25.06.2020, 07.28 Uhr

Coronavirus-Ausbruch in NRW: Nach Tönnies-Skandal! Wer haftet für die Schäden?

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies zieht die NRW-Regierung die Notbremse. In zwei Kreisen wird das öffentliche Leben heruntergefahren. Der Fall löst grundsätzliche Kritik am Agieren der Schlachtbetriebe aus.

Coronavirus-Ausbruch in Tönnies-Fleischfabrik Rheda-Wiedenbrück in NRW. Bild: dpa

In dem vom massenhaften Corona-Ausbruch in Deutschlands größter Fleischfabrik besonders betroffenen Landkreis Gütersloh gehen die Tests am Montag weiter. Erneut sollen mobile Teams in den Städten und Gemeinden Abstriche bei Haushaltsangehörigen von Tönnies-Mitarbeitern machen und ihnen Unterstützung anbieten. Nachdem am Sonntag 32 solcher Teams im Einsatz waren, soll deren Zahl am Montag aufgestockt werden, sagte eine Sprecherin des Kreises.

Nachdem die Reihentests auf dem Gelände der Firma am Wochenende abgeschlossen wurden, werden am Montag die restlichen Befunde erwartet. Bei insgesamt 6.139 Beschäftigten wurden Proben genommen. 240 Ergebnisse standen am Sonntag noch aus. 1.331 Infizierte wurden bislang registriert. In den vier Krankenhäusern im Landkreis wurden am Sonntag 21 Covid-19-Patienten stationär behandelt. Sechs Personen lagen auf der Intensivstation, zwei von ihnen müssen beatmet werden. Fünf der sechs sind nach Angaben des Kreises Tönnies-Beschäftigte.

Coronavirus-News aktuell! Massenausbruch in Tönnies Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück, NRW im News-Ticker

Alle aktuellen Informationen und Entwicklungen um den Massenausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik finden Sie hier im News-Ticker.

+++ 24.06.2020: Spahn: Nicht zuerst über Haftung bei Corona-Ausbrüchen reden +++

In der Diskussion über eine mögliche Haftung von Unternehmen für Folgekosten von Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zurückhaltend geäußert. "Das sind ja grundsätzliche juristische Fragen auch bei anderen Ausbrüchen», sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in einem Interview von "RTL Aktuell". "Was mir sehr wichtig ist: Dass wir nicht zuerst über Haftung reden." Ihm sei wichtig, dass alle sich schnell melden, wenn sie infiziert sind oder es Infektionen im Betrieb gebe. "Wenn die erste Frage die nach der Haftung ist, befördert das nicht unbedingt die Bereitschaft, sich zu melden."

Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Nordrhein-Westfalen hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eine mögliche Haftung für Schäden auch im Umkreis ins Gespräch gebracht. "Ich glaube, dass wir prüfen müssen, welche zivilrechtlichen Haftungsmöglichkeiten es gibt in diesem Bereich», sagte Heil am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Es entstünden erhebliche Kosten für die gesundheitliche Behandlung der Menschen, "aber auch für das, was da in der Region los ist". "Ich erwarte von diesem Unternehmen, dass alles getan wird, um den Schaden zu begrenzen, um tatsächlich auch einzustehen für das, was da angerichtet wurde", sagte Heil.

Spahn sagte unter Verweis auf Ausbrüche in Gütersloh, Göttingen und Berlin, man sehe: "Dort wo man es dem Virus zu leicht macht, wo einige sorglos sind, wo Abstände, Hygiene nicht eingehalten wird, da verbreitet sich das Virus wieder ziemlich schnell." Es sei wichtig, "dass wir uns das alle bewusst machen: Auch im Sommer, das Virus ist noch da".

+++ 23.06.2020:Corona bei Tönnies: NRW beschließt Lockdown für zwei Kreise +++

 

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die NRW-Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh und auch im Nachbarkreis Warendorf massiv ein. Im öffentlichen Raum dürfen sich die Bewohner eine Woche lang nur noch mit Personen des eigenen Hausstands bewegen oder zu zweit.

Außerdem werden Museen, Kinos, Fitnessstudios, Hallenschwimmbäder und Bars geschlossen, wie NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag mitteilte. Der Kreis Warendorf werde von Donnerstag an zudem alle Schulen und Kitas schließen - in Gütersloh sind sie bereits zu.

Grund für den Schritt ist der Corona-Massenausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies. Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im westfälischen Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh hatten sich mehr als 1.550 Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Viele von ihnen leben im Nachbarkreis Warendorf - deshalb war auch dort am Dienstag ein wichtiger Schwellenwert für Neuinfektionen überschritten worden.

Wenige Stunden zuvor hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) noch angekündigt, die Einschränkungen für den Kreis Warendorf würden "nicht flächendeckend" sein, sondern nur für Orte gelten, die an den Kreis Gütersloh grenzen. Auch Warendorfs Landrat Olaf Gericke (CDU) hatte noch am Morgen betont, ein Lockdown im Kreis sei nicht nötig.

