19.08.2020, 20.07 Uhr

Coronavirus-News Deutschland: Spahn bekräftigt: Kita und Schule haben Vorrang vor Karneval

Seit Ende Juli scheint die Kurve der Corona-Neuinfektionen in Deutschland nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Am heutigen Mittwoch erreicht die Zahl der neuen Sars-CoV-2-Fälle einen neuen Höchstwert seit Mai. Die aktuellen Corona-Zahlen hier.

Die Corona-Zahlen vom Mittwoch in Deutschland laut Robert Koch-Institut. (Im Bild: RKI-Chef Lothar Wieler) Bild: picture alliance/Tobias Schwarz/AFP/Pool/dpa

Die Zahl der Corona-Neuninfektionen in Deutschland steigt weiter. Am Mittwoch hat sie einen neuen Höchstwert seit Mai erreicht. Laut Robert Koch-Institut werde zwar auch vermehrt getestet, doch die gestiegene Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem Sars-Cov-2-Erreger kann nicht durch das höhere Testaufkommen erklärt werden. Alle Zahlen und Informationen zum Coronavirus von Mittwoch in Deutschland erfahren Sie hier.

Coronavirus-News aktuell: 1510 Corona-Neuinfektionen am Mittwoch

Das Robert Koch-Institut hat die höchste Zahl an Neuinfektionen in Deutschland seit mehr als drei Monaten registriert. Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland 1.510 neue Corona-Infektionen gemeldet. Dies geht aus den Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Mittwochmorgen hervor. Höher lag die Zahl zuletzt am 1. Mai mit 1.639 registrierten Neuinfektionen. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen, danach waren die Werte deutlich gesunken. Seit Ende Juli steigt die Zahl der Nachweise wieder an.

Corona-Neuinfektionen: Höheres Testaufkommen erklärt hohe Zahl nicht

Direkte Rückschlüsse auf das Infektionsgeschehen lässt der aktuelle Anstieg der Fallzahlen allerdings nicht zu, da zuletzt auch die Zahl der durchgeführten Tests immens erhöht wurde. Die steigenden Fallzahlen seien derzeit aber nicht nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären, hatte das RKI vor einigen Tagen mitgeteilt. Epidemiologie-Professor Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig sagte: "Der Anstieg der positiven Tests ist nicht allein dem Anstieg der Testungen geschuldet."

9.243 Corona-Tote - sieben Menschen in letzten 24 Stunden an Covid-19 verstorben

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 226.914 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Mittwochmorgen im Internet meldete (Datenstand 19.8., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9.243. Seit dem Vortag wurden sieben Todesfälle mehr gemeldet. Bis Mittwochmorgen hatten etwa 203.900 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Reproduktionszahl weiter über kritischer Marke - R-Wert bei 1,06

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Dienstag bei 1,06 (Vortag: 1,11). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Corona aktuell: Sieben-Tage-R des RKI leicht gestiegen: 1,05

Zudem gibt das RKI einen sogenannten Sieben-Tage-R-Wert an. Er bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Dienstag bei 1,05 (Vortag: 1,04). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Robert Koch-Institut verweist auf Meldeverzug der Corona-Zahlen

Das RKI weist darauf hin, dass zwischen Bekanntwerden eines Infektionsfalls vor Ort und der Veröffentlichung durch das RKI ein Zeitverzug entsteht, so dass es Abweichungen zu anderen Quellen geben kann. Außerdem kann es aufgrund von Qualitätsprüfungen noch zu Änderungen der tagesaktuellen Daten kommen.

Corona-Fälle bei Reiserückkehrern weiter gestiegen

Fast 40 Prozent der zuletzt in Deutschland positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen haben sich im Ausland angesteckt. Das geht aus Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) von Dienstagabend hervor. Von den bekannten Corona-Neuinfektionen in Meldewoche 33, bei denen es eine Angabe zum wahrscheinlichen Infektionsland gab, lag der Anteil der Ansteckungen im Ausland bei 39 Prozent. Zum Vergleich: In der Meldewoche 32 hatten sich 34 Prozent wahrscheinlich im Ausland infiziert, in der Meldewoche 31 waren es 21 Prozent. Am häufigsten wurden - auf vier Wochen betrachtet - der Kosovo, die Türkei, Kroatien, Bulgarien und Bosnien und Herzegowina als wahrscheinliche Infektionsländer genannt.

Allerdings gab das RKI nicht an, wie groß der Anteil der Tests von Reiserückkehrern an allen Tests war. Diese Angabe ist notwendig, um zu beurteilen, wie groß der Anteil der eingeschleppten Infektionen tatsächlich ist. Es könnte beispielsweise sein, dass Rückkehrer im Schnitt häufiger getestet werden als der Rest der Bevölkerung.

Laumann: Kabinett in NRW berät über Obergrenze für Veranstaltungen

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen berät das Kabinett in Nordrhein-Westfalen kommende Woche über eine Begrenzung der Personenzahl bei Veranstaltungen. Derzeit sehe die Corona-Schutzverordnung für NRW keine Obergrenzen vor, sagte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. Aber es stehe die Entscheidung an, dass "eine Zahl" in die Verordnung eingefügt werde.

