17.10.2020, 14.57 Uhr

Coronavirus-News aktuell Deutschland : Bundespräsident Steinmeier in Quarantäne - höchste Warnstufe in BaWü

Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen steigt unaufhörlich weiter an. Am Samstag meldete das RKI 7.830 Neuinfektionen in Deutschland. In NRW mussten 70.000 Menschen in Quarantäne. Das sind die Corona-News und -Zahlen vom Samstag.

Angela Merkel appelliert an die Bürger, sich an die Corona-Regeln zu halten. Bild: dpa

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben 7.830neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet, mehr als je zuvor seit Beginn der Pandemie. Das geht aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstagmorgen hervor.

Coronavirus-News aktuell - RKI meldet 7.334 Neuinfektionen am Samstag: neuer Rekord

Am Vortag war mit 7.334 neuen Fällen der bis dato höchste Wert registriert worden.In der vergangenen Woche meldete das RKI am Samstag 4.721 Neuinfektionen.Die jetzigen Werte sind nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden.

Experten zufolge sind die neu gemeldeten Infektionen wegen der Zeit zwischen Ansteckung, Test, Ergebnis und Meldung ein Hinweis darauf, wie stark das Virus vor etwa einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Deshalb dauert es auch, bis sich politische Maßnahmen in den Meldezahlen niederschlagen könnten.

Corona-Zahlen aktuell: Mehr als 350.000 Menschen infiziert - 9.767 Todesfälle

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 356.387 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 17.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9.767. Das waren 33mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es etwa 290.000Genesene.

Reproduktionszahl R-Wert laut RKI bei 1,22, Sieben-Tage-R bei 1,30

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Freitag bei 1,22 (Vortag: 1,08). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel rund 1,2 weitere Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,30 (Vortag: 1,22). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Baden-Württemberg ruft höchste Corona-Alarmstufe aus

Wegen des starken Anstiegs der Infektionszahlen ruft die Landesregierung von Baden-Württemberg die höchste Corona-Alarmstufe aus. Weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie eine verschärfte Maskenpflicht in der Öffentlichkeit und weitere Kontaktbeschränkungen sollen von Montag an gelten, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Samstag nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung mitteilte.

Personenschützer infiziert - Bundespräsident Steinmeier in Quarantäne

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich am Samstag in Quarantäne begeben. Wie eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes in Berlin mitteilte, ist ein Personenschützer des Staatsoberhauptes positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Bei dem Mann aus dem Kommando des Bundeskriminalamtes handele es sich um eine Kontaktperson ersten Grades. Steinmeier habe sich nun selbst einem Corona-Test unterzogen, das erste Ergebnis liege aber noch nicht vor, sagte die Sprecherin am Samstagnachmittag.

Ende März hatte sich auch Kanzlerin Angela Merkel vorsorglich für knapp zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben, weil sie Kontakt mit einem infizierten Arzt hatte. In dieser Zeit hatte sie drei Corona-Tests machen lassen, die jedoch alle negativ waren.

Der Bundespräsident wollte an diesem Sonntag zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse eigentlich den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche verleihen.

Mecklenburg-Vorpommern hebt Quarantänepflicht im Tourismus auf

Mecklenburg-Vorpommern gibt seinen harten Kurs beim Beherbergungsverbot für Gäste aus Corona-Risikogebieten auf. Nach wochenlangem Streit und wenige Tage vor einem dazu erwarteten Gerichtsurteil einigten sich Landesregierung und Tourismusbranche am Samstag darauf, dass für Urlaub im Nordosten von Mittwoch an ein aktueller negativer Corona-Test ausreicht. Die bislang geforderte mehrtägige Quarantäne und ein folgender zweiter Test entfallen somit. 

Minister Laumann: 70.000 Menschen in NRW in Corona-Quarantäne

In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) derzeit rund 70.000 Menschen wegen Corona in Quarantäne. Trotz Personallücken in den Gesundheitsämtern seien die nötigen Tests und Nachverfolgungen der Infektionsketten grundsätzlich aber gewährleistet, sagte er am Samstag im Deutschlandfunk.

