06.11.2020, 16.52 Uhr

Virologen-Zoff um "Lockdown light": Merkels Corona-Maßnahmen sorgen erneut für Diskussionen

Nach der Kritik an Angela Merkels Corona-Maßnahmen scheint nun der Streit der Virologen um das richtige Vorgehen inmitten der Corona-Pandemie zu eskalieren. Die Virologen-Gesellschaft sprach sich nun für den Lockdown light aus und distanzierte sich von den Vorschlägen einiger Kollegen.

Die Virologen Hendrik Streeck (links) und Christian Drosten. Bild: dpa

Es ist nur wenige Tage her, da haben sich Ärzte und Wissenschaftler gegen ein breites Herunterfahren des Alltagslebens zur Corona-Eindämmung ausgesprochen und warben für größere Bemühungen um Akzeptanz. "Eine pauschale Lockdown-Regelung ist weder zielführend noch umsetzbar", sagte Ende Oktober der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Man könne nicht das ganze Land "Wochen und Monate in eine Art künstliches Koma" versetzen.

Kritik an Angela Merkel: Ärzte und Wissenschaftler gegen pauschalen Lockdown

In einem Positionspapier, das nach KBV-Angaben mehrere weitere Ärzteverbände unterstützen, wurde ein bundeseinheitliches Ampelsystem für eine transparente Darstellung des Infektionsgeschehens angeregt. Sie sollte nicht nur auf der Zahl der Corona-Neuinfektionen beruhen. Gefordert wurde zudem eine Abkehr von der umfassenden individuellen Nachverfolgung persönlicher Kontakte von Infizierten, die in vielen Gesundheitsämtern ohnehin nicht mehr gelinge.

Merkel verkündet "Lockdown light" zur Eindämmung der Corona-Pandemie

Doch Angela Merkel ließ sich nicht beirren: Am 2. November trat der "Lockdown light" in Deutschland in Kraft. AlleMenschen mit einem Infektionsverdacht wurden weiterhin getestet. Bis zu dem Tag, als das Robert-Koch-Institut plötzlich verkündete, seine Test-Strategie zu ändern. Jetzt sollen nur noch Angehörige der Risikogruppen (chronische Kranke und Ältere) sowie Patienten mit schweren Verläufen getestet werden. Mit den geänderten Empfehlungen für den Einsatz von Corona-Tests hoffen die bundesweit am Limit arbeitenden medizinischen Labore auf Entlastung.

Virologen Streeck und Schmidt-Chanasit gegen Corona-Maßnahmen der Regierung

Heißt im Umkehrschluss: Man handelt nun genau so, wie es unter anderem der Bonner Virologe Hendrik Streeck empfohlen hatte. Auch der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit betonte Ende Oktober, die Schutzregeln mit Abstand, Hygiene, Masken und Corona-Warn-App seien eigentlich ausreichend - müssten aber konsequent umgesetzt werden.

Riesiger Virologen-Zoff wegen Lockdown-Maßnahmen

Doch nun pocht die Virologen-Gesellschaft (GfV) erneut auf eine Kehrtwende. In einem GfV-Positionspapier heißt es wörtlich: "Das Ziel, Kontakte rasch nachzuverfolgen, darf zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall aufgegeben werden. (...) Wir distanzieren uns von der Art und Weise, wie verschiedene Vorschläge zur Pandemieeindämmung vorgebracht werden und auch von einigen Inhalten." Zahlreiche andere Virologen, unter anderem Christian Drosten, haben das Papier laut "Bild" unterzeichnet, um diesem mehr Gewicht zu verleihen.

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fka/news.de/dpa

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