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Coronavirus-News aktuell : Kekulé attackiert Drosten! Virologe hätte Kinder-Studie zurückziehen müssen

Erst die "Bild"-Zeitung und nun ein anderer Virologe: Alexander Kekulé fordert, dass Drosten seine Corona-Studie zur Virus-Last in Kindern zurückziehen müsse. Doch der Charité-Wissenschaftler feuert eiskalt zurück.

Nach dem Zoff mit der "Bild" legt nun auch Virologe  Alexander Kekulé nach und feuert gegen Christian Drosten. Bild: news.de-Fotomontage (dpa; dpa)

Erst feuert die "Bild"-Zeitung gegen den Virologen Christian Drosten und seine Corona-Studie zur Virus-Last in Kindern, nun legt ausgerechnet ein Kollege nach. "Warum Drosten und sein Team ihre Arbeit hätten zurückziehen müssen" titelte Virologe Alexander Kekulé einen Gastbeitrag im "Tagesspiegel" und kritisierte die Studie der Charité-Wissenschaftler damit scharf.

Neue Attacke auf Christian Drosten! Kekulé kritisiert Corona-Studie scharf

Kekulé behauptet, dass der Studie die wissenschaftliche Grundlage fehle. Dabei bedient er sich bei dem Statistiker Leonard Held, der methodische Fehler der Drosten-Arbeit aufzeigte. Die Probenmengen seien nicht vergleichbar, meint Kekulé. So würden sich nicht nur die abgenommenen Mengen deutlich unterscheiden, sondern die Proben seien auch in unterschiedlichen Stadien der Krankheit genommen worden. Außerdem sei die Stichprobe sehr klein. Nur testete man für die Charité-Studie nur 49 unter Elfjährige. Abschließend bemängelt Kekulé, dass ein nicht gefundener Unterschied in der Virus-Last kein Beweis dafür sei, dass es keinen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen gebe. Drosten hätte die Studie zurückziehen müssen, fordert Kekulé.

Zoff um Corona-Studie: "Kekulé macht Stimmung. Seine Darstellung ist tendenziös"

Die Reaktion des Charité-Virologen lässt nicht lange auf sich warten. Auf Twitter macht Drosten seinem Unmut Luft. "Kekulé macht Stimmung. Seine Darstellung ist tendenziös. Er kennt unsere Daten nicht und zitiert falsch. Kekulé selbst könnte man nicht kritisieren, dazu müsste er erstmal etwas publizieren", heißt es dort in einem Tweet. "Der von Kekulé bemühte Leonhard Held sagt selbst über seine statistische Nachanalyse unserer Studie, dass diese nicht konklusiv ist. Kekulé ist das egal, er feuert trotzdem. Danke dafür. Wir werden ein Update unserer Daten und Statistik liefern.""Wenn jetzt die Wissenschaftler öffentlich aufeinander einprügeln, gewinnt am Ende die Bild", heißt es in einem Kommentar zum Drosten-Tweet.

Sie können den Tweet von Christian Drosten nicht sehen? Dann hier entlang.

Coronavirus-News aktuell:Die Rolle der Kinder bei der Übertragung des Virus

Doch wie bedeutsam sind Kinder als Überträger des Coronavirus nun wirklich? Wie schnell stecken sie sich an? Trotz Drosten-Studie ist die Datenlage dazu weiterhin relativ dünn. Aktuell steht die Behauptung im Raum, dass Kinder keine wesentlichen Treiber der Corona-Verbreitung sind. Doch das lässt sich mit den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissennicht abschließendbeurteilen.

"Das Kinderthema ist einfach im Moment ein offener Bereich, wo uns Daten fehlen und wo die wenigen und zum Teil wenig soliden Daten, die vorhanden sind, von unterschiedlichen Wissenschaftlern leicht unterschiedlich interpretiert werden", beschrieb Christian Drosten,Chef-Virologe der Berliner Charité, vor rund zwei Wochen die Lage im Corona-Podcast des NDR.

Drosten weist selbst auf mögliche Schwächen der Studie hin

Bereits Ende April hatte Drostens Team eine erste Auswertung von Daten zur Virusmenge nach Alter veröffentlicht. Die Wissenschaftler hatten in Proben von 3.712 Infizierten die Menge an Sars-CoV-2-Viren bestimmt. Das Ergebnis: Im Wesentlichen gebe es keine nachweisbaren Unterschiede in der Viruslast der verschiedenen Altersgruppen. Bei der Beurteilung der Ansteckungsgefahr für Kinder müssten die gleichen Annahmen wie für Erwachsene zugrunde gelegt werden, so die Forscher. 

Allerdings wies Drosten im Podcast vom 30. April bereits auf mögliche Schwächen der Studie hin: "Das ist sicherlich nicht die normale Art von Studie, die man machen würde, um die Frage nach der Übertragung von und durch Kinder zu beantworten." Sie könne nur indirekte Hinweise geben. Untersuchungen zu Übertragungen von und durch Kinder direkt etwa in Schulen oder Kitas seien zu der Zeit wegen der Schließungen gar nicht möglich gewesen. Auch hätte die Zahl einbezogener Kinder noch größer sein können, so der Virologe.

Andere wissenschaftliche Studien zur Virus-Last in Kindern

Mehrere andere Wissenschaftler haben inzwischen Anmerkungen zu der Studie veröffentlicht. Der Epidemiologe Leonhard Held von der Uni Zürich weist in einem Aufsatz unter anderem ebenfalls auf die relativ kleine Zahl von untersuchten Kindern und Jugendlichen hin.

Ein Team um die Virologin Isabella Eckerle von der Uni Genf ging einen Schritt weiter als Drostens Team. Die Forscher untersuchten, wie viel tatsächlich infektiöses Virusmaterial in Proben von Neugeborenen, Kindern und Erwachsenen mit Covid-19-Symptomen nachweisbar ist. In einer ersten Veröffentlichung beschreiben sie, dass symptomatische Kinder aller Altersstufen eine vergleichbare Virusmenge wie Erwachsene tragen und sie innerhalb des frühen Stadiums der Krankheit "infektiöses Virus ausstoßen". Die Übertragung des Virus durch Kinder sei deshalb plausibel. 

Einen deutlichen Unterschied scheint es jedoch beim Ansteckungsrisiko von Kindern und Erwachsenen zu geben. Wie hoch dieses für verschiedene Altersgruppen ist, haben Forscher in China analysiert. Ihr in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlichter Artikel legt dar, dass Kinder nur um ein Drittel so anfällig sind, sich zu infizieren, wie Erwachsene zwischen 15 und 64 Jahren. "Gleichzeitig muss man aber auch sagen: Kinder haben vielleicht in der gleichen Altersgruppe, in der Kita und in der Schule, mindestens dreimal so intensiven Kontakt", ordnete Drosten diese Ergebnisse im Podcast vom 30. April ein.

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bua/fka/news.de/dpa