NRW teste rund 350.000 Menschen pro Woche auf eine Infizierung mit dem Coronavirus - möglich seien derzeit sogar 400.000 pro Woche. Das Gesundheitssystem habe noch "sehr viele Kapazitäten" zur Versorgung Infizierter - auch in der Intensivmedizin. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands leben rund 18 Millionen Menschen.

Das NRW-Kabinett hatte am Freitag verschärfte Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus beschlossen - darunter strenge Kontaktbeschränkungen und eine erweiterte Maskenpflicht, etwa in Fußgängerzonen, sowie eine Sperrstunde in Gebieten mit hohen Infektionsraten ab 23.00 Uhr.

Kölner Gastwirte klagen bereits gegen die in der Domstadt schon zuvor verhängte Sperrstunde von 1.00 Uhr bis 6.00 Uhr und den in dieser Zeit untersagten Verkauf von alkoholischen Getränken. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte die Sperrstunde in der Bundeshauptstadt am Freitag gekippt.

Er gehe davon aus, dass die nordrhein-westfälische Verordnung rechtssicher sei, sagte Laumann. "Es ist nicht die Lösung, sondern es ist ein Teil der Lösung, um Kontakte zu reduzieren", erklärte er. Im Winterhalbjahr drohten durch größere Enge in geschlossenen Räumen erhöhte Ansteckungsgefahren.

Ministerpräsidentin Dreyer ruft zu Verzicht auf Urlaubsreisen auf

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat Menschen aus Corona-Risikogebieten dazu aufgerufen, von Urlaubsreisen abzusehen. "Je weniger Mobilität, umso besser", sagte die SPD-Politikerin der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag). Das gelte auch für Menschen aus anderen Gegenden. "Und wenn schon, dann lieber allein im Wald laufen als nach einem Sportturnier zur Fete."

Zudem wies Dreyer den Vorwurf zurück, die Länder hätten sich bei ihrem Treffen nicht auf eine gemeinsame Linie in der Corona-Politik festlegen können. "Alle halten sich an dieselben Zahlen", sagte die SPD-Politikerin. Der Stufenplan mit Maßnahmen, die bei 35 sowie bei 50 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner einsetzten, müsse jetzt "bundesweit ganz schnell, ganz konsequent" umgesetzt werden.

Bei dem Treffen am Mittwoch in Berlin hatten sich die Länder darauf geeinigt, bei mehr als 35 Fällen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen private Feiern auf maximal 15 Teilnehmer zu begrenzen. Rheinland-Pfalz ging diesen Schritt, ebenso wie Hessen und Nordrhein-Westfalen, nicht mit. Trotz steigender Neuinfektionen bleibe die Landesregierung bei einer Empfehlung. "Das Prinzip der Unverletzlichkeit der Wohnung ist ein sehr hohes Gut", sagte Dreyer der Zeitung. Sie wolle nicht Ordnungsämter und Polizei zur Kontrolle in Wohnungen schicken. 

Bericht: Berlin plant drastische Kontaktbeschränkungen

Im Kampf gegen die rasante Ausbreitung des Coronavirus plant der Berliner Senat laut "Tagesspiegel" eine drastische Verschärfung der Kontaktbeschränkungen. Das gehe aus dem finalen Entwurf der neuen Infektionsschutzverordnung vor, berichtet die Zeitung (Samstag). Zudem solle eine Maskenpflicht auf Märkten und anderen belebten öffentlichen Plätzen eingeführt werden. Beschlossen ist das aber noch nicht, die neuen Regeln stehen am Dienstag auf der Agenda.

Auf Anfrage äußerten sich dazu am Samstag weder die Senatskanzlei noch die Gesundheitsverwaltung. Hintergrund sind die rasant steigenden Fallzahlen in der Hauptstadt. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner stieg in den vergangenen sieben Tagen auf 83,2 (Stand Freitagabend). Damit liegt Berlin weiter deutlich über dem kritischen Schwellenwert von 50.

Nach Informationen des "Tagesspiegels" sieht der Entwurf vor, dass sich ab nächster Woche maximal fünf Personen gemeinsam im öffentlichen Raum aufhalten dürfen - oder mehrere Angehörige zweier Haushalte. Ausgenommen davon seien sportliche Aktivitäten. Bislang galt die Fünf-Personen-Begrenzung zeitlich zwischen 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr.