Der Lockdown gilt zunächst für eine Woche. Bis zum 30. Juni erwartet die Landesregierung Klarheit, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet hat.

Laumann bat die betroffenen Bewohner der Kreise um Verständnis. "Ohne die Maßnahmen wären die Belastungen am Ende womöglich um ein Vielfaches höher - in den Kreisen Gütersloh und Warendorf, in den benachbarten Kreisen und Städten sowie in den anderen Teilen unseres Landes", sagte er.

+++ 23.06.2020: Tönnies will Werkverträge in "Kernbereichen" abschaffen

 

Der größte deutsche Schlachtbetrieb Tönnies will die Werkverträge "in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung" bis Ende 2020 abschaffen. Die Mitarbeiter sollen in der Tönnies-Unternehmensgruppe eingestellt werden, wie das Unternehmen am Dienstag in Rheda-Wiedenbrück mitteilte. Außerdem solle für die Arbeiter eine digitale Zeiterfassung an allen deutschen Standorten eingeführt werden.

Tönnies reagierte damit auf die Kritik an dem System, mit Werkverträgen die Lohnkosten zu drücken. Nach einem Corona-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück hat das Land Nordrhein-Westfalen am Dienstag das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh stark eingeschränkt.

Das Bundeskabinett hatte als Konsequenz aus früheren Corona-Ausbrüchen in der Branche Ende Mai beschlossen, Werkverträge weitgehend zu verbieten - also dass die Ausführung von Arbeiten bei Subunternehmern eingekauft wird. Das Schlachten und Verarbeiten von Fleisch soll ab 1. Januar 2021 nur noch mit Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein.

Tönnies will nach eigenen Angaben zudem ausreichenden und angemessenen Wohnraum für die Beschäftigten der Unternehmensgruppe an den Standorten schaffen. Auch dieser Punkt soll möglichst bis zum 1. Januar 2021 umgesetzt werden.

"Wir wollen auch in Zukunft in Deutschland Fleisch produzieren. Dafür brauchen wir die gesellschaftliche Akzeptanz", sagt Clemens Tönnies als Mitinhaber. "Dies gilt über alle Ketten der Fleischproduktion und schließt ausdrücklich die Landwirtschaft mit ein."

Der Tönnies-Konkurrent Westfleisch hatte am Dienstag ebenso angekündigt, bis Ende des Jahres alle Mitarbeiter selbst einzustellen und auf Werkvertragsanbieter zu verzichten.

+++ 23.06.2020: Menschen im Kreis Gütersloh entsetzt von erneutem Lockdown +++

Nachdem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstagmorgen einen regionalen Lockdown für den Kreis Gütersloh verkündet hat, herrschen bei den Menschen vor Ort Entsetzen und Wut. "Wir hatten schon so viel Ärger durch den ersten Lockdown und jetzt soll das Ganze von vorne losgehen", sagte Kai Drees aus Steinhagen im Kreis Gütersloh der Deutschen Presse-Agentur. Der Gütersloher Pfarrer Stefan Salzmann sprach von viel Unmut in der Bevölkerung: "Ich nehme viel Hilflosigkeit und Unzufriedenheit wahr". Es gebe auch "eine große Wut, dass dieses System Tönnies so lange hat weitergehen können", so der evangelische Pfarrer. Seine Gemeinde sei besorgt, weil es in Teilen der Bevölkerung schon eine erhitzte Stimmung gegen die Werksarbeiter gebe.

Anwalt Drees sorgt sich auch um seinen Sommerurlaub: "Wir haben schon im Frühjahr den Urlaub umbuchen müssen, weil wir eigentlich fliegen wollten", so der 52-Jährige. "Jetzt soll es mit dem Auto nach Norderney gehen, aber wir haben von Leuten gehört, die nicht mehr dorthin fahren durften, weil sie aus dem Kreis Gütersloh kommen." Das verunsichere seine Familie und ihn.

Grund für den zunächst bis zum 30. Juni geltenden Lockdown ist der Corona-Massenausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies. Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück hatten sich mehr als 1550 Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert.

Ab diesem Mittwoch sollen im Kreis unter anderem wieder Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen verboten werden. Fitnessstudios werden ebenso geschlossen wie Kinos und Bars. Zudem gelten wieder die Kontaktbeschränkungen wie im März. Schulen und Kitas waren bereits geschlossen worden.

+++ 23.06.2020: RKI-Präsident: Mehrere Gründe für Corona-Ausbrüche in Fleischindustrie +++

Warum es besonders in der Fleischindustrie vermehrt hohe Zahlen von Corona-Infizierten gibt, kann der Präsident des Robert Koch-Instituts derzeit noch nicht sagen. Lothar Wieler verwies bei einer Pressekonferenz des RKI am Dienstag in Berlin zum einen auf die Wohnsituation der Arbeiter in der Fleischindustrie, aber auch auf die niedrigen Temperaturen in den Schlachthöfen.

