinaus von coronabedingt harten Einschränkungen aus. "Wir müssen es miteinander schaffen, durch diesen Winter insgesamt zu kommen mit niedrigeren Zahlen auf einem niedrigeren Niveau", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im RBB-Inforadio mit Blick auf die Infektionszahlen.

Veranstaltungen mit mehr als 10 bis 15 Personen wie Weihnachtsfeiern oder andere Geselligkeiten sehe er "in diesem Winter nicht mehr". Wenn die Infektionszahlen zurückgehen sollten, "heißt das nicht, ab Dezember oder Januar kann es wieder richtig überall losgehen mit Hochzeitsfeiern oder Weihnachtsfeiern als wäre nichts gewesen". Die Lage verlange Geduld: "Dieses Virus hat sehr lange Bremsspuren."

Und Spahn wurde noch deutlicher, man könne überhaupt noch nicht sagen, wann die Maßnahmen wieder gelockert werden können. Frühstens in der kommenden Woche könne man da möglicherweise eine belastbare Prognose geben, vielleicht aber auch nicht, sagte er im Interview mit RBB Radio.

Pläne zu vorgezogenen Weihnachtsferien wie in Nordrhein-Westfalen nannte Spahn «einen pragmatischer Ansatz, den man diskutieren, den man machen kann». Spahn wollte dazu keine Empfehlung abgeben, das sei Ländersache auch mit Blick auf die jeweilige Infektionslage. «Was mir sehr wichtig ist, dass es Planbarkeit gibt für Eltern, Kinder, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher". Das Frühjahr mit über Monate geschlossenen Einrichtungen, als niemand genau gewusst habe, wann wieder geöffnet werde, sei «eine echte, harte Belastung für alle" gewesen.

+++ 12.11.2020: Corona macht viele Weihnachtsmänner arbeitslos +++

Die Corona-Pandemie bringt in diesem Jahr Hunderte Miet-Weihnachtsmänner in Deutschland um ihren Job. "In unserem Weihnachtsmann-Netzwerk haben wir uns darauf verständigt, dass wir auf Auftritte verzichten wollen", sagte Willi Dahmen aus Celle, der seit rund 30 Jahren als Santa-Claus-Darsteller bundesweit unterwegs ist. "Aus Frust habe ich mir letzte Woche meinen Bart abgeschnitten. Der ist nur noch drei Zentimeter lang." Ihm gehe es nicht ums Geld, sagte der 68-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Ich werde die Kinder vermissen. Auch die alten Leute werden mir fehlen. Es ist das Schönste, ihre Reaktionen zu sehen, wenn man in den Raum kommt."

Von Ende November an präsentiert sich Dahmen normalerweise mit seinem langen Rauschebart in Kaufhäusern, auf Firmenfeiern oder Weihnachtsmärkten. Außerdem besucht er Familien und Seniorenheime. "Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn ich irgendwo das Virus reintragen würde", sagte er.

Auch die Arbeitsagenturen in Niedersachsen und Bremen setzen mit der Weihnachtsmann-Vermittlung wegen Corona aus. Bei der privaten Hamburger Agentur Blank & Biehl (weihnachtsmann-mieten.de) sind dagegen deutschlandweit Santa-Claus-Auftritte buchbar. "Wir haben ein Hygiene-Konzept aufgestellt", sagte Geschäftsführer Jan Biehl. So könne unter einem Kunstbart unauffällig eine FFP2-Maske getragen werden. Singen sei aus Infektionsschutzgründen in diesem Jahr aber verboten.

Zum Start des Teil-Lockdowns hieß es aus der Politik, es gehe darum, Weihnachten zu retten. Petra Henkert, die ein Weihnachtsbüro in Zeuthen bei Berlin betreibt, hat noch Hoffnung. Sie setze auf Bescherungen auf der Terrasse, im Garten oder vor der Haustür, sagt sie. Video-Botschaften oder Online-Auftritte könnten nur eine Notlösung sein. Henkert vermittelt Weihnachtsmänner und Engel.