Die bisherigen Personenobergrenze bei Veranstaltungen soll den Plänen bestehen bleiben: Bis Ende des Jahres seien Veranstaltungen im Freien mit bis zu 5.000 Personen erlaubt, in geschlossenen Räumen bis zu 1.000 Personen. Weiterhin möglich sein sollen auch private Veranstaltungen und Feiern bis zu 50 Personen im Freien und bis zu zehn Personen in geschlossenen Räumen. Dafür muss ein Hygienekonzept vorliegen und eine Anwesenheitsdokumentation geführt werden.

Merkel schwört Bürger auf Kampf gegen Corona ein: Jeder Tag zählt

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts weiter steigender Infektionszahlen in Deutschland an die Bürger appelliert, zur Eindämmung der Corona-Pandemie beizutragen. "Wir müssen jetzt alles tun, damit das Virus sich nicht unkontrolliert ausbreitet. Dabei zählt jetzt jeder Tag», sagte die CDU-Politikerin in ihrem am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Podcast. "Ich bitte Sie: Verzichten Sie auf jede Reise, die nicht wirklich zwingend notwendig ist, auf jede Feier, die nicht wirklich zwingend notwendig ist. Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause, an Ihrem Wohnort."

Deutschland befinde sich in einer "sehr ernsten Phase" der Pandemie, sagte Merkel. "Tag für Tag steigt die Zahl der Neuinfektionen sprunghaft." Die Pandemie breite sich wieder rapide aus, schneller noch als zu Beginn vor mehr als einem halben Jahr. "Der vergleichsweise entspannte Sommer ist vorbei, jetzt stehen uns schwierige Monate bevor. Wie der Winter wird, wie unser Weihnachten wird, das entscheidet sich in diesen kommenden Tagen und Wochen. Das entscheiden wir alle durch unser Handeln."

Söder warnt vor "Kontrollverlust in einigen Regionen in Deutschland"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnt mit Blick auf die Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten vor einem "Kontrollverlust in einigen Regionen in Deutschland". "Das ist hochgefährlich", sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). "Wenn keine Nachverfolgung der Infektionen mehr möglich ist, so wie in den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Tschechien, muss man die Kontakte generell begrenzen. Das geht nur mit einem Lockdown oder ähnlichen strikten Maßnahmen."

Er teile die Befürchtungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die am Mittwoch von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen nicht weit genug gingen. "Wir dürfen Corona nicht schön- oder kleinreden. Wir müssen grundlegende Entscheidungen treffen. Wenn wir das nicht tun und nur halbherzig vorgehen, steuern wir unwillkürlich auf einen zweiten Lockdown zu. Wer keinen Lockdown will, der muss jetzt entschlossen handeln", sagte Söder. 

Verbraucher rechnen noch monatelang mit Corona-Einschränkungen

Die große Mehrheit der Verbraucher in Deutschland rechnet nicht mit einem raschen Ende der coronabedingten Einschränkungen. Gut zwei Drittel gingen davon aus, dass die Einschränkungen im Alltag noch mindestens sechs Monate dauerten, berichtete die Unternehmensberatung McKinsey am Samstag gestützt auf eine repräsentative Umfrage unter 1.053 Bundesbürgern.

"Die Auswirkungen von Covid-19 auf das Verbraucherverhalten sind weiterhin sehr präsent", betonte der McKinsey-Experte Jesko Perrey. "Es ist weniger ein Krisenmodus als vielmehr eine aktive Anpassung an eine neue Normalität."

Ein Großteil der Bundesbürger hat der Umfrage zufolge wegen der Corona-Pandemie zurzeit Angst vor Flugreisen, dem Besuch von Großveranstaltungen und der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Mehr als jeder zweite wäre demnach sehr oder extrem besorgt, wenn er in den nächsten Wochen in ein Flugzeug steigen müsste. Bei dem Besuch von Großveranstaltungen wären es 48 Prozent der Befragten und bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs immerhin noch 43 Prozent.

