14.04.2020, 20.52 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Fehler im Corona-Kampf! Forscher wüten gegen Regierung

Wann können die Corona-Schutzmaßnahmen endlich gelockert werden? Verschiedene Experten haben Vorschläge vorgelegt. Doch die machen deutlich: Im Kampf gegen das Coronavirus hat die deutsche Regierung zahlreiche Fehler gemacht.

Die Experten sind für eine schrittweise Öffnung der Schulen. Bild: dpa

In der Corona-Krise stehen diese Woche erste Entscheidungen über eine Lockerung der strengen Regeln an. Am Mittwoch berät Bundeskanzlerin Angela Merkel darüber mit den Ministerpräsidenten der Länder. Die nationale Wissenschafts-Akademie Leopoldina plädierte am Montag für einen "realistischen" Zeitplan zurück zur Normalität. Die einflussreichen Wissenschaftler empfahlen, Schulen "sobald wie möglich" wieder zu öffnen - angefangen bei Grundschulen sowie Unter- und Mittelstufen. Dafür gab es Lob.

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Coronavirus-News aktuell: Voraussetzung für Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen laut Leopoldina

Die Leopoldina nannte allerdings auch zahlreiche Voraussetzungen, damit das öffentliche Leben wieder normaler ablaufen kann: Die Zahl der Neuinfektionen müsse sich auf niedrigem Niveau stabilisieren. Kliniken bräuchten genug Reserve. Schutzmaßnahmen wie Hygiene, Abstandsregeln und auch das Tragen von Schutzmasken müssten eingehalten werden. Dann könnten Einzelhandel und Gastgewerbe wieder öffnen, Menschen wieder reisen. Für den öffentlichen Personenverkehr empfehlen die Wissenschaftler eine Mundschutz-Pflicht.

Ende der Coronakrise erst mit Corona-Impfstoff

Eine Ende der Coronakrise ist den 26 Experten zufolge erst in Sicht, wenn ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden ist. Aktuell wisse man noch immer zu wenig über die Ausbreitung von Sars-CoV-2 in Deutschland und die tatsächlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie. Darum lautet die Forderung der Wissenschaftler: Man müsse endlich landesweit vernünftig und repräsentativ messen.

Top-Wissenschaftler kritisieren Vorgehen der Regierung im Kampf gegen Corona

"Die bisher stark symptomgeleiteten Datenerhebungen führen zu einer verzerrten Wahrnehmung des Infektionsgeschehens. Es ist daher wichtig, die Erhebung des Infektions- und Immunitätsstatus der Bevölkerung substanziell zu verbessern, insbesondere durch repräsentative und regionale Erhebung des Infektions- und Immunitätsstatus", heißt es in der Leopoldina-Studie.

Laut "Bild"-Zeitung haben die Top-Wissenschaftler auf insgesamt 15 Seiten ihre Forderungen und Bedingungen für dem Kampf gegen das Coronavirus formuliert. Dabei wird schnell klar: Bisher wurden grobe Fehler begangen.

Coronavirus News aktuell: Risikogruppen keinesfalls aussperren, Schulen öffnen

Zum Beispiel sprechen sich die Experten klar gegen eine Aussperrung von einzelnen Risikogruppen aus. Schulen müssten schrittweise wieder geöffnet werden, Kitas sollten, da kleine Kinder die Distanzregeln nicht einhalten, geschlossen bleiben. Zudem sollte es in den öffentlichen Verkehrsmitteln und Einrichtungen zwingend eine Maskenpflicht geben. Alles Schritte, die man hätte bereits umsetzen können.

Leopoldina-Experten fordern bessere Kommunikation zwischen Staat und Bevölkerung

Staatsbeteiligungen sollten laut Leopoldina "nur im äußersten Notfall zur Stabilisierung von Unternehmen eingesetzt werden". An der Schuldenbremse sei festzuhalten. Mittelfristig würden Impulse nötig werden. Dies könnten Steuerentlastungen sein oder das Vorziehen der Teilentlastung beim Solidaritätszuschlag "oder seine vollständige Abschaffung". In der Leopoldina-Stellungnahme heißt es weiterhin: "Grundrechtseinschränkungen müssen nicht nur ein legitimes Ziel verfolgen - was in der gegenwärtigen Situation mit dem Schutz von Leben und Gesundheit der Bevölkerung außer Zweifel steht." Dennoch habe der Staat die Pflicht, angesichts der Schwere der Maßnahmen "ständig zu überprüfen, ob nicht mildere Maßnahmen in Betracht gezogen werden können."

SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach erklärte diesbezüglich gegenüber der "Bild": "Es sollte zunächst nur ganz einzelne Lockerungen geben. Der Fokus muss auf der Wirtschaft liegen. Auf keinen Fall kann es um Lockerungen für ein riskanteres Freizeitverhalten geben."

Mehrheit der Deutschen gegen Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen

In der Bevölkerung überwiegt einer Umfrage zufolge bei vielen die Angst vor dem Virus noch die Sehnsucht nach Normalität. Die Mehrheit der Deutschen ist gegen eine Lockerung des Kontaktverbots. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur plädierten 44 Prozent für eine Verlängerung der Maßnahmen über den 19. April hinaus. 12 Prozent sind sogar für eine Verschärfung. Nur 32 Prozent sind für eine Lockerung, und 8 Prozent für eine Abschaffung der Einschränkungen.

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fka/loc/news.de/dpa

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