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Bundesweiter Warntag heute 10.09.2020: Panne beim Probealarm! DAS ging komplett schief

Lautstarkes Sirenengeheul und aufploppende Warnmeldungen waren für den ersten bundesweiten Probealarm am Donnerstag angekündigt. Bei der Warnung der Bevölkerung beim bundesweiten hat es allerdings eine Panne gegeben.

Lärm lässt viele Tiere panisch werden. Mit etwas Vorbereitung können Halter den Stress aber wenigstens abmildern. Bild: Daniel Maurer/dpa

Erstmals seit der Wiedervereinigung war am Donnerstag um 11.00 Uhr ein bundesweiter Probealarm ausgelöst worden. Der sogenannte Warntag diente als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie schwere Unwetter, Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge. Eingebunden werden sollten alle vorhandenen Warnmittel wie beispielsweise Warn-Apps, Radio und Fernsehen, digitale Werbetafeln, Sirenen und Lautsprecherwagen. In Köln etwa heulten um Punkt 11.00 Uhr die Sirenen. "Eine Entwarnung wird um 11.20 Uhr übermittelt", teilte das federführende Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn mit.

Der Probealarm, der von Bund und Ländern gemeinsam ausgeführt wird, soll künftig an jedem zweiten Donnerstag im September stattfinden. Das BBK verfolgt damit zwei Ziele: Zum einen soll die Warntechnik getestet werden, zum anderen sollen sich die Bürgerinnen und Bürger mit den verschiedenen Warntechniken vertraut machen. Denn es habe sich gezeigt, dass Menschen in Krisensituationen vor allem auf Bekanntes zurückgriffen, sagte BBK-Präsident Christoph Unger.

Bundesweiter Warntag am 10.09.2020: Weshalb heulen alle Sirenen in Deutschland?

Denkbar wären Warnungen etwa bei Bränden oder dem Auftreten von radioaktiver Strahlung, aber auch bei Stromausfällen oder Naturgefahren wie Erdbeben und Überschwemmungen. Auch vor Krankheitserregern wie dem Coronavirus warnt das Bundesamt über die Warn-App NINA bei besonderen Situationen. Andere Warn-Apps sind BIWAPP (Bürger Info und Warn App), KATWARN sowie diverse regionale Angebote.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe informiert zum bundesweiten Warntag

"Es geht nicht darum, Angst und Hysterie zu schüren", sagte BBK-Präsident Christoph Unger im Vorfeld des Warntags. "Das wäre kontraproduktiv." Man dürfe die Bevölkerung aber auch nicht einlullen. Fakt sei, dass die Deutschen mit dem Thema bisher nicht sehr vertraut seien, und das berge Risiken. Man solle zum Beispiel auch immer für ein paar Tage Vorräte im Haus haben.

"Unser Ziel ist vor allem auch, dass man über das Thema nachdenkt", sagte Unger der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben es erlebt bei einem Warntag in Nordrhein-Westfalen, dass sich Kinder in Schulen, in Kindergärten mit der Thematik befasst haben. Dadurch schaffen wir eine gewisse Sensibilität, und das ist uns wichtig."

Flüchtlingshelfer baten darum, Kriegsflüchtlinge etwa aus Syrien vorab über die Aktion zu informieren: Das Heulen der Sirenen könne bei ihnen traumatische Erinnerungen etwa an Bombardierungen wachrufen. Alte Menschen kennen das Sirenengeheul mitunter noch aus ihrer Kinderzeit während des Zweiten Weltkriegs. Auch während des Kalten Krieges in den 70er und 80er Jahren heulten in der Bundesrepublik regelmäßig die Sirenen. Seit dem Mauerfall sind die Sirenen allerdings in vielen Regionen abgebaut worden.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz: Panne beim Probealarm am Warntag

Bei der Warnung der Bevölkerung beim bundesweiten Probealarm am Donnerstag hat es allerdings eine Panne gegeben. Die über das sogenannte Modulare Warnsystem (MoWaS) versendete Warnmeldung sei verspätet zugestellt worden, teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn mit. "Grund dafür ist eine nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen über MoWaS gewesen." Das im Vorfeld besprochene Auslösekonzept habe hingegen eine reine Auslösung durch den Bund vorgesehen.

Das Bundesamt sieht darin dennoch einen Nutzen: "Dieses Phänomen liefert wichtige Erkenntnisse für den Ausbau von MoWaS und die notwendige weitere Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen in Bund und Ländern und wird in der weiteren Entwicklung von MoWaS berücksichtigt", so das Bundesamt.

Die Warn-App NINA war nach der Auslösung es Alarms um 11.00 Uhr am Donnerstagvormittag bei vielen Nutzern still geblieben. Die angekündigte Warnmeldung und die anschließende Entwarnung tröpfelten erst stark verspätet ein.

Psychologie-Professor kritisiert Einsatz von Sirenen am Warntag

Der Psychologe Andreas Hamburger von der International Psychoanalytic University Berlin hat den Einsatz von Sirenen an dem für diesen Donnerstag geplanten bundesweiten Warntag im Vorfeld kritisiert.

"Die Menschen, die selber noch als Kinder Luftangriffe erlebt haben, sei es in Deutschland im Krieg, seien es Geflüchtete, die aus Kriegssituationen kommen, werden ganz unmittelbar und sehr intensiv mit Gefühlen von Panik auf solche Signale reagieren. So dass man sich schon die Frage stellen muss oder sollte: Ist es notwendig, und welchem wirklichen Zweck dient es denn, diese Reflexe bei Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben, zu triggern?", sagte der Psychologie-Professor der Deutschen Presse-Agentur.

Er erinnere sich aus seiner Kindheit selbst noch an die Luftschutzübungen des Kalten Krieges, die ihm immer einen Schauder über den Rücken gejagt hätten. "Ich verstehe nicht ganz, warum man diese Inszenierung braucht, jetzt so die gute alte Luftschutz-Sirene wieder auszumotten, denn heutzutage gibt es natürlich wesentlich effizientere und auch geräuschärmere Formen."

Die Bundesregierung begründe dies damit, dass die Bevölkerung sensibilisiert werden solle, doch so ganz leuchte ihm das nicht ein. "Wir machen ja auch keinen Tag der Müllabfuhr, um die Bevölkerung für die Abfallentsorgung zu sensibilisieren. Es kommt mir vor wie eine Art Demonstration."

Voraussetzung für eine solche Katastrophenübung wäre nach seiner Meinung eine umfassende vorherige Aufklärung der Bevölkerung, so dass wirklich niemand von dem plötzlichen Sirenenalarm überrascht werde. Der Informationsvorlauf vor dem Warntag sei aber nicht allzu lang gewesen.

Er frage sich auch, wer mit den gellenden Sirenen erreicht werden solle. Dabei könne es sich ja eigentlich nur um Menschen handeln, die fast keine mediale Anbindung hätten. Gerade diese Menschen - etwa Senioren - hätten dann aber auch nicht die Möglichkeit, sich darüber zu informieren, was eigentlich los sei. Sie könnten dann denken, dass es sich um einen Ernstfall handle.

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loc/news.de/dpa

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