Dagegen werden der Einkauf von Lebensmitteln und Treffen mit der Familie nach mehr als einem halben Jahr Corona-Krise nur noch von wenigen als wirklich besorgniserregend wahrgenommen. Nicht einmal jeder zehnte Befragte gab an, ernsthaft besorgt wegen der alltäglichen Einkäufe zu sein. Und auch Familientreffen lösten nur bei zehn Prozent der Befragten größere Unruhe aus, wie die Umfrage ergab.

Angesichts der vielen Einschränkungen, die Corona gebracht hat, sehnen sich viele Bundesbürger nach einer Rückkehr zur Normalität. Am meisten vermisst werden der Umfrage zufolge das regelmäßige, unbeschwerte Treffen mit Freunden und die früher häufigeren Besuche in Restaurants und Bars, sowie Events wie Konzerte, Sporteignisse oder Kinobesuche. 

Gesundheitsstadtrat: Berlin-Neukölln ist "im absoluten Krisenmodus"

Der Gesundheitsstadtrat des Corona-Hotspots im Berliner Stadtteil Neukölln hält eine Eindämmung des Virus wie im Sommer in seinem Bezirk für nicht mehr möglich. "Daran, dass wir das wieder einfangen können wie Mitte des Jahres, glaube ich nicht mehr", sagte der CDU-Politiker Falko Liecke der Deutschen Presse-Agentur. "Wir sind im absoluten Krisenmodus." Neukölln hat bundesweit die meisten Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen. Bereits im Sommer kämpfte der Bezirk mit mehreren Corona-Ausbrüchen.

Es müsse nun vor allem darum gehen, Risikogruppen wie Senioren und chronisch Kranke zu schützen - zum Beispiel, indem Besuchsmöglichkeiten in Alten- und Pflegeheimen eingeschränkt werden und Personal dort regelmäßig getestet wird, sagte Liecke. Nur eine Erklärung, warum ausgerechnet in Neukölln die Fallzahlen so "durch die Decke" gegangen seien, gibt es Liecke zufolge nicht. Er vermute aber einen Zusammenhang mit der Bevölkerungszusammensetzung: Er verwies etwa auf eine große Zahl spaßorientierter, internationaler junger Leute, aber auch auf bildungsferne Gruppen und Menschen mit Sprachbarrieren.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagte der dpa, nur etwas über zehn Prozent der Fälle in Berlin seien Ausbrüchen zuzuordnen, bei rund 90 Prozent hingegen sei die Infektionsquelle nicht eindeutig festzustellen. "Wir haben eine sehr breite Streuung.» Die Senatorin erklärt das Auftauchen vermeintlich unklarer Einzelfälle allerdings auch mit Berichten von Amtsärzten, wonach generell die Kooperationsbereitschaft von Infizierten abnehme.

Kalayci widersprach auch der Vorstellung, dass die aktuelle Zunahme der Infektionen in der Stadt vor allem auf vermehrtes Testen zurückgeht. Die Rate der positiven Tests sei in Berlin - nach Werten von unter einem Prozent im Sommer - auf rund vier Prozent gestiegen. "In den Bezirken, in denen besonders viele Kontaktpersonen getestet wurden, da sind wir sogar bei 8 Prozent", sagte sie. 

Bund will zusätzliche Helfer zur Corona-Nachverfolgung mobilisieren

Angesichts der stark steigenden Zahlen an neuen Corona-Infektionen versucht die Bundesregierung zusätzliche Helfer zu rekrutieren, um die Kommunen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten zu unterstützen. "Der Bedarf ist enorm, es wird eine fünfstellige Zahl von Helfern benötigt", sagte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) der "Rheinischen Post" (Samstag). Neben dem Bundeswehrkontingent von bis zu 15.000 Soldaten schaue man auch, "ob wir weitere Personalreserven in der Bundesregierung und nachgeordneten Behörden mobilisieren können", sagte der CDU-Politiker. Er habe zudem die Hoffnung, zur Kontaktnachverfolgung auch eine größere Zahl von Studierenden zu gewinnen. Die Regierung sei mit der Hochschulrektorenkonferenz im Gespräch, damit die Freiwilligen keine Nachteile im Studium hätten.