+++ 12.11.2020: Herzmediziner: Meiden von Kliniken gefährlicher als Infektionsrisiko +++

Herzspezialisten befürchten, dass Patienten erneut aus Angst vor einer Corona-Infektion den Kliniken fernbleiben. "Das Risiko, sich im Krankenhaus zu infizieren, ist um ein Vielfaches geringer als die Gefahr, nicht behandelt zu werden", sagte der Kardiologe Thomas Voigtländer der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Ärztliche Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhauses in Frankfurt ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Während der ersten Corona-Welle seien Auswertungen einer Krankenkasse zufolge über 40 Prozent weniger Patienten wegen dringlicher Herz-Kreislauf-Problemen ins Krankenhaus gekommen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der stationär behandelten Herzinfarkt-Patienten sei um rund 30 Prozent gesunken. "Wir befürchten, dass das auch jetzt wieder passiert. Das wird nicht so stark ausfallen wie im Frühjahr, aber die Tendenz ist da."

"Die Kliniken sind trotz Pandemie für die Notfallversorgung gerüstet", sagte Voigtländer. Man habe seit dem Frühjahr "dazugelernt": Es gebe Schnelltests und genug Schutzausrüstung, Infizierte würden isoliert, die Konzepte seien differenzierter. Voigtländer erwartet auch nicht, dass erneut flächendeckend planbare Operationen verschoben werden müssten. "Wir haben im März und April fast ein bisschen zu viel Ressourcen für Corona-Patienten geschaffen und den Rest zu weit runtergefahren", sagte Voigtländer.

Man dürfe trotz der Pandemie andere Krankheiten nicht aus dem Blick verlieren, sagte der Kardiologe. In Deutschland sterben jährlich 345.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. An oder mit dem Coronavirus starben bisher knapp 12.000. Ohne Corona-Maßnahmen läge diese Zahl nach Expertenangaben jedoch um ein Vielfaches höher.

Herzkranke gelten im Falle einer Corona-Infektion als besonders gefährdet. "Der entscheidende Risikofaktor ist aber das Alter", sagte Voigtländer. Herzpatienten sollten eine Zunahme von Atembeschwerden dennoch nicht leichtfertig als normal ansehen: "Die Symptome von Covid-19 können den Beschwerden einer Herzerkrankung stark ähneln."

+++ 12.11.2020: Gewerkschaft fordert mehr Schutz vor Corona in Schulen +++

Die Lage der Schulen in der Corona-Pandemie sorgt weiter für Diskussionen. "So wie im Moment unterrichtet wird, sind die Gesundheitsrisiken für Schüler und Lehrer zu hoch", sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). "Die Klassen müssen geteilt werden. Je eine Gruppe wäre dann in der Schule, eine zu Hause." Für die Schüler sei es besser, rechtzeitig Klassen zu teilen und so im Unterricht Abstände einzuhalten, als zu riskieren, dass immer mehr Klassen komplett in Quarantäne müssten.

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, sagte dem RND, die Bestimmungen der Gesundheitsbehörden seien sehr unterschiedlich. "Wird in dem einen Landkreis die ganze Klasse in Quarantäne gesetzt, sind es in dem anderen nur die direkten Banknachbarn - wenn überhaupt, weil ja gelüftet wurde." Das sei nicht nachvollziehbar und führe zu Unmut und Verunsicherung. Es brauche klare und transparente Regeln, wann wer in Quarantäne müsse.

+++ 12.11.2020: Medien: Rund 3000 Schulen wegen Corona nicht mehr im Regelbetrieb +++

Am Mittwoch hatte eine Angabe des Deutschen Lehrerverbandes für Wirbel gesorgt, wonach sich derzeit mehr als 300.000 Schüler und bis zu 30.000 Lehrer in Quarantäne befinden. Tepe äußerte sich skeptisch zu diesen Zahlen. Es gebe dazu keine verlässlichen Angaben. "Die Zahl von 300.000 ist aus der Luft gegriffen." Auch Beckmann sagte: "Wir wissen nicht, wie viele Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler in Quarantäne sind." In Deutschland gibt es rund 40.000 Schulen mit insgesamt 11 Millionen Schülern und rund 800.000 Lehrern.

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sba/news.de/dpa

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