08.06.2020, 09.41 Uhr

Vermisstenfall Madeleine McCann: "Extrem schwierig"! HIER droht dem Verdächtigen der Prozess

Die Mordermittlungen im Fall Maddie McCann laufen auf Hochtouren. Scotland Yard wünscht sich eine Auslieferung des Täters. Doch das deutsche Grundgesetz macht der britischen Justiz einen Strich durch die Rechnung. Der Beschuldigte darf nicht überstellt werden.

Dem Verdächtigen im Fall Maddie McCann wird nicht ausgeliefert. Bild: picture alliance/epa Lusa Luis Forra/dpa

Im Vermisstenfall von Madeleine McCann geht es voran: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen einen 43-jährigen Deutschen, der mehrfach wegen Sexualstraftaten - auch an Kindern - vorbestraft ist. Auch nach 13 Jahren ist das mediale Interesse weiterhin groß und viele Menschen - darunter die Eltern von Maddie, Kate und Gerry McCann - hoffen endlich auf Klarheit. Eine Sache steht jetzt schon fest: Wenn der Beschuldigte tatsächlich mit dem Verschwinden der damals Dreijährigen in Verbindung stehen sollte, dann droht ihm keine Haftstrafe in einem britischen Gefängnis.

Maddie McCann: Christian B. wird nicht ausgeliefert

Der vorbestrafte Kinderschänder, Christian B., müsste im Falle einer Verurteilung, nicht mit einer Auslieferung rechnen. Denn seit dem Brexit, am 31. Januar 2020, haben ausländische Bürger einen Schutzstatus. Sie können nicht mehr überstellt werden. Im Artikel 16, des Grundgesetzes steht dazu geschrieben: "Kein Deutscher darf an das Ausland ausgeliefert werden. Durch Gesetz kann eine abweichende Regelung für Auslieferungen an einen Mitgliedstaat der Europäischen Union oder an einen internationalen Gerichtshof getroffen werden, soweit rechtsstaatliche Grundsätze gewahrt sind."

Wenn sich der Tatverdacht gegen den vorbestraften Christian B. erhärt, könnte ihm in Deutschland ein Prozess drohen. Das bezieht sich nicht auf die Ermittlungen. Diese können unabhängig von dieser juristischen Regelung in verschiedenen Ländern durchgeführt werden, sagten Juristen gegenüber "Bild".

Vermisstenfall Madeleine McCann: Auslieferung "extrem schwierig"

Trotzdem gibt es eine Möglichkeit, dass Christian B. doch noch ausgeliefert wird. So kann Portugal einen europäischen Haftbefehl stellen, wodurch deutsche Staatsangehörige überstellt werden. Das erweist sich aber eher als "extrem schwierig", meint Scotland Yard zum "Old Bailey", wie das britische Gesetz langjährige Straffälle wie den Fall von Maddie bezeichnet. Denn nur britische Staatsbürger können ohne Komplikationen ausgeliefert werden.

Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht einem Täter in Deutschland eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Diese kann aber nach 15 Jahren in eine Bewährungsstrafe umgewandelt werden. In Großbritannien müsste ein verurteilter Straftäter lebenslang im Knast sitzen, in Portugal wären es nur 25 Jahre.

13 Jahre auf der Suche nach Maddie McCann

Die damals dreijährige Madeleine "Maddie" McCann aus Großbritannien war am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz kurz vor ihrem vierten Geburtstag verschwunden. 13 Jahre lang wurde nach dem Entführer des Mädchens gesucht. Ob Christian B. wirklich Maddie McCann entführt hat, werden die Ermittlungen zeigen.

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bos/bua/news.de/dpa

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