09.10.2020, 11.50 Uhr

Coronavirus-News aktuell: "Pandemie zu stoppen, ist nicht möglich!" Epidemiologe kritisiert Sperrstunde

Ab diesem Wochenende gibt es in Berlin eine Sperrstunde. Doch sowohl die Gastronomie als auch der Epidemiologe Gérard Krause kritisieren die Sinnhaftigkeit der Maßnahme. Darum lässt sich die Corona-Pandemie damit nicht stoppen.

Taugt die Sperrstunde im Kampf gegen das Coronavirus wirklich? Bild: AdobeStock / Wasan

Nachtschwärmer und Kneipengänger müssen sich in Berlin und anderen Städten am Wochenende auf die neue Sperrstunde einstellen. Aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen hat der Berliner Senat am Dienstag (06.10.2020) beschlossen, dass Restaurants, Bars, Kneipen und die meisten Geschäfte künftig zwischen 23 und 6 Uhr geschlossen sein müssen. Tankstellen dürfen in diesem Zeitraum zwar geöffnet bleiben, aber keinen Alkohol verkaufen.

Sperrstunde ab 23 Uhr! Epidemiologe kritisiert Maßnahme gegen Coronavirus

Die neue Regelung, die bei der Eindämmung der Corona-Pandemie helfen soll, gilt nach Senatsangaben ab Samstag, 0 Uhr. Das bedeutet, dass Gastwirte am Freitag um Mitternacht bis zum Samstagmorgen um 6 Uhr schließen müssen. Ab Samstagabend gilt die Sperrstunde entsprechend der Verordnung bereits ab 23 Uhr. Doch taugt die Sperrstunden-Regelung wirklich, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen? Die Berliner Gastronomie hatte die neuen Regeln bereits deutlich kritisiert. Auch der Epidemiologe Gérard Krause ist von der Maßnahme nicht überzeugt.

Kampf gegen Corona-Pandemie! Darum ist eine Sperrstunde nicht zielführend

"Ich bin da etwas hin- und hergerissen. Wenn man Betriebszeiten grundsätzlich kürzt, dann bedeutet das ja, dass mehr Kunden in einer kürzeren Zeit zusammenkommen könnten. Auf der anderen Seite kann es helfen zu vermeiden, dass die Menschen durch Alkoholkonsum enthemmt auf engsten Räumen die Hygieneregeln vernachlässigen", warntKrause im Interview mit "Spiegel Online". Aus epidemiologischer Sicht seien Sperrstunde kein gängiges Instrument. Andere Maßnahmen seien durchaus sinnvoller, meint der leitende Epidemiologe des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung. Laut Krause würden Diskussionen über Alkoholverbote, Übernachtungsverbote und Ausgangssperren nur vom Schutz der Risikogruppen ablenken. 

Schutz der Risikogruppe und Abmildern von Schäden sollte oberste Priorität haben

"Wir wissen inzwischen, dass die allermeisten jungen Menschen ohne Risikofaktoren eine Infektion mit Sars-CoV-2 gut überstehen. Alte Menschen hingegen haben ein zigfach höheres Risiko, an dieser Infektion zu sterben", zitiert der "SPON" Gérard Krause. "Aus epidemiologischer Sicht müssen wir also auf diese Personengruppen unseren Fokus legen und sie bestmöglich schützen. Die Bewältigung der Pandemie entscheidet sich in den Altenheimen und nicht in den Klassenräumen der Schulen oder den Foyers der Hotels."

Laut Krause müssen wir dafür sorgen, dass Menschen aus der Risikogruppe sowohl geschützt werden als auch an der Gesellschaft teilhaben können. "Die Pandemie im wörtlichen Sinne zu stoppen, ist nach meiner Einschätzung schlicht nicht möglich", sagt der Epidemiologe weiter. "Das Virus ist doch schon überall." Es müsse nun darum gehen, die gesellschaftlichen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden abzumildern.

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bua/fka/news.de/dpa

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