"Wir gehen davon aus, dass es "sowohl... als auch" ist", sagte Wieler. In engen Wohnungen habe es das Virus einfacher, dass sei einer der Grundregeln, sagte der RKI-Präsident. Niedrige Temperaturen, um das Fleisch zu kühlen, könnten bei der Übertragung des Corona-Virus ebenso eine Rolle spielen, wie Aerosole, bei der über die Luft Stoffe übertragen werden.

In Deutschlands größtem Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind mehr als 1500 Arbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Als Folge hat das Land Nordrhein-Westfalen am Dienstag weitere Einschränkungen für den Kreis Gütersloh angekündigt. Nach Angaben der Landesregierung liegt das Zentrum der Ausbreitung mit den meisten Infizierten in der Fleischzerteilung.

+++ 23.06.2020: Laschet: Kein Ausreiseverbot aus Kreis Gütersloh +++

Für die Bewohner des Kreises Gütersloh gilt kein Ausreiseverbot aus dem Kreisgebiet. Das hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag betont. "Wir haben keine Ausreiseverbote erteilt", sagte Laschet. Das verhängte Kontaktverbot und die Lockdown-Maßnahmen "gelten immer bezogen auf den Kreis". Es würden damit die gleichen Regeln gelten, wie während der bundesweiten Kontaktverbote im März. Laschet appellierte aber an die Einwohner in Gütersloh, "jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren". Die für den Kreis Gütersloh verhängten Maßnahmen gelten zunächst bis zum 30. Juni.

Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) dem Branchenriesen mangelnde Kooperationsbereitschaft vorgeworfen. Daher hätten die Behörden die Herausgabe von Daten der Werkarbeiter von Tönnies durchgesetzt. "Da wurde nicht mehr kooperiert, da wurde verfügt", sagte Laschet am Dienstag in Düsseldorf. Die Kooperationsbereitschaft bei Tönnies "hätte größer sein können". Dass das Unternehmen den Datenschutz angeführt habe, sei kein Argument. Aus Infektionsschutzgründen wäre Tönnies gesetzlich verpflichtet gewesen, die Daten der Beschäftigten zu übermitteln, sagte Laschet.

+++ 23.06.2020: Laschet kündigt weitere Einschränkungen für Kreis Gütersloh an +++

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh nun doch massiv ein. Erstmals in Deutschland werde ein Kreis wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen gegolten hätten, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag in Düsseldorf. Im Kreis Gütersloh handele es sich um das bisher "größte Infektionsgeschehen" in NRW und in Deutschland.

+++ 23.06.2020: Fall Tönnies: Muss die Firma auch finanziell geradestehen? +++

Nach dem großen Corona-Ausbruch beim Branchenriesen Tönnies geraten das Unternehmen und die ganze Schlachtindustrie immer stärker unter Druck. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) brachte am Montag angesichts der Masseninfektionen im Fleischwerk von Tönnies in Westfalen eine mögliche Haftung für Schäden auch im Umkreis ins Gespräch. Regierungssprecher Steffen Seibert bekräftigte, Gesetzesverschärfungen für bessere Arbeitsbedingungen ab Anfang 2021 würden "mit Dringlichkeit" vorangetrieben. Die zuständigen Länder und der Zoll seien auch schon jetzt gefordert, stärker zu kontrollieren.

Heil sagte in der ARD mit Blick auf den Fall Tönnies: "Ich glaube, dass wir prüfen müssen, welche zivilrechtlichen Haftungsmöglichkeiten es gibt in diesem Bereich." Es entstünden erhebliche Kosten für Gesundheitsbehandlungen, "aber auch für das, was da in der Region los ist". Er erwarte von dem Unternehmen, "dass alles getan wird, um den Schaden zu begrenzen, um tatsächlich auch einzustehen für das, was da angerichtet wurde." Tönnies hatte am Sonntag in Aussicht gestellt, die Kosten flächendeckender Tests im Kreis Gütersloh zu übernehmen.

+++ 23.06.2020: Landrat von Kreis Gütersloh hält regionalen Lockdown für vorstellbar +++

Nach dem massenhaften Corona-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück hält jetzt auch Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) einen Lockdown in der Region für vorstellbar. "Ich würde sagen ja", sagte Adenauer am Montagabend auf die Frage, ob es nach einem Lockdown "rieche". Die mobilen Teams, die in den Wohnungen und den Unterkünften unterwegs seien und auch Familienangehörige ansprächen, stießen jetzt in ein gewisses Dunkelfeld. "Insofern ist das für mich schon eine neue Situation", erklärte Adenauer. Die mobilen Teams hätten einige positive Fälle bei ihrem Einsatz gefunden. Eine Zahl wollte der Landrat aber zunächst noch nicht nennen, da zunächst ausgeschlossen werden solle, dass es doppelte Zählungen gebe.

