06.10.2020, 22.58 Uhr

Coronavirus-News aktuell : Steigende Coronazahlen in Brandenburg! Maskenpflicht im Büro beschlossen

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen weiter an. Am Dienstag wurde der höchste Wert seit der zweiten Aprilhälfte gemeldet. Deswegen gilt ab Sonntag Maskenpflicht in Brandenburger Büros. 

In Berlin wurde eine Speerstunde für Restaurants und Bars beschlossen. (Symbolfoto) Bild: picture alliance / Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt in Deutschland kontinuierlich an, wenn auch noch nicht so stark wie in unseren europäischen Nachbarländern wie Tschechien und Frankreich. Dennoch raten Gesundheitsexperten zur verstärkten Einhaltung der AHAL-Regeln (Abstand, Händewaschen, Alltagsmasken, Lüften). Epidemiologe Karl Lauterbach gibt Tipps, damit Schulen nicht zu Orten von Superspreading werden. In Berlin müssen viele Geschäfte jetzt früher schließen.

Schärfere Corona-Regeln in Brandenburg - Maske in Büros ab Grenzwert

Brandenburg verschärft seine Corona-Regeln angesichts zunehmender Ansteckungen vor allem im Nachbarland Berlin. Ab Sonntag gilt eine Maskenpflicht nicht nur in öffentlichen Bussen und Bahnen und im Einzelhandel, sondern auch in Bürogebäuden und Aufzügen - aber erst ab 35 neuen Infektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Das kündigte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag in Potsdam an. Ein Mund-Nasen-Schutz ist dann auch in Gaststätten ein Muss, wenn man nicht am Platz sitzt. Wer privat feiert, darf ab dem Wert nicht mehr so viele Gäste einladen. Die neuen Regeln gelten zunächst bis zum 8. November.

Der Regierungschef begründete die neuen Beschränkungen mit steigenden Corona-Zahlen. "Es ist jetzt nicht die Zeit für Lockerungen», sagte Woidke. Jeder einzelne müsse Sorge dafür tragen, "dass Schulen und Kitas weiter offen bleiben können". Es gehe auch darum, dass in den Betrieben weiter gearbeitet werde. Die Zeit werde im Herbst nicht einfacher. Woidke bat darum, nicht in Risikogebiete zu reisen.

Berlin beschließt Sperrstunde für Geschäfte wegen Corona

Wegen des starken Anstiegs der Corona-Infektionen müssen die meisten Geschäfte sowie alle Restaurants und Bars in Berlin künftig von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr schließen. Der Senat beschloss am Dienstag eine nächtliche Sperrstunde, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Koalitionskreisen erfuhr. Demnach sind Ausnahmen etwa für Tankstellen geplant, diese dürfen in der Nacht aber keinen Alkohol mehr verkaufen.

Zudem gelten in der Stadt bald neue Einschränkungen für private Feiern in geschlossenen Räumen. Künftig dürfen daran nur noch maximal 10 statt bisher 25 Personen teilnehmen, wie der Senat den Angaben zufolge weiter beschloss.

Zum ersten Mal zeigt das Berliner Ampelsystem zur Bewertung der Corona-Lage dem Senat Handlungsbedarf an: Die Zahl der Neuinfektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl in den vergangenen sieben Tagen und die Reproduktionszahl liegen inzwischen über den als kritisch definierten Grenzwerten.

Christian Lindner kritisiert "Flickenteppich" bei Corona-Maßnahmen

Der FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Christian Lindner hat ein "bundesweites Regelwerk" für den Kampf gegen die sich wieder stärker ausbreitende Corona-Pandemie verlangt. "Es ist zu einem unüberschaubaren Flickenteppich an Regelungen gekommen", kritisierte er am Dienstag in Berlin. "Das ist für die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr nachvollziehbar, das ist auch nicht handhabbar. Diese gegenwärtige Politik von Bund und Ländern gefährdet die Akzeptanz von Corona-Maßnahmen insgesamt."

Nötig sei eine regional differenzierte Antwort, die sich am örtlichen Infektionsgeschehen orientiere, sagte Lindner. "Aber die Maßnahmen, die daraus folgen, die müssen bundesweit vergleichbar sein." Die gegenwärtig innerhalb Deutschlands von manchen Ländern verhängten Reisebeschränkungen halte er "für bürokratisch und an vielen Stellen für nicht verhältnismäßig", sagte Lindner.

Es müsse darum gehen, die wirklichen Gefährdungen zu beseitigen. "Wenn die Clubszene in Berlin-Mitte zu Super-Spreading-Events wird, dann muss man dagegen vorgehen. Aber wenn jemand in die angemietete Ferienwohnung irgendwo auf dem Land reisen will, um dann mit der Familie unter sich zu bleiben, dann geht davon doch keine Gefährdung aus." Hier sei "Differenzierung dringend nötig", betonte Lindner.

