21.06.2020, 10.48 Uhr

Corona-Fälle in Fleischfabrik, NRW: "Gesundheitsrisiko"! Hat Tönnies Mitarbeiter in Gefahr gebracht?

Nach dem sich mehr als 1.000 Menschen mit dem Coronavirus in der Fleischfabrik von Tönnies angesteckt haben, werden die schrecklichen Arbeits- und Lebensbedingungen sichtbar. Ein Experte und Mitarbeiter sehen sich sogar einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt.

Tönnies-Mitarbeiter isoliert: In Verl wurden Wohngebiete unter Quarantäne gestellt. Bild: picture alliance/David Inderlied/dpa

Die Corona-Infektionswelle in der Tönnies-Fleischfabrik hat in den letzten Tagen hohe Wellen geschlagen. Es war in den Medien die Rede von einem Fleisch-Boykott, den die Grünen forderten. Vor allem die Arbeitsbedingungen und die Situation der, zumeist aus Rumänien stammenden Mitarbeiter, schockiert aktuell. Jetzt haben sie sogar Angst um ihr Leben.

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Nach positiven Corona-Tests bei zahlreichen Tönnies-Mitarbeitern hat die Stadt Verl (Landkreis Gütersloh) im Stadtteil Sürenheide eine Quarantänezone eingerichtet. Mehrere Mehrfamilienhäuser, in denen Werkvertragsarbeiter der Firma Tönnies untergebracht sind, wurden unter Quarantäne gestellt. Am Nachmittag wurde der gesamte Bereich abgeriegelt, wie die Stadt - auch wenn sie nicht zu den Tönnies-Beschäftigten gehören am Samstag mitteilte. In den betroffenen Häusern leben in drei Straßenzügen insgesamt knapp 670 Menschen.

"Uns ist bewusst, dass wir mit der generellen Quarantäne tief in das Leben der dort lebenden Menschen eingreifen, auch wenn sie ganz woanders arbeiten und außer der Nachbarschaft keine Berührungspunkte mit der Firma Tönnies haben", erklärte Bürgermeister Michael Esken. "Aber wir müssen alles tun, um die weitere Verbreitung des Virus so weit wie möglich zu reduzieren. Dazu ist die strikte Einhaltung der Quarantäne unerlässlich", betonte er. Auch in anderen Städten wurden Zäune errichtet und die Mitarbeiter eingeschlossen, um eine Verbreitung zu stoppen. Aus Angst sich weiter anzustecken, sollen einige Rumänen in ihre Heimat geflüchtet sein.

Infektionsherd schon länger in Fleischfabrik aktiv

Wie Medien in den letzten Tagen berichteten, sei schwelte die Infektion schon lange in dem Betrieb in Rheda-Wiedenbrück. Die Menschen lebten auf engsten Raum in Massenunterkünften, arbeiteten Schulter an Schulter am Fließband und saßen dicht aneinander gedrängt mittags in der Kantine, wie ein Video vom 8. April im SWR zeigte. Dieses Datum fällt genau in den Corona-Lockdown hinein. Das zeigt: Das Unternehmen hat sich nicht an die geltenden Regeln gehalten. Damit hätte Tönnies seine Mitarbeiter einem "Gesundheitsrisiko" ausgesetzt, meint Matthias Brümmer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Oldenburg, im Interview mit dem "Spiegel". Deshalb fordern viele Experten und Politiker eine Kehrtwende hin zu besseren Arbeitsbedingungen, Unterkünften und gerechter Bezahlung.

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Tönnies-Mitarbeiter schildern schlimme Bedingungen

Auch die Mitarbeiter berichten jetzt über die Annahmen in "Bild". "Wir leben in speziellen Unterkünften. In meinem Zimmer sind wir zu dritt. In den anderen Zimmern sind Arbeiter, die positiv auf Corona getestet wurden. Wir alle hausen seit Monaten zusammen. Und man hat uns gesagt, dass das auch so bleiben soll", schilderte ein Rumäne die unglaubliche Situation. Andere haben nun Angst", wie sie den "Bild"-Reportern erzählten.

"Niemand hat uns geholfen", sagte eine Rumänin. Dabei kündigte Tönnies-Chef noch vorher an: "Ich werde dieses Unternehmen aus dieser Krise führen. Ich mach mich nicht aus dem Staub und lasse die Mitarbeiter im Stich." Das sehen die Mitarbeiter leider anders.

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bos/news.de/dpa

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