+++ 22.06.2020: Ursachenermittlung dauert an! Wie konnte es zur Massen-Infektion bei Tönnies kommen? +++

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte der "Rheinischen Post" (Montag): "Jetzt gilt es, jeden regionalen Ausbruch umgehend einzudämmen und die Infektionsketten zu unterbrechen."Deswegen müsse die für die Tönnies-Beschäftigten angeordnete Quarantäne dringend durchgesetzt werden. "Nur mit entschlossenem Handeln vor Ort in Ostwestfalen kann ein Übergreifen auf ganz Deutschland verhindert werden", mahnte Spahn. Es sei gut, dass die Landesregierung dem Geschehen höchste Priorität einräume.

Der Vorsitzende der NRW-SPD, Sebastian Hartmann, kritisierte hingegen Firmenleitung und Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) scharf. "Das Tönnies-Desaster ist ein Versagen an verschiedenen Stellen", sagte Hartmann dem "Handelsblatt" (Montag). "Firmenchef Tönnies und Regierungschef Laschet standen beide in der Verantwortung. Beide haben gar nicht oder zu spät gehandelt."

Die Ursachenermittlung dauert unterdessen an. In dem geschlossenen Werk haben dazu am Wochenende erste Untersuchungen begonnen. Am Samstag habe eine detaillierte technische Kontrolle durch den Arbeitsschutz der Bezirksregierung Detmold, das Gesundheitsamt im Kreis Gütersloh und die Uniklinik Bonn stattgefunden, teilte das Unternehmen mit. An der Ursachenforschung ist laut Laschet unter anderem der Bonner Hygiene-Experte Martin Exner beteiligt. Auch Experten des Robert-Koch-Instituts seien in Gütersloh, um zu untersuchen, "was war der Grund, dass es zu diesen Infektionen kommen konnte".

Bislang haben die Behörden auf einen Lockdown im Kreis Gütersloh verzichtet. Laschet hatte am Sonntag argumentiert, das Infektionsgeschehen sei klar bei der Firma Tönnies lokalisierbar, und es gebe keinen "signifikanten Übersprung" hinein in die Bevölkerung.

+++ 21.06.: Corona-Ausbruch bei Tönnies - jetzt 1331 Infizierte bekannt +++

Die Zahl der Corona-Infizierten in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück ist auf 1.331 gestiegen. Dies teilte der Kreis Gütersloh am Sonntag mit. Die Reihentestungen auf dem Gelände der Firma seien am Samstag abgeschlossen worden, hieß es. Insgesamt 6.139 Tests seien gemacht worden, 5.899 Befunde lägen bereits vor.

Bei 4.568 Beschäftigten konnte demnach das Virus nicht nachgewiesen werden. "Bei den Testungen zeigte sich, dass die Zahl der positiven Befunde außerhalb der Zerlegung deutlich niedriger sind als in diesem Betriebsteil", hieß es weiter.

In den vier Krankenhäusern im Landkreis werden derzeit 21 Covid-19-Patienten stationär behandelt. Davon liegen 6 Personen auf der Intensivstation, zwei von ihnen müssen beatmet werden. Fünf der sechs sind nach Angaben des Kreises Tönnies-Beschäftigte.

Der Kreis teilte weiter mit, dass bei den Reihentestungen im Mai bei der Firma Tönnies deutlich mehr Testungen gemacht wurden. "Das liegt daran, dass die Zahl der Beschäftigten gesunken ist. Eine Reihe von Mitarbeitern ist ganz offensichtlich in die Heimat zurückgekehrt, unter anderem Personen, die negativ getestet worden sind und die die sich abzeichnende Quarantäne hier vermeiden wollten."

Am Sonntag seien 32 mobile Teams in den Städten und Gemeinden des Kreises unterwegs gewesen, um Personen in ihren Unterkünften zu beraten und ihnen Unterstützung anzubieten. "Dabei wird auch kontrolliert, wie aktuell die Adresslisten sind, die sich der Kreis Gütersloh in der Nacht zu Samstag beschafft hat."

+++ 20.06.: Clemens Tönnies weist Vorwürfe des Landkreises zurück +++

Unternehmer Clemens Tönnies hat die Vorwürfe des Landkreises Gütersloh zurückgewiesen, bei der Beschaffung der Wohnadressen von Mitarbeitern unkooperativ gewesen zu sein. "Wir haben datenschutzrechtliche Probleme", sagte Tönnies am Samstag bei einer Pressekonferenz in Rheda-Wiedenbrück. Laut Werkvertragsrecht dürfe das Unternehmen die Adressen der betreffenden Arbeiter nicht speichern. Co-Konzernchef Andreas Ruff fügte hinzu: "Wir haben alle Daten, die wir hatten, sofort an die Behörden weiter gegeben."

Clemens Tönnies wolle nun alles tun, um den Ausbruch einzudämmen. "Ich stehe in der Verantwortung", so der 64-Jährige weiter. "So werden wir nicht weitermachen. Wir werden diese Branche verändern." Das Statement der Tönnies-Führung folgte auf eine Pressekonferenz des Kreises am Samstag.

