03.08.2020, 13.43 Uhr

Coronavirus-News aus Deutschland: Prognose-Tool warnt vor Infektionsherden - DAS steckt dahinter

Ob die Coronavirus-Pandemie in Deutschland beherrschbar bleibt, hängt vor allem vom frühzeitigen Erkennen von Infektionsgeschehen ab. Ein neues Prognose-Tool soll nun vor Ansteckungsclustern warnen.

Um regionale Corona-Ausbrüche vorherzusagen, sind die Experten von CovMap auf Mobilfunkdaten angewiesen. Bild: Hauke-Christian Dittrich / picture alliance / dpa

Die Ausbreitung des Coronavirus bereitet Forschern nach wie vor Kopfzerbrechen. Immer wieder flammen regional Infektionscluster auf, die die Fallzahlen in Deutschland in die Höhe treiben. Aufgabe der Forschung ist es demnach nicht nur, einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus oder Medikamente zur Behandlung von Covid-19 zu finden, sondern auch Mittel und Wege zu entdecken, Massenausbrüche des Coronavirus möglichst im Keim zu ersticken.

Forscher wollen Coronavirus-Infektionen frühzeitig erkennen

Die Herausforderung in der Bewältigung der Pandemie liegt Dr. Alexander Thieme, seines Zeichen Radioonkologe an der Berliner Charité sowie Informatiker, zufolge darin, die Testkapazitäten nicht zu überlasten. Idealerweise werden daher, so der Mediziner im Gespräch mit dem "Focus", Infektionsherde möglichst früh erkannt und eine ungehemmte Ausbreitung gestoppt.

Wetterbericht für Coronavirus-Ausbreitung: CovMap soll Infektionen vorhersagen

Unter Zuhilfenahme moderner Technik soll nun ein Warnsystem erarbeitet werden, das Infektionsherde erkennt, bevor es zu einem Massenausbruch kommen kann. Die Experten von der Charité in Berlin tauften ihr Projekt "CovMap". Dabei sollen Smartphone-Daten dabei helfen, das Kontaktverhalten nachzuempfinden und die Wahrscheinlichkeit für einen Coronavirus-Massenausbruch zu berechnen. Anders als bei der offiziellen Corona-Warn-App soll "CovMap" ohne Hinterlegung von positiven Sars-CoV-2-Tests auskommen. Die Anwendung arbeite vielmehr mit Wahrscheinlichkeitsangaben zu Coronavirus-Infektionen: "Wenn ein vermehrtes Kontaktverhalten zu sehen ist, dann heißt das nicht unbedingt, dass es zu einem lokalen Ausbruch kommt, aber die Wahrscheinlichkeit dafür steigt an", so Dr. Alexander Thieme gegenüber "Focus".

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So helfen Handydaten bei der Prognose zu Infektionsherden

Um die Funktionalität von "CovMap" weiter auszubauen, setzen die Entwickler nach eigenen Aussagen auf die Zusammenarbeit mit anderen Forschern. So sollen beispielsweise Daten von Apps, die Covid-19-Symptome erfassen und auswerten können, integriert werden.

Bezogen auf die aktuelle Lage in Deutschland scheint "CovMap" bereits erste Veränderungen zu registrieren. Seitdem die Kontaktbeschränkungen in Deutschland gelockert wurden: "Vor circa zwei Wochen waren in etwa 70 bis 80 Prozent der vor dem Lockdown bestehenden Kontakte wiederhergestellt", so Dr. Alexander Thieme. Dass die Infektionszahlen in der Bundesrepublik trotzdem nicht explosionsartig in die Höhe geschnellt seien, führt der Forscher auf den sogenannten Kontaktindex zurück. Bislang seien nur vereinzelt Personen mit überdurchschnittlich vielen Kontakten, sogenannte Superspreader, in Erscheinung getreten - für Dr. Alexander Thieme ein plausibler Grund dafür, "warum es in Deutschland momentan recht ruhig bleibt, was die Infektionszahlen angeht".

Ersten Beobachtungen zufolge soll "CovMap" künftig als Prognose für zu befürchtende Infektionscluster funktionieren. Die Entwickler seien Dr. Alexander Thieme zufolge zu der Erkenntnis gelangt, dass die registrierten Kontakte und die Veränderungen der Reproduktionszahl mit einigen Tagen Verzögerung in Verbindung zueinander stehen. Bei ansteigenden Kontaktzahlen ist auch ein höherer R-Wert zu erwarten - somit könne aus Kontakthäufungen abgeleitet werden, wo aller Wahrscheinlichkeit nach neue Coronafälle zu befürchten sind.

So will das Frühwarnsystem den Corona-Alltag in Deutschland verändern

Für den Alltagsgebrauch soll "CovMap" den Wissenschaftlern zufolge keinen Anlass zur Panik geben, sondern vielmehr für ohnehin geltende Hygiene- und Abstandregeln sensibilisieren. "Wenn ein solcher Ausbruch sich ankündigt, sollte besonders auf Maßnahmen wie Social Distancing oder das Tragen einer Maske geachtet werden. Wer zur Risikogruppe gehört, könnte nach Möglichkeit in einem solchen Fall zum Beispiel nicht dringende Termine verschieben", so Dr. Alexander Thieme gegenüber "Focus". Ansteckungen infolge von Leichtsinn sollen so unterbunden werden.

Wann ist das Prognose-Tool CovMap öffentlich zugänglich?

Bevor "CovMap.de" für jedermann öffentlich zugänglich wird, sollen weitere Analysen und Datenerhebungen die Zuverlässigkeit der Corona-Vorhersage stärken. Die Corona-Warn-App der Bundesregierung will das neue Prognose-Tool übrigens nicht ersetzen, so Dr. Thieme. "Unser Ziel ist es, dazu beizutragen, die ökonomischen und psychologischen Auswirkungen der Pandemie in Deutschland zu reduzieren. Sowohl unser Corona-Frühwarnsystem CovMap als auch die Corona-Warn-App zielen darauf ab, das Leben in Deutschland wieder zu normalisieren. Deswegen verstehen wir uns nicht als Konkurrenzprojekt zur Corona-Warn-App, sondern als Ergänzung", erklärt der Wissenschaftler.

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loc/news.de

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