19.08.2020, 09.06 Uhr

Coronavirus-News am Dienstag: "Das ist bitter"! Spahn will Karneval absagen lassen

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind am Dienstag in Deutschland erneut gestiegen. Auch der R-Wert (Reproduktionszahl) bewegt sich über der kritischen Marke. Neue Lockerungen sind laut Kanzlerin Merkel vorerst unwahrscheinlich.

Kanzlerin Merkel und Bundesgesundheitsminister Spahn äußern sich besorgt über die steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland. Bild: picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Nach einem entspannten Sommer meldet sich das Coronavirus noch vor dem Herbst mit voller Wucht zurück. Am Dienstag meldet das RKI erneut mehr als 1000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Der R-Wert bewegt sich ebenfalls über der kritischen Marke von 1. Noch sei das Virus beherrschbar - so die Bundeskanzlerin. Allerdings seien weitere Lockerungen nun eher unwahrscheinlich, um eine weitere Eskalation zu vermeiden.

Coronavirus-News aktuell: 1390 Neuinfektionen am Dienstag

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland 1390 neue Corona-Infektionen gemeldet. Dies geht aus den Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Dienstagmorgen hervor. Damit liegt die Zahl wieder deutlich über der Schwelle von 1000. Am Sonntag und Montag war der Wert nur knapp halb so hoch. Das war zu erwarten, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln.

Noch vor Herbstbeginn steigen Corona-Zahlen in Deutschland

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder. Experten zeigen sich besorgt, dass es zu einem starken Anstieg der Fallzahlen kommen könnte, der die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten an ihre Grenzen bringt.

9236 Corona-Tote - vier Verstorbene mehr als am Vortag

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 225 404 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Dienstagmorgen im Internet meldete (Datenstand 18.8., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9236. Seit dem Vortag wurden vier Todesfälle mehr gemeldet. Bis Dienstagmorgen hatten etwa 203 000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

R-Wert leicht gesunken - Reproduktionszahl bei 1,11

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Montag bei 1,11 (Vortag: 1,21). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Coronavirus-News: Sieben-Tage-R des RKI bei 1,04

Zudem gibt das RKI einen sogenannten Sieben-Tage-R an. Er bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Montag bei 1,04 (Vortag: 1,13). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Robert Koch-Institut verweist auf Meldeverzug der Infektionsszahlen

Das RKI weist darauf hin, dass zwischen Bekanntwerden eines Infektionsfalls vor Ort und der Veröffentlichung durch das RKI ein Zeitverzug entsteht, so dass es Abweichungen zu anderen Quellen geben kann. Außerdem kann es aufgrund von Qualitätsprüfungen noch zu Änderungen der tagesaktuellen Daten kommen.

Bundeswehr und Corona: Sechs deutsche Soldaten im Irak mit Coronavirus infiziert

Beim Einsatz der Bundeswehr im Nordirak sind sechs deutsche Soldaten mit dem Coronavirus infiziert worden. "Die Soldaten befinden sich in isolierter Unterbringung in separaten Containern", teilte das Einsatzführungskommando am Dienstag den Obleuten im Bundestag mit. Das Schreiben lag der Deutschen Presse-Agentur vor. Die Soldaten sollten demnach "zeitnah" nach Deutschland zurückgeflogen werden. Solange würden die Krankheitsverläufe vor Ort in Erbil vom Sanitätspersonal beobachtet. Auch die Kontaktpersonen der Soldaten wurden getestet. Die Bundeswehr ist im Nordirak als Teil des internationalen Einsatzes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ("Counter Daesh/Capacity Building Iraq") stationiert.

Kanzlerin Merkel: Weitere Lockerungen vorerst unwahrscheinlich

Angesichts der aktuellen Infektionszahlen werden weitere Lockerungen von Corona-Maßnahmen vorerst unwahrscheinlicher. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Zahlen am Montag in einer Präsidiumssitzung ihrer Partei besorgniserregend, aber noch beherrschbar. Es könne deswegen derzeit keine weiteren Lockerungen geben. Dies gelte auch für Fußballspiele, sagte sie nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Parteikreisen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte Befürchtungen vor verstärkten Ansteckungen auf Familienfeiern und anderen Festen und regte an, erneut über die erlaubte Größe solcher Veranstaltungen zu beraten. In den Bundesländern gelten dazu unterschiedliche Regelungen. Zum Teil sind inzwischen wieder Innenveranstaltungen mit mehreren hundert Teilnehmern erlaubt.

Ministerpräsidenten-Konferenz zur Besprechung der Regeln geplant

Nach weiteren Informationen aus CDU-Parteikreisen laufen derzeit Gespräche über ein Treffen der Ministerpräsidenten der Bundesländer mit der Kanzlerin in der kommenden Woche, bei der über die Corona-Lage und die uneinheitlichen Regeln in den Ländern beraten werden soll. Ein solches Treffen hatte es zuletzt vor der Sommerpause im Juni gegeben. Damals ging es vor dem Hintergrund sinkender Zahlen noch um weitere Lockerungen von Corona-Maßnahmen und um eine Wiederaufnahme von Großveranstaltungen.

Keine Bundesliga-Spiele mit Fans vor Ende Oktober

Doch seit Ende Juli steigen die Corona-Zahlen wieder. Die Deutsche Fußball Liga hatte schon ein Konzept für eine Teilzulassung von Fans zum Beginn der Saison 2020/21 am dritten September-Wochenende erarbeitet. Die Gesundheitsminister der Länder haben sich aber inzwischen darauf verständigt, dass sie eine Rückkehr von Zuschauern in die Stadien bis mindestens Ende Oktober nicht befürworten.

