09.07.2020, 13.57 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Unsichtbare Virenwolken! Experten warnen vor Aerosolen

Bislang gilt die Annahme, dass Händewaschen, Abstandhalten und eine Mund-Nase-Bedeckung die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus seien. Doch Wissenschaftler schlagen Alarm. Wie gefährlich ist die Übertragung durch Aerosole?

Wie schlimm ist die Übertragung des Coronavirus über Aerosole? Bild: AdobeStock / sumaki

Zu den wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus zählen gründliches Händewaschen, das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung und Abstandhalten. Wissenschaftler vermuten, dass das Übertragungsrisiko von Sars-CoV-2 über winzige Teilchen - sogenannte Aerosole - in der Luft höher sei, als bislang angenommen. Sie fordern, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Corona-Leitlinien anpassen solle. Die WHO reagiert jedoch sehr zurückhaltend.

Coronavirus-News aktuell: Wissenschaftler warnen vor Aerosolen! Wird das Übertragungsrisiko durch die Luft unterschätzt?

Viele europäische Länder drängen zur Rückkehr zur Normalität. Sogar in Deutschland wird gefordert, die Maskenpflicht abzuschaffen. Wissenschaftler halten das jedoch für fatal und schlagen Alarm. Aerosole sind feinste Tröpfchen in der Luft, die beim Ausatmen, Sprechen, Lachen oder Singen als feine Wolke verbreitet werden. Während größere Tropfen recht schnell zu Boden sinken, können sich die feinsten Partikel noch stundenlang in der Luft halten. Bei Erkrankten sind die Aerosole mit Viren belastet. Wer sie einatmet, kann sich anstecken.

Laut "Bild"-Zeitung haben US-Wissenschaftler mit Laserlicht die Lebensdauer von Aerosolen in der Luft untersucht. So würden sie bei stehender Luft in einem geschlossenen Raum erst nach acht bis 14 Minuten verschwinden. Andere Forscher vermuten sogar, dass sie sich deutlich länger in der Luft halten und über Stunden infektiös sein können.

Schutz vor Corona: Mund-Nase-Masken und Lüftung wichtiger als Händewaschen?

Rund 240 Wissenschaftler, darunter auch Ingenieure, hatten Anfang der Woche ein Schreiben in der Fachzeitschrift "Clinical Infectious Diseases" veröffentlicht. Sie werfen Gesundheitsbehörden, darunter die WHO, vor, in ihren Empfehlungen das Ansteckungsrisiko durch kleinste Teilchen, sogenannte Aerosole, in der Luft zu vernachlässigen. "Wir sollten genauso viel Betonung auf Masken und Belüftung legen wie auf das Händewaschen", sagte eine beteiligte Forscherin, die Aerosol-Expertin Linsey Marr, der "New York Times". "Soweit wir das beurteilen können, ist das genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger."

Studien ließen kaum Zweifel daran, so schreiben die Wissenschaftler weiter, dass Sars-CoV-2 sich genauso wie bereits erforschte verwandte Viren durch Atmen und Sprechen in winzigsten Tröpfchen in der Luft verteile. Besonders volle, unzureichend durchlüftete Räume, in denen Menschen sich lange aufhalten, seien demnach ein Risiko. Die Übertragung über Aerosole sei die einzige Erklärung für mehrere Ausbrüche, bei denen einzelne Infizierte viele Menschen ansteckten - teils trotz Einhaltung der Hygieneregeln, die die Ansteckung durch größere Tröpfchen oder im direkten Kontakt verhindern sollten.

Mundschutz allein reiche nicht aus! Was schützt vor Aerosolen?

Händewaschen und Abstand halten reiche demnach nicht aus. Auch "Masken schützen nicht immer ausreichend vor Aerosolen", sagt Virologe Professor Jonas Schmidt-Chanasit gegenüber der "Bild". Experten empfehlen deshalb, neben der Vermeidung von hoher Menschendichte, etwa in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Arbeitsplätzen oder Krankenhäusern, vor allem auf Durchlüftung mit frischer Außenluft zu achten. Auch hocheffiziente Luftfilter oder UV-Lampen, die Erreger abtöten, sollten genutzt werden.

Die WHO sei aufgeschlossen gegenüber neuen Datenlagen in diesem Feld, müsse aber sehr behutsam vorgehen, bevor sie Schlüsse ziehe, sagte die WHO-Expertin Benedetta Allegranzi auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Genf. Es gebe nichts zu rütteln an den bestehenden Empfehlungen, die Abstand vorsehen sowie das Tragen vonMasken, wenn dieser nicht einzuhalten sei.

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bua/fka/news.de/dpa

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