01.05.2020, 06.58 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Impfstoff in 2 Jahren! Wie viele Corona-Tote akzeptieren wir?

Die Debatte um eine Lockerung der Corona-Maßnahmen ist entfacht. Bei "maischberger. die woche" fordert der Virologe Alexander Kekulé ein langfristiges Ausstiegskonzept, da ein Impfstoff vermutlich noch Jahre auf sich warten lässt. Die Gesellschaft müsse Covid-19-Tote akzeptieren. Doch wie weit kann man dabei gehen?

Virologe Alexander Kekulé sieht einen Corona-Imfpstoff frühstens in zwei Jahren. Bild: dpa

Die harten Maßnahmen in Deutschland haben dabei geholfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Noch haben wir die Pandemie nicht überwunden, doch die Lage hierzulande hat sich stabilisiert. Die Rufe nach Lockerungen werden lauter. Am Mittwochabend (29.04.2020) sprach Sandra Maischberger im ARD-Talk "maischberger. die woche" mit dem Virologen Alexander Kekulé von der der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über seine Einschätzung.

Virologe prophezeit: Coronavirus-Impfstoff erst in 2 Jahren verfügbar

Kekulé fordert einen "vernünftigen Übergang vom Lockdown in eine neue Phase". Dafür sei es jedoch notwendig, Risikogruppen zu schützen. Man brauche ein alternatives Konzept, was langfristig tragfähig sei. Eine Ende ist nämlich noch nicht in Sicht. "Einen Impfstoff gibt es frühestens in einem Jahr", schätzt Kekulé. Allerdings könnte es auch zwei Jahre dauern. Solange könne man nicht zwischen Lockerungen und Beschränkungen hin- und herwechseln.

Coronavirus-News aktuell: Alexander Kekulé: "Wie viele Tote sind wir bereit zu akzeptieren?"

"Ich glaube, wir würden uns etwas vormachen, wenn wir glaubten, dass wir verhindern können, dass es Tote gibt, und einfach auf den Impfstoff warten", ist sich der Virologe sicher. "Auf der Strecke bis dahin hätten wir so viele Kollateraleffekte, dass das auch in Tote umzurechnen wäre, weil zum Beispiel die medizinische Versorgung nicht funktioniert." Wenn man Schulen und Biergärten öffne, werde dies unweigerlich zu einer Zunahme der Corona-Fallzahlen führen. Laut Kekulé sei die Frage, wie viele Tote die Gesellschaft bereit sei zu akzeptieren.

Grippetote gesellschaftlich akzeptiert! Covid-19 muss "ungefährlich" gemacht werden

"Grippetote haben wir sozial und gesellschaftlich seit Jahrhunderten akzeptiert", sagt Kekulé weiter. "Das Risiko gehört dazu, wie das Risiko, im Straßenverkehr überfahren zu werden. Da wird ja auch nicht das Autofahren verboten!" Man müsse es schaffen, Covid-19 genauso "ungefährlich" zu machen wie die Grippe. Damit könnte man leben, führt Kekulé weiter aus.

"Wenn wir es schaffen würden, dass wir die Risikogruppen schützen können, ohne sie einzusperren, würden wir das Risiko für die restlichen Bevölkerung in den Bereich senken wie die normale Grippe", ist sich der Virologe sicher. "Das würde eine Sterblichkeit von 1:500 bedeuten. Also 0,2 Prozent. Das ist wie eine schwere Grippe." Dabei seien Menschen zwischen 0 und 20 Jahren bis 20 Jahre völlig ohne Risiko. "Deshalb wäre es epidemiologisch sinnvoll, die Jüngeren weniger zu schützen als die Alten", sagt Kekulé zu Maischberger. "Auch da wird es Tote geben. Aber es gibt in Deutschland jedes Jahr ungefähr 30 Kinder und Jugendliche, die an einer ganz normalen Grippe sterben."

Auf der einen Seite könne man nicht versuchen, das Risiko zu verhindern und auf der anderen Seite gleichzeitig die Gastronomie wieder öffnen. "Wir brauchen ein Konzept, das mindestens hält, bis der Impfstoff da ist", fordert Kekulé.

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bua/loc/news.de

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