Die Kabinettsentscheidung könnte sich auch auf das geplante Konzert mit Stars wie Bryan Adams und Sarah Connor Anfang September in Düsseldorf auswirken. Zu dem Konzert können nach Plänen der Veranstalter bis zu 13.000 Zuschauer kommen.

Er könne sich das Konzert zurzeit nicht vorstellen, sagte Laumann. Er verwies auf die Lage bei Fußballspielen. Beide Fragen - Konzert und Fußball - hingen politisch zusammen und müssten auch zusammen entschieden werden. Und alle deutschen Gesundheitsminister seien sich einig, dass man sich Fußballspiele vor Zuschauern bis Ende Oktober nicht vorstellen könne - auch er selbst sei dieser Meinung. "Und damit sehen sie auch, dass ich mir zurzeit auch das Konzert nicht vorstellen kann."

Angesetzt ist die umstrittene Musik-Veranstaltung am 4. September im Düsseldorfer Fußballstadion. Der aktuelle Kompromiss sieht vor, dass spätestens am 31. August - vier Tage vor dem eigentlichen Termin - entschieden wird, ob es stattfinden kann.

Karneval trotz Corona? Auch NRW-Minister Laumann ist skeptisch

Aufgrund der Corona-Pandemie glaubt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann derzeit eher nicht, dass der nächste Karneval in gewohnter Form stattfinden kann. Er wolle die Entscheidung darüber auf jeden Fall mit den Karnevalsvereinen zusammen treffen, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Düsseldorf. Man solle sich damit auch ruhig noch zwei, drei Wochen Zeit lassen.

"Ich muss Ihnen aber auch sagen, und da will ich auch gar nicht hinterm Berg halten: Wenn in drei Wochen die Inzidenz da ist, wo sie jetzt ist, bin ich schon der Meinung, dass wir dann eher zu der Frage kommen, dass Karneval so nicht geht, wie wir das kennen", sagte Laumann. "Wir haben ja auch im Frühjahr die Schützenfeste nicht gemacht, wir machen jetzt im Herbst die Kirmes nicht."

NRW-Minister: Sechs Prozent der Infektionen auf Veranstaltungen

Rund sechs Prozent der Corona-Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen sind laut NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) auf Veranstaltungen und private Feiern etwa in Gaststätten zurückzuführen. Ein Drittel der Infektionen gehe auf das private Umfeld in Haushalten zurück und ein Viertel auf Reiserückkehrer, sagte Laumann am Mittwoch in Düsseldorf. Aktuell seien in NRW gut 4600 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Angesichts der derzeit steigenden Infektionszahlen in ganz Deutschland gibt es eine Debatte über weitere Corona-Beschränkungen etwa bei Feiern und Veranstaltungen.

Kramp-Karrenbauer: Rasche Entscheidung über Karneval in Corona-Zeit

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine rasche Entscheidung über Karnevalsfeiern in Corona-Zeiten gefordert. Es sei "sehr notwendig, dass die Verantwortlichen in den Ländern und auch im Bund mit den (Karnevals-)Verbänden reden. Denn für alle Beteiligten muss aus meiner Sicht sehr schnell Klarheit geschaffen werden", sagte Kramp-Karrenbauer am Mittwoch im Fernsehsender "Welt". Sie fügte hinzu: "Im Karneval steckt unglaublich viel Herzblut, Engagement" - und auch viel finanzielles Engagement.

Zuvor hatte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) skeptisch geäußert, ob wegen der Corona-Pandemie im kommenden Winter Karneval stattfinden könne. Auch der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, sieht das kritisch. "Der Straßenkarneval, der Kneipenkarneval, das sind so Elemente, die wir uns nicht vorstellen können", sagte er auf WDR 2.

Kramp-Karrenbauer sprach sich angesichts der Länderzuständigkeit für Bildungs- und Schulfragen für eine noch stärkere Abstimmung zwischen Bund und Ländern aus. Sie begrüße, dass es eine verstärkte Abstimmung gebe innerhalb der Kulturministerkonferenz und auch mit dem Bundesbildungsministerium. Der Bildungsföderalismus habe sich in vielen Teilen bewährt. "Aber jetzt in der Krise geht es eben vor allen Dingen darum, so eng wie möglich sich abzustimmen und zusammen zu arbeiten." Hier habe man in den vergangenen Monaten vieles gelernt. "Und ich bin fest überzeugt, dass man für die nächsten Monate manches auch noch besser und besser abgestimmt machen kann."