Aus Sicht von Braun bewährt sich die Corona-Warn-App vor dem Hintergrund der dynamischen Pandemie-Entwicklung. "Die Warnungen nehmen derzeit drastisch zu, wir sehen einen steilen Anstieg", sagte der Kanzleramtschef. Bis Dienstag hätten bereits 10.860 positiv getestete Nutzer eine Warnung über die App an ihre anonymen Kontakte aussenden können. Die App ist mittlerweile rund 19,6 Millionen Mal heruntergeladen worden. Experten gehen davon aus, dass die Anwendung von rund 16 Millionen Menschen in Deutschland aktiv genutzt wird.

Braun erneuerte seinen im Sommer gemachten Vorschlag, einen Staatsakt für die Corona-Opfer abzuhalten, «wenn die Corona-Pandemie im Wesentlichen besiegt ist". Die im Sommer verbreitete Botschaft, wonach Deutschland gut durch die Krise komme, hätten Angehörige, die einen Menschen an das Virus verloren, als extrem zynisch wahrnehmen müssen. "Ihnen sage ich, dass die Opfer dieser Pandemie unter keinen Umständen vergessen werden", unterstrich Braun.

Beherbergungsverbot in Brandenburg von Gericht gestoppt

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat das Beherbergungsverbot in Brandenburg für Gäste aus Corona-Hotspots zunächst gestoppt. Das Gericht habe zwei Eilanträgen stattgegeben, teilte es am Freitagabend mit. Damit ist das Übernachtungsverbot in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätzen für Besucher aus Regionen in Deutschland mit über 50 neuen Infektionen je 100.000 Einwohnern in einer Woche vorläufig außer Kraft gesetzt. Ein Hotel und eine Vermieterin von Ferienwohnungen hatten sich mit Eilanträgen gegen die Verordnung gewandt. Eine der Antragstellerinnen reichte auch eine Klage ein.

Das Beherbergungsverbot sei voraussichtlich unverhältnismäßig, begründete das Gericht die Entscheidung. Die zu erwartende Eindämmung des Infektionsgeschehens stehe in keinem angemessenen Verhältnis zu den Einschränkungen, die das Hotel und die Vermieterin hinnehmen müssten. Auch die durch die Verfassung geschützte allgemeine Handlungsfreiheit der Urlauber werde zu stark eingeschränkt.

Nach einer gescheiterten Einigung von Bund und Ländern zum Beherbergungsverbot für Gäste aus Corona-Hotspots hatte Brandenburg zunächst daran festgehalten. Das Verbot galt nicht, wenn ein Besucher einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen konnte. Ausgenommen waren auch Ausflüge, Einkäufe oder Besuche.

Der Verwaltungsgerichtshof in Baden-Württemberg gab am Donnerstag einem Eilantrag gegen das Beherbergungsverbot statt und sah den Einschnitt ins Grundrecht auf Freizügigkeit als unverhältnismäßig an. Auch das niedersächsische Oberverwaltungsgericht erklärte die Regelung in einem Eilverfahren für rechtswidrig. Sachsen und das Saarland strichen die Regel freiwillig. In Bayern gibt es das Beherbergungsverbot von Samstag an nicht mehr. Berlin hatte wie Thüringen ohnehin auf das Verbot verzichtet. Die Oberverwaltungsgerichte in Schleswig-Holstein und Hamburg wiesen hingegen Eilanträge gegen das Beherbergungsverbot ab.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Brandenburg hatte das Verbot infrage gestellt und vor großen wirtschaftlichen Einbußen durch Stornierungen gewarnt. Der Landestourismusverband verwies darauf, dass es bei mehr als sieben Millionen Übernachtungen seit Jahresbeginn keine Hinweise für ein erhöhtes Infektionsrisiko in Unterkünften gebe. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte die Regelung verteidigt. Er hatte bedauert, dass sie mit den Herbstferien in Brandenburg und Berlin zusammenfalle, es müssten aber aus seiner Sicht aber so viele physische Kontakte wie möglich vermieden werden.

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bos/news.de/dpa

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