Söder: Corona in Berlin "am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Verantwortlichen in der Bundeshauptstadt zu einem entschiedeneren Kampf gegen die steigenden Berliner Corona-Zahlen aufgerufen. "Mir macht die Berliner Situation ausdrücklich Sorgen. Ich befürchte, das ist am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit", sagte Söder vor einer Kabinettssitzung in München. Er verwies darauf, dass München es mit verschärften Anti-Corona-Maßnahmen geschafft habe, den Anstieg der Infektionszahlen zu bremsen. Dazu zählten etwa eine zeitweilige Maskenpflicht in Teilen der Innenstadt und zeitweilige strengere Kontaktbeschränkungen. Man könne nur "dringend raten", solche Maßnahmen zu ergreifen, sagte Söder Richtung Berlin.

Er habe den Eindruck, die Berliner Gesundheitssenatorin kämpfe sehr. "Aber sie wird ein Stück weit allein gelassen." Angesichts des "seltsamen Systems" von Bezirksregierungen gebe es dort kaum eine einheitliche Strategie. Man sei in Berlin an einer "gefährlichen Schwelle" - das sage er aber mit Sorge, nicht mit einem Zeigefinger. Manche Anti-Corona-Maßnahmen würden in Berlin aber entweder nicht oder kaum vollzogen - das sei der Eindruck, den viele aktuell hätten.

Zulassungsprozess für Impfstoff von Mainzer Unternehmen startet

Der vom Mainzer Unternehmen Biontech entwickelte Corona-Impfstoffkandidat geht in den Zulassungsprozess. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA werde den Wirkstoff BNT162b2 in einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren prüfen, teilten Biontech und das Pharma-Unternehmen Pfizer, das die Entwicklung unterstützt, am Dienstag mit. Bei diesem Verfahren werden Daten aus der klinischen Prüfung fortlaufend eingereicht und bewertet.

2.673 Corona-Neuinfektionen am Dienstag in Deutschland

Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat zum zweiten Mal binnen weniger Tage die Schwelle von 2600 überschritten. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 2639 neue Corona-Infektionen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstagmorgen bekanntgab. Das sind nur knapp weniger als am Freitagmorgen, als mit 2.673 Neuinfektionen innerhalb eines Tages der höchste Wert seit der zweiten Aprilhälfte gemeldet worden war.

Coronavirus-News Deutschland: Corona-Tote am Dienstag im zweistelligen Bereich

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach Angaben des RKI mindestens 303.258 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 6.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9546. Das sind 12 mehr als am Vortag. Rund 265600 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

R-Wert leicht gesunken - Reproduktionszahl bei 1,21

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Montag bei 1,21 (Vortag: 1,23). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Sieben-Tage-R des Robert Koch-Instituts bei 1,08

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,08 (Vortag: 1,14). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Lauterbach warnt: "Präsenzunterricht kann zum Superspreadingevent werden"

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dämpft Hoffnungen auf einen schon 2021 verfügbaren Corona-Impfstoff für Kinder - und fordert angesichts steigender Infektionszahlen gestaffelte Unterrichtszeiten während der kalten Monate. "Präsenzunterricht kann zum Superspreadingevent im Herbst und Winter werden", sagte der studierte Epidemiologe der "Rheinischen Post" (Dienstag). Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, rät Lauterbach dazu, den Unterricht für einen Teil der Schüler morgens und für die anderen am Mittag zu beginnen. "Dafür braucht es einen entschlackten Lehrplan für das laufende Schuljahr, in dem manche Fächer ausnahmsweise nicht unterrichtet werden müssen - oder nur noch virtuell." So würden überfüllte Klassenräume und Stoßzeiten an den Schulen verhindert und das Risiko für Ansteckungen etwa in Bussen und Bahnen verringert.

Lauterbach kritisiert fehlendes Schutz-Konzept für Schüler und Lehrer

Zurzeit laute das Motto an den Schulen aufgrund fehlender Konzepte der Kultusministerien "Maske auf und durch", kritisierte Lauterbach. "So gefährden die zuständigen Behörden unter Umständen die Gesundheit der Schüler, Lehrer und Eltern und riskieren immer weiter steigende Infektionszahlen, weil Schüler das Virus genauso wie Erwachsene weitergeben können."

Ganzes Schuljahr 2020/2021 von Corona beeinträchtigt

Der Sozialdemokrat rechnet damit, dass die Schulen noch das ganze Schuljahr 2020/2021 mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben werden und ihre Unterrichtspraxis radikal umstellen müssen. Das gelte umso mehr, weil junge Menschen wahrscheinlich nicht zur gleichen Zeit wie Erwachsene geimpft werden könnten. "Es ist nicht zu erwarten, dass wir im kommenden Jahr Kinder und Jugendliche impfen können", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post". Sie seien nicht Teil laufender Studien, "weswegen ein möglicher Impfstoff für junge Menschen nicht zugelassen werden kann".

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sig/news.de/dpa

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