10.11.2020, 12.56 Uhr

Gesundheit: Impfstoff-Durchbruch: Diese fünf Fakten sollte man wissen

Die baldige Zulassung der ersten Corona-Impfstoffe scheint nur noch reine Formsache zu sein. Doch wie geht es dann weiter und ist das überhaupt alles sicher?

Impfstoff macht Hoffnung im Kampf gegen Corona. Bild: Julio Ricco / Shutterstock.com/spot on news

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech sorgte am Montag für weltweites Aufatmen. Laut einer Vorabstudio ist ihr entwickelter Corona-Impfstoff zu 90 Prozent wirksam. Doch was bedeutet das konkret für die Bevölkerung und wie geht es jetzt weiter? Eines vorneweg: Laut Experten ist ein düsterer Winter mit harten Beschränkungen trotz des Durchbruchs unausweichlich.

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1. Wann ist der Impfstoff verfügbar?

Der Impfstoff BNT162b2 macht Hoffnung. In einer Studie wurde ermittelt, dass die Wirksamkeit bei 90 Prozent liegen soll. 9 von 10 geimpften Menschen werden also nicht krank. Nun will Biontech in den USA und in Europa in das abschließende Zulassungsverfahren gehen, um schnellstmöglich den Stoff auf den Markt zu bringen. Laut vieler Experten ist das aber nur mehr reine Formsache. Eine offizielle Zulassung könnte es also sogar noch in diesem Jahr geben.

Parallel hierzu werden in Deutschland derzeit 60 Impfzentren geplant. Laut Gesundheitsminister Jens Spahn soll die flächendeckende Corona-Impfung in Deutschland noch im ersten Quartal 2021 voll angelaufen sein. Das Problem ist vor allem logistischer Natur: Die Impfdosen müssen bei -80 Grad Celsius in speziellen Extrem-Tiefkühlschränken gelagert werden. Wahrscheinlich wird dies auch aufgrund der Sicherheit in Bundeswehr-Kasernen stattfinden.

2. Ist der Impfstoff trotz beschleunigtem Verfahren sicher?

Die meisten namhaften Virologen äußern im Prinzip unisono, dass Bedenken bezüglich der Sicherheit dieses Impfstoffes nicht angebracht seien. Zwar wurden beschleunigte Zulassungsverfahren aufgrund der Pandemie genehmigt, jedoch verzichten diese nicht auf unbedingt notwendige Sicherheitsstandards. Es wird lediglich ein sogenanntes Rolling-Review-Prozedere angewendet, womit bestimmte Abläufe lediglich parallel und nicht hintereinander stattfinden. Das spart natürlich Zeit.

Bis Montag wurden mehr als 43.500 Menschen mit BNT162b2 geimpft, bislang zeigten sich nach Angaben von Biontech keine sicherheitsrelevanten Nebenwirkungen. Was man bisher allerdings noch nicht weiß ist, wie lange der Impfstoff einen Menschen vor einer Corona-Infektion schützt. Das lässt sich erst sagen, wenn er über einen längeren Zeitraum, rund ein Jahr, im Einsatz ist. Auch ist noch unklar, ob man sich wirklich überhaupt nicht mehr mit Corona anstecken kann oder ob der Wirkstoff "nur" ein Ausbrechen der Krankheit verhindert.

3. Wird Deutschland genügend Dosen bekommen?

Bislang hat Deutschland mit Biontech noch keinen Vertrag über den Verkauf von Impfdosen abgeschlossen. Die Regierung steckt aber bereits in weit fortgeschrittenen Verhandlungen und wird sich aller Voraussicht nach eine große Lieferung sichern. Wie viele das genau sein werden und wie man sich auch mit den europäischen Partnern einigen wird, ist bislang aber noch nicht bekannt.

Aber: Die Regierungen setzen nicht nur auf einen einzigen Impfstoff. Zwar ist Biontech offenbar am schnellsten am Ziel, jedoch gibt es einige weitere aussichtsreiche Kandidaten, die ebenfalls in den nächsten Wochen und Monaten in das Zulassungsverfahren gehen und bald zur Verfügung stehen werden. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach bei der ARD-Talkshow "hart aber fair" von insgesamt sechs unterschiedlichen Impfstoffen, die es zu einer Zulassung schaffen könnten.

4. Wer stellt diesen Impfstoff überhaupt her?

Der Impfstoff stammt wie bereits erwähnt aus den Laboren des Mainzer Unternehmens Biontech, an deren Spitze Ugur Sahin steht. Sahin wurde 1985 in der Türkei geboren und zog im Alter von vier Jahren nach Deutschland. Bereits seit 2006 ist er Professor für experimentelle Onkologie an der Uniklinik Mainz. 2008 gründete er gemeinsam mit zwei Kollegen Biontech mit dem Schwerpunkt der Entwicklung von Medikamenten für Krebsimmuntherapien.

Gemeinsam mit dem US-amerikanischen Pharmariesen Pfizer entwickelte man ab dem Frühjahr 2020 einen Corona-Impfstoff und schaffte nun den endgültigen Durchbruch. Es handelt sich dabei um einen sogenannten mRNA-Impfstoff. Bei diesen genetischen Impfstoffen wird aus der Ribonukleinsäure des Virus ein Protein hergestellt, das eine Immunreaktion beim Menschen auslöst und ihn so vor Corona schützt.

5. Wann wird die Pandemie besiegt sein?

Hier sind sich erneut fast alle Fachleute einig: Das wird leider noch dauern! Zwar bezeichnet auch Karl Lauterbach die Impfstoffe als sogenannte Game-Changer in der Pandemie, jedoch nicht kurzfristig. Man brauche rund ein Jahr bei idealer Logistik, um eine nennenswerte Masse an Menschen in Deutschland zu impfen, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Erst dann sei die Pandemie beendet und das Virus weitgehend unter Kontrolle.

Bis dahin heißt es, sich weiterhin an die schon bekannten Regeln zu halten, um eine Überlastung der Intensivstationen zu verhindern: Abstand, Maske und so wenig Kontakte wie möglich. Es wird ein anstrengender und fordernder Winter bleiben, trotz der tollen Neuigkeiten rund um das Thema Impfschutz.

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