Jens Spahn - Reise-Rückkehrer und Feiernde als Hauptproblem der Pandemie

Zum Thema Familienfeiern sagte Spahn am Montag bei einer Videopressekonferenz, er wolle kein Spielverderber sein und verstehe jeden, der seine Hochzeit mit 150 Gästen feiern wolle. Man müsse aber noch einmal schauen, ob man das jetzt in dieser Phase nur im engeren oder engsten Familien- und Freundeskreis mache. Es gehe vor allem um diese Bereiche, "wenn wir gesellig werden", wo sich das Virus besonders schnell verbreite. Kitas, Schulen, Wirtschaft und Handel müssten nach Spahns Ansicht Vorrang haben vor öffentlichen oder privaten Feiern.

Über das Thema wolle er mit den Bundesländern noch einmal reden, sagte Spahn. Die Regeln sind unterschiedlich: So sind in Berlin laut aktueller Corona-Verordnung momentan Innenveranstaltungen mit bis zu 500 Menschen erlaubt. In Nordrhein-Westfalen dürfen bei "geselligen Veranstaltungen wie Hochzeiten" drinnen maximal 150 Gäste anwesend sein, in Bayern maximal 100.

Zu den Infektionszahlen sagte der Gesundheitsminister: "Ich bin sehr dafür, dass wir wachsam und aufmerksam sind, ernsthaft, aber auch nicht in Endzeitstimmung. Bis hierhin können wir damit umgehen. Besorgniserregend wäre, wenn es weiter steigt und dafür müssen wir abstufen, was ist jetzt zuerst wichtig."

Schauspielerin Jessica Schwarz "entrüstet" über Corona-Demos

Die Schauspielerin Jessica Schwarz (43) regt sich über Corona-Leugner und entsprechende Demonstrationen auf. «Ich bin entrüstet, dass Menschen hier auf die Straße gehen, keine Maske tragen und meinen, das sei alles Humbug», sagte Schwarz («Buddenbrooks») der Deutschen Presse-Agentur. Es sei beängstigend, dass die Zahl der Coronavirus-Infizierten wieder steige. «Es geht auch um berufliche Existenzen.» Die 43-Jährige betreibt in Hessen zusammen mit ihrer Schwester ein Hotel.

Die fast wöchentlichen Proteste in Deutschland gegen Masken und Hygieneregeln kann Schwarz nicht nachvollziehen. "Ich habe manchmal den Eindruck, einige Personen fühlen sich gelangweilt und gescheitert und suchen etwas, um sich wieder stark zu fühlen."

Die in Berlin lebende Schauspielerin ist ab Donnerstag (20.8.) in der neuen Netflix-Serie "Biohackers" zu sehen. Dort spielt sie eine gewissenlose Forscherin, die Menschen genetisch optimieren will.

Spahn kann sich Karneval im kommenden Winter nicht vorstellen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich wegen der Corona-Pandemie skeptisch geäußert, ob im kommenden Winter Karneval stattfinden kann. Wie die "Rheinische Post" berichtet, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in einer Telefonschaltkonferenz des Gesundheitsausschusses: "Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist. Aber: Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es."

Die Zeitung beruft sich auf Angaben aus Teilnehmerkreisen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war Spahn von Mitgliedern des Ausschusses nach seinen Äußerungen zu Familienfeiern und Festen gefragt worden und was dies mit Blick auf den Karneval bedeuten würde. Spahn hatte angeregt, wegen des Ansteckungsrisikos noch einmal über die erlaubte Größen von privaten Festen zu sprechen.

Kölner Karnevalschef kann sich keinen Straßenkarneval vorstellen

Auch der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, kann sich angesichts von Corona keinen Straßenkarneval vorstellen. "Der Straßenkarneval, der Kneipenkarneval, das sind so Elemente, die wir uns nicht vorstellen können", sagte Kuckelkorn am Mittwoch im WDR-"Morgenmagazin". "Auch Ballveranstaltungen können wir uns nicht vorstellen." Anders sei es bei Karnevalssitzungen mit Hygienekonzept. Man könne ja auch mit Maske in ein Restaurant gehen und diese dann am Platz abnehmen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich zuvor wegen der Corona-Pandemie skeptisch dazu geäußert, ob im kommenden Winter Karneval stattfinden könne.

Natürlich müsse der Sicherheitsabstand eingehalten werden, sagte Kuckelkorn. Alkohol sei sicherlich eine Komponente, die man berücksichtigen müsse. "Vielleicht gibt es ja auch Veranstaltungen, in denen es auch gar keinen Alkohol mehr gibt oder nur noch eingeschränkt Alkohol." Künstler würden vielleicht anteilsmäßig auf ihre Gage verzichten. Die Vereine müssten jetzt herausarbeiten, was der Kern des Karnevals sei und diesen klein inszenieren. "Das ist auch eine große Chance."

Kuckelkorn sagte, Mitte September werde man vom Landesgesundheitsministerium die vorgelegten Hygienekonzepte bewertet zurückbekommen. Dann werde sich zeigen, wie der Karnevalsbeginn am 11.11. ablaufen werde. "Nach dem 11.11. wissen wir die Auswirkungen, wissen, wie's funktioniert hat, und das sind dann die Erfahrungswerte, die wir für die Session brauchen."

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sig/news.de/dpa

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