Kramp-Karrenbauer forderte angesichts der steigenden Zahl von Infizierten in Deutschland und Europa, alles daran zu setzen, "dass wir Menschenleben schützen und retten". Priorität müsse sein, dass Kitas und Schulen besucht werden könnten. "Wir können es uns nicht noch Mal erlauben, dass Kinder ein halbes Jahr ohne Unterricht sind oder nicht wirklich gut unterrichtet werden." Zudem müsse die Wirtschaft einigermaßen gut durch die nächsten Monate kommen, denn es gehe um Arbeitsplätze. Dazu solle jeder beitragen, indem er sich diszipliniert verhalte und etwa eine Maske auf der Straße oder am Arbeitsplatz trage.

Kölner Karnevalschef kann sich keinen Straßenkarneval vorstellen

Auch der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, kann sich angesichts von Corona keinen Straßenkarneval vorstellen. "Der Straßenkarneval, der Kneipenkarneval, das sind so Elemente, die wir uns nicht vorstellen können", sagte Kuckelkorn am Mittwoch im WDR-"Morgenmagazin". "Auch Ballveranstaltungen können wir uns nicht vorstellen." Anders sei es bei Karnevalssitzungen mit Hygienekonzept. Man könne ja auch mit Maske in ein Restaurant gehen und diese dann am Platz abnehmen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich zuvor wegen der Corona-Pandemie skeptisch dazu geäußert, ob im kommenden Winter Karneval stattfinden könne.

Natürlich müsse der Sicherheitsabstand eingehalten werden, sagte Kuckelkorn. Alkohol sei sicherlich eine Komponente, die man berücksichtigen müsse. "Vielleicht gibt es ja auch Veranstaltungen, in denen es auch gar keinen Alkohol mehr gibt oder nur noch eingeschränkt Alkohol." Künstler würden vielleicht anteilsmäßig auf ihre Gage verzichten. Die Vereine müssten jetzt herausarbeiten, was der Kern des Karnevals sei und diesen klein inszenieren. "Das ist auch eine große Chance."

Kuckelkorn sagte, Mitte September werde man vom Landesgesundheitsministerium die vorgelegten Hygienekonzepte bewertet zurückbekommen. Dann werde sich zeigen, wie der Karnevalsbeginn am 11.11. ablaufen werde. "Nach dem 11.11. wissen wir die Auswirkungen, wissen, wie's funktioniert hat, und das sind dann die Erfahrungswerte, die wir für die Session brauchen."

Intensivmediziner fordert bundesweite Strategie gegen Coronavirus

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat angesichts steigender Infektionszahlen für ein bundeseinheitliches Vorgehen in der Corona-Pandemie plädiert. "Wir werden mit dem Coronavirus weit ins Jahr 2021 leben. Das heißt, man muss jetzt mal anfangen, in größeren Maßstäben zu denken", sagte Uwe Janssens der Deutschen Presse-Agentur. Es brauche eine Gesamtstrategie, um auf das Infektionsgeschehen zu reagieren.

"Wir müssen aus diesem Modus rauskommen, 16 Bundesländer bestimmen selbst, wie sie mit dieser Pandemie umgehen", sagte Janssens. Etwa sei es dringend notwendig die Regelungen zum Tragen von Schutzmasken in Schulen und zu Obergrenzen bei Feiern und Veranstaltungen zu vereinheitlichen. "Wie kann es etwa sein, dass in einem Bundesland bei Großveranstaltungen bis zu 1.000 Menschen zugelassen sind und in Nordrhein-Westfalen nur 150 auf Geburtstagsfeiern", fragte Janssens. Ein einheitliches Vorgehen sei nötig, da größere Menschenansammlungen mögliche Hotspots für die Verbreitung des Coronavirus darstellten.

Ähnlich äußerte sich zuvor auch der Ärzteverband Marburger Bund und forderte bundesweit einheitliche Vorgaben für Feste und Feierlichkeiten. "Um Ansteckungsrisiken auch im Herbst und Winter zu verringern, sollten sich die Länder bald auf einheitliche Regeln für private und öffentliche Feiern aller Art verständigen", sagte die Vorsitzende Susanne Johna am Dienstag der Funke Mediengruppe. Wichtig seien etwa Obergrenzen für Gäste und Konzepte fürs Lüften.

Spahn bekräftigt: Kita und Schule haben Vorrang vor Karneval

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat erneut den Vorrang von Schulen und Kitas in der Corona-Krise vor dem Karneval oder privaten Feiern betont. Auch Wirtschaft und Handel müssten vorrangig unterstützt werden, denn es gehe um den Erhalt von Arbeitsplätzen, mit denen auch das Gesundheitssystem finanziert werde, sagte Spahn am Mittwoch in Kiel bei einem Besuch des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.

Spahn sagte, er wisse um die Bedeutung des Karnevals für Millionen Menschen. "Aber wenn wir vor der Frage stehen: Ist die Kita möglich oder der Karneval, dann bin ich sehr sicher, dass ein Großteil der Gesellschaft da eine klare Antwort zu hat." Spahn zeigte sich auch zuversichtlich, dass Bund und Länder eine einheitliche Regelung finden für Privatfeiern in Corona-Zeiten.

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sig/news.de/dpa

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