+++ 20.06.: Clemens Tönnies: "Werde dieses Unternehmen aus dieser Krise führen" +++

Clemens Tönnies hat Rücktritts-Spekulationen nach dem massiven Corona-Ausbruch in einem seiner Schlachthöfe zurückgewiesen. "Ich werde dieses Unternehmen aus dieser Krise führen", sagte der 64-Jährige am Samstag bei einer Pressekonferenz in Rheda-Wiedenbrück. Er ergänzte: "Und dann sehen wir weiter. Ich mach' mich nicht aus dem Staub."

Im seit Jahren geführten Streit um Deutschlands größten Schlachtbetrieb hatte zuvor Robert Tönnies seinen Onkel Clemens in einem persönlich Brief vom 19. Juni aufgefordert, den Weg frei zu machen. Dessen Sohn Max Tönnies solle die Arbeit in der Geschäftsführung übernehmen. Außerdem forderte Robert die Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung.

+++ 20.06.: Kreis Gütersloh: Vertrauen in die Firma Tönnies "gleich Null" +++

Das Verhältnis zwischen dem Kreis Gütersloh und der Firma Tönnies ist offenkundig zerrüttet. "Das Vertrauen, das wir in die Firma Tönnies setzen, ist gleich Null. Das muss ich so deutlich sagen", sagte der Leiter des Krisenstabes, Thomas Kuhlbusch, am Samstag. Der Fachbereichsleiter Gesundheit beim Kreis berichtete, dass Tönnies bis Freitag Listen der Beschäftigten geliefert habe, in denen bei 30 Prozent die Adressen gefehlt hätten. Bei Anfragen habe die Firma immer zögerlich reagiert.Am Samstag wurde der Betrieb für 14 Tage geschlossen, zu diesem Zeitpunkt waren 1.029 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden.

+++ 20.06.: Landrat: Bislang 1.029 Tönnies-Mitarbeiter positiv auf Corona getestet +++

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies sind mittlerweile 1.029 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden. Dies teilte der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer, am Samstag in Gütersloh mit. Insgesamt 3.127 Befunde lägen mittlerweile vor. Adenauer betonte: "Wir haben keinen signifikanten Eintrag von Corona-Fällen in die allgemeine Bevölkerung." Die Corona-Reihenuntersuchungen auf dem Gelände der Fleischfabrik im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück wurden am Samstag fortgesetzt. Seit Freitag unterstützen Bundeswehrsoldaten die Maßnahmen.

Mehrere Kleinbusse mit ausländischen Kennzeichen brachten am Vormittag zumeist Männer zum Werk. Nicht alle trugen dabei Schutzmasken, berichtete eine dpa-Reporterin. Auch Fahrzeuge der Uniklinik Bonn und der Bezirksregierung Detmold kamen zum Schlachtereibetrieb. Mitarbeitende trugen Masken und Kühlboxen auf das Gelände. Auch Einsatzkräfte der Polizei waren vor Ort.

Der Kreis hatte am Freitag verfügt, dass alle rund 6.500 Tönnies-Mitarbeiter am Standort Rheda-Wiedenbrück mitsamt allen Haushaltsangehörigen in Quarantäne müssen. Das betreffe auch die Verwaltung, das Management und die Konzernspitze, teilte der Kreis Gütersloh am Freitagabend mit. Für einige Mitarbeiter galt allerdings eine sogenannte Arbeitsquarantäne. Das heißt, dass sie sich zwischen Arbeits- und Wohnort bewegen dürfen - ausschließlich. Das gilt nach Angaben eines Konzernsprechers auch für den Gesellschafter Clemens Tönnies.

Das Land will die Quarantäneanordnung für die Mitarbeiter konsequent durchsetzen. Es werde dazu alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitagabend in Düsseldorf gesagt. "Wir müssen sicherstellen, dass in dieser Situation jeder sich an die Regeln hält." Einen Corona-Ausbruch habe es "in dieser Größe" in NRW bisher nicht gegeben.

+++ 20.06: SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach: Tönnies-Fleischfabrik schließen +++

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies gefordert, die Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück sofort zu schließen. Er halte es für "nicht vertretbar", dass überhaupt noch in dem Werk gearbeitet werde, sagte Lauterbach am Samstag im WDR-Fernsehen.

Die Quelle der Infektionen sei noch nicht entdeckt. "Wir wissen nicht, ist das in der Kantine passiert, auf dem Weg dorthin, in der Verarbeitung selbst, ist es die Lüftung? Das heißt, da könnten sich jetzt auch weiterhin Leute infizieren. Ich würde unter diesen Umständen den Betrieb dicht machen." Er wisse, dass das Fleisch dann nicht mehr zu verarbeiten sei. "Dann ist das so."

Der Kreis Gütersloh hatte am Freitag bekannt gegeben, dass nach der Schließung des Schlachthofs und anderer Betriebsteile die Zerlegebetriebe und der Versand erst am Samstagabend geschlossen werden sollten. Der Kreis hatte dem Unternehmen in den Produktionsbereichen eine sogenannte Arbeitsquarantäne gestattet, um die zuletzt geschlachteten Tiere noch zu Lebensmitteln verarbeiten zu können.

