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Oktoberfest-Absage 2020: "Unverantwortlich!" Wird die Wiesn-Gaudi zum Corona-Desaster?

Das Oktoberfest wurde wegen der Coronavirus-Pandemie in diesem Jahr abgesagt. Doch ab dem 19. September feiern Fans des Volksfestes bei den "Wirtshaus Wiesn". Ärzte sehen die Partys skeptisch. Mutiert die Wiesn-Gaudi zu einem Superspreader-Event?

Ärzte sind besorgt: Mutiert das alternative Oktoberfest zu einem Superspreader-Event? Bild: picture alliance/Felix Hörhager/dpa

Die Coronavirus-Pandemie macht auch vor dem größten Volksfest der Welt keinen Halt: Erstmals seit dem Krieg gibt es 2020 in München kein Oktoberfest. Trotzdem wird in der Stadt gefeiert. Mit zahlreichen Regeln will die Regierung eine Ansteckung vermeiden - zu groß ist die Angst, dass München zu einem Corona-Hotspot wird. Und es grassiert eine Furcht vor unvernünftigen Ersatzpartys.

Oktoberfest-Absage 2020: München geht mit Alkoholverbot gegen illegale Wiesn-Partys vor

Die Stadt München hat für den Samstag als ursprünglich geplanten ersten Oktoberfesttag ein Alkoholverbot für die Theresienwiese verhängt. Auf der gesamten Fläche dürfe von 9.00 Uhr morgens bis 6.00 Uhr am Sonntagmorgen kein Alkohol konsumiert werden, teilte die Stadt am Donnerstag mit. "Ziel dieses Verbots ist es, auf dem Gelände private Ersatzpartys zum ursprünglich geplanten Wiesnstart mit hohem Infektionsrisiko zu unterbinden."

Das Alkoholverbot gelte auch für drei auf der Theresienwiese angemeldete Demonstrationen, hieß es. Darunter sind zwei Kundgebungen zum Thema Tradition und Brauchtum sowie ein Demozug des Netzwerks Klimaherbst unter dem Titel "Wiesneinzug der Möglichkeiten". Die Organisatoren hatten angekündigt, dass es auch Bier geben werde.

Normalerweise hätte am Samstag um 12.00 Uhr der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) auf der Theresienwiese das erste Fass Bier angestochen und die Wiesn eröffnet - für gut zwei Wochen wäre Gerstensaft in Strömen geflossen. Rund sieben Millionen Liter werden üblicherweise beim größten Volksfest der Welt getrunken.

Die Landeshauptstadt erließ erneut auch an mehreren Hotspots ein Alkoholverbot zum Außer-Haus-Verkauf von Freitagabend bis Sonntagfrüh jeweils ab 21 Uhr und zum Konsum im öffentlichen Raum ab 23 Uhr bis 6 Uhr des Folgetages. Alle Oktoberfest-Fans werden sich die Gaudi nicht entgehen lassen und können auf zahlreichen alternativen Events feiern.

Oktoberfest-Alternativen als Infektionsherd? 

Um die Tradition zu wahren, haben sich Gastronomen und Hotelbesitzer aus München zusammen getan und eine Alternative zum Oktoberfest ins Leben gerufen. Am Samstag startet die "Wirtshaus Wiesn", aber ganz anders als sonst. 

Für Schausteller, Wirte und Budenbesitzer bringt das zumindest etwas Verdienst. Auch Hotels, Gaststätten, Taxifahrer und Einzelhändler verpassen Einnahmen. Die Wiesn 2019 hatte laut Stadt einen Wirtschaftswert von rund 1,23 Milliarden Euro - sechs Millionen Gäste aus aller Welt kommen sonst zur Wiesn. Volle Fahrgeschäfte, überfüllte Zelte - das Oktoberfest 2020 wäre ein Mega-Infektionsherd geworden. Schon in den Jahren vor der Coronavirus-Pandemie grassierte regelmäßig die sogenannte Wiesngrippe.

Ärzte sehen "Wiesn light" skeptisch  

Ärzte sehen auch die Wiesn-Alternativen zurückhaltend. Bei Einhaltung der Hygieneregeln sei das Risiko einschätzbar, sagt Bernd Zwißler von der Klinik für Anästhesiologie am Klinikum der Universität München. Das Ideal zur Vermeidung der Krankheitsübertragung sei es, sich nicht zu treffen. Derartige Veranstaltungen komplett zu verbieten sei aber weder gesellschaftlich akzeptiert noch verhältnismäßig.

Angesichts steigender Zahlen sehe er eine "Wiesn light" eher "skeptisch bis sorgenvoll", sagt der Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing, Clemens Wendtner. "Dieses Jahr heißt es für uns alle, Opfer zu bringen und das große Ganze, nämlich die Kontrolle der Pandemie, nicht aus dem Auge zu verlieren. Die nächste "gscheite Wiesn" kommt bestimmt, wenn wir das Virus nicht mehr im Nacken haben, hoffentlich nächstes Jahr", so der Mediziner.

Dass Bayern jetzt wieder Bars und Kneipen für das fröhliche Bier-Wetttrinken öffnet, ist schon ein wenig ironisch, angesichts der Haltung von Markus Söder, der als harter Corona-Bekämpfer in der Pandemie aufgetreten ist. Seiner Logik folgend werden mit den Strafen für alle feierwütigen Corona-Verweigerer Superspreading-Events verhindert. Beim Blick auf die Coronazahlen klingt das gefährlich. Der Freistaat weist aktuell die höchsten Neuinfektionen auf. Dass dieser Freifahrtschein aber nach hinten losgehen kann, befürchten auch einige Nutzer bei Twitter.

"Superspreader-Event mit Ansage!" Twitter-Nutzer zeigen sich besorgt über Wiesn-Alternativen

"Wie kann man nur so deppert sein, sich etwas wie die Wirtshaus Wiesn auszudenken? Betrunkene in geschloßenen Räumen. Und das bei steigenden Inzidenzwerten in #München. Ein Superspreader-Event mit Ansage! Symbolpolitik und vermeintliche Traditionspflege wie immer Hand in Hand", zeigt sich ein Mann entsetzt.

Ein Mann regt sich über die Werbung für die "Wirtshaus-Wiesn" auf und schreibt: "Aber die #WirtshausWiesn bewerben... Das ist unverantwortlich. Warum gibt's #Starkbier? Was ist der Sinn der #Wiesn? Besaufen, singen, schunkeln, Hemmungen fallen lassen. #Abstand? Pfft.Das Ganze drinnen... #aufbrezelt2020 zum heiteren Austausch der #Aerosole. #Muenchen"

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bos/loc/news.de/dpa

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