Ab Samstag sei dem Unternehmen nur noch in eng begrenzten Bereichen wie Personalverwaltung, Unternehmensführung oder Technik eine Arbeitsquarantäne erlaubt, hieß es in einer Mitteilung. Dies bedeute, dass die Betroffenen sich nur zu Hause, in den zugelassenen Betriebsbereichen und unter Beachtung von Hygieneauflagen auf dem direkten Weg zur Arbeit und zurück aufhalten dürfen.

+++ 19.06: Armin Laschet schließt regionalen Lockdown nicht aus +++

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schließt nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies mit Hunderten Infizierten einen regionalen Lockdown nicht mehr aus. Das Infektionsgeschehen könne noch lokalisiert werden. "Sollte sich dies ändern, kann auch ein flächendeckender Lockdown in der Region notwendig werden", sagte Laschet am Freitagabend in Düsseldorf. Er sprach von einem massiven Ausbruchsgeschehen: "Das größte, bisher nie dagewesene Infektionsgeschehen in Nordrhein-Westfalen."

+++ 19.06: Laumann will Corona-Ausbrüche in Fleischindustrie untersuchen lassen +++

Nach dem Corona-Ausbruch in einer Tönnies-Fleischfabrik mit inzwischen 730 registrierten Neuinfektionen will NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) die Branche wissenschaftlich untersuchen lassen. "Wir müssen untersuchen, wie die Corona-Ausbrüche in der Fleischindustrie entstehen", erklärte Laumann am Freitag. "Mein Ministerium wird eine wissenschaftliche Expertise auf den Weg bringen, die den Ursachen des Ausbruchs in Gütersloh epidemiologisch auf den Grund geht." Auf der Basis der Ergebnisse müssten dann "gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergriffen werden", kündigte Laumann an. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Die Fleischfabrik ist derzeit geschlossen. Ausgewertet wurden nach Informationen vom Donnerstagabend bisher 1.106 Ergebnisse eines von den Behörden angeordneten Reihentests. Im Tönnies-Stammwerk müssen in den nächsten Tagen noch rund 5.300 Mitarbeiter getestet werden.

Laumann tritt wegen der oft beengten Lebensverhältnisse der Beschäftigten für Rechtsänderungen ein. "Wir müssen auch eine Generalunternehmerhaftung haben für die Lebensverhältnisse dieser Menschen, wenn sie zum Beispiel in Sammelunterkünften leben», hatte Laumann am Donnerstag bei WDR2 gefordert. Die Schlachtindustrie habe sich eine Systematik über die Werkverträge angewöhnt, bei der man einfach sagen müsse, "dass sich die Besitzer von Schlachthöfen nicht mehr verantwortlich fühlen für große Teile der Belegschaft", verdeutlichte Laumann.

Der CDU-Politiker kritisierte, dass nach den zurückliegenden Corona-Ausbrüchen in Coesfeld und anderen Betrieben der Fleischindustrie zwar in Berlin Änderungen im Arbeitsrecht in den Fokus genommen worden seien, aber bislang Ergebnisse wohl nicht vor der parlamentarischen Sommerpause zu erwarten seien.

+++ 19.06: Experte: Kein Versorgungsengpass durch Schlachtstopp bei Tönnies +++

Die vorübergehende Schließung des größten deutschen Schlachtbetriebs von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wird nach Einschätzung von Marktbeobachtern nicht zu Versorgungsengpässen führen. "Fleisch wird in Deutschland nicht knapp, auch nicht Schweinefleisch", sagte Tim Koch von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in Bonn.

Ob der nach einem großen Corona-Ausbruch verfügte Stillstand der Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück zu höheren Preisen für Verbraucher führen werde, sei erst in einigen Wochen abzusehen, sagte Koch der Deutschen Presse-Agentur. Der Handel habe in der Regel mit den Schlachtunternehmen längerfristige Verträge zu Mengen und Preisen abgeschlossen.

In Rheda-Wiedenbrück werden nach Angaben von Tönnies pro Tag 20.000 Schweine geschlachtet und zerlegt. Die Branche habe eine Reihe von Stellschrauben, um die bei Tönnies ausfallenden Schlachtkapazitäten zumindest teilweise auszugleichen, sagte Koch. Tönnies wolle die Zahl der Schlachtungen an anderen Standorten erhöhen, auch andere Unternehmen hätten diese Möglichkeit. Die Zahl der in Deutschland geschlachteten Schweine falle schon seit einiger Zeit, die Schlachtkapazität sei aber nicht entsprechend gesunken. Auch könne der Import von Schlachtschweinen zeitweise reduziert werden, um den Druck auf die deutsche Schweinemäster zu verringern.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr 55,1 Millionen Schweine in Deutschland geschlachtet, 3,0 Prozent weniger als 2018. Davon wurden rund 3,3 Millionen Schlachtschweine aus dem Ausland importiert.

+++ 18.06: Jetzt mindestens 730 Infizierte nach Corona-Ausbruch bei Tönnies +++

Nach einem Corona-Ausbruch beim Schlachtereibetrieb Tönnies im westfälischen Rheda-Wiedenbrück gibt es jetzt 730 registrierte Neuinfektionen. Das sagte ein Sprecher des Kreises Gütersloh am Abend der Deutschen Presse-Agentur. Am Vorabend lag dieser Wert noch bei 657. Ausgewertet wurden 1.106 Ergebnisse eines von den Behörden angeordneten Reihentests, der am Donnerstag fortgesetzt wurde. Im Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück müssen in den nächsten Tagen noch rund 5.300 Mitarbeiter getestet werden.

+++ 18.06: Kreis Gütersloh bittet Bundeswehr um Hilfe bei Corona-Tests +++

Der Kreis Gütersloh hat bei der Bundeswehr um Hilfe bei einem Reihentest auf Corona-Infektionen beim Schlachtbetrieb Tönnies am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück angefragt. Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) habe um Amtshilfe gebeten, wie eine Sprecherin am Donnerstag sagte. Zuvor hatte die "Neue Westfälische" darüber berichtet. Bislang hatten das Rote Kreuz und die Malteser bei den Tests geholfen. Diese Organisationen stießen aber an ihre Grenzen. Die Bundeswehr soll ab Freitag Soldaten mit medizinischen Vorkenntnissen und andere für die Dokumentation schicken. Insgesamt sollen rund zwei Dutzend Soldaten helfen.

Nach Angaben eines Konzern-Sprechers sollen pro Tag 1.500 bis 2.000 Mitarbeiter auf das Corona-Virus getestet werden. Nach dem Start der behördlich angeordneten Reihe sind noch rund 5.300 Tests offen. Von bislang 1.050 untersuchten Mitarbeitern waren mehr als 650 Neuinfizierte (Stand Mittwochabend) entdeckt worden. Nach Konzernangaben soll dieser Durchlauf Anfang der nächsten Woche abgeschlossen sein. Der Kreis geht aber von einem längeren Zeitraum aus.

+++ 18.06: Robert Tönnies fordert Onkel zum Rücktritt aus der Geschäftsführung auf+++

Nach dem Corona-Massenausbruch in der Fleischfabrik Tönnies hat der Schlachthof-Mitgesellschafter Robert Tönnies seinen Onkel Clemens Tönnies (64), den Rest der Geschäftsführung und den Beirat um Ex-Siemens-Vorstand Siegfried Russwurm zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. Das meldete das "Manager Magazin" am Donnerstag. In dem Brief sagt er: "Aufgrund dieses unverantwortlichen Handelns und der Gefährdung des Unternehmens und der Bevölkerung fordere ich die Geschäftsleitung und die verantwortlichen Beiratsmitglieder auf, die notwendigen Konsequenzen aus ihrem Tun zu ziehen und geschlossen von Ihren Ämtern zurückzutreten. [...] Die Führung des Unternehmens muss so schnell wie möglich einem erfahrenen und verantwortungsbewussten Krisenmanagement übertragen werden."

Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe Emerging Viruses in der Abteilung für Infektionskrankheiten der Universität Genf. hält die von Tönnies aufgestellte Infektionstheorie, das sich Mitarbeiter am Wochenende bei Familienbesuchen in Osteuropa angesteckt haben sollen, für "extrem unwahrscheinlich"."Die Inkubationszeit beträgt im Mittel fünf Tage, sodass ein Wochenendbesuch kaum so eine große Anzahl an Personen erklären kann", sagte sie. Sie geht von einem bereits bestehenden Superspreading-Event aus. Darüber berichtet der "Focus".

+++ 18.06: Gewerkschaft fordert Verbot von Werksverträgen +++

Kritik äußerte auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Sie fordert ein sofortiges Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie. Dieses müsse gesetzlich verankert werden. "Diesem kranken System" müsse nun endlich ein Ende gemacht werden, sagte NGG-Vizechef Freddy Adjan den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagsausgaben).

+++ 18.06: Kritik von Politikern nach Corona-Infektion in Fleischbetrieb +++

Reaktionen von Kritikern der Fleischbranche kamen prompt: Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestsg, Anton Hofreiter, nannte die Zustände unhaltbar: "Die Gesundheit der Beschäftigten wird für die Profite der Fleischbarone aufs Spiel gesetzt." Auch für die SPD ist nach dem erneuten Ausbruch in der Fleischindustrie klar, "Geschäftsmodell und Infektionsgeschehen hängen zusammen", wie die Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Katja Mast, sagte. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag): "Das Hygienekonzept muss komplett versagt haben."

Auch Greenpeace kritisierte, Branchengrößen wie Tönnies nähmen massive Infektionsrisiken in Kauf und gefährdeten die ganze Region. "Die Politik verkennt die Dimension des Problems. Die Produktion von Billigfleisch funktioniert nur auf Kosten von Gesundheit, Tier und Umwelt", teilte die Naturschutzorganisation mit.

Der Unions-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus, der für den Wahlkreis Gütersloh I im Bundestag ist, sagte dem "Westfalen-Blatt" (Donnerstag), dass die Ursachen für das Infektionsgeschehen aufgeklärt werden müssten. "Ein "Weiter so" mit dem Versprechen, "Wir werden in Zukunft alles besser machen", kann es bei Tönnies im Interesse der Beschäftigten, aber auch aller Menschen im Kreis Gütersloh nicht geben", so der CDU-Politiker.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte am Mittwoch nach einem Treffen der Länderregierungschefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU), in dem unter anderem über das weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten wurde, man müsse "endlich über die Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Menschen reden". "Und ich finde, man muss diese Arbeits- und Lebensbedingungen endlich unterbinden, weil das haben weder die Tiere verdient, noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdient, noch wir Verbraucher."

+++ 17.06: Coronavirus-Ausbruch in Tönnies-Fleischfabrik: 657 neue Corona-Fälle in NRW +++

Am Mittwoch-Nachmittag wollten der Kreis Gütersloh und Tönnies bei einer Pressekonferenz über das Geschehen informieren. Das NRW-Gesundheitsministerium kündigte zudem an, im Gesundheitsausschuss des Landtages ausführlich zu informieren. Am Dienstag hatte das Unternehmen von 128 positiv auf das Virus getesteten Mitarbeitern gesprochen und Maßnahmen zugesagt, die Ausbreitung einzudämmen.

+++ 17.06: Corona-Masseninfektion in NRW: Infektionsherd erst später identifiziert +++

Bei einem großangelegten Corona-Reihentest durch die Gesundheitsbehörden nach einem Ausbruch in einer Fleischfabrik im Kreis Coesfeld im Mai waren bei Tönnies zunächst nur wenige Fälle festgestellt worden. Nach Unternehmensangaben wurde allerdings bei späteren Tests ein Infektionsherd identifiziert. Obwohl alle Kontaktpersonen vorsorglich in Quarantäne geschickt worden seien, habe es weitere Infektionen in dem Schweinefleisch-Zerlegebetrieb gegeben.

+++ 17.06: Tönnies-Fleischfabrik muss Produktion herunterfahren und schließen +++

Der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer, zeigte sich schockiert über den sprunghaften Anstieg: "Die Firma muss ihre Produktion runterfahren", sagte der CDU-Politiker der "Neuen Westfälischen". Am Mittwochnachmittag verfügte der Landrat Gütersloh, dass die Fabrik Rheda-Wiedenbrück (NRW) vorerst ganz schließen soll. Der zuständige Landrat Sven-Georg Adenauer geht davon aus, dass der Produktionsstopp zwischen 10 bis 14 Tagen dauern wird.Wie lange das Unternehmen wirklich schließen muss, werden die Behörden entscheiden.

Im Kreis Gütersloh werden laut "Focus Online" bis zum Ende der Sommerferien alle Schulen, Kitas und Bildungseinrichtungen geschlossen. Das soll einer weiteren Verbreitung des Coronavirus vorbeugen.

+++ 17.06: Corona-Infektionswelle bei Tönnies: 7000 Menschen müssen in Quarantäne

Nach dem Corona-Ausbruch beim Schlachtereibetrieb Tönnies stellt der Kreis Gütersloh rund 7.000 Menschen unter Quarantäne. Betroffen seien alle Personen, die auf dem Werksgelände gearbeitet hätten, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) am Mittwoch. Sie würden nun nach und nach auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet. Einen allgemeinen Lockdown für den Kreis werde es nicht geben, obwohl die wichtige Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen deutlich überschritten sei.

+++ 17.06: Mutmaßliche Gründe für Neu-Infektionen: Rückkehr von Arbeitern nach Heimaturlauben +++

Als mutmaßliche Gründe für die zahlreichen Infektionen nannte das Unternehmen die Rückkehr von Arbeitern nach Heimaturlauben. Viele der häufig aus Rumänien und Bulgarien stammenden Beschäftigten hätten die langen Wochenenden für eine Reise genutzt. Außerdem beförderten offenbar gekühlte Räume das Übertragen des Virus auf viele Personen, so Tönnies-Vertreter Gereon Schulze Althoff. "Wir können uns nur entschuldigen", sagte Tönnies-Sprecher Andre Vielstädte. Man habe "intensiv" daran gearbeitet, das Virus "aus dem Betrieb zu halten". "Dem Unternehmen zufolge ist noch nicht ganz klar, ob es einen oder mehrere Infektionsherde gebe", schreibt der "Focus".

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kündigte an, erneut in ganz NRW alle Schlachthofbelegschaften mit Werkvertragsarbeitern auf das Virus testen zu lassen, um festzustellen, ob es sich bei dem Ausbruch um eine Ausnahme handele oder nicht.

Nach einem Ausbruch im Mai in einer Fleischfabrik im Kreis Coesfeld in NRW waren bei einem großangelegten Corona-Reihentest durch die Gesundheitsbehörden bei Tönnies zunächst nur wenige Fälle festgestellt worden. Nach Unternehmensangaben war allerdings bei späteren Tests ein Infektionsherd festgestellt worden.

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fka/bua